Jagdtrieb: Kriminalroman

Rezensionen zu "Jagdtrieb: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Feb 2019 

    Gibt es liebenswerte Anwälte

    Aus ungeklärten Umständen begeht Oscar Colossa Selbstmord. Sein Neffe Paul, Anwalt in München, erbt nun Onkel Oscars Haus und Kanzlei in der Kleinstadt mit allem Drum und Dran, Untermieterin, Kanzleidame und Klienten. Es sind kleine alltägliche Fälle, die Paul nun übernimmt, bis eines Tages die erste „Fünf Sterne“ Mandantin sein Büro betritt: Maja Rivinius, 21-jährige Tochter eines russischen Unternehmers, deren Exfreund sie unaufhörlich stalkt. Bald begibt sich Paul beruflich und privat auf gefährliches Terrain.
    Gibt es liebenswerte Anwälte? Ja, definitiv: Paul Colossa. Paul ist als Anwalt äußerste bemüht, stolpert aber immer wieder von einem Fettnäpfchen ins nächste. Wenn es Fräulein Christiane nicht gäbe, die Kanzleidame, eine Mischung aus Mutter und Zerberus, wäre er völlig aufgeschmissen. Und sein Kumpel Attila muss ihn aus problematischen Liebesdingen immer wieder heraushelfen. Aber sein Herz hat Paul am rechten Fleck.
    So wie Paul Colossa ist der Autor Hendrik Esch im echten Leben auch Anwalt. Daher sind die Auftritte vor Gericht sehr authentisch. Pauls Betrachtungen zum Anwaltsberuf – das unbeschriebene Blatt, das sich von Fall zu Fall, von Klient zu Klient, füllt und wieder leert, gefielen mir sehr gut. Der Autor betont selbst, dass es sich bei seinem Debütroman nicht unbedingt um einen klassischen Krimi handelt. Die Handlung lebt von den skurrilen Figuren und den originellen Einfällen des Autors. Fast harmlos und heiter liest sich das Buch, hat beinahe ein bisschen Charakter einer Vorabendserie. Doch dann - Wolf Haas würde sagen „Jetzt ist schon wieder etwas passiert!“ – und wenn’s passiert, dann ordentlich. So habe ich mich auch ordentlich unterhalten gefühlt!