Kaschmirgefühl. Ein kleiner Roman über die Liebe

Rezensionen zu "Kaschmirgefühl. Ein kleiner Roman über die Liebe"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Apr 2019 

    Interessant und unterhaltsam

    Gottliebs Leben ist unaufgeregt. Er arbeitet als Krankenpfleger im Hospiz und lebte bis vor Kurzem mit seiner Mutter zusammen. Romantik und Leidenschaft gibt es nicht bei ihm. Eines Nachts ruft er bei einer Sexhotline an und hört zum ersten Mal Maries Stimme.

    Dieser Roman hat mich positiv überrascht und mir sehr gut gefallen.
    Die Geschichte wurde in reiner Dialogform mit Spiegelstrichen erzählt und spielte in einer einzigen Nacht. Die Kapitel waren in Uhrzeiten unterteilt, so dass ich dem zeitlichen Ablauf sehr gut folgen konnte. Mit dieser Erzählvariante bin ich problemlos klar gekommen und ich konnte den Gesprächen der beiden Protagonisten bestens folgen. Ich hatte die beiden richtig vor Augen, wie sie an ihren Telefonen hingen und miteinander sprachen.
    Die Themen der beiden waren mal ernst, mal witzig und dabei stets interessant. Ich habe die Erzählungen, insbesondere die von Gottlieb, absolut geglaubt. Aber ob das wirklich alles wahr war oder ob er auch ein wenig davon erfunden oder etwas dazu gedichtet hatte, habe ich erst am Ende erfahren. Es gab ein paar Szenen, bei denen ich laut lachen musste, was mir sehr gut gefallen hat.
    Toll und fühlbar rübergebracht wurden die Sympathien, die sich schnell entwickelten und die beide empfanden. Mit dem Fortschreiten der Geschichte war es immer mehr spürbar, wie sehr beide diese Telefonate und die gemeinsame Nacht genossen.
    Die Geschichte konnte mich gefangen nehmen und ich war durchgängig gespannt, wie sie wohl enden mag.

    Ein interessanter und ungewöhnlicher Roman, den ich gerne gelesen habe. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Apr 2019 

    tolle Liebesgeschichte

    Ein Telefonanruf – und eine Stimme, die das ganze Leben verändert
    Gottliebs Tage sind nicht gerade von Leidenschaft erfüllt. Als Krankenpfleger im Hospiz ist er täglich mit dem Tod konfrontiert, Romantik im Privatleben: Fehlanzeige. Zu lange schon ist er Single, lebte bis vor Kurzem mit seiner Mutter zusammen. Von Einsamkeit getrieben ruft Gottlieb eines Nachts bei einer Sexhotline an. Zum ersten Mal hört er Maries Stimme – und mit einem Schlag verändert sich sein ganzes Leben.

    Bernhard Aichner hat sich auf ein neues Terrain gewagt - was ihm absolut gelungen ist.
    Den Titel finde ich perfekt dafür gewählt und das Ende war mehr als überraschend für mich und einfach nur - wunderschön. Mir hat es gut gefallen, der Geschichte von Marie und Gottlieb beizuwohnen und dabei immer wieder vom Autor an der Nase herum geführt zu werden. Eine tolle Leistung des Autors.

    Eine tolle kleine Lektüre für Zwischendurch - von meiner Seite gibt es eine Weiterempfehlung

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 01. Apr 2019 

    kurzweilig für Zwischendurch

    Von Bernhard Aichner kannte ich vorher nur Thriller, die mir aber sehr gut gefallen haben. Als ich den Titel 'Kaschmirgefühl' gelesen habe, habe ich mich schon gefragt, was für eine Art Thriller sich dahinter verstecken könnte. Umso überraschter war ich, als ich herausgefunden habe, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt.
    Nun denn man möchte ja keinen Autor nur in eine Genrerichtung drängen und so gab ich dem Buch eine Chance.
    Die Aufmachung ist sehr süß. Das kleine Büchlein liegt gut in der Hand und man kann das gestrickte auf dem Cover leicht erfühlen.
    Wenn man das Buch aufschlägt ist man erst einmal ein bisschen verwundert. Es ist nur im Gesprächsstil geschrieben. Keine einzige Seite ist komplett mit weiterführendem Text vollgeschrieben sondern wirklich nur ein Gespräch an einem Telefon wird beschrieben.
    Dadurch konnte ich nicht so richtig zu den Charakteren finden. Man erfährt wenig über sie und vor allem auch über ihre Gefühle. Bei den erzählten Geschichten ist man sich nie sicher, was wahr ist und was nicht, wobei der Autor am Ende der Story einen guten runden Abschluss gegeben hat. Der Schreibstil ist wie von Aichner gewohnt, locker flockig mit einem gewissen Witz.
    Man kann das Buch mal in einem Abend weglesen, aber man muss es nicht unbedingt gelesen haben.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 30. Mär 2019 

    Manchmal ist nichts wie es scheint...

    Nachdem ich von "Bösland" recht angetan war und es spannend finde einen Roman in Form von Dialogen zu erleben, begann ich interessiert dieses Buch zu lesen.

    In der Geschichte geht es um den einsamen Gottlieb, der bei einer Sexhotline anruft, um aus seinem jämmerlichen Alltag zu entfliehen, doch dann hat er Marie an der Strippe und er macht die Nacht mit ihr durch. Wird diese Begegnung sein Leben verändern?

    Der Roman besteht aus zahlreichen Kapiteln, die mit ihrer Bezeichnung verdeutlichen wie lange die Protagonisten telefonieren, denn alles beginnt um 20:15 Uhr, pünktlich nach der Tagesschau und endet am nächsten Morgen um 5:46 Uhr, als bereits die Sonne wieder aufgeht.

    Als Leser sollte man darauf gefasst sein, dass einen ausschließlich wörtliche Rede begegnet, was viel Freiraum für die Fantasie des Lesers lässt, aber durchaus auch zu Missverständnissen führen kann, wie wir immer wieder an den Auseinandersetzungen der Charaktere zu spüren bekommen.

    Gottlieb war mir von Anfang an nicht sonderlich sympatisch, was aber sicher auch damit zu tun hat, dass ich mich nur schwer in jemanden hineinversetzen kann, der bei so einer Hotline anruft. Seine Geschichten sind so übertrieben, dass man sie nur schwerlich glauben kann. An ihm wäre tatsächlich ein guter Groschenheftautor verloren gegangen, nicht ohne Grund vermutet Marie zwischendurch, dass er ein Autor sein könnte.

    Marie mochte ich da deutlich mehr. Was treibt eine Frau dazu sich so einen Job freiwillig anzutun? Ich mochte ihre ruhige Ausstrahlung und ihre Art Gottlieb um den Finger zu wickeln. Auch wenn sie macnhmal nicht sonderlich nett zu ihrem Anrufer ist, so kann weder Gottlieb noch der interessierte Leser böse auf sie sein.

    Fand ich die Dialoge anfänglich noch recht amüsant, gerade wenn es in Richtung Erotik abrutschte, so haben mich die Übertreibungen Gottliebs doch ganz schön genervt.

    Das Ende war für mich ungemein überraschend und dennoch schlüssig.

    Fazit: Ganz klar ein etwas anderer Liebesroman. Ich habe ihn mit gemischten Gefühlen gelesen und kann ihn daher nur bedingt empfehlen.

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 06. Mär 2019 

    Gottlieb und Marie

    Gottlieb fühlt sich einsam. Noch immer wohnt er in der elterlichen Wohnung, schläft in seinem Kinderzimmer, obwohl er längst erwachsen ist und die Eltern beide verstorben sind. Eines Abends wählt er die Telefonnummer einer Sex-Hotline. Dort hebt Marie ab. Er will keinen Dirty Talk, will nur reden und breitet sein Leben vor Marie aus.
    „Unter dieser Nummer gibt es keine Wahrheit. Damit solltest du dich ganz schnell abfinden. Sonst wird das nichts mit uns beiden.“
    Gottlieb und Marie erzählen von sich, es sind fabulöse Variationen ihrer echten Geschichte
    Ich möchte gar nicht sagen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Ich weiß dass Aichner nicht nur Thriller kann. Das nötigste über das Glück war beispielsweise ein zauberhaftes Märchen für Erwachsene. Kaschmirgefühl hingegen wirkt seicht, ein Geplänkel, das mich nicht berührt hat.
    Das ganze Buch besteht aus einem, eine Nacht dauernden Dialog zwischen Gottlieb und Marie. Es ist der typische Aichner-Sound, der das Buch beherrscht. Kurze, von Strichen abgesetzte Wortwechsel. Es gibt keinen Erzähler, keinen fließenden Text, einfach immer nur er sagt, sie sagt. Ein Markenzeichen, das hier im Übermaß strapaziert wird. Sprachlich simpel, dass es wie eine hingehudelte Schreibübung wirkt. Das Buch ist dünn, im Hardcover 188 Seiten, das E-Book überhaupt nur 75 Seiten. Da sieht man, wie Layout wirken kann. Das Buch einen Roman, wenn auch einen kleinen, zu nennen ist ja fast schon maßlose Selbstüberschätzung.
    Bitte, lieber Bernhard Aichner, bring uns wieder etwas wie den Max Broll oder die Totenfrau, schwarz, bitterböse und abgründig, das steht dir besser.