Idol in Flammen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Idol in Flammen: Roman' von Rin Usami
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4 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Idol in Flammen: Roman"

Die Schülerin Akari ist von Masaki, einem Mitglied einer beliebten J-Pop-Gruppe, besessen. Sie schreibt einen Blog, der ihm gewidmet ist, und verbringt Stunden im Internet auf der Suche nach Informationen über ihn und sein Leben. Als Gerüchte aufkommen, dass ihr Idol einen weiblichen Fan angegriffen haben soll, explodieren die sozialen Medien. Masakis Situation spitzt sich zu und droht auch Akaris Leben zu zerstören. Anstatt einen Weg zu finden, sich zu befreien, wird Akari noch fanatischer. Ein Roman über Fankultur und die zerbrechliche Psyche junger Menschen von einer Autorin, die nicht viel älter ist als ihre Heldin. »Idol in Flammen« wirft ein grelles Licht auf die Geldmacherei der Popindustrie, die verführerische Macht der sozialen Medien und die gewaltige emotionale Leere, die sich auftut, wenn sich ein Idol als normaler Mensch mit Fehlern und Schwächen entpuppt.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
EAN:9783462003024

Rezensionen zu "Idol in Flammen: Roman"

  1. Charakterstudie eines Fans

    Cover:
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    Das Cover hat mich nicht angesprochen. Im Nachgang betrachtet passt es, da die Frauengestalt mit den blondierten Haaren verschwommen dargestellt ist und die Cover-Farben in den Farben des Idols gehalten sind. Vom Titelbild her hätte ich das Buch ignoriert, es sieht eher nichtssagend aus.

    Inhalt:
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    Die Teenagerin Akari ist Fan des Idols Masaki Ueno, dem Sänger eine J-Pop-Band. Während sie sonst im Leben nicht viel auf die Reihe bekommt, sich beim Lernen schwertut, keine Freunde hat und mit sich selbst nicht viel anzufangen weiß, widmet sie ihren ganzen Lebensinhalt Masaki. Als bekannt wird, dass er eine Frau geschlagen habe, gerät seine Karriere ins Wanken und bröckelt. Und mit dem Niedergang der Karriere wird auch Akaris Leben immer schwieriger.

    Mein Eindruck:
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    Mich hat die Beschreibung fasziniert. Ich kann mit der asiatischen Kultur, vor allem mit der japanischen, nicht viel anfangen. Ich bin jedoch regelmäßig fasziniert, welche Extreme sich in der Kultur bilden. Vor allem die Fankultur um die Idole scheint mir noch stärker als in anderen Ländern ausgeprägt zu sein.
    Gerade weil ich selber nicht zu solchen Extremen neige und nicht verstehen kann, wie man blind sein Geld für eine Person ausgeben kann, hat mich diese Geschichte fasziniert. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, Akari als Person zu skizzieren. Sie entspricht dem erwarteten Klischee eines Fans: Ihr ganzes Leben und ihre Finanzen drehen sich um Masaki.
    Dabei ist ihr bewusst, dass er im "echten Leben" sicher anders ist, aber sie will ihn auch gar nicht wirklich kennenlernen, sondern nur den Fankult leben:

    "Ich wünsche mir keine Beziehung, bei der wir beide etwas füreinander empfinden, wahrscheinlich, weil ich so, wie ich jetzt bin, gar nicht von ihm gesehen oder akzeptiert werden will. Es ist ja nicht gesagt, dass er mich im echten Leben mag, und ich weiß auch nicht, ob es mir Spaß machen würde, ständig mit ihm zusammen zu sein. Das ändert natürlich nichts daran, dass ich vor Aufregung platze, wenn ich mich bei einem Event ein paar Sekunden mit ihm unterhalten und ihm die Hand schütteln kann.
    Aber ich finde, dass in der Distanz, die durch einen Handy- oder Fernsehbildschirm oder Abstand zwischen Bühne und Publikum entsteht, etwas Rücksichtsvolles und Tolerantes liegt. Unsere Beziehung wird niemals durch irgendetwas, das wir sagen, enger, sie geht aber auch nicht kaputt, weil ich etwas falsch mache. Die Anwesenheit einer Person auf eine gewisse, immer gleiche Entfernung zu spüren, kann meiner Meinung nach ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Aber vor allem fühle ich mich am glücklichsten, wenn ich mein Idol anhimmele, wenn ich ihm alles gebe, wenn ich ganz darin aufgehe, selbst wenn die Beziehung völlig einseitig ist." (S. 63f)

    Obwohl Akaris Gedanken so treffend skizziert sind, bleibt der Rest von Akari dem Leser fremd. Welche Krankheit sie hat, dass sie nicht gut lernen kann und sich im Alltag und mit sozialen Dingen schwertut, wurde nicht explizit genannt. Die Beziehung zu ihren Eltern und der Schwester ist auch sehr distanziert. Vermutlich liegt es daran, dass man dort Gefühle nicht so zeigt wie bei uns und Menschen mehr über Leistung wahrgenommen werden.
    Auf der einen Seite reflektiert Akari ihre Handlungen und registriert ihre Andersartigkeit. Auf der anderen Seite tut sie nichts, um das zu ändern und flüchtet sich in ihre Welt.

    Angesichtes des Klappentextes hatte ich etwas mehr, einen "großen Knall" erwartet, aber der blieb aus. Die Charakterstudie hat mir gut gefallen. Sie zeichnet ein realitätsnahes Bild der Idol-Industrie in Japan und was sie mit ihren Fans macht. Dennoch bleibt die Handlung seicht, ohne Spannung und mit einem unbefriedigenden Ende. Man hätte mehr draus machen können. Auch die Hintergründe des Idol-Systems sind nur angedeutet. Hier hätte man noch mehr in die Tiefe gehen können.

    Fazit:
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    Abhängigkeit eines Fans von der Karriere seines Idols - authentisch, aber wenig spannungsreich erzählt

  1. Fankultur bestimmt ihr Leben...

    Bei diesem wundervollen Buch benötigte ich leider einen zweiten Anlauf, eh ich dann richtig in das Erzählte abtauchen konnte. Man muss in jedem Fall in der richtigen Stimmung sein.

    In der Geschichte geht es um Akari, die seit einem Jahr von einem Idol aus einer J- Pop- Band regelrecht besessen ist. Sie gibt ihr letztes Hemd, um Masaki auf Konzerten nahe zu sein und Fanartikel kaufen zu können. Nur dafür geht sie nach der Schule arbeiten. Doch wie weit darf Fankultur wirklich gehen?

    Der Schreibstil Usamis ist eher nüchtern, wartet aber mit tollen sprachlichen Bildern und Vergleichen auf, so dass man sich das Geschilderte gut vorstellen kann.

    Durch den Roman wurde mir erst so richtig klar wie die Branche rund um J- Pop- Bands funktioniert und warum gerade das junge und beeinflussbare Menschen mitunter süchtig machen kann.

    Als das Thema Körperhygiene angesprochen wird bzw. das Fehlen davon, da hatte ich starke Charlotte Roche Vibes alias Feuchtgebiete.

    Beim Lesen wundert man sich wie ein junger Mensch so sehr in etwas aufgehen kann, denkt man jedoch selbst an sich als Teenager zurück, so weiß man selbst für wen man geschwärmt hat an Stars, nur vielleicht nicht in dem Ausmaß, weil dies durch das Fehlen sozialer Medien so gar nicht möglich war wie heute.

    Am meisten hat mich berührt wie sehr Akari doch eigentlich unter etwas ganz anderem leidet, aber anstatt ihre Eltern ihr helfen, wird sie nur unter Druck gesetzt. Sie soll sich fügen und ein brauchbares Mitglied der Gesellschaft sein. Nur ist die Frage wer das definiert?

    Fazit: Ein toller Roman über Fankultur, die über Grenzen geht. Das Gelesene wird bei mir lange nachhallen. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus, lasst euch bitte auf das Erzählte ein!

  1. Beängstigender Einblick in die japanische Fankultur

    Die 17-jährige Schülerin Akari ist schockiert: Ihr Idol Masaki, Mitglied einer J-Popband, soll einen Fan geschlagen haben. Der mediale Shitstorm ist immens. Akari kann das nicht glauben, sie leidet und versucht, ihren Star über verschiedene Kanäle zu unterstützen. Nicht nur, dass sie einen täglichen Blog betreibt, über den sie sich mit anderen Leidensgenossinnen austauscht, sie gibt auch große Geldsummen aus, um Dinge wie Fanartikel und CDs zu kaufen. Letztere enthalten oft Gutscheine, die zur Abstimmung über das beliebteste Mitglied der Popband berechtigen. Logisch, dass Akari da gleich zahlreiche Tonträger ergattert, um ihr Idol mehrfach wählen zu können.

    Dieser Fankult ist uns noch ziemlich fremd, er muss aber in Japan eine gewichtige Rolle spielen, wie meine Recherchen ergeben haben. Die Fans werden regelrecht aufgestachelt und mobilisiert, um ihrem Favoriten beizustehen, denn selbst innerhalb derselben Popband stehen die einzelnen Mitglieder in latenter Konkurrenz. Akari ist ihrem Idol hemmungslos verfallen, ihr gesamtes Denken und Handeln kreist nur noch um Masaki und die Frage, wie sie das benötigte Geld für den Fankult verdienen kann. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive Akaris erzählt. Dadurch bekommt man tiefe Einblicke in ihr Innenleben. Die gedankliche Verschmelzung mit ihrem Idol nimmt gespenstische Züge an: „Dabei spüre ich, wie eine gewaltige Energie, die weder positiv noch negativ ist, aus der Tiefe meines Seins emporquillt und ich weiß wieder, was es heißt zu leben." (S. 17)

    Akari ist eigentlich eine sehr unsichere Person, die im Schatten ihrer patenten, etwas älteren und sehr strebsamen Schwester steht. Ihr Vater arbeitet im Ausland, die Mutter ist überlastet mit der Vereinbarung von Beruf, Familie und der Pflege der alten Großmutter. Von Akari wird erwartet, dass sie funktioniert, was ihr zunehmend schwer fällt. Sie ist unzuverlässig, vergisst einfache Aufträge, kommt in der Schule immer weniger zurecht. Freundschaften beschränken sich im Wesentlichen auf den virtuellen Raum.

    Der Erzählton ist sachlich-nüchtern, fast distanziert. Trotzdem habe ich große Anteilnahme am Schicksal des jungen Mädchens empfunden. Akari versucht, sich selbst und ihr Verhalten zu analysieren. Sie sieht ihre Defizite. Zunehmend verliert sie an Körpergewicht, wird schwächer, verliert sprichwörtlich den Boden unter den Füßen. Der Gedanke an Masaki allein hält sie bei der Stange: „Masakis Fan zu sein ist das Zentrum meines Lebens, die eine Konstante. Mein Idol ist meine Körpermitte, meine Wirbelsäule.“(S. 39). Als Leser erkennt man die bedrohliche Lage des Mädchens, dem weder Eltern noch Lehrer ernsthaft zu helfen versuchen. Eine psychische Beeinträchtigung ist offensichtlich. War sie Ursache oder Folge des extremen Fankults?

    Der kleine Roman regt immer wieder zum Nachdenken an. Es wird deutlich, dass rein wirtschaftliche Interessen ausgespielt werden, um Kinder/ Jugendliche massiv zu instrumentalisieren, ihr Verhalten zu lenken und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Akari gerät zudem in eine Art psychische Abhängigkeit, deren Strudel droht, sie mit sich zu reißen. Ich kann mir dieses Buch sehr gut als Schullektüre vorstellen.
    Es wirft einen intensiven Blick auf die Probleme japanischer Jugendlicher in einer Gesellschaft, in der starke Konformität erwartet wird. Inwiefern sich die Grundthematik auf europäische Verhältnisse übertragen lässt, kann ich nicht wirklich beurteilen, jedoch drängen sich Parallelen zu den aktuellen Vorwürfen rund um die Gruppe Rammstein auf.

    Ich habe den kleinen Roman sehr gerne gelesen, meist mit mütterlich-besorgten Gefühlen. Es ist tragisch mitzuerleben, wie ein junger Mensch sich in der Scheinwelt von Glanz und Glimmer verliert.

    All-Age Leseempfehlung!

  1. Ein bereicherndes, kleines und intensives Buch!

    Die japanische Teenagerin Akari ist wie so viele andere Japaner*innen dem Idol-Kult verfallen. Als ihr großes Idol Masaki für negative Schlagzeilen sorgt, ist Akari hin und hergerissen. Wie kaum jemand anderes lebt sie nur für ihr Idol, sie sammelt alles in mehrfacher Ausführung, gibt all ihr im Nebenjob verdientes Geld für Fanartikel und ähnliches aus, verpasst kein Konzert, kein Interview und analysiert Masaki in einem eigens über ihn angelegten Blog. Akari lebt auf diese Weise in einer Parallelwelt. Die wirkliche Welt meint es nämlich nicht sonderlich gut mit ihr.

    Viele Fragen stellt man sich, wenn man darüber liest: warum kann man sich so sehr dieser Obsession hingeben? Wer oder was ist Schuld daran, dass ein solcher Idol-Fanatismus existieren kann? Was macht es mit den jungen Leuten, die sich extrem in die Sache hineinsteigern?

    All dies wird aus der Sicht von Akari auf den wenigen Seiten des Romans eindrücklich dargelegt. Die junge Autorin Rin Usami lässt den Roman fast schon wie eine Art Tagebuch aussehen, im Wechsel mit einigen Interaktionen ihrer Hauptperson. Dadurch wirken die Geschehnisse und Befindlichkeiten Akaris sehr authentisch und außerdem analytisch, was uns Leser*innen sehr deutlich das Innenleben Akaris vor Augen führt und uns hilft, ihre Situation ein bisschen verstehen zu können. Schnell wird klar, dass Akari psychisch nicht gesund ist. Ursachen können u.a. das schwierige Elternhaus mit abwesendem Vater und unglücklicher Mutter sein. Aber auch Akaris Probleme, mit den schulischen Anforderungen Schritt zu halten, nicht ernst genommen zu werden, spielen eine Rolle. Hinzu kommen die Vermarktungsindustrie, Managements der vielen Idole etcpp... Die japanische Leistungsgesellschaft in ihrer Tragweite ebenso. All diese Dinge werden direkt sowie zwischen den Zeilen immer wieder thematisiert.

    Die Autorin hat mit ihrem Debüt ein kleines, aber sehr intensives Buch vorgelegt, das mit einer tollen Sprache besticht und mich sehr bewegt hat. Die Intensität - besonders von Akaris Gemütszustand - steigert sich enorm und macht mich sehr betroffen. Zumal mir (nach zusätzlicher Recherche) bewusst ist, dass es sich hierbei sicherlich nicht um einen ausgedachten Einzelfall handelt, sondern um ein repräsentatives Beispiel für eine ganze Generation. Beängstigend!

    Ich kann diesen wertvollen, bereichernden Roman sehr empfehlen!

  1. 5
    09. Jun 2023 

    Faszinierend

    Im Buch geht es um die Schülerin Akari, die ihr Leben voll und ganz ihrem Idol Masaki verschrieben hat. Als dieser in Kritik gerät, weil er einen Fan geschlagen hat, gerät auch Akaris Leben aus den Fugen.

    Das Buch ist eine faszinierende Untersuchung der parasozialen Beziehung, die die Hauptcharakterin zu ihrem Idol hat. Es wird gezeigt, wie es dazu kam, dass Akari dieses sehr ungesunde Verhältnis entwickelt hat. Die Geschichte baut ihre Perspektive meiner Meinung nach sehr gut auf, sodass man immer und immer mehr sieht, wie übermäßig Akari von ihrem Fan-sein eingenommen wird und sich dabei selbst vernachlässigt.
    Der Schreibstil ist durchaus poetisch, aber nicht anstrengend. Es gibt einige Sätze im Buch, die mir echt den Teppich unter den Füßen weggezogen haben.
    Das Buch zeigt auch gut auf, dass die Industrie mit bestimmten Taktiken obsessives Verhalten anregt, um diese Menschen auszunutzen.
    Die Geschichte ist nur sehr kurz, weswegen ich verstehen kann, falls andere Menschen Probleme haben, zu Akari eine Verbindung aufzubauen. Aber ich persönlich fand ihr Innenleben sehr nachvollziehbar und sie tat mir einfach unfassbar leid. Ihre Probleme waren auf eine Weise dargestellt, die mir sehr nahe gegangen ist.

    Das Buch hat mich sehr berührt. Ich fand es sehr ergreifend und spannend, Akaris Innenleben zu sehen. Es ist schon etwas speziell, aber wer sich das zutraut, dem kann ich das Buch nur ans Herz legen.

  1. 4
    04. Jun 2023 

    Eindrucksvoller Roman über Fankultur

    Die Schülerin Akari ist besessen von Masaki, Mitglied einer erfolgreichen J-Pop Band. Doch eines Tages machen Gerüchte in den sozialen Medien die Runde: Masaki soll einen weiblichen Fan geschlagen haben. Akari beschließt, dass sie dennoch weiterhin treu hinter ihrem Idol stehen will, doch dessen Karriere scheint in Flammen aufzugehen – und damit auch Akaris eigenes Leben.

    „Idol in Flammen“ ist der zweite Roman (und der erste, der bisher ins Deutsche übersetzt wurde) der japanischen Autorin Rin Usami. Mit 19 Jahren verfasste sie ihr preisgekröntes Debüt; inzwischen ist sie 24 Jahre alt und damit eine junge Stimme im japanischen Literaturbetrieb. Das merkt man dem Roman auch an, denn es gelingt ihr gut, den Ton und die Gedankenwelt der Protagonistin einzufangen. Aus ihrer Sicht wird die Handlung in der Ich- und Gegenwartsform erzählt und mit ihr geraten wir in einen wahren Strudel aus Emotionen und Obsession.

    Ausgangspunkt der Geschichte ist sicherlich der Skandal rund um Sänger Masaki. Doch wo ich eher eine Antwort auf die Frage, ob und wie man die Kunst vom Künstler trennen kann, erwartet hatte, entwickelt sich stattdessen eine Charakterstudie zu Besessenheit. Ihr Idol bestimmt Akaris ganzes Leben. Sie kauft alle CDs mehrfach, geht auf Konzerte und führt einen Blog mit ihren Gedanken zu Masaki. Der Skandal an sich scheint sie nicht allzu sehr zu beunruhigen, auch wenn es dabei um Gewalt geht. Stattdessen bedrückt es sie, wie sehr sein Ansehen unter dem Vorfall leidet.

    Von diesem Punkt an rast Akari geradezu einem Abgrund entgegen. Sie vernachlässigt die Schule, der Lernstoff will einfach nicht in ihrem Kopf bleiben. Auch in ihrem Nebenjob kann sie sich nicht mehr konzentrieren; ihre Eltern sind ratlos und überfordert, nur ihre große Schwester Hikari versucht zumindest, Verständnis aufzubringen. Doch ist für Akari ein Leben ohne ihre Obsession für Masaki überhaupt möglich?

    Eine kurzer, aber eindrucksvoller Roman über Fankultur, die Maschinerie hinter den Idols, aber auch über die japanische Leistungsgesellschaft, die für junge Frauen wie Akari keinen Platz hat.

  1. 3
    27. Mai 2023 

    Zündet leider nicht so richtig

    Für Akari, eine Teenagerin in Japan, steht ihr Idol Masaki, ein Mitte 20jähriger J-Popstar, metaphorisch in Flammen, nachdem er sich einem medialen Shitstorm stellen muss. Er hat nämlich angeblich einen weiblichen Fan geschlagen. Für Akari endet damit nicht etwa ihr Fanatismus für Masaki, nein, sie möchte ihn nun mehr denn je unterstützen und füllt damit eine Leere, die sich in ihr selbst schon seit längerem breitmacht.

    Die junge japanische Autorin Rin Usami gewann mit diesem Debüt im Alter von nur 21 Jahren bereits einen angesehenen, japanischen Literaturpreis. Doch kann sie mit diesem Roman um die Fankultur, ja man kann sagen den Fanatismus einer Teenagerin, in Japan, die massive Konsumorientierung des Pop-Universums und die emotionalen Nöte der Protagonistin auch hier überzeugen?

    Mich hat der Roman besonders zu Beginn stark gefangen genommen. Die Prämisse eines weiblichen Fans, dessen Leben sich tatsächlich ausschließlich um ihr Idol zu kreisen scheint, welcher potentiell ins Schwanken geraten könnte, durch die Enthüllungen um das angebetete Idol bietet viel Sprengkraft. Sehr genau und eindrücklich schildert Rin Usami, wie stark in Japan die Fankultur im Kapitalismus angekommen ist. Dass Fans für ihre Idole all ihr Geld ausgeben. Dass psychologisch geschickte Taktiken angewandt werden, um ihnen noch mehr Geld, mehr als sie vielleicht besitzen, auszugeben. Diese Vereinnahmung der Fans durch die verhängnisvollen Strategien der Pop-Industrie ist aber leider auch das einzige, was mir aus diesem Roman relevant vorkam und auch während und nach der Lektüre in mir weitergearbeitet hat. Diesbezüglich hätte ich mir allerdings auch einen Artikel zum Thema oder eine Doku anschauen können.

    Bezüglich der Figuren, dem Plot und der Entwicklung dieser beiden Komponenten eines Romans bin ich leider enttäuscht worden. Obwohl Akari in ihrer Besessenheit aus der Ich-Perspektive heraus diese sehr deutlich darstellen kann, so bleibt mir die Figur ansonsten recht blass. Das kann Kalkül sein, wird doch – recht trocken – erwähnt, dass sie an einer Depression leide. Mit welcher Verbissenheit sie ihrem Fan-Dasein jedoch nachgeht, lässt jedoch an einer ausgeprägten depressiven Erkrankung zweifeln. Auch wenn man durchaus das Gefühl bekommt, dass diese Art Fanatismus für ein Pop-Idol nicht gesund sein kann. Er wirkt eher, als ob sie diese Diagnose, wie so viele junge Leute heutzutage, wie ein gelegenes Label vor sich herträgt. Der zunächst recht interessant wirkende Plot verläuft sich im Laufe des mit seinen nur 125 Seiten recht übersichtlichen Romans sehr schnell. Es entsteht kein Konfliktpotential und wir kochen auf kleiner Flamme so dahin, ebenso wie Akari.

    Der Schreibstil bleibt ebenso blass und gewöhnlich. Durch große Zeitsprünge innerhalb der Geschichte, hat man das Gefühl hier ganz schnell und eher oberflächlich durch die Geschichte geschickt zu werden, ohne dass eine Bindung zur Figur entstehen kann. So bleibt zwar unterm Strich eine kurzweilige, solide Lektüre aber davon nur wenig letztlich im Kopf hängen. Kann man lesen bei Interesse an den Vermarktungsstrategien der J-Pop-Industrie. Man verpasst allerdings auch nichts, wenn man dieses Buch auslässt.

    3/5 Sterne