Jude Fawley, der Unbekannte: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Jude Fawley, der Unbekannte: Roman' von Thomas Hardy
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5 von 5 (2 Bewertungen)

Buch mit Leinen-Einband
Jude Fawley, Steinmetz, von seiner Frau verlassen, trifft in Christminster seine verheiratete Cousine Sue Bridehead. Sie wird die Leidenschaft seines Lebens. Für die Gesellschaft bleiben sie durch ihre "wilde Ehe" geächtet. Doch als Judes Frau Arabella den gemeinsamen Sohn aus Australien schickt und Jude und Sue ihn mit den eigenen Kindern aufziehen wollen, beginnt eine Tragödie auf Leben und Tod. Thomas Hardys größtes Werk weckte im England des 19. Jahrhunderts einen solchen Entrüstungssturm, dass er nie wieder einen Roman schrieb. Eine der dramatischsten, leidenschaftlichsten Liebesgeschichten in der englischen Literatur - in der packenden Neuübersetzung von Alexander Pechmann.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:640
EAN:9783446258280

Rezensionen zu "Jude Fawley, der Unbekannte: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Jul 2019 

    Ein Buch über die Liebe und gleichzeitig eine Kritik an Moral, G

    Eines sollte dem geneigten Leser klar sein, der zu einem Klassiker greift. Die Sprache hat nicht unseren Sprachklang, ist demzufolge nicht ganz so einfach zu lesen. Ich habe einige Zeit gebraucht. Aber ich kann sagen es lohnt sich! Thomas Hardy war ein fortschrittlicher Geist seiner Zeit und hat hier ein Buch geschrieben, welches an den Grundfesten einer vergangenen Zeit rüttelt. Er hat mit diesem Buch einigen Aufruhr erzeugt! Einen Aufruhr, der den Autor schließlich dazu bringt keinen Roman mehr schreiben zu wollen. Wenn man das Buch liest/gelesen hat, versteht man auch warum dieser Aufruhr kam. Mit diesem Text greift der Autor feststehende Größen an, die sich natürlich wehren. Man kann sich natürlich auch fragen warum diese sich wehren. Wie heißt es so schön bei den getroffenen Hunden? Sie bellen!

    Zur Geschichte: Es geht um das Leben von Jude Fawley, aus einfachen Verhältnissen kommend, seine Eltern hatte er früh verloren, wächst er bei seiner Großtante Drusilla Fawley auf. Schon früh wächst in ihm ein Interesse am Lernen/am Lesen/an fremden Sprachen. Er wird erwachsen, arbeitet und trotz gegenläufiger Meinungen hält er an seinen Zielen fest. Er möchte nach Christminster ziehen und zum Studieren in das dortige College gehen. Dann läuft ihm die durchtriebene Arabella Donn über den Weg. Ähnlich wie Jude hat auch seine Cousine Sue Bridehead Ziele und Vorstellungen, die nicht mit den Zielen der Allgemeinheit gleichzusetzen wären. Auch sie verfolgt diese und ist nur vom Charakter her etwas wankelmütiger als Jude. Ihr läuft zum Unterstützen ihrer Ziele Judes ehemaliger Lehrer Richard Phillotson über den Weg. Alle vier bewegen sich fortan durch den Roman auf der Suche nach dem Glück und dieser Weg wirkt manchmal für manchen der Vier wie ein Albtraum.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Apr 2019 

    Überragend tragikomische Gesellschaftskritik

    „Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil.“ (S. 538)

    Thomas Hardy – ein Name, der sich in Zukunft nicht mehr aus meinem Gedächtnis bannen lässt, auch wenn ich ihn erst vor Kurzem „vernommen“ habe. Der britische Autor war mir nämlich bis dato völlig unbekannt gewesen. Aber da man ja wissbegierig durch die Literaturwelt wandert und auf dieser Wanderung immer wieder Menschen trifft, die (belesener) sind als man selbst, lernt man immer wieder unbekannte Autor*innen kennen und fragt in Richtung derselben (in Anlehnung an einen meiner Lieblingsfilme „Das letzte Einhorn“): „Wo bist du gewesen?“

    Okay, bevor jetzt Augen gerollt werden ob des obigen Geplänkels fange ich mal lieber mit der Rezension zu „Jude Fawley, der Unbekannte“ an *g*.

    Genannter Roman war (nicht nur) lt. dem Nachwort des Übersetzers der letzte von Thomas Hardy geschriebene. Und das aus (heutiger) Sicht nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen. Thomas Hardy lässt seine Protagonisten Jude und Sue (Cousin und Cousine) an ihren eigenen Träumen scheitern,

    „Erst jetzt, da er seinen Sehnsuchtsort tatsächlich erreicht hatte, erkannte Jude, wie weit er wirklich entfernt war von seinem ersehnten Ziel. Nur eine Mauer trennte ihn von seinen glücklichen jungen Zeitgenossen, deren Geistesleben er teilte; Männern, die von früh bis spät nichts anderes zu tun hatten als lesen, Notizen machen, lernen und geistig verdauen. Nur eine Mauer – aber was für eine!“ (S. 122/123)

    lässt nicht zu, dass sie sich so lieben, wie sie könnten, wenn sie wirklich wollten (auch wenn das aus meiner Sicht eher ein Problem von Sue denn von Jude ist) – und so wird die Leserschaft Zeuge, wie beide (immer wieder) in unglücklichen Ehen landen; ein tragisch endender Teufelskreislauf…

    Hardy übt (versteckte und offene) Kritik – nicht nur an dem heiligen Sakrament der Ehe, sondern auch an der „Uneinnehmbarkeit“ der Wissensvermittlung von Universitäten gegenüber der einfachen Landbevölkerung oder dem Proletariat.

    „Die Häuschen standen verdüstert im Schatten der Universitätsgebäude, in denen das Leben so weit von dem der Gassenbewohner entfernt war, als befänden sie sich auf entgegengesetzten Erdteilen; dennoch trennte sie nur die Dicke einer Mauer.“ (S. 489)

    Das alles (und noch viel mehr) hat seinen Teil dazu beigetragen, dass das Werk (nicht nur) bei kirchlichen „Würdeträgern“ nicht sonderlich gut ankam und es von jenen nachweislich verbrannt wurde. Erschreckend…

    Das Ende von Jude und dieses (trotz seines im Mittelteil dramaturgischen Hängers) überragenden Romans hat mich tief getroffen und bestürzt. Und trotzdem war es bereits am Anfang „abzusehen“, dass es so enden würde:

    "Diese angebliche Charakterschwäche deutete bereits an, dass er als ein Mensch geboren wurde, der ein großes Maß an Leid erdulden muss, bevor der Vorhang über sein nutzloses Leben fällt und anzeigt, dass wieder alles gut für ihn ist." (S. 20)

    Und so bleibt mir jetzt nichts weiter übrig, als den Sack mit (Rezensions-) Sternen zu öffnen, fünf von ihnen aus der Dunkelheit zu entlassen und sie diesem Meisterwerk ans Revers zu heften und zu hoffen, dass Romane wie dieser nie aussterben!