Ich weiß, wo sie ist

Rezensionen zu "Ich weiß, wo sie ist"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 22. Dez 2018 

    Sehr konstruiert und unrealistisch

    Vor zehn Jahren wurde die kleine Autumn entführt. Seither ging es mit ihrer Mutter Francine bergab, die Beziehung zu Will, Autumns Vater hielt nicht. Während Will mit Selbsthilfebüchern reich wurde, klammert sich Francine an jeden Strohhalm, von der Hellseherin bis zur Flucht in den Alkohol. Doch plötzlich erscheint Lena, die ihr eine Nachreicht hinterlässt. „Ich weiß wo sie ist“ behauptet die heruntergekommene, völlig panische junge Frau. Francine nimmt diese letzte Chance wahr und begibt sich auf eine wahrliche Tour de Force um ihre Tochter zu retten.
    Ich weiß, dass es schwer sein muss auf dem Thrillermarkt mit etwas Neuem, nie dagewesenen, Überraschendem aufzuwarten. Doch ich fand dieses Buch schlicht und ergreifend abgedroschen, übersteigert und völlig lebensfremd. Ein bisschen wie eine Mischung aus The Five und The Missing, aber brutaler und aufgesetzter. Wie Francine zur Superheldin mutiert, dass sich sogar Sarah Connor (nein, nicht die Sängerin, die von Terminator) ein Scheibchen abschneiden könnte, war für mich nicht glaubhaft. Darüber hinaus lässt einen der Autor S B Caves mit einem völlig unbefriedigenden Ende zurück, das eigentlich mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Da wird es doch hoffentlich nicht noch eine Fortsetzung geben. Das ist Thema ist schon ausgelutscht.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 10. Dez 2018 

    Das große Haus im Wald

    Das Thrillerdebüt „Ich weiß, wo sie ist“ von S.B. Caves erschien im Dezember 2018 bei HarperCollins und umfasst 303 Seiten.
    Vor zehn Jahren wurde Francines Tochter Autumn entführt, bis heute fehlt jede Spur von ihr. Doch trotz der langen Zeit hat die Mutter die Hoffnung, ihre Tochter eines Tages wieder in ihre Arme schließen zu können, nie aufgegeben. Eines Tages erhält sie einen anonymen Brief mit den Worten „Ich weiß, wo sie ist“. Als sie kurz darauf auch noch Lena begegnet und Informationen über das verschwundene Mädchen erhält, macht sich die Frau allein auf den Weg, ihre Tochter zu finden – und stößt dabei auf Ungeheuerliches …
    Ohne Umschweife kommt der junge Autor S.B. Caves gleich zu Beginn zur Sache und zieht Leserinnen und Leser unmittelbar ins Geschehen hinein. Nach und nach offenbaren sich grauenhafte Details eines schrecklichen Verbrechens und der Spannungsbogen steigt stetig, sodass man beim Lesen das Buch kaum aus der Hand legen mag. Obwohl ziemlich schnell klar ist, wer an der Sache beteiligt ist, gelingt es dem Autor, die Lesenden in seinen Bann zu ziehen und gemeinsam mit der Mutter Jagd auf die Täter zu machen. Insbesondere gegen Ende des Romans nimmt die Handlung an Rasanz zu, um in einem fulminanten Showdown zu enden. Das Ende des Romans schließlich ist zwar schlüssig, jedoch etwas unbefriedigend, da nicht alle Punkte aufgeklärt bzw. bis zu ihrem Schluss geführt werden.
    Einige Szenen in diesem Thriller sind ziemlich schockierend und bedrückend zu lesen, gehen aber nie ins Voyeuristische und weiden sich gar am Leid der anderen.
    Der Thriller kommt mit einer überschaubaren Zahl an Charakteren aus. Diese werden genau beschrieben und sind durchaus mehrschichtig, ihr Denken und Handeln erscheinen jedoch, was vor allem die Protagonistin betrifft, von Zeit zu Zeit nicht sehr glaubwürdig. Dieses gilt z.B. für den Umstand, dass eine alkoholabhängige, vom Leben gebeutelte Mutter es ganz allein mit einem großen Verbrecherkartell aufnimmt. Ein weiteres Manko an diesem Thriller ist meiner Meinung nach die nicht zuletzt auf diesen Punkt zurückzuführende doch recht große Realitätsferne.
    Caves Sprache ist flott und flüssig zu lesen; an einigen Stellen schafft es der Verfasser sehr eindrücklich, trotz der Einfachheit der Sprache die bedrückende Stimmung pointiert darzustellen. Insgesamt fliegen beim Lesen die Seiten einfach so dahin.
    Das schwarz-weiß gehaltene Cover mit dem herausstechenden Titel in Pink passt sehr gut zum Inhalt des Thrillers und spiegelt dessen düsteren Grundtenor wider.
    Trotz der oben erwähnten Kritikpunkte legt S.B. Caves mit „Ich weiß, wo sie ist“ ein sehr lesenswertes Debüt vor, bei dessen Lektüre man die Zeit vergisst und auf schauerliche Art unterhalten wird. Meiner Meinung nach ein echter Pageturner von einem jungen Autoren, der wirklich Potenzial hat.