Isidor: Ein jüdisches Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Isidor: Ein jüdisches Leben' von Shelly Kupferberg
4.6
4.6 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Isidor: Ein jüdisches Leben"

Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072068

Rezensionen zu "Isidor: Ein jüdisches Leben"

  1. Ein wahrlich brillantes Buch!

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:
    „Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.“

    „Isidor“ - allein der Name hat schon etwas kämpferisches, Großes und hat zudem eine besondere Bedeutung. Der Name kommt aus dem hellenistischen Griechischen und bedeutet „Geschenk der Isis“. Was hat das mit unserem Protagonisten zu tun? Eine ganze Menge, denn Isidor ist ein Kämpfer und hat mich von der ersten bis zu letzten Seite in diesem Buch beeindruckt. All das was er geschafft hat, was aus ihm geworden ist und wo er nun hier im Buch steht kommt nicht von ungefähr. Man könnte nun spekulieren, er sei geltungssüchtig. Falsch. Sein Glaube und der Kampf um diesen haben ihm zu den gemacht was wir hier erlesen dürfen/durften. Die Gesellschaft hat Isidor geprägt, seine Erfahrungen haben ihn geprägt und eben alle Erlebnisse obendrauf - und immer wieder steht sein jüdischer Glaube dabei an erster Stelle. Autorin Shelly Kupferberg hat hiermit ein wahres Lesehighlight 2022, für meine Begriffe, geschrieben! Ihre Geschichte ist weder reißerisch laut noch leise. Sie hat den Ton den es braucht perfekt gewählt und sie zeigt uns mit äußerster Sorgfalt einen Menschen, den es versuchen gilt, zu verstehen. Gelingt uns das? Oh ja! Dem Leser eröffnen sich hier fast kleine Welten jeglicher Richtung und das ist wahre Literatur! Kupferberg hat durch ihre persönliche Nähe zu „Isidor“ selbstredend einen besonderen Blick auf ihren Urgroßonkel. Sie hat eine ganz besondere Gabe und Art uns seine Geschichte zu erzählen. Alles trifft schlussendlich auch heute noch auf die Gesellschaft zu. Erschreckend? Und ob. Kupferbergs Wortwahl und auch ihr Ausdruck sind perfekt gehalten. Sie hat hier wirklich das richtige Flair an Feingefühl reingelegt und ist niemals wertend. Sie lässt dem Leser genügend Raum für eigene Gedankengänge und somit darf man auch mal kurz aufschauen beim lesen und nachdenken, ein wenig philosophieren, es wirken lassen.
    Dieses Buch ist einfach brillant geschrieben und jetzt fragen Sie sich bestimmt noch was das Reh auf dem Cover zu suchen hat? Nur so viel: es passt einfach perfekt und lesen Sie die Geschichte bitte! Die Auflösung hierzu ist genial! Alles passt hier so grandios zusammen, dass es nur so ein Fest war dieses Buch zu lesen, zu genießen, zu inhalieren! Auch anderen Lesern ist dies aufgefallen und (fast) alle kamen zur selben Erkenntnis: das Reh passt einfach wie die Faust aufs Auge!
    Das Buch hat mehr als 5 Sterne verdient!

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  1. Ein wahrlich brillantes Buch!

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:
    „Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.“

    „Isidor“ - allein der Name hat schon etwas kämpferisches, Großes und hat zudem eine besondere Bedeutung. Der Name kommt aus dem hellenistischen Griechischen und bedeutet „Geschenk der Isis“. Was hat das mit unserem Protagonisten zu tun? Eine ganze Menge, denn Isidor ist ein Kämpfer und hat mich von der ersten bis zu letzten Seite in diesem Buch beeindruckt. All das was er geschafft hat, was aus ihm geworden ist und wo er nun hier im Buch steht kommt nicht von ungefähr. Man könnte nun spekulieren, er sei geltungssüchtig. Falsch. Sein Glaube und der Kampf um diesen haben ihm zu den gemacht was wir hier erlesen dürfen/durften. Die Gesellschaft hat Isidor geprägt, seine Erfahrungen haben ihn geprägt und eben alle Erlebnisse obendrauf - und immer wieder steht sein jüdischer Glaube dabei an erster Stelle. Autorin Shelly Kupferberg hat hiermit ein wahres Lesehighlight 2022, für meine Begriffe, geschrieben! Ihre Geschichte ist weder reißerisch laut noch leise. Sie hat den Ton den es braucht perfekt gewählt und sie zeigt uns mit äußerster Sorgfalt einen Menschen, den es versuchen gilt, zu verstehen. Gelingt uns das? Oh ja! Dem Leser eröffnen sich hier fast kleine Welten jeglicher Richtung und das ist wahre Literatur! Kupferberg hat durch ihre persönliche Nähe zu „Isidor“ selbstredend einen besonderen Blick auf ihren Urgroßonkel. Sie hat eine ganz besondere Gabe und Art uns seine Geschichte zu erzählen. Alles trifft schlussendlich auch heute noch auf die Gesellschaft zu. Erschreckend? Und ob. Kupferbergs Wortwahl und auch ihr Ausdruck sind perfekt gehalten. Sie hat hier wirklich das richtige Flair an Feingefühl reingelegt und ist niemals wertend. Sie lässt dem Leser genügend Raum für eigene Gedankengänge und somit darf man auch mal kurz aufschauen beim lesen und nachdenken, ein wenig philosophieren, es wirken lassen.
    Dieses Buch ist einfach brillant geschrieben und jetzt fragen Sie sich bestimmt noch was das Reh auf dem Cover zu suchen hat? Nur so viel: es passt einfach perfekt und lesen Sie die Geschichte bitte! Die Auflösung hierzu ist genial! Alles passt hier so grandios zusammen, dass es nur so ein Fest war dieses Buch zu lesen, zu genießen, zu inhalieren! Auch anderen Lesern ist dies aufgefallen und (fast) alle kamen zur selben Erkenntnis: das Reh passt einfach wie die Faust aufs Auge!
    Das Buch hat mehr als 5 Sterne verdient!

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  1. Ein literarischer Stolperstein für den Urgroßonkel

    Einer jüdischen Tradition gemäß stirbt ein Mensch zweimal: wenn das Herz aufhört zu schlagen und wenn sein Name zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird. Genau wie der Künstler Gunter Demnig mit den von ihm erdachten Stolpersteinen oder der norwegische Autor Simon Stranger mit seinem Buch "Vergesst unsere Namen nicht" verschiebt auch Shelly Kupferberg mit ihrem Debüt diesen zweiten Tod ihres Urgroßonkel Dr. Isidor Geller. Nicht nur sein Leben zeichnet sie nach, auch das seiner Eltern, Geschwister, seines Neffen, seiner Geliebten und anderer, Schicksale, die ich teilweise sogar noch interessanter fand. Initialzündung für das Buchprojekt der 1974 in Tel Aviv geborenen, in Westberlin aufgewachsenen und heute in Berlin lebenden freien Journalistin und Moderatorin war ihre Moderatorentätigkeit bei einer internationalen Tagung zu Nazi-Raubkunst und Provenienzforschung in Berlin, die sie an diesen sehr betuchten Vorfahren erinnerte. Ihr detektivischer Spürsinn war geweckt und aus dem Plan zu einem Radiofeature wurde nach überraschend ergiebigen Funden von Fotoalben, Dokumenten und Familienbriefen auf dem großelterlichen Hängeboden in Tel Aviv, in Wiener Archiven und bei der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde dieses Buch. Eingeflossen sind außerdem Erinnerungen ihres verstorbenen Großvaters Walter Grab, der vor seiner Flucht als Neunzehnjähriger 1938 von Wien nach Palästina dem legendär reichen und erfolgreichen Onkel in dessen Kanzlei nachfolgen sollte und damit ein „gemachter Mann“ gewesen wäre.

    Aufstieg und Fall
    Als Sohn eines Talmudgelehrten im armen ostgalizischen Dorf Lokutni geboren, war eine Karriere als Jurist, Kommerzienrat und Wirtschaftsbereiter der österreichischen Staatsregierung dem 1886 als Israel Geller geborenen Urgroßonkel nicht in die Wiege gelegt. Ehrgeiz, Disziplin, Neugier und Aufstiegsdrang führten ihn über Kolomea und Lemberg nach Wien, wo er sich wie seine vier Geschwister gegen den Willen des Vaters niederließ. Schnell stieg er auf, assimilierte sich und erwirtschaftete nicht immer legal während des Ersten Weltkriegs ein großes Vermögen, von dem er fortan ein bequemes Leben in der Beletage eines Palais führte, umgeben von Kunstschätzen und als Liebhaber der Oper. Das größte Hochgefühl empfand der Dandy, kein reiner Sympathieträger, wie Shelly Kupferberg in Ihrem Nachwort schreibt, aber sympathisch in seiner Großzügigkeit, wenn er als „gleichberechtigtes Mitglied der guten Gesellschaft wahrgenommen wurde“ (S. 95). Dass er die Bedrohungen durch den Nationalsozialismus nicht ernstnahm, wurde ihm zum Verhängnis:

    "Seinen Glauben an Recht, Ordnung und den eigenen Aufstieg hatte er über alle Warnzeichen gestellt. Der ganze Hass der letzten Jahre und Jahrzehnte habe nichts mit ihm zu tun, dachte er immer." (S. 202)

    Geschichte in Form von Einzelschicksalen
    Alleine wegen des Themas hätte ich zu diesem Buch wahrscheinlich nicht gegriffen, zu viele ähnliche habe ich in den letzten Jahren gelesen. Allerdings interessierte mich die Autorin Shelly Kupferberg, die ich als hervorragende Moderatorin von Autorenlesungen und –interviews sehr schätze, stets exzellent vorbereitet, klug fragend und angenehm zurückhaltend. Nun steht fest, dass sie auch schreiben kann, fundiert, klar formulierend, nachdenklich, abwägend und mit merklicher Betroffenheit, die berührt. Wer also wissen möchte, was es mit dem Reh auf dem Cover auf sich hat, und wer Geschichte gerne anhand gut erzählter Einzelschicksale liest, für den ist "Isidor" genau die richtige Lektüre.

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  1. Aufwühlende Konsequenzen falscher Einschätzungen

    Auf äußerst interessante Familienmitglieder, Charaktere und familiäre Hintergründe stößt die Autorin Shelly Kupferberg, als sie sich auf die Nachforschungen ihrer Familiengeschichte begibt. Angeregt wurde sie durch die Aufzeichnungen ihres Wiener Großvaters Walter, der in engem Verhältnis zu seinem Onkel Isidor (Israel) Geller, * 15.9.1886, stand, den er als Jugendlicher jeden Sonntag im Palais besuchte und beim Mittagessen ‚performen‘ musste.

    Dieser kinderlose Kommerzialrat stammte aus einfachsten Verhältnissen in Galizien und folgte nach der dörflichen Talmudschule, dem humanistisch geprägten polnischen Gymnasium in Kolomea und vier Jahre Studium in Lemberg seinem großen Bruder David nach Wien. Hier fühlte er sich – ab jetzt Isidor nennend – wohl: diese altehrwürdigen Bauten, diese Kultur, diese Theater- und Opernhäuser.

    Und wir können seine Karriere zum Kommerzialrat verfolgen, lesen von seinen zwei gescheiterten Ehen, wovon nur noch ein Ex Libris an seine letzte erinnerte, und die Geschichte seiner Geliebten Ilona. (Deren Lebenslauf bietet allein schon Stoff für ein ganzes Buch, besonders die Ehe und deren Ende mit Dr. Miklós Szavozd.) Isidor führt ein geachtetes Leben im Wohlstand und ist als verschwenderischer Gastgeber hochgeschätzt.

    Und dann kommt der 11. März 1938, an dem der österreichische Kanzler Schuschnigg zurücktritt und noch am selben Abend die Hakenkreuzfahne auf dem Wiener Rathaus aufgezogen wurde. Was dann kam, hatten die meisten Juden, auch der Kommerzialrat Isidor Geller, nicht vermutet. ‚Er hatte seinen Glauben an Recht, Ordnung und den eigenen Aufstieg über alle Warnzeichen gestellt. Der ganze Hass der letzten Jahre und Jahrzehnte habe nichts mit ihm zu tun, dachte er immer.‘

    Und ich stimme der Autorin in ihrem Interview - bezüglich ihrer gewonnenen Erkenntnisse der eigenen, teils tragischen Familiengeschichte - voll zu bei ihren Worten: „Das weiß man alles, aber wenn man es anhand eines Lebens schwarz auf weiß vor Augen hat, wird es plastisch und berührt ganz anders.“

    Aufgewühlt und tief berührt schloss ich das Buch - von der ersten Seite hatte es mich in seinen Bann gezogen! Ich bedaure, dass ich nicht mehr als die Höchstzahl an Sternen vergeben kann und drücke es jedem wärmstens ans Herz, der Interesse an gelebter Geschichte hat!

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  1. Berührende Biografie

    Die Autorin Shelly Kupferberg begibt sich in die Vergangenheit ihrer Vorfahren und erzählt die Geschichte ihres Urgroßonkels Dr. Isidor Geller sowie seiner Verwandten und Freunde.
    Isidor Geller ist jüdischer Herkunft und wächst in ärmlichen Verhältnissen in Galizien (Israel) auf. Nach seiner Gymnasien Ausbildung verschlägt es ihn, wie auch seine Geschwister, nach Wien und erhofft sich in der Stadt Karriere zu machen.
    Diese lässt auch nicht allzu lange auf sich warten. In einer Lederfabrik arbeitet er sich in kürzester Zeit bis zum Direktor empor und macht im 1. Weltkrieg Millionen. Viele Jahre lebt er im Reichtum und als Teil in der gehobenen Gesellschaft Wien´s. Bis sich mit der Machtübernahme der Nazi´s und Anschluss ans Deutsche Reich alles ändern sollte.

    Frau Shelly Kupferberg hat die Lebensgeschichte ihrer Familie ausführlich recherchiert. Sie bezieht sich auf Erzählungen sowie Unterlagen, Fotos, Briefe aus der Wohnung ihres Großvaters in Tel-Aviv. In vielen öffentlichen Archiven wurde sie ebenso überraschend umfangreich fündig.
    Gut hat mir gefallen, dass sich am Ende des Buches ein Stammbaum der Familie befindet, der das Lesen und erkennen der Zusammenhänge sehr erleichtert.
    So ist ihr eine authentische Biografie der so vielen tragischen Schicksalen im 2. Weltkrieg und damit verbundenen Holocaust gelungen.

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  1. 5
    13. Aug 2022 

    Spuren jüdischen Lebens

    Über die Zeit des Nationalsozialismus habe ich schon sehr viel gelesen - Fiktionales, Biographien, aber auch Sachbücher. Und von ähnlichen Schicksalen, von denen die Autorin Shelly Kupferberg schreibt, wird in unendlich vielen Büchern erzählt.
    Trotzdem hat dieses Buch „ Isidor“ seine Berechtigung. Denn jedes dieser Leben ist es wert, aufgeschrieben zu werden, als Erinnerung und Mahnmal. Gerade weil es von den vielen ermordeten Juden so wenig Hinterlassenschaften gibt. „Umso wichtiger sind die Geschichten, die überlebt haben. Und weitererzählt werden.“ wie die Autorin in ihren Dankesworten schreibt.
    Um über das Leben ihres Urgroßonkels Isidor Gellert schreiben zu können, hat die in Israel geborene und in Berlin lebende Journalistin Shelly Kupferberg ausgiebig recherchiert. Sie wurde fündig in diversen österreichischen Archiven, auf dem Dachboden ihrer Großeltern in Tel Aviv und konnte aus den Erinnerungen ihrer Verwandten schöpfen. Aus den vielen Dokumenten, Briefen, Photos und mehr hat sie ein lebendiges Bild von ihrer Familie und jener Zeit geschaffen.
    Geboren wurde der Urgroßonkel Ende des 19. Jahrhunderts in einem Schtetl in Ostgalizien als Sohn eines Talmudgelehrten. Der erhielt als frommer Gelehrter keinen Lohn, deshalb lag es an der Mutter, die siebenköpfige Familie durchzubringen. Die Kinder waren weniger fromm, dafür klug und ehrgeizig und sie wollten raus aus der Enge des Schtetls. Aus Israel wurde Isidor, als er später zum Studieren nach Wien ging. Denn er begriff bald, dass der jüdische Name ein Hindernis auf dem geplanten Weg nach oben sein würde.
    Isidor promoviert als Jurist und steigt schnell die Karriereleiter hoch. Er hat Glück, denn in seiner Funktion als Leiter eines kriegswichtigen Betriebes muss er nicht an die Front. Mit zusätzlichen Geschäften auf dem Schwarzmarkt verdient er gutes Geld, das er gewinnbringend anlegt. Und als der Erste Weltkrieg vorbei, das große Habsburgerreich Geschichte war, ist Isidor ein sehr reicher Mann.
    Er wird Kommerzialrat und gibt Gesellschaften für die obersten Kreise Wiens.
    Privat hat der Bonvivant und Frauenfreund weniger Glück. Zwei Ehen scheitern, eine junge Geliebte macht ohne ihn Karriere in Hollywood.
    Doch all sein Geld und sein Ansehen nützen nichts, als die Nazis auch in Österreich an die Macht kommen. Wie so viele hat er deren Vernichtungswahn unterschätzt und seine Reputation überschätzt.
    Isidor ist eine schillernde Figur. Er war stolz auf seinen gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieg, von der armseligen Hütte im fernen Galizien bis in den Ersten Bezirk Wiens. Der Liebhaber von Kunst, Musik und schöner Frauen war genussfreudig und großzügig, konnte aber auch herrisch und bestimmend sein.
    Neben dem titelgebenden Isidor streift die Autorin aber auch immer wieder die Lebenswege anderer Familienmitglieder und Menschen aus dem näheren Umfeld ihres Urgroßonkels. So entsteht ein anschauliches Bild jüdischen Lebens in jener Zeit.
    Obwohl ich wirklich gut über das Thema Nationalsozialismus und Holocaust Bescheid weiß, konnte mich die Autorin mit einem speziellen Detail überraschen. Wer hätte gedacht, dass der „ Stürmer“- Herausgeber und Judenfresser Julius Streicher in ganz Europa eine Bibliothek jüdischer Literatur zusammengeraubt hat ? Heute befindet sich die sog. „ Stürmer - und Streicherbibliothek“ in Nürnberg , verwaltet von der Israelitischen Kultusgemeinde. Shelly Kupferberg stieß darin tatsächlich auf ein Buch aus dem Besitz ihres Urgroßonkels.
    Das Buch liest sich flüssig und fesselt von Beginn an. Der Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, trotzdem geht dem Leser das Schicksal der Personen sehr nahe.
    Ein schmales Buch, das aber mehr als ein bemerkenswertes Leben umfasst.

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