Juni 53: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Juni 53: Kriminalroman' von Frank Goldammer
4.35
4.4 von 5 (9 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Juni 53: Kriminalroman"

Sommer 1953. Der Alltag in der jungen DDR ist beschwerlich, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst und die Zahl derer, die das Land verlassen, steigt unaufhörlich. Mit harter Hand setzt die SED-Regierung ihre Forderungen durch. Auch Max und Karin Heller erwägen die Flucht in den Westen. Als es am 17. Juni zu großräumigen Protestbewegungen kommt, wird Heller zu einem Dresdner Isolierungsbetrieb gerufen: Der Leiter wurde brutal mit Glaswolle erstickt. Ein Opfer der Aufständischen? Heller hat einen ganz anderen Verdacht und sucht in den Wirren des Volksaufstands einen unberechenbaren Mörder. Währenddessen drängt Karin zu Hause auf eine Entscheidung: gehen oder bleiben?

Format:Broschiert
Seiten:352
EAN:9783423262323

Rezensionen zu "Juni 53: Kriminalroman"

  1. Bleiben oder gehen?

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Feb 2020 

    Es ist Frühsommer in Dresden 1953. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über das politische und wirtschaftliche System der jungen DDR wächst. Immer mehr Menschen überlegen in den Westen zu flüchten. Der geballte Unmut entlädt sich im Aufstand vom 17. Juni 1953, bei dem es zu einer Welle von Streiks und Protestkundgebungen kommt. Mitten in diesen Wirren muss Oberkommissar Max Heller den Mord an einem Betriebsleiter eines VEB aufklären, der in dem Isolierungsbetrieb in einem Behälter mit Glaswolle brutal erstickt wurde.
    Frank Goldammer lässt nun schon zum fünften Mal seinen Oberkommissar Max Heller ermitteln. Max Heller ist und bleibt der unbeugsame und unkorrumpierbare Mensch, beruflich wie privat. Er lässt sich nicht durch die Politik instrumentalisieren. Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich ein Mann mit diesen Eigenschaften solange im Polizeiapparat halten konnte. Immer mehr wird ihm bewusst, dass seine Weigerung, der Partie beizutreten, weder beruflich noch privat förderlich ist. Sein Hadern, die Last der Verantwortung seine Angehörigen gegenüber, die Überlegungen zu bleiben oder zu gehen, zeigen ein nachvollziehbares menschliches Bild eines anständigen Charakters.
    Der Fokus der Geschichte liegt stark auf der Bewältigung der täglichen Anforderungen in der DDR-Diktatur. Der Mord während des Juniaufstandes 1953 bildet in dem Kriminalroman das spannende Gerüst für eine intensive zeitgeschichtliche Auseinandersetzung.

  1. Dresdner Bücherregale: Nicht ohne Heller

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Feb 2020 

    Max Heller und ein Mord: Politisch oder nicht?

    Der Sommer 1953 blieb den Menschen in Deutschland auf unterschiedliche Art und Weise in Erinnerung. Vor allem in der DDR, denn dieser Sommer hat ein historisches Datum aufzuweisen: der 17. Juni ist der Tag des Volksaufstandes. Im Land brodelt es, auch in Dresden gehen Arbeiter auf die Straße.

    Der den Leser von Frank Goldammer bekannte Kriminaloberkommissar Max Heller steht am Morgen des 18. Juni in der Küche und bittet seine Frau an diesem Tag nicht zur Arbeit zu gehen, die Ziehtochter Anni soll auch nicht die Schule besuchen:

    „Ja, er hatte sie gesehen. Die wütenden Männer. Beim Sachsenwerk. Karin arbeitete dort in der Buchhaltung. Zuerst Waren es ein paar Hundert gewesen, dann ein paar Tausend, dann waren sie zu den ABUS-Werken gezogen. Schließlich sollten es nach Schätzungen der Polizei zwanzig-, dreißigtausend gewesen sein, und auf ihrem Zug durch die Stadt hatten sich ihnen immer mehr angeschlossen. Es war friedlich geblieben, bis auf ein paar Handgreiflichkeiten.
    Doch Karin wusste nicht alles. Er war erst spät in der Nacht heimgekommen, da hatte sie schon geschlafen.
    »In Leipzig waren hunderttausend auf der Straße. Sie haben das Volkspolizeikreisamt und das Funkhaus angegriffen, FDJler verprügelt. Es hat Tote gegeben. In Halle und Magdeburg waren es an die fünfzigtausend. Es gab viele Tote, auch Polizisten hat es getroffen. In Berlin sowieso, es gab Straßenschlachten, angeblich sogar MG-Feuer.« Heller fuhr sich nervös durchs Haar. »Karin, das ist kein Jux, glaub mir. Hier blieb es nur ruhig, weil die Sowjets gleich mit Panzern und die KVP unter schwerer Bewaffnung ausgerückt sind. Und wir wissen noch nicht, ob es Tote gab. Überall wird zum Generalstreik aufgerufen.«
    »Ich weiß doch, dass das kein Spaß ist, Max.« Karin verschränkte trotzig die Arme und lehnte sich an die Anrichte. Seine Worte hatten die Wirkung auf sie nicht verfehlt. Doch
    Heller kannte seine Frau, so schnell gab sie sich nicht geschlagen.
    »Wenn ich nicht zur Arbeit gehe, dann streike ich ja mit. Und Anni? Was denkt ihre Lehrerin?«
    »Du weißt, das ist nicht dasselbe«, mahnte Heller. Noch immer hingen ihm die Bilder des Vortages nach. Diese Menschenmasse. Und so viel Hass und Wut, die entweichen wollten. Die Leute waren zu allem bereit.
    »Sie wollen doch nur ein besseres Leben«, sagte Karin“. (Seite 6)

    Max Heller und Werner Oldenbusch bekommen erst einmal einen neuen Chef. Der berichtet von der Einrichtung eines Krisenstabes: „Vorerst sind sämtliche Genossen der Kriminalabteilung bis auf Weiteres der Leitung des Krisenstabes unterstellt. Unterkommissar Salbach wurde für unbestimmte Zeit abkommandiert. Diese Weisung kommt aus dem Präsidium. Für den heutigen Tag sind wieder Zusammenrottungen zu erwarten. Unsere erste Aufgabe ist es, dieses zu unterbinden. Größere Ansammlungen sollen, wenn nötig auch mit Waffengewalt, gesprengt werden. Es soll gezielt nach Rädelsführern gesucht werden. Die neuralgischen Punkte dieser Stadt sind von der kasernierten Volkspolizei und den Streitkräften unserer sowjetischen Freunde besetzt. Trotzdem müssen wir mit massiver Gewalt der aufgehetzten Menge rechnen. Wiederholt kam es gestern in der Republik zur Erstürmung von Untersuchungsgefängnissen und Zuchthäusern. Inhaftierte Spione, Agenten aber auch Kriminalstraftäter wurden befreit. In Berlin wurden die Streitkräfte der Sowjetarmee angegriffen. Es gab Tote und Verletzte."

    Anschließend informiert er die beiden, dass es im VEB Rohrisolation auf der Hamburger Straße einen Toten gäbe, den Betriebsleiter, und das der Parteisekretär des Betriebes vermisst wird. Heller und Oldenbusch sollen ermitteln und feststellen ob es poitische Hintergründe gibt, soll heißen, „von westlicher Hand initiiert und gelenkt sind.“ Außerdem wird ein Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit vor Ort auf die Ermittler warten.

    Der tote Betriebsleiter scheint wirklich ermordet worden zu sein, er liegt in einem Behälter voller Glaswolle und ist qualvoll erstickt... Die Glaswolle wird Max Heller so einfach nicht los...

    Zustände und Zuständigkeiten
    Das ist die Lage. Seit dem Max Heller nach dem ANGSTMANN suchte, wurden die Ermittlungen mehr oder weniger behindert. 1944 war es noch die GESTAPO, dann die Sicherheitsoffiziere der sowjetischen Militäradministration, nach Gründung der DD im Jahr 1949 das MfS, kurz bezeichnet als die Stasi.
    Das ist nun nicht anders. Da werden Tatverdächtige und Unverdächtige verhaftet ohne Absprache, Vernehmungen behindert oder deren Ergebnisse nicht geteilt, Machtspielchen auf der ganzen Linie. Max, der sich seit Jahren weigert, in die Partei einzutreten, geht nicht zu Saizew, den er bereits unmittelbar nach dem Krieg kennen lernte und der ihm gelegentlich half bei Tausend Teufeln und Vergessenen Seelen und dem Heller dann während der Ermittlungen zum roten Raben selbst helfen musste.
    Die Paranoia der Staatsmacht scheint übermächtig, hierzu sei später noch einiges ausgeführt. Ob die Vorgabe der Ermittlungsrichtung durch den Genossen Kommandeur der VP Bestand haben wird?
    Bisher wissen wir aus den Fällen 1 bis 4, dass vor dem Hintergrund politischer Vorstellungen immer noch ganz klassische Verbrechen geschehen.

    Max Heller im Zwiespalt
    Max Heller ist, auch dies ist nicht erst im Jahr 1953 deutlich geworden, nicht nur zwiegespalten in seinem neuen Fall. Der eine Junge, Erwin, lebt erfolgreich als Anwalt im Westen, Klaus dagegen gehört mit Überzeugung dem MfS an. Dann ist da noch die Frage, ob ein Parteieintritt nicht manches erleichtern würde. Zum Beispiel einen Heimplatz für die alte Frau Markwart. Die Frau, in deren Haus die ausgebomten Hellers Zuflucht fanden, war für Max, Karin und der kleinen Anni, immer eine große Stütze, doch nun ist ihre Demenz sehr weit fortgeschritten.

    Da ist Anni, die stolz ist, bei den jungen Pionieren zu sein. Karin meint, so weit sie weiß, lernen die Kinder da nichts Falsches. Doch die Zustände im Land, in dieser DDR, gegen die die Menschen auf die Straße gehen, und nicht nur wegen der aktuellen Arbeitsnormen sind so, dass die Regierung der Sowjetarmee bedarf, um Herr der Lage zu werden. Regelmäßig diskutieren Karin und Max, ob sie bleiben oder sich den Tausenden anschließen sollen auf dem Weg in die Bundesrepublik. Erwin würde helfen, aber was ist dann mit Klaus?

    Der Roman und der 17. Juni 1953
    Vor uns liegt kein Roman über den 17. Juni als solchen, unabhängig davon, dass die Handlung erst am 18. Juni einsetzt. Der 17. Juni bildet den Hintergrund, um Geschichte zu erzählen. Frank Goldammer führt uns durch Max Heller nun durch das achte Nachkriegsjahr, das vierte Jahr seit Gründung der beiden deutschen Staaten. Bücher über diese Zeit gibt es unzählige. Zwei davon seien genannt: Da ist ein Roman, der noch in den Fünfzigern geschrieben , aber erst im Jahr 1974 veröffentlicht wurde. Nicht in der DDR! Stefan Heym schrieb FÜNF TAGE IM JUNI. Heym beginnt seinen Roman am 13. Juni, Goldammer am 18. Es lohnt sich, Heyms Buch, welches immer aus unterschiedlichster Sicht umstritten war, im Zusammenhang mit Max Heller zu lesen. Man bekommt ein Gefühl für diese Zeit, wobei es sich um einen DDR-kritischen jedoch diesem Staat zugewandten Roman handelt.

    Zum Schluss

    Bei Frank Goldammer fiebert die treue Leserschaft weiter mit den Hellers. Interessant wäre, wo die Leserinnen und Leser die kleine Familie denn nun am liebsten sehen würden: diesseits oder jenseits der Elbe.

    Leicht macht es einem der Autor nicht. Die vielen Figuren auseinander zuhalten, fiel nicht leicht, die vielen Querverbindungen ebenfalls nicht. Das Problem empfand ich schon bei der Suche nach dem roten Raben.

    Natürlich mag ich solcher Art historischer Romane, auch weil weitere Recherchen so spannend und interessant sind. Der Titel des Romans und der Zeitraum sind hier natürlich besonders geeignet für derartige weitere Literaturrecherchen. Nun bin ich gespannt, was Goldammer in dieser Hinsicht weiter plant, auf die Gefahr hin, dass es nicht ausgeht, wie ich mir das persönlich wünschen würde. Die deutsche Geschichte bietet weitere historischen Daten an: 1956 und dann natürlich 1961.

    Warten wir es ab...

    Übrigens möchte ich hier auf einen weiteren sehr interessanten Beitrag verweisen: Auf Astrolibrium hat Arndt Stroscher seine Rezension veröffentlicht. Endlich.

    * Die Originalquelle konnte ich bisher nicht ausfindig machen, derselbe Text wird auf linken Internetseiten gelegentlich zitiert
    ** Dresdner Neumarkt 1953: Das einsame Lutherdenkmal vor den Frauenkirchen-trümmern gibt Orientierung. Im Foto oben ist es in der rechten Mitte auszumachen. Foto: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek Walter Möbius

    Goldammer, Frank: Juni 53 / DNB / DTV / München 2020 / ISBN: 978-3-423-26232-3 / 362 S.
    Kowalczuk. Ilko-Sascha: 17. Juni 1953 / DNB / Beck - Verlag 2019 / ISBN: 978-3-406-74020-6
    Frank Goldammer - Autorenseite

    © Der Bücherjunge (09.02.2020)

  1. Auch vor Dresden macht der

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Feb 2020 

    Auch vor Dresden macht der Volksaufstand von 1953 nicht Halt. In einem Betrieb, der Glaswolle produziert, wird wie auch anderswo gestreikt, danach wird in einer Wanne voller Glaswolle der Betriebsleiter tot aufgefunden. Das bringt einerseits die Mordkommission unter Heller ins Spiel, ruft aber wegen der politischen Implikationen auch die neu gegründete Staatssicherheit auf den Plan. Der zuständige Hauptmann Bech, mit dem Heller gemeinsam ermitteln muss, möchte die Tat zu gern vom kapitalistischen Westen aus gesteuerten "faschistischen Banden" anhängen, doch hat Heller, der eher alten kriminalistischen Methoden und vor allem seiner Intuition vertraut, daran so seine Zweifel. Es beginnt ein mörderisches Intrigenspiel, in dem Heller mehrfach Gefahr läuft, wegen seiner unbeugsamen Korrektheit bestraft zu werden, doch letztendlich behält er (noch einmal) die Oberhand.

    Juni 53 ist bereits der fünfte Roman Frank Goldammers über den Polizisten Max Heller, der im zerstörten Nachkriegsdresden den Neuaufbau der DDR erlebt. Dabei wird seine Arbeit immer wieder durch die großen Ereignisse der Geschichte, hier der Volksaufstand von 1953, beeinflusst, dieses Mal sogar so weit, dass Heller und seine kleine Familie ernsthaft die Flucht in den Westteil Deutschlands erwägen, in den es bereits einen seiner Söhne gezogen hat, während sich der zweite zu einem Apparatschick Stalinscher Prägung entwickelt hat. Letztendlich ist ein ein Zufall, der Heller in Dresden hält.

  1. Rezension von "Juni 53" von Frank Goldammer

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Jan 2020 

    "Juni 53" gehört in eine Reihe von Kriminalromanen um den Oberkommissar Max Heller, eine Figur, die der Autor Frank Goldammer entworfen hat, um die Geschichte Dresdens zu beleuchten. Das gelingt dem Autor sicherlich, wenn man seine begeisterten Fans hört und liest, "Juni 53" ist allerdings mein erstes Buch von Frank Goldammer und so richtig überzeugt bin ich nicht. Dabei ist dieses Buch ein wirklich spannender Krimi, den man kaum aus der Hand legen kann und der mich am Ende definitiv sehr überraschen konnte.

    Ein Toter wird in einem VEB in Dresden gefunden, ein Mann, der einen wirklich grausamen Tod gestorben ist. Im Hintergrund laufen die Geschehnisse des 17. Juni ab. Beides wird vom Autor recht gut miteinander verwoben, es entsteht eine spannende Geschichte mit vielen interessant gestrickten Charakteren und ich denke auch, dass die gesamte Geschichte/also alle Romane um Oberkommissar Max Heller sehr interessant und lesenswert ist/sind. Man kann auch durchaus mit diesem Buch hier in die Reihe einsteigen, dann fehlt dem Leser einiges aus Max Hellers Familiengeschichte. Aber es entsteht auch eine Neugier auf die restlichen Bücher, wie ich finde.

    Das Buch ist definitiv ein spannender Krimi mit interessanten Charakteren, aber die wirklich hohe Zahl an Toten hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, dies wirkt etwas reißerisch in meinen Augen. Ein weiterer klitzekleiner Punkt, den ich nicht perfekt umgesetzt fand, ist die Darstellung der DDR und des damaligen Lebens in diesem Staat, aber gut, dieses Buch ist ein Krimi und kein Roman. Und als Krimi ist dieses Buch recht gut gemacht und wartet mit viel Spannung auf. Denn dieses Meckern von mir hier ist Meckern auf hohem Niveau. Das Buch ist ein gut gemachter Krimi aus der Unterhaltungsliteratur und genau so sollte man es auch bewerten.

  1. Spannend erzählt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Jan 2020 

    Es sind unruhige Zeiten in Dresden. Der Aufstand der Arbeiter am 17. Juni 1953 ist gerade so richtig am Laufen, da wird im VEB "Rohrisolation" ein Toter in einer Maschinenanlage gefunden. Die Identität ist schnell geklärt. Es handelt sich um den Betriebsleiter, dem vormaligen Eigentümer der Firma bis zur Verstaatlichung. Ihm ist übel mitgespielt worden und sein Tod war grausam, es sieht geradezu wie ein Lynchmord aus. Wer hatte ein Interesse Martin Baumgart umzubringen? Die Ermittlungen für Heller und sein Team sind extrem schwierig, da auch gerade dieser Betrieb von den Aufständischen gestürmt und verwüstet wurde. Spuren danach zu finden sind äußerst schwer. Aber es kommt noch schlimmer. Das Ministerium für Staatssicherheit, die dabei sind den Aufstand niederzuschlagen, setzen Heller einen Ermittler vor die Nase. Für Hauptmann Bech sind alle verdächtig, alle sind subversive Objekte, alle waren am Aufstand beteiligt und haben Sabotage begangen. Deshalb werden erst einmal alle verhaftet und übelsten Verhören unterzogen. Für Heller geht es nur darum geht den Mörder zu fassen. Dabei kommen er und Hauptmann Bech sich immer wieder in die Quere.

    Dem Autor gelingt es in seinem Buch die damalige Situation um den 17. Juni 1953 packend einzufangen. Auf der einen Seite die Angst der Leute vor dem MfS, auf der anderen Seite der Unmut über die immer höher werdenden Forderungen nach Produktionssteigerung werden spannend dargestellt. Gerade am Beispiel von Max Heller zeigt er, wie schlimm die Situation war. Die ständigen Überlegungen von ihm und seiner Frau nun endlich in den Westen zu gehen, um dort ein neues ruhiges Leben bei ihrem anderen Sohn zu beginnen. Dann müssten sie aber Klaus ihren Sohn in der DDR zurücklassen, den sie wahrscheinlich nie wiedersehen würden. Erschwerend kommt hinzu, dass Klaus mittlerweile eine ziemlich hohe Position im MfS hat und seinen Vater immer wieder in die Schranken weist. Das sind Probleme von Heller, die jedermann nachvollziehen kann und die damalige Situation recht treffend herüberbringt.

    Ich fand es sehr spannend ein Buch über die Situation zu dieser Zeit zu lesen. Das ganze wurde durch den Krimi einfach noch viel spannender und war außerdem auch noch packend erzählt. Das hat mir richtig gut gefallen. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. Heller unter Druck

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Jan 2020 

    „Juni 53“ ist der 5. Band der Krimireihe um den sympathischen Kommissar Max Heller, der zeitgeschichtlich interessierte Leser in seinen Bann ziehen kann.

    Während in der noch jungen DDR die Unzufriedenheit der Bevölkerung stetig wächst und immer mehr Leute in den Westen fliehen, setzt die Regierung auf eine harte Linie. Im Juni 1953 kommt es auch in Dresden zu massiven Protesten gegen die DDR-Regierung. Im Zuge der Unruhen kommt der Leiter einer Firma für Isolationen zu Tode. Bald stellt sich heraus, dass es kein Unfall war, sondern dass er brutal mit Glaswolle wie eine Gans gestopft und damit erstickt wurde. Während Max Heller ermittelt und bald den Verdacht hegt, dass der Mord mit den Aufständen vermutlich gar nichts zu tun hat, muss er auch noch an anderen Fronten kämpfen. Beruflich ist Max Heller, der nicht in die SED eintreten will, schon lange aufs Abstellgleis geraten. Zudem bekommt er den Genossen Bech von der Stasi zur Seite gestellt, der aber eher Max Hellers Ermittlungen überwacht, kritisiert und sogar blockiert als die Lösung des Falles vorantreibt.
    Auch privat läuft es für Heller nicht rund. Seine Frau Karin drängt auf eine Entscheidung: sie möchte zu Sohn Erwin in den Westen gehen. Mit dem zweiten Sohn Klaus, der sich völlig dem sozialistischen System verschrieben hat, gibt es sowieso nur noch Konfrontation.
    Die Beschreibung des Alltags in der noch jungen DDR wirkt sehr authentisch und packend. Hellers Geradlinigkeit konnte schon in den vorhergehenden Bänden überzeugen. Seine Reflexionen zum jeweils herrschenden System und seine charakteristische Art, damit umzugehen, wecken immer wieder die Sympathien des Lesers. Durch seine Biographie und sein Familienleben wird dem Leser auf ganz anschauliche und authentische Weise Historie nahe gebracht. Allerdings gerät dadurch die eigentliche Krimihandlung etwas in den Hintergrund. Auch Hellers Alleingänge bei der Lösung des Falles wirken nicht immer ganz glaubwürdig. Dennoch ist ,,Juni 53" packend, unterhaltsam und besonders für Leser, die sich für Zeitgeschichte und Politik interessieren, empfehlenswert.

  1. Max Heller muss sich entscheiden

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jan 2020 

    Wir schreiben den 17. Juni 1953. Es gärt gewaltig im noch jungen Arbeiter- und Bauernstaat. Das Plansoll ist in allen Fabriken gewaltig, die Löhne gleichbleibend niedrig und die Versorgung mit allem lebensnotwendigen Dingen teuer und schwierig.

    In Dresden, Kriminalkommissar Max Heller Wirkungsstätte, eskaliert in einer Fabrik für Isolatoren der Aufstand. Einer der Leiter wird brutal ermordet und Hellers Ermittlungen kollidieren immer wieder mit den Befragungen der Staatssicherheit. Denn Heller kommen immer mehr Zweifel, dass der Aufruhr in der Fabrik der Grund für den Tod des Mannes gewesen ist. Erschwert wird seine Arbeit mit der politischen Zuspitzung. Heller ist immer noch nicht in die Partei eingetreten und er weiß, dass ihn das nicht nur am beruflichen Fortkommen hindert, er ahnt auch, dass er sich damit angreifbar macht. Aber seine Haltung ist eindeutig, er will kein Werkzeug einer Partei werden, das immer mehr die junge Demokratie mit Füssen tritt.

    Viele Menschen verlassen den Staat und auch Hellers Ehefrau Karin sieht keine Zukunft mehr für ihre Familie. Sohn Erwin lebt längst im Westen und mit Sohn Klaus, der sich ganz der Partei verschrieben hat, ist keine Verständigung mehr möglich.

    Vor diesem Hintergrund hat Frank Goldammer seinen neuesten „Max Heller“-Fall angesiedelt. Ein Kriminalroman, der ganz von den geschichtlichen Ereignissen geprägt ist. Diese zeitgeschichtlichen Bezüge machen für mich auch die Faszination der Bücher aus. Historie aus der Sicht eines kleinen Rädchens in der neuen Republik! Dies führt allerdings auch dazu, dass der reine Krimiplot sich unterordnen muss und das fand ich ein wenig schade.

    Allerdings ist das Personal in diesem Krimi wieder ganz lebendig und anschaulich beschrieben worden. Da gibt es die unverbesserlichen alten Nazis, die flugs ihr Fähnchen in den neuen Wind hängen, die stillen Mitläufer und natürlich auch die überzeugten Sozialisten, die ihrem Ziel alles unterordnen. Max Heller selbst und auch seine Frau haben in den vergangenen Jahren ihre Haltung bewahrt, sie wirken in ihrer Unerschütterlichkeit fast zu gut für diese Welt.

    Werden Max und Karin Heller nach all den Ereignissen in den Westen gehen? Geschickt lässt Frank Goldammer am Ende diese Entscheidung in der Schwebe und damit die Aussicht auf einen neuen Fall in Dresden offen.

  1. Aufstände und ein brutaler Mord

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Jan 2020 

    "Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten." (Johann W. von Goethe)
    Juni 1953:
    Bei einem Protest in einer Firma für Isolationen wird der Leiter Martin Baumgart brutal mit Glaswolle erstickt. Außerdem fehlt von Gerd Kruppa einem weiteren Mitarbeiter jede Spur. Heller und Oldenbusch ermitteln und bekommen zudem den Genossen Bech von der Stasi zur Seite gestellt, der besonders ein Auge auf Max gerichtet hat. Ist Baumgart gar ein Opfer der Protestbewegung oder steckt ein anderer Täter dahinter? Und nicht nur beim Aufbau der DDR geht alles sehr mühsam und langsam voran, sondern ebenso im Haushalt der Familie Heller. Frau Marquarts Demenz verschlimmert sich zusehends, dadurch gerät nicht nur Karin an ihre Grenzen. Währenddessen spitzen sich die Unruhen im Land zu, immer öfters kommt es zu Auseinandersetzungen, weil die Menschen unzufrieden sind. Doch die SED Regierung greift hart durch und so bleibt vielen nur entweder die Flucht aus dem Land oder zu schweigen. Darum denken Karin und Max immer öfters über eine Flucht in den Westen zu Sohn Erwin nach.

    Meine Meinung:
    Das gelungene Cover gibt Einblick auf eine unruhige Zeit beim Aufbau der damaligen DDR. Der Schreibstil ist flüssig, informativ und unterhaltsam, jedoch diesmal empfand ich es bisschen verworren, was den Plot anbelangt. Vielleicht liegt es daran, da ich mir bis dahin wenig Gedanken zu der DDR Vergangenheit gemacht habe. Dafür machte es das Geschehen umso spannender, weil ich den Täter bis zum Schluss nicht erahnen konnte. Über den damaligen Volksaufstand von 1953, bei dem viele unzufriedene Bürger der DDR auf die Straßen gingen und es zu einer extremen Fluchtwelle kam, wusste ich bis dahin recht wenig. Die Ignoranz der damaligen DDR Führung gegenüber der Arbeiterklasse, die zusehends unter der extremen Erhöhung der Arbeitsnormen, Armut und Hunger leidet, wird immer extremer. Schuld sind sicher die hohen Ausgaben für Reparationsleistungen und dem Aufrüsten des Militärs. Die zusätzlichen Enteignungen von Höfen, Firmen, anderem Eigentum und die Erhöhung der Abgaben setzt dem Volk außerdem zu. Kein Wunder also das es innerhalb der Bevölkerung zu Protesten kommt. Dadurch kommen viele Bürger in Haft, wo man nicht gerade zimperlich mit ihnen umgeht. Die meisten müssen brutale Folter über sich ergehen lassen, bei denen einige sogar sterben. In diesem Krimi wird wieder ein bedeutender Teil der ehemaligen DDR Geschichte aufgezeigt, den man sicher nicht vergessen sollte. Dass der sonst so ehrgeizige und neutrale Heller zusehends darunter leidet, dass er nicht der Partei zugehört, spürt man hier immer stärker. Ich bin gespannt, wie lange er das noch aushalten kann, ohne das es verheerende Konsequenzen für ihn oder seine Familie geben wird. Im Ansatz spürte ich es auch hier schon, was kommen könnte. Zum Glück hält Kollege Oldenbusch weiter zu Max und sie bleiben bisher noch immer ein gutes Team. Genosse Bech hingegen passt so gar nicht in dieses Team, seine Art wie er mit Heller und den Menschen umgeht gefällt mir überhaupt nicht. Besonders, weil man bei ihm nie weiß, wo man dran ist und was er als Nächstes plant. Hier spürt man sofort die extreme Präsenz der Stasi, die anscheinend überall ihre Augen und Ohren hat. Dadurch wird die Diskrepanz zwischen Max und Klaus ebenfalls immer extremer. Klaus, der durch seine Partei eine regelrechte Gehirnwäsche erhalten hat, ist ständig davon überzeugt, dass sie das richtige tun. Durch seine unfreundliche, bestimmende Art entfremdet er sich immer weiter von seiner Familie. Auch die Demenz von Frau Marquart wird hier gut dargestellt und berührt mich sehr, besonders weil sie für mich ein Teil der Familie Heller ist. Für mich war es diesmal eine etwas verwirrende Geschichte, die mich nicht ganz so überzeugen konnte wie die Bände zuvor. Trotzdem bleibt Frank Goldammer weiter ein bemerkenswerter Autor, dem ich gerne 4 1/2 von 5 Sterne gebe.

  1. Freiheit!

    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Jan 2020 

    Der 17. Juni – 36 Jahre lang Nationalfeiertag in der Bundesrepublik Deutschland als Gedenken an den Volksaufstand in der DDR 1953, heute fast vergessen. An dieses Ereignis erinnert Frank Goldammer in seinem 368-seitigen historischen Kriminalroman „Juni 53“, erschienen im Dezember 2019 bei dtv.
    Gerade an diesen geschichtsträchtigen Tagen wird – nun schon zum fünften Mal – Max Heller von der Dresdener Kripo an den Ort eines grausamen Verbrechens gerufen: Im VEB Rohrisolation findet man in einem Behälter – mit Glaswolle gestopft wie eine Gans – den Leichnam des ehemaligen Firmeneigentümers, Martin Baumgart. Außerdem gilt ein weiterer Mitarbeiter, Gerd Kruppa, als vermisst. Doch man macht dem Kripobeamten die Ermittlungen nicht leicht; die Mitarbeiter des MfS sähen am liebsten ein politisches Motiv für den Mord, um Querulanten und Aufständische inhaftieren zu können. Dennoch geht der parteilose Heller seinen eigenen Weg und stößt dabei auf Widerstand. Ebenfalls privat steht er vor großen Problemen. Haben er und seine Familie in der noch jungen DDR eine Zukunft? Soll er bleiben oder gehen?
    Mich persönlich hat beim Lesen eher das historische Ambiente als der Kriminalfall an sich angesprochen. Wie für die DDR-Politik typisch, wird der Täter erst einmal in den Reihen der politischen Gegner gesucht. Doch auch Bezüge zur noch nicht lange zurückliegenden nationalsozialistischen Vergangenheit werden hergestellt, es werden viele Verdächtige und Motive angeführt, sodass sich der ganze Fall unübersichtlich gestaltet. Hier hat der Autor eindeutig des Guten zu viel getan, um den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Manchmal ist weniger eben doch mehr. Überzeugen und überraschen indes kann die Lösung des Falls, was für manche Widrigkeiten beim Lesen entschädigt und mich dann doch befriedigt zurückgelassen hat.
    Sehr eindrücklich ist die Atmosphäre der noch jungen sozialistischen Republik eingefangen: Die Menschen stöhnen ob der schwierigen Versorgungslage und der immer weiter steigenden Arbeitsnormen, die kaum noch ein Mensch erfüllen kann. Auch freie Wahlen fordern die Bürger, sodass die Lage schließlich eskaliert und der Aufstand vom 17. Juni blutig niedergeschlagen wird. Der Ton der Parteibonzen ist rau und unterscheidet sich nur wenig von dem der Nationalsozialisten, Befragungen von Verdächtigen werden kombiniert mit Folter und haben einzig das Ziel, Geständnisse zu erpressen. In diesem Ambiente fällt es Heller schwer, objektive Ermittlungen zu betreiben – vor allem, da Ranghöhere und Mitarbeiter zum großen Teil hinter der Regierung stehen oder zumindest versuchen, sich mit dem Regime zu arrangieren. Doch auch in die Familien treibt die Politik einen Keil, wie man dem Verhältnis Hellers zu seinem Sohn Klaus entnehmen kann; Letzterer steht voll und ganz hinter dem Staat, was zu einer zunehmenden Entfremdung führt. Hauptmann Bech, der sich immer wieder in die Ermittlungen einschaltet, verkörpert den linientreuen MfS-Mitarbeiter, der die Ermittlungen eher erschwert als unterstützt. Darüber hinaus gibt es in diesem Buch parallel die Menschen, die einfach nur versuchen, ihre Nische zu finden, verkörpert z.B. durch Hellers Mitarbeiter Odenbusch, der als junger Ehemann weiß, dass er sich mit den gegebenen Umständen abfinden muss, möchte er sich in diesem Staat eine Zukunft aufbauen. Und ja, natürlich begegnen uns ferner Personen, die der Partei eindeutig ablehnend gegenüberstehen – und dieses teuer bezahlen, was besonders bitter aufstößt, wenn es sich dabei auch noch um Menschen handelt, die schon unter den Nazis zu leiden hatten. Alles in allem präsentiert hier Goldammer ein Bild des jungen Staates, das mit all seinen Grausamkeiten und Beschönigungen realistisch und detailliert gemalt ist – und das eben nicht in Vergessenheit geraten sollte.
    Das Ende des Buches legt nahe, dass es noch weitere Bände dieser Reihe geben wird. Dieses stimmt mich ein wenig nachdenklich bzw. kritisch, da ich persönlich für die Figur Heller keine Zukunft in der DDR sehe, sollte er sich der Staatsmacht nicht anpassen, was wiederum schade wäre.
    Insgesamt sei zusammengefasst, dass Frank Goldammer mit „Juni 53“ einen Kriminalroman vorlegt, der zeitgeschichtlich hoch interessant und authentisch ist und somit ein Stück deutscher Geschichte lebendig werden lässt, das man nicht oft genug erinnern kann. Auch wenn mich der Kriminalfall an sich nicht völlig überzeugen konnte, empfehle ich das Buch gerne zur Lektüre weiter.

  1. Aufstand

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Jan 2020 

    Die noch junge DDR sollte eigentlich ein aufstrebender Staat sein. Der Sozialismus ist zum Guten für alle Menschen, sie werden versorgt und ihre Arbeitsleistung läuft nach Plan. Doch die Menschen sind nicht zufrieden. Das Plansoll ist zu hoch und der Lohn ist nicht besonders hoch. Um den siebzehnten Juni 1953 kommt es zu Aufständen, die niedergeschlagen werden. Kommissar Max Heller, dessen Chef von einem Neuen vertreten wird, bekommt die Aufklärung eines Mordes übertragen. In einer Fabrik für Glasfaserprodukte wird ein Mitarbeiter in einem Behälter für die gefährlichen Fasern tot aufgefunden.

    Max Heller und besonders seine Frau Karin leiden an der DDR. Immer wieder kommt der Gedanke, zu ihrem Sohn Erwin in den Westen zu gehen. So wie viele andere Menschen das Land verlassen. Dass die Aufstände niedergeschlagen werden und die vermeintlichen Rädelsführer von dem Staatssicherheitsdienst verhaftet werden, bestärkt sie eher. Schließlich blicken sie einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Gesundheit der alten Frau Marquard, die sie aufgenommen hat, wird immer schwächer. Hellers Position bei der Polizei ist auch nicht die Beste, da er sich weigert in die Partei einzutreten. Und ihr jüngerer Sohn Klaus hat sich dermaßen dem neuen Staat verschrieben, dass er keinen guten Kontakt mehr zu seinen Eltern hat.

    Mit diesem fünften Band um Kommissar Max Heller thematisiert Frank Goldammer den Arbeiteraufstand vom 17. Juni. Der Mordfall in der Fabrik gerät dabei fast etwas ins Hintertreffen. Die Beschreibung des Lebens in der jungen DDR ist allerdings sehr fesselnd. Die Durchdringung des alltäglichen Lebens und Arbeitens durch die Politik, die Formung der Menschen durch den Staat, das wird durch die Schilderungen sehr plastisch. Schauderhaft wie da schon wieder ein Staat in seine Bürger hinein manipuliert. Wobei sich natürlich auch die Frage stellt, ob die Menschen im Westen nicht auch gesteuert werden, nur etwas subtiler. Aus heutiger Sicht wirkt diese Sicherheit, die der Staat verteilt, eher bedrohlich. Dennoch ist verständlich, dass etliche Menschen in der DDR ein gutes Leben führten. Ihnen fehlte nicht viel außer der Freiheit, die heute manchmal überhaupt nicht mehr geschätzt wird. Gerade indem der Autor aufzeigt, wie es damals war oder zumindest gewesen sein könnte, liegt die besondere Qualität dieses Romans. Es wäre schön, wenn es eine ehrliche Erinnerung gäbe, die Gutes und Ungutes aufzeigt.
    4,5 Sterne