Ida

Buchseite und Rezensionen zu 'Ida' von Katharina Adler
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie' und einer äußerst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, "um die Befriedigung [brachte], sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien."
Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familien-Anekdote: ihre Urgroßmutter, die - nicht unter ihrem wirklichen Namen und auch nicht für eine besondere Leistung - zu Nachruhm kam, und dabei mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde. "Nach und nach wuchs in mir der Wunsch, dieses Bild von ihr zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Ich wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Eine Frau mit vielen Stärken und auch einigen Schwächen, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt."
Von ihr, von 'Ida', handelt dieser mitreißende Roman. Mit großem gestalterischem Weitblick und scharfem Auge für jedes Detail erzählt Katharina Adler die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Geschichte, in die sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat. Ida ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen. Der Roman eines weitreichenden Lebens, das - mit Freuds Praxistür im Rücken - erst seinen Anfang nahm.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
EAN:9783498000936

Rezensionen zu "Ida"

  1. Sigmund Freud und der „Fall Dora“

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Dez 2019 

    Mit dem Buch „Ida“ schrieb Katharina Adler eine Romanbiografie über ihre Urgroßmutter Ida Bauer-Adler, die Anfang des 20. Jh Patientin beim berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud war und die als „Fall Dora“ in sein Werk und in die Geschichte der Psychoanalyse einging.

    Ida wurde erstmals mit 18 Jahren wegen psychosomatischen Symptomen von ihrem Vater, einem wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten, zu Sigmund Freud in Behandlung geschickt. Sie ist eine eher unsympathische Person: widerspenstig, ruppig, barsch, dominant, trotzig, bevormundend, wenig darauf bedacht, einen guten Eindruck zu hinterlassen oder Anderen zu gefallen. Sie ist einerseits sehr auf Freiheit und Unabhängigkeit bedacht, will eigene Entscheidungen treffen und sich nicht dreinreden lassen, schafft sich und ihrem Umfeld aber andererseits durch ihre strenge, pflichtbewusste, bevormundende und dominante Art selbst ein beengtes Korsett.

    Der Leser erfährt, abwechslungsreich und mal mehr, mal weniger spannend erzählt, neben Ida’s Geschichte auch diejenigen ihres von ihr vergötterten Bruders Otto, eines führenden Sozialdemokraten und ihres Sohnes Karl, einem Operndirigenten, den sie am liebsten für sich vereinnahmen würde.

    Ab der Mitte nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Der Leser taucht ein in die Analyse Ida‘s, in die politischen Unruhen und er nimmt Teil an Ida’s überwiegend mühsamer, unwürdiger und gnadenloser Emigration nach Amerika, die von Angst, Hunger und Krankheit geprägt ist.

    Die wechselnde Gliederung und Katharina Adler’s Spiel mit dem Text, den Sätzen und den Wörtern gefielen mir richtig gut. Dass sie manchmal Ausschnitte aus der Fallvignette Dora einfügte, machte das Ganze noch interessanter.
    Ziemlich raffiniert fand ich, dass sie ein Kapitel mit genau den gleichen Worten beendete, mit denen sie ein früheres begonnen hatte. Der Unterschied war nur der, dass in diesen Worten zu Beginn ein Rätsel verborgen war. Ich wurde neugierig. Nachdem dieses Rätsel gelüftet worden war, klangen dieselben Worte wie eine völlig schlüssige und nachvollziehbare Reaktion.
    Ähnlich beeindruckt hat mich das Erzählen „im Kreis“ - die Geschichte beginnt da, wo sie endet - wobei dieser Kreis ganz am Schluss verlassen wird, um noch ein bisschen vom „danach“ bzw. darüber hinaus zu erfahren.

    Ich fühlte mich gut unterhalten von „Ida“ und fand den Roman interessant und abwechslungsreich. Daher kann ich ihn guten Gewissens weiterempfehlen, auch wenn ich ihn nicht explizit als „highlight“, „literarisches Event“ oder „must read“ deklarieren würde.

  1. Sigmund Freud und der „Fall Dora“

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Dez 2019 

    Mit dem Buch „Ida“ schrieb Katharina Adler eine Romanbiografie über ihre Urgroßmutter Ida Bauer-Adler, die Anfang des 20. Jh Patientin beim berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud war und die als „Fall Dora“ in sein Werk und in die Geschichte der Psychoanalyse einging.

    Ida wurde erstmals mit 18 Jahren wegen psychosomatischen Symptomen von ihrem Vater, einem wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten, zu Sigmund Freud in Behandlung geschickt. Sie ist eine eher unsympathische Person: widerspenstig, ruppig, barsch, dominant, trotzig, bevormundend, wenig darauf bedacht, einen guten Eindruck zu hinterlassen oder Anderen zu gefallen. Sie ist einerseits sehr auf Freiheit und Unabhängigkeit bedacht, will eigene Entscheidungen treffen und sich nicht dreinreden lassen, schafft sich und ihrem Umfeld aber andererseits durch ihre strenge, pflichtbewusste, bevormundende und dominante Art selbst ein beengtes Korsett.

    Der Leser erfährt, abwechslungsreich und mal mehr, mal weniger spannend erzählt, neben Ida’s Geschichte auch diejenigen ihres von ihr vergötterten Bruders Otto, eines führenden Sozialdemokraten und ihres Sohnes Karl, einem Operndirigenten, den sie am liebsten für sich vereinnahmen würde.

    Ab der Mitte nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Der Leser taucht ein in die Analyse Ida‘s, in die politischen Unruhen und er nimmt Teil an Ida’s überwiegend mühsamer, unwürdiger und gnadenloser Emigration nach Amerika, die von Angst, Hunger und Krankheit geprägt ist.

    Die wechselnde Gliederung und Katharina Adler’s Spiel mit dem Text, den Sätzen und den Wörtern gefielen mir richtig gut. Dass sie manchmal Ausschnitte aus der Fallvignette Dora einfügte, machte das Ganze noch interessanter.
    Ziemlich raffiniert fand ich, dass sie ein Kapitel mit genau den gleichen Worten beendete, mit denen sie ein früheres begonnen hatte. Der Unterschied war nur der, dass in diesen Worten zu Beginn ein Rätsel verborgen war. Ich wurde neugierig. Nachdem dieses Rätsel gelüftet worden war, klangen dieselben Worte wie eine völlig schlüssige und nachvollziehbare Reaktion.
    Ähnlich beeindruckt hat mich das Erzählen „im Kreis“ - die Geschichte beginnt da, wo sie endet - wobei dieser Kreis ganz am Schluss verlassen wird, um noch ein bisschen vom „danach“ bzw. darüber hinaus zu erfahren.

    Ich fühlte mich gut unterhalten von „Ida“ und fand den Roman interessant und abwechslungsreich. Daher kann ich ihn guten Gewissens weiterempfehlen, auch wenn ich ihn nicht explizit als „highlight“, „literarisches Event“ oder „must read“ deklarieren würde.

  1. Petite hystérie ... ???

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Als ich hörte das es ein Buch geben wird, über die Patientin von Freud, die seine Behandlung als Erste ablehnte und beendete, dachte ich das wird interessant. Als ich hörte das die Urenkelin von Ida/Dora den Roman geschrieben hat, horchte ich auf und dachte das wird sehr interessant. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Die Art, wie die Person Ida da beschrieben wird, ist einfach spannend zu nennen. Das Leben der Ida in seiner ganzen Dichte entsteht vor dem geistigen Auge der Lesenden. Das Elternhaus in seiner vollen Auswirkung und die damalige Zeit in ihrer ganzen Wirkkraft; und beides in seiner Folge auf das Kind. Die Person Ida in ihrer ganzen teilweise gewöhnungsbedürftigen, egozentrischen, empathiearmen Art zu schildern ist Katharina Adler perfekt gelungen. Und auch den Weg, den sie gegangen ist/das Leben, das sie gelebt hat/das was sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie ist, konnte nachvollziehbar beschrieben werden. Die Defizite der Persönlichkeit der Ida sind meiner Meinung nach in diesem Buch gut rübergebracht worden, zum einen durch diese besondere Form der Sprache, dieses irgendwie etwas unterkühlte, zum anderen durch das Schildern der Lebensumstände der Ida, aber genauso wird auch ihre Stärke rübergebracht, eine gewisse Willensstärke, ohne die sie gewiss nicht weit gekommen wäre. Man versteht beim Lesen warum Ida's Leben so war wie es war. Mir erschien die Art der Charakterzeichnung sehr schlüssig. Dazu kommt dann noch die gesamte geschichtliche Handlung, die das Leben der Ida nochmals schwerer gestaltet, einmal ihre politische Einstellung und später ihre jüdische Herkunft. Ich liebe es, wenn in einem Buch die Handlung nicht chronologisch geordnet wiedergegeben wird. Dadurch eröffnen sich der Leserin neue Sichtweisen zum Thema. Hier wurde dies auch vollzogen, allerdings sehe ich keinen hinreichenden Grund dafür. Ich denke sogar das für dieses Buch, für ein noch besseres Verstehen der Person Ida ein chronologischer Aufbau besser gewesen wäre. Ich denke damit wäre sie psychologisch noch besser greifbar gewesen.

    Die Art wie dieses Buch geschrieben ist, wird nicht jedem gefallen. Es ist kein einfaches Buch. Aber für mich ist es eine besondere Charakterzeichnung, die für mich echt gelungen war. Dazu ist es sehr spannend geschrieben und verdeutlicht sehr informativ eine vergangene Zeit.