Kalt flüstern die Wellen

Rezensionen zu "Kalt flüstern die Wellen"

  1. Feuer auf St Agnes

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Mai 2020 

    Die Scilly Inseln sind ein sehr abgelegenes Stückchen Cornwall und liegen am äußersten Rand Europas. Das Leben war dort immer hart und die Fischer verdienten mühsam ihr Brot. Diese Umstände haben die Insulaner zu einem besonderen Menschenschlag geformt und sie sind nicht einfach im Umgang. Das muss auch Ben Kitto feststellen, der zwar selbst aus einer alteingesessenen Familie stammt, aber lange auf dem Festland lebte. Nun hat ihn sein Beruf als Polizeibeamter zurückgebracht und auch ihm begegnen die Einwohner mit einer Portion Misstrauen.

    Auf St. Agnes wurde die Leiche eines Bewohners gefunden. Offensichtlich gefoltert und anschließend verbrannt. Eine über den Leichnam geworfene Schaffelljacke führt zum „Vogelmann“, ein behinderter junger Mann, der nicht spricht und sich nur um verletzte Seevögel kümmert. Ein idealer Täter für ein vorschnelles Urteil. Doch Ben Kitto nimmt sich mehr Zeit hinter die Geheimnisse der Insel zu kommen. Unterschwellig scheinen die Bewohner einander misstrauisch zu beäugen, besonders Zugezogene, wie das Opfer Alex Rogan, der als Astronom sehr bekannt war oder die exzentrische Künstlerin Naomi Vine. Ben Kitto steht vor einem Rätsel, als auch er Drohungen in cornischer Sprache erhält.

    Die Liste der Verdächtigen ist lang und nur nach und nach und mit großen Widerwillen lassen sich die Einheimischen hinter die Kulissen schauen.

    Der Krimi wirkt düster, da trägt die Landschaft einen Teil bei. Stürme ziehen über die Inseln, der Fährverkehr ist unregelmäßig, Kitto meist nur allein oder mit seinem Mitarbeiter durch Sturm und Regen unterwegs. Die Autorin hat einen Reigen knorriger Charaktere geschaffen, die sehr gut in die Landschaft passen, die eigenbrötlerisch und verschlossen erscheinen. Auch die Figuren wirken düster. Motive für den Mord und die Drohungen sind bei vielen Protagonisten zu finden und nebenbei muss sich Kitto noch mit seinem Vorgesetzten herumschlagen, der per Telefon meist unsinnige Anweisungen gibt.

    Nach und nach enthüllen sich Motiv und ein mörderisches Beziehungsgeflecht, der Spannungsbogen ist dadurch gleichmäßig hoch. Auch der Twist zur Auflösung ist raffiniert. Insgesamt ist der Krimi solide aufgebaut und variiert die Themen in klassischen Krimis: ein eng umgrenztes Gebiet durch Witterung von der Umwelt abgeschlossen, eine Gemeinschaft die ihre Geheimnisse gut hütet und ihrer Mitte der Mörder, der die Polizei herausfordert.

    Das Ergebnis ist ein klassischer, solider Krimi mit viel Atmosphäre.