Inselaffäre: Kriminalroman (Ruth Keiser und Martin Ziegler 3)

Rezensionen zu "Inselaffäre: Kriminalroman (Ruth Keiser und Martin Ziegler 3)"

  1. Unterhaltsamer Inselkrimi

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Apr 2020 

    Als sich Martin Ziegler nach einem Burn-Out nach Norderney versetzen ließ, hatte er etwas mehr Ruhe und weniger Mordfälle erhofft. Aber ausgerechnet an diesem Wochenende geht es hoch her: seine Freunde Frank und Daniela heiraten und ein Fotoshooting lockt unzählige junge Cosplayer auf die Insel. Als dann in einem Schrebergarten ein Toter gefunden wird, ist es endgültig vorbei mit den Wochenendplänen, aber wenigstens ist auch Ruth Keiser, Polizeipsychologin und frühere Kollegin von Ziegler ebenfalls als Hochzeitsgast auf der Insel.

    Norderney ist eine Insel mit Gegensätzen. Von Partygängern und Cluburlaubern geliebt und besonders zur Saison überschwemmt, gibt es auch eine andere Seite. Die alteingesessenen Insulaner sehen das Treiben mit gemischten Gefühlen. Sie leben zwar von den Touristen, aber es fühlt sich oft nicht mehr wie „ihre“ Insel an und auch vor langer Zeit Zugezogene werden immer noch ein wenig beäugt. Da bleiben Konflikte nicht aus und werden oft über Jahre ausgetragen. Das spürt auch Martin Ziegler, auch wenn er die meiste Zeit gut mit seinem Team klar kommt.

    Der Handlung ist auf ein Wochenende verdichtet und der Leser folgt chronologisch den Ereignissen aus den verschiedenen Handlungssträngen. Angefangen vom Junggesellinnenabschied der Braut, der arg aus dem Ruder läuft und für Turbulenzen sorgt, bis zu den Hoffnungen der jungen Melli, für die das Fotoshooting mit ihrem Mangakostüm ein Höhepunkt ihres wirklich schwierigen Teenagerleben sein soll.

    Mir gefällt der trockene friesische Humor – ein Insulaner meldet den Leichenfund im Schrebergarten nach der obligatorischen Tasse Tee mit den Worten: „Also, ich bin sicher, dass da nichts mehr zu machen ist. Nur noch die Beine gucken oben raus.“
    Es ist ein richtiger „Inselkrimi“ – das heißt, es gibt jede Menge Norderney Flair, mit viel Interessantem über die Insel, das so ganz nebenbei eingeflochten wird. Die Atmosphäre ist stimmig und macht richtig Lust, Norderney zu erkunden. Zur Zeit ist das ja nur mit einem Buch möglich, umso schöner, dass es hier so gut passt.
    Die Handlung ist richtig spannend und mischt ernste Töne mit dem schon erwähnten Humor und das macht das Buch zu einem gelungenen Krimi, einschließlich einer überraschenden Auflösung.

    Schon der Vorgängerband von Aja Eichbaum hat mich überzeugt und meine Erwartungen an das Buch wurden erfüllt. Vielleicht als kleine Anmerkung: von Ruth Keiser hätte ich gern mehr gelesen, nicht nur im Bezug auf Hochzeitsoutfits.

    Mein Fazit: eine überaus gelungene Mischung aus Inselatmosphäre und spannendem Krimi, aus herbem Ostfriesen-Charme und quirliger Cosplayer-Stimmung.