Killing Lessons: Thriller

Rezensionen zu "Killing Lessons: Thriller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Mai 2015 

    Die Perversion der Gewalt

    Das Buch hat eher durchwachsene Kritiken. Die Reaktionen im Netz reichen von angeödeter Langweile über vorsichtiges Interesse bis hin zu echter Begeisterung.

    Ich? Ich liebe dieses Buch, vorbehaltslos. Es ist in meinen Augen grandios, einfallsreich, einzigartig und vor allem sprachlich innovativ. Ich konnte mich schon nach den ersten Seiten dem dunklen Sog der Geschichte einfach nicht mehr entziehen.

    Es ist sicher kein Thriller, wie man sie gewohnt ist, und ich denke, das ist Fluch oder Segen, je nachdem, was man erwartet und was man sich wünscht. Als Leser verbringt man viel Zeit in den Köpfen der verschiedenen Charaktere, lässt sich sozusagen treiben im Fluss ihrer Gedanken - und das kann mal ein dümpelndes Bächlein sein, dann wieder ein reißender Strom, je nach Situation.

    Das spiegelt sich auch wieder in der Sprache, mit der der Autor mutig und kreativ spielt. Mal ist sie düster-poetisch und beinahe malerisch, dann wieder brüllen die Gedanken der Protagonisten in abgehacktem Stakkato. Zugegeben, manchmal wurde mir das etwas zuviel, aber mir ist es tausendmal lieber, ein Autor geht innovative Wagnisse ein mit seiner Sprache und schießt dabei manchmal ein wenig übers Ziel hinaus, als einen belanglosen Schreibstil zu lesen, in dem man jede Metapher schon tausendmal gehört hat.

    Aus Sicht eines Opfers, das in Angesicht des drohenden Todes einen Moment der Klarheit hat:

    "Ihr ging auf, zum ersten Mal, dass dies seit Urzeiten Frauen passiert war, ein kurzer Blick auf die Milliarden, die Lebenden und die Toten, die gebrandmarkte Schwesternschaft, die nur zusehen konnte, die ihr nichts bieten konnte als dies: dass das hier ihre ureigenste Version der historischen Konstanze sein würde, ihre Vergewaltigung, ihr Tod."

    Aus Sicht der völlig übermüdeten, panischen, frustrierten Ermittlerin:

    "Die Worte schlurften in ihrem Kopf herum, schenkten ihr ein paar kostbare Sekunden, bevor der Fall sich zurückmeldete: Kühlung Campingmobil Liebesapfel stopft Gegenstände Eingeweide mit Fischmesser herausgeschnitten welcher Typ Fischmesser limitiert vielleicht Fischer zu viel Bildmaterial von der Autobahnpolizei Gabel in Vagine gestoßen er hat Katrina gekannt muss sie muss sie muss sie gekannt warum wäre sie andernfalls mitgekommen dann nicht ein Mann zwei Männer aber angefangen hat es mit einem Mann ich weiß nicht warum ich das weiß Kansas auf halber Strecke muss Cartwright noch mal anrufen die nehmen das nicht ernst muss wirklich muss wirklich..."

    Wenn man die Handlung bis auf die blanken Knochen abnagt, klingt sie vielleicht wenig originell: ein Serienmörder folgt seinen kranken Ritualen, während eine besessene, emotional völlig kaputte Kommissarin versucht, sein Denken zu verstehen, um ihn zu finden. Aber die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird, macht sie für mich dennoch zu etwas gänzlich Neuem, Unverbrauchten.

    Man muss der Geschichte Zeit geben - sich darauf einlassen, nicht zu sehr darauf drängen, dass es jetzt sofort mit der Mörderjagd weitergeht. Denn manchmal steht die Zeit still. Manchmal ist das Buch eher ein bedächtiges Porträt menschlicher Abgründe als ein klassischer Thriller, aber in meinen Augen war auch das spannend und auf beunruhigende Weise unterhaltsam.

    Die Handlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt: Aus Sicht der beiden Täter. Der des kleinen Mädchens, das ihnen entkommen ist, und des alternden Schriftstellers, bei dem sie Unterschlupf gefunden hat. Der von Detective Valerie Hart. Ich fand sie alle gut geschrieben, auch oder gerade weil der Autor gnadenlos all ihre Schwächen und Sünden vor dem Leser ausbreitet.

    Besonders Valerie ist für mich zur Identifikationsfigur geworden, und es tat manchmal beinahe weh, ihre wütende Frustration und ihre knochentiefe Erschöpfung nachzuempfinden. Der Fall frisst sie auf, bringt sie bis an ihre Grenzen und weit darüber hinaus.

    Ein Hinweis: der Thriller ist nichts für Zartbesaitete. Die Gewalt wird manchmal gnadenlos detailliert geschildert. Bücher und Filme suggerieren uns immer wieder, dass Serienmörder charismatische Gestalten sind, aber an diesen Morden ist nichts, was auch nur annähernd sexy ist. Sie sind brachial, pervers und verursachen unermessliches Leid.

    Fazit:
    "Killing Lessons" ist ein sehr ungewöhnlicher Thriller mit einem einzigartigen Schreibstil. Der Autor lotet die finstersten Geheimnissen der Charaktere bis zum Grund aus, ihre ureigensten Ängste. Mal baut sich die Spannung eher gemächlich auf, dann wieder überschlagen sich die Ereignisse in schwindelerregender Geschwindigkeit...

    So oder so, ich konnte das Buch kaum weglegen, und ich bin sehr froh, ihm eine Chance gegeben zu haben!

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 01. Apr 2015 

    chaotisch, wirr und überwiegend langweilig

    Inhalt:
    Es geschehen bestialische Morde, eine Frau nach der anderen wurde die letzten drei Jahre von ein und nachher zwei Männern ermordet. Beim letzten Fall konnte ein kleines Mädchen fliehen und Schutz in einer einsamen Hütte finde
    Detective Valerie Hart jagt die Täter nun seid Jahren und ist immer wieder ein Tick zu spät. Sie muss schneller werden und das Team besser verstehen um sie zu schnappen...

    Meine Meinung:
    Das Buch fängt sehr vielversprechend an. Als Leser wird man Zeuge des Mordes, der Gedanken des Opfers und auch der Kinder der Opfer. Unter anderem dem Mädchen was später entkommen soll. Saul Black verliert sich hier in seiner Beschreibung, kann aber die Spannung gut halten. Leider gelingt ihm das später kaum noch.

    Immer wieder gibt es interessante und auch spannende Stellen, doch oftmals wird dieser Spannungsbogen zerstört, einfach weil er sich verzettelt. Der Schreibstil ist eher typisch für einen Roman als für einen thriller. Alles ist zu sehr beschrieben. Sätze sind durch Klammern ineinander verschachtelt. Es gibt Gedankensprünge der Protagonisten denen ich nicht folgen konnte.

    Die Handlung klingt zunächst gut, doch auch hier gibt es Kritikpunkte.Kritikpunkte. Detective Hart erwähnt das es normal ist das die Lösung von Fällen lange dauern könnte und dann geht vieles fast wie von selbst. Dazu noch die abstrusen und chaotischen Gedankengänge der Ermittlerin und schon hatte ich mehr Fragezeichen über dem Kopf, als das mir Antworten gegeben wurden. Ich kam manchmal einfach nicht mehr mit und war mehrmals kurz davor dieses Buch zur Seite zu legen.

    Am Ende dachte ich: hätte ich es mal getan, denn für mich steigerte sich das Buch nicht mehr und die Spannung bzw. die Szene am Anfang war eine der besten im ganzen Buch. Schade, denn hier wäre ein bisschen weniger auf jeden Fall mehr gewesen.