Jahrmarkt der Eitelkeit

Rezensionen zu "Jahrmarkt der Eitelkeit"

  1. Jahrmarkt der Eitelkeiten - Ein unterhaltsames Sittengemälde

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Sep 2018 

    Thackeray nimmt in seinem Roman die Marotten der sog. bessere Gesellschaft zu Anfang des 19. Jahrhunderts in England auf‘s Korn. Im Mittelpunkt stehen Rebecca Sharp und Amelia Sedley. Rebecca ist die Tochter einer Balletttänzerin und eines Malers, mit der Ambition, es im Leben zu etwas zu bringen. Amelia stammt dagegen aus wohlhabenden Verhältnissen und träumt lediglich davon, ihr Leben mit George, ihrer Jugendliebe, zu verbringen.

    Das Leben hält indes für beide eine Reihe von (teils unangenehmen) Überrschungen bereit. Für beide geht es auf und ab. Rebecca schafft es von der Gouvernante zur Ehefrau eines Lords. Allerdings wird ihr Gatte daraufhin enterbt und beide werden gemeinsam Meister darin, auf Kredit bzw. von fast Nichts zu leben. Sie steigen in der Gesellschaft auf und Rebecca scheint dem erträumten Erfolg ganz nah zu sein.

    Für Amelia ziehen dagegen erste Schatten auf. Ihr Vater macht Bankrott. Georges Vater verbietet ihm daraufhin die Heirat mit Amelia. Die beiden heiraten trotzdem, woraufhin Georg enterbt wird. Amelia arrangiert sich indes mit den neuen Bedingungen. Sie bekommen einen Sohn. Als der Krieg ausbricht, muss George in die Schlacht ziehen. Er fällt in der Schlacht. Für Amelia beginnt eine Jahre lange Trauerzeit. Ihr einziger Lichtblick ist ihr heiß geliebter Sohn Georgy. Hilfe und Unterstützung bekommt sie von Dobbin, einem engen Freund ihres verstorbenen Gatten, der heimlich in sie verliebt ist.

    Das Rad der Fortuna dreht sich und bringt für Amelia und Rebecca sowohl Hochzeiten als auch Tiefpunkte. Am Ende bekommt jede von ihnen, was sie verdient.

    Der Roman zeichnet sich durch eine besondere Erzähltechnik aus. Thackeray lässt die Geschichte aus der Sicht des allwissenden Erzählers erzählen. Der Erzähler nimmt die Rolle eines Theaterdirektors ein, der den Leser häufig direkt anspricht. Die Geschichte wird dadurch präsentiert wie ein Theaterstück, das auf dem Jahrmarkt aufgeführt wird. In dieses Setting passt auch der Tonfall, den Thackeray dem Erzähler/Theaterdirektor in den Mund legt. Die Darstellung strotzt vor Ironie und Bissigkeit; aber auch kluge Lebensweisheiten werden eingestreut.

    Insgesamt erweist sich dieser Klassiker als überraschend leicht lesbar und unterhaltsam. Leider hat der Roman aber auch einige Längen, daher insgesamt vier Sterne.