Kindheiten: Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden

Rezensionen zu "Kindheiten: Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Jul 2015 

    Mama, wo wohnt das Glück?

    Afrikanische Babys schreien viel weniger als deutsche; in japanischen Kitas fühlen sich die Kleinen viel wohler als in unseren; in Finnland leistet die Schul-Ambulanz erste Hilfe bei mangelndem Lernerfolg - es gibt noch viel mehr Beispiele gelingender Kindererziehung auf dieser Welt! Michaela Schonhöft war in Südostasien und Südamerika, in Skandinavien und Frankreich und anderswo und hat mit Eltern rund um den Globus gesprochen. Können es die anderen besser?

    Mama, wo wohnt das Glück?

    Diese Frage der zweieinhalbjärhigen Tochter der Autorin stellt schon den Dreh- und Angelpunkt dieses Buches heraus. Denn Glück als das wesentliche Erziehungsziel - darauf können Eltern sich weltweit über alle Sprachen, Kontinente und Kulturen verständigen. Doch wie das Glück zu definieren und zu erreichen ist, darüber haben sie alle sehr unterschiedliche Ansichten.

    Ein interessantes und gut recherchiertes Buch bietet Michaela Schonhöft hier, das Einblicke in die Kindheiten quer über den Globus vermittelt. Teilweise beruhen die Erkenntnisse auf eigenen Beobachtungen der Autorin durch Reisen in die verschiedensten Länder der Welt, teilweise beruft sie sich in ihren Ausfürungen aber auch auf Sekundärquellen wie Studien, Ratgeber und auch Medien.

    Angefangen bei der Schwangerschaft bis hin ins Erwachsenenalter präsentiert die Autorin die landestypischen Unterschiede. In China beispielsweise schicken viele Eltern ihre Kinder gleich in zwei Kindergärten - morgens in den 'normalen', nachmittags in den englischsprachigen. In den Niederlanden sind Überstunden nahezu verpönt - die arbeitsfreie Zeit gehört der Familie und damit den Kindern. Und in Deutschland ist es wichtig, dass Kinder sich von klein auf an Regeln und Grenzen halten.
    Aber auch das Heranwachsen der Jugendlichen ist erstaunlich unterschiedlich. Klar, die Kindheit endet nicht plötzlich - aber wie verschieden der Umgang mit der Pubertät sein kann, ist schon verblüffend. Dabei kristallisieren sich bei allen Unterschieden jedoch auch Gemeinsamkeiten heraus. So liegt beispielsweise dem oftmals nicht nachvollziehbaren Verhalten der Jugendlichen das dringende Bedürfnis zugrunde, sich zu bewähren. Statt von der Gesellschaft Mutproben gestellt zu bekommen (wie das Erlegen eines wilden Tieres) denken sich hierzulande die Jugendlichen eigene Bewährungsmöglichkeiten aus (wie der Diebstahl im Kaufhaus). In jedem Fall ein interessanter Gedankengang.

    Kindern geht es dort am besten, wo Erziehung als gemeinschaftliche Aufgabe betrachtet wird.

    Manches gerät hier in der Darstellung etwas wissenschaftlich-trocken, das meiste jedoch ist gut verständlich präsentiert und verschafft dem Leser einen wirklich guten Überblick über die kulturellen Unterschiede in der Kindererziehung. Damit ist das Buch in jedem Fall geeignet, um eigene und gesellschaftliche Werte gelegentlich doch einmal zu überdenken...

    Vielleicht kommen wir so ja dem Glück ein Stück näher?

    © Parden