Im dunklen Licht der Tage

Buchseite und Rezensionen zu 'Im dunklen Licht der Tage' von Lydia Syson
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Die Liebe in Zeiten des Krieges: ein wunderbarer Sehnsuchtsroman.

Die 17-jährige Felix meldet sich freiwillig als Krankenschwester im spanischen Bürgerkrieg - und hofft, dort Nat wieder zu treffen, der für die Internationalen Brigaden kämpft und in den sie sich zu Hause in London Hals über Kopf verliebt hat. Doch da ist auch noch George, den sie schon seit Ewigkeiten kennt und der schon fast genauso lang in sie verliebt ist. George macht sich aus Sorge um Felix ebenfalls auf den Weg nach Spanien.
Ein hinreißender Liebesroman vor großartiger Kulisse, voller Leidenschaft, Hingabe und überwältigender Gefühle. Ein Konflikt zwischen Idealismus und Realität, berührend wie "Der englische Patient".

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Oetinger
EAN:9783789147517

Rezensionen zu "Im dunklen Licht der Tage"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Feb 2015 

    Junge Menschen inmitten der Wirrungen des Krieges

    Der Klappentext verspricht eine rührende, hochemotionale Liebesgeschichte mit geschichtlichem Hintergrund - aber tatsächlich steht deutlich der Krieg im Mittelpunkt, und die Romanze ist inmitten von Flankenfeuer, Tod und Elend eher die Begleitmelodie, die ihn manchmal erträglicher macht und manchmal noch tragischer. Wer sich nicht für Geschichte interessiert, wird daher wahrscheinlich mit diesem Buch nicht warm werden, aber wer bereit ist, das Thema mit einer guten Portion Wissbegierde und Neugier anzupacken, der wird hier sicher viel Interessantes finden.

    Ich bin ganz bestimmt kein Experte für den spanischen Bürgerkrieg, aber auf mich wirkte die Geschichte gründlich und detailliert recherchiert, und am Ende des Buches findet man auch eine kurze Chronologie der Geschehnisse!

    Die Geschichte dreht sich um Felix, Nat und George, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in Spanien wiederfinden. Nat ist der einzige der drei jungen Menschen, der sich tatsächlich aus Idealismus und dem Wunsch, die Welt zu verbessern, in den Krieg gestürzt hat - die junge, naive Felix ist ihm aus spontaner Verliebtheit heraus gefolgt, und George, der sie schon seit Ewigkeiten im Geheimen anhimmelt, ist wiederum ihr gefolgt, um sie zu beschützen und heil wieder nachhause zu holen.

    Es ist vor allem Felix, durch deren Augen wir den Krieg sehen, und da sie bisher sehr behütet aufgewachsen ist und auch nicht viel über den Krieg weiß, kann der Leser mit ihr mehr darüber lernen und teilt ihre Erschütterung und ihren Unglauben, aber auch die wachsende Überzeugung, dass es Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Meist war sie mir sehr sympathisch, und oft tat sie mir leid... Als Krankenschwester leistet sie wichtige Arbeit, sieht schockierende Verletzungen und nimmt Anteil an tragischen Schicksalsschlägen, und sie wächst daran als Mensch. In meinen Augen war sie am Anfang der Geschichte noch ein halbes Kind, und am Schluss ist sie eine junge Frau, die durch den Krieg zu schnell erwachsen werden musste.

    Leider fiel es mir ziemlich schwer, ihre Liebe zu Nat nachzuvollziehen, denn eigentlich kennt sie ihn gar nicht. Die beiden treffen sich durch Zufall auf einer Demonstration, noch in England, verlieben sich sofort und absolut, und dann muss er auch schon fort in den Krieg. Und sie liebt ihn direkt so sehr, dass sie bereit ist, alles aufzugeben und sich mitten in einen Krieg zu stürzen...

    Wahrscheinlich lagen meine Schwierigkeiten damit, ihre Liebe wirklich zu spüren, auch am Schreibstil, denn der ist kompetent und gut geschrieben, aber oft eher nüchtern. In vielen Szenen ist es gerade dieses Sparsame, das komplett auf Melodramatik und Heldenpathos verzichtet, was die unvorstellbare Grausamkeit des Krieges umso eindringlicher macht und sogar eine Art leiser Poesie entwickelt, aber manchmal machte es mir das auch schwer, Emotionen nachzuempfinden und nicht nur intellektuell zu registrieren. Wenn der Schreibstil sich dann doch einmal zu überschwänglicher Liebe aufschwingt, wirkte das auf mich leider etwas aufgesetzt.

    Was einem das Buch dagegen wirklich deutlich macht, ist die grundlegende Sinnlosigkeit, Grausamkeit und Abartigkeit des Krieges. Die Geschichte schwingt sich nicht von Heldentag zu Heldentag, sondern schleppt sich durch einen Albtraum, in dem Tod und Hoffnungslosigkeit zum Alltag werden. Natürlich ist das trotzdem in gewisser Weise spannend, denn man will wissen, ob Felix, Nat und George überleben werden. Aber es ist eine eher verhaltene Spannung, die mich oft nicht mitgerissen hat.

    Es gibt eine Nebenhandlung, die potentiell sehr spannend ist, aber der große Höhepunkt dieser Handlung, die Konfrontation, ist auch wieder eher nüchtern und gelassen geschrieben, und im Grunde hat sie mich eher etwas deprimiert zurückgelassen.

    Fazit:
    Ein Buch über die Sinnlosigkeit des Krieges und die Erlebnisse dreier junger Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen mitten in seinen Wirrungen wiederfinden. Die Liebesgeschichte hält sich dabei meist dezent im Hintergrund, was der Klappentext eher nicht vermuten lassen würde... Auch der Schreibstil ist eher nüchtern und klar, was oft einen eindringlichen Gegenpol zur Grausamkeit der Geschehnisse darstellt, aber es manchmal auch schwer macht, emotional anteil zu nehmen.

    Als Liebesgeschichte konnte das Buch in meinen Augen nicht bestehen, als Buch über den Wahnsinn des Krieges aber schon - man sollte ein deutliches Interesse an Geschichte mitbringen, dann hat es viel Interessantes zu bieten!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Aug 2014 

    Eine Thematik die bewegt

    Klappentext
    Die Liebe in Zeiten des Krieges: ein wunderbarer Sehnsuchtsroman. Die 17-jährige Felix meldet sich freiwillig als Krankenschwester im spanischen Bürgerkrieg und hofft, dort Nat wieder zu treffen, der für die Internationalen Brigaden kämpft und in den sie sich zu Hause in London Hals über Kopf verliebt hat. Doch da ist auch noch George, den sie schon seit Ewigkeiten kennt und der schon fast genauso lang in sie verliebt ist. George macht sich aus Sorge um Felix ebenfalls auf den Weg nach Spanien. Ein hinreißender Liebesroman vor großartiger Kulisse, voller Leidenschaft, Hingabe und überwältigender Gefühle. Ein Konflikt zwischen Idealismus und Realität, berührend wie "Der englische Patient".

    Meine Meinung

    Die Story
    Das Buch bietet dem Leser einen erschreckenden Einblick in das Leben während eines Krieges, direkt an der Front. Drei Junge Menschen stehen hier im Mittelpunkt Felix (Felicity), Nat und George. Sie alle drei landen aus unterschiedlichen Gründen mitten im spanischen Bürgerkrieg. Sei es als Krankenschwester, Kämpfer für die Brigaden oder aber im Geoges Fall, um Felix zu suchen. Jeder von ihnen erlebt die Schrecken und das Leid des Krieges am eigenen Leib. Dieses hat die Autorin wirklich gut rüber gebracht. Stellenweise war das Buch wirklich heftig und hat mich sehr betroffen gemacht. Besonders weil es ja gerade wieder aktuell zu solchen Schreckensszenarien kommt, siehe Gaza und Ukraine. Ich finde das Buch hätte aber etwas länger sein können. Die Geschichte ist einfach zu Komplex um sie in ein 300 Seiten Roman zu packen. Ich hätte mir gerade die Zwischenmenschlichen Szenen der Protagonisten, etwas ausführlicher gewünscht. Aber die Liebesgeschichte steht hier nun mal nicht im Vordergrund.

    Der Schreibstil
    Der Schreibstil der Autorin ist zwar recht flüssig zu lesen, doch er wirkt auf mich stellenweise eher wie ein Bericht, gerade wenn es um die Beschreibung der Kriegsszenen kam. Auch wenn die drei Hauptpersonen miteinander agieren, kam bei mir keine Wärme rüber. Das soll nicht heißen, dass ich sie nicht mochte und nicht mit ihnen gelitten habe, aber es war teilweise irgendwie so kalt. Ich denke mal das es auch so gewollt war, es sollte wahrscheinlich die Kälte des Krieges vermitteln. Mir persönlich hat das aber nicht ganz so gut gefallen.

    Die Charaktere
    Das Buch wird aus der Sicht der drei Hauptprotagonisten, immer im Wechsel erzählt., was mir gut gefallen hat. Alle drei waren sehr starke Charaktere, aber sie blieben mir dennoch zu blass. Ich konnte das ganze Buch über keine wirklichen Gefühle zu ihnen aufbauen, was wohl eher daran lag, weil einfach die erschreckende Geschichte des Krieges so präsent war und alles andere überschattet hat.

    Mein Fazit

    Ein bewegendes Buch. Ein Stück Zeitgeschichte mit erschreckenden Szenarien. Ein Buch welches zum nachdenken anregt. Ich kann das Buch jedem der vor dieser Thematik nicht abgeneigt ist empfehlen.
    Von mir gibt es vier von fünf Sternen, weil ich fand, die Charaktere kamen zu kurz. Dennoch ein wirklich gutes Buch.