Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder

Buchseite und Rezensionen zu 'Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder' von Antonia Blum
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder"

Berlin 1911: Die Schwestern Marlene und Emma Lindow können ihr Glück kaum fassen: Sie dürfen als Lernschwestern in der Kinderklinik Weißensee anfangen. Die forsche Marlene lernt schnell, die schüchterne Emma fühlt sich hingegen bald von ihrer Schwester zurückgesetzt. Denn Marlene hat sich gleich doppelt verliebt: in den vornehmen Assistenzarzt Doktor Maximilian von Weilert und in das noch junge Fachgebiet Kinderheilkunde. Sie ist fest entschlossen, selbst Kinderärztin zu werden. Doch der Weg nach oben ist steinig, der in Maximilians Familie erst recht. Emma geht in ihrer Rolle als Kinderkrankenschwester auf und entfernt sich immer mehr von ihr. Erst als das Leben des kleinen Fritz Schmittke am seidenen Faden hängt, erkennen Emma und Marlene, dass sie zusammenstehen müssen, um ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: den Kindern zu helfen.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:432
EAN:9783548064055

Rezensionen zu "Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder"

  1. Da will ich noch mehr von lesen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Dez 2020 

    Der Start von Marlene und Emma als Eleven in der Kinderklinik ist alles andere als leicht. Schon am ersten Tag fällt Marlene auf. Da der Oberin die Herkunft der Beiden aus dem Waisenhaus in Wedding bekannt ist, beschließt sie ein besonderes Auge auf die Mädchen zu haben. Das macht es für beide besonders schwer. Geradezu ungerecht empfand ich die Probezeit für beide in der Ausbildung, die bei den höheren Töchtern nicht angewandt wurde. Aber beiden ist klar, dass diese Ausbildung eine Riesenchance ist. Und dieser Gedanke ist es, der sie durchhalten lässt. Die Ungerechtigkeiten der höheren Töchter müssen sie aushalten. Es wird für Marlene noch schlimmer als bemerkt wird, dass Assistenzarzt Dr. Maximilian von Weilert sich für sie interessiert. Er bemerkt sehr schnell, wie wissbegierig und talentiert Marlene ist. Er ist derjenige, der versucht sie unauffällig zu fördern. Das macht Marlene noch angreifbarer, vor allem als bemerkt wird, dass beide Schwestern aus dem Waisenhaus kamen.

    Aber auch Emma schafft es sich in der Ausbildung durchzusetzen. Gerade bei ihr merkt man deutlich wie gut sie mit Kindern umgehen kann und wie sehr dieser liebevolle Umgang den kleinen Patienten hilft. Dass Emma sich verliebt ist Marlene gar nicht recht. Zu sehr macht sie sich Sorgen um ihre kleine Schwester und will sie nur beschützen. Aber genau das führt dazu, dass sich beide Schwestern entzweien. Sie reden nicht mehr miteinander und können sich auch nicht mehr beistehen.
    Ob es beide schaffen werden, trotz dieser Widerstände und Widrigkeiten ihren Weg zu meistern? Lest es selbst! Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ganz besonders interessant fand ich, dass dieser Roman in Anlehnung der echten Kinderklinik in Weißensee geschrieben wurde. Die Autorin hat die Geschichte dieser damals einmaligen Kinderklinik sehr anschaulich beschrieben. Viele von den Fakten waren mir nicht bekannt, der Ort aber schon. Denn die Kinderklinik, zumindest die traurigen Reste von ihr steht heute noch in Weißensee und ich bin damals oft daran vorbei gelaufen.

    Von mir ein großes Dankeschön an Antonia Blum, die uns die Historie der Kinderklinik Weißensee auf so eine wunderbare Art und Weise nahebracht hat.
    Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. Schwesternschülerin

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Dez 2020 

    Die Mutter stirb als die Schwestern Marlene und Emma erst sechs und vier Jahre alt sind. Auf dem Sterbebett hat ihr Marlene versprochen, sich immer um die kleine Schwester zu kümmern. Sie schafft es, dass sie auch im Waisenhaus nicht getrennt werden. Endlich ist die Zeit dort vorbei und gemeinsam bekommen die Geschwister die Möglichkeit, dem ersten Ausbildungsjahrgang im Jahr 1911 als Kinderkrankenschwester der neu gegründeten Kinderklinik Weißensee anzugehören. Mit Feuereifer beginnen die beiden jungen Frauen ihre Ausbildung. Neben den anderen jungen Elevinnen aus gutem Haus, fallen Marlene und Emma schon etwas auf mit ihrer einfachen Herkunft.

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es umfangreiche Weiterentwicklungen im Bereich der Medizin. Man erkannte, dass Kinder einer anderen Behandlung bedurften als Erwachsene. Und das führte dann auch zum Bau der ersten Kinderklinik im Umkreis von Berlin. Die beiden eng verbundenen Schwestern gegen die anderen, so scheint es. Marlene und Emma müssen mit ihrer einfachen Herkunft einfach auffallen. Jemand muss die Hand über sie halten. Wieso sonst hätten sie eine höhere Schulbildung genießen können und bekamen nun auch die Ausbildungsplätze. Das weckt Neid und Missgunst bei einigen Mitschülerinnen, besonders als herauskommt, dass die Beiden im Waisenhaus aufgewachsen sind. Und auch die Oberin fragt sich, wie gerade diese Schwestern in ihren Ausbildungsjahrgang kommen konnten.

    Wie sich nach einer kurzen Recherche herausfinden lässt, hat es die Kinderklinik tatsächlich gegeben. Leider existiert das Gebäude heute nur noch als Ruine. Doch um die Anfänge dieser Ruine hat die Autorin eine sehr spannende Geschichte geschrieben. Die Lehrzeit der jungen Frauen, die Aufbruchstimmung unter den Ärzten, aber auch die gesellschaftlichen Dünkel, die die Waisenschwestern erfahren müssen, das alles verbindet sich zu einer packenden Handlung. Der Beginn einer neuen Zeit zeichnet sich ab, die Entwicklung der modernen Medizin schreitet voran, aber auch ein Hauch des Kriegstreibens ist schon zu spüren. Marlene und Emma haben es während ihrer Lehrzeit nicht einfach und gefesselt verfolgt man ihren Weg über das Ausbildungsjahr. Das Buch bietet mit seiner Authentizität und seinen sympathischen Protagonistinnen eine tolle Überraschung dieses Winters.

    4,5 Sterne

  1. Eine Institution in Weißensee

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Dez 2020 

    Kinderklinik Weißensee
    Das Krankenhaus war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der fortschrittlichsten medizinischen Einrichtungen im Land. Es wurde errichtet, weil es eine hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit gab. Die Städte und Gemeinden fürchteten einen rapiden Rückgang bei den Kleinkinderzahlen. Extrem hohe Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit sollten in dieser Klinik bekämpft werden. Die erste kommunale Kinderklinik Preußens war hochmodern ausgestattet mit einer eigenen Milchkuhanstalt.
    Aus Milch von hauseigenen Kühen unter Einhaltung moderner hygienischer Standards wurde Säuglingsmilch hergestellt. Gleichzeitig setzen sich die Ärzte der Klinik jedoch dafür ein, das Stillen als beste Art der Säuglingsernährung zu fördern. Vortragsreihen und Kongresse werden organisiert, um das Konzept zu verbreiten.

    Inhalt
    Im Sommer 1911 beginnen die Waisenschwestern Marlene und Emma Lindow eine einjährige Ausbildung zur Kinderkrankenschwester an der gerade erst eröffneten Kinderklinik Weißensee.
    Als Waisen haben sie großes Glück, dass sie das Abitur machen konnten und nun die Elevinnen Schwesternausbildung in der Kinderklinik Weißensee bei Berlin beginnen.
    Die strenge Oberschwester weist beide bereits am ersten Tag in gesellschaftliche Gepflogenheiten, strenge Trennung der Stände, die mit Hochmut der Adelsschicht einhergeht ein. Zu dieser Zeit hatten nur sogenannte „höhere Töchter“ die Möglichkeit, eine Schwesternausbildung zu beginnen.
    Die beiden Schwestern widmen sich mit vollem Einsatz ihrer Ausbildung. Doch ihr Ansehen bei den anderen Lernschwestern, größtenteils aus „guten Häusern“ stammend, erweist sich als sehr schwierig. Sie schauen auf die Waisen herab, sie werden ausgegrenzt wegen ihrer Herkunft und ihrer dürftigen Kleidung. Besonders Marie-Luise, Tochter eines reichen Stahlfabrikanten, macht Marlene das Leben schwer. Es kommt zusätzlich auch zwischen Emma und Marlene zu einer Entfremdung, als Emma sich in einen Melker verliebt. Marlene plant im Anschluss an ihre Ausbildung Medizin zu studieren. Sie verliebt sich in einen jungen Arzt, der ihre Träume unterstützt. Doch dessen Eltern, Graf und Gräfin von Weilert, halten jedoch nichts von einer zukünftigen Schwiegertochter aus einfachen Verhältnissen. Sie möchten die Frau für ihren Sohn selbst aussuchen.
    Stil und Sprache
    Im Vordergrund stehen die gesellschaftlichen Ansichten und Rollenbilder. Politische Themen dieser Zeit bleiben im Hintergrund. Ein weiteres Thema, die Erkenntnisse der Kinderheilkunde (Pädiatrie), die in der damaligen Zeit noch in ihren Anfängen steckt, nimmt eine zentrale Rolle ein. Die Verbindung historischer Fakten zu den örtlichen Gegebenheiten und einigen agierenden Personen geben ein vages Bild ab, mit welchen Schwierigkeiten die Medizin seinerzeit konfrontiert war.

    „Es öffnet sich ein Tor in die Vergangenheit, wie die Autorin Antonia Blum es nennt!“

    Das Geschehen ist in einem sehr anschaulichen und lebendigen Sprachstil geschrieben. Die Autorin vermittelt gut recherchiert pflegerische Maßnahmen sowie neue diagnostische und therapeutische Ansätze (Lokalanästhesie, Röntgen, Magenspiegelung).

    „»Wir werden die Speiseröhre - wie damals bei der Magenspiegelung - mit Spezialbesteck dehnen und so eine Notspiegelung der Speiseröhre durchführen, um unsere Vermutung zu bestätigen oder zu verwerfen«, erklärte Doktor von Weilert der Runde […].“ (S.337)

    Auch psychologische Ansätze der Therapie von Kindern werden angesprochen. Emma zeigt auf diesem Gebiet besonders viel Einfühlvermögen. Sie versteht durch Singen und Geschichtenerzählen den oft verstörten Kindern die Angst zu nehmen.

    Im Autorennachwort und Literaturverzeichnis werden historische Quellen angegeben.

    Fazit
    Der Roman ist ein gelungener Einstieg in die Kinderklinik-Weißensee-Reihe. Die Schlussszene lässt Raum, für einen zweiten Teil.