Ich bin, ich bin, ich bin

Buchseite und Rezensionen zu 'Ich bin, ich bin, ich bin' von Maggie O'Farrell
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Von Anfang an bestimmt der Tod ihr Leben: als Maggie O'Farrell im Alter von 8 Jahren beinah an einer unbekannten Virusinfektion starb. Als sie mit 15 aus Übermut und Freiheitsdrang einen törichten Fehler beging. Als sie in der Idylle des Lake District eine zutiefst verstörende Begegnung hatte. Oder als sie in einer unterbesetzten Klinik mit inkompetentem Personal bei der Geburt ihrer ersten Tochter fast gestorben wäre. An den unterschiedlichsten Orten, zu unterschiedlichen Zeiten lenkte der Tod Maggie O'Farrells Leben. Ihre tiefgründige, außergewöhnliche Geschichte stellt existenzielle Fragen: Wie würde ich handeln, wenn ich in tödliche Gefahr geriete? Was stünde für mich auf dem Spiel? Und, nicht zuletzt, wer würde ich danach sein? »Ich bin, ich bin, ich bin« ist ein Buch, das man mit einem neuen Gefühl der Verletzlichkeit aus der Hand legt, mit dem Gefühl, dass jeder neue Herzschlag zählt.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag: Piper
EAN:9783492058896

Rezensionen zu "Ich bin, ich bin, ich bin"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jun 2018 

    sehr intim und sehr berührend

    „Fast gestorben zu sein ist nichts Einmaliges oder Besonderes. Der Tod begegnet uns ständig; wohl jeder, wage ich zu vermuten, war ihm schon einmal nahe, vielleicht ohne es zu merken. Der Luftzug des Lasters, der zu dicht an einem Fahrrad vorbeifegt, der übermüdete Arzt, der die Dosis in letzter Sekunde noch einmal überprüft, der angetrunkene Fahrer, der sich dann doch überreden lässt, die Autoschlüssel abzugeben, …. .“

    Stimmt, ich habe den Tod bisher selten bemerkt. Doch je tiefer ich in dieses Buch eingetaucht bin, umso mehr Situationen fielen mir ein, in denen ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin.
    Die irische Autorin Maggie O’Farrell hat viele ihrer Begegnungen mit dem Tod in ihrem sehr persönlichen und autobiografischen Buch „Ich bin, ich bin, ich bin“ geschildert. Dabei sind 17 Kapitel entstanden, die über Episoden ihres Lebens berichten, in denen sie mit dem Tod in Berührung kam. Es sind selten die spektakulären Situationen, aus denen andere einen Nerven zerfetzenden Thriller produzieren würden, sondern eher Situationen, in denen das Schicksal es einfach nicht gut mit ihr meinte, und die jeden treffen könnten: eine unbekannte Virusinfektion, an der sie als Kind fast gestorben ist; jugendlicher Leichtsinn, Fehlgeburten, Todesangst um ihr eigenes Kind ...

    Dabei geht es Maggie O’Farrell gar nicht so sehr darum, ihre Erfahrungen mit dem Tod zu verarbeiten, sondern aufzuzeigen, welchen Einfluss diese Situationen auf die Entwicklung ihrer Persönlichkeit haben.

    Und so zeigt sich das Bild einer starken Frau, die gelernt hat, Schicksalsschläge zu akzeptieren und ihr Leben weiterzuleben, in der Freude, dem Tod bis jetzt immer wieder ein Schnippchen geschlagen zu haben.

    "Als Kind dem Tod so nah gewesen zu sein und dann das Leben neu geschenkt zu bekommen, hat mich viele Jahre lang verwegen gemacht, nonchalant gegenüber dem Risiko, geradezu tollkühn. .... Das lag nicht etwa daran, dass mein Leben für mich keinen Wert gehabt hätte, im Gegenteil, ich wollte um jeden Preis alles mitnehmen, was es zu bieten hatte. Mein Beinahesterben mit acht machte mich unbekümmert gegenüber dem Tod, vielleicht etwas zu unbekümmert. Ich wusste, irgendwann würde er mich ereilen, und die Vorstellung schreckte mich nicht; seine Nähe hatte fast etwas Vertrautes."

    Maggie O’Farrells Geschichten sind sehr intim. Dabei offenbart sie eine Verletzlichkeit, die man nur Menschen zeigt, denen man sehr nahe steht. Diese Verletzlichkeit überträgt sich auf den Leser, und man versucht sich in Maggie hineinzuversetzen, fragt sich, wie man an ihrer Stelle handeln würde, und ob man die Kraft hätte, mit dem gleichen Optimismus aus ähnlichen Situationen hervorzugehen. Fragen, die sich selten beantworten lassen.

    Die 17 Episoden werden aus der Ich-Perspektive in einer sehr eindringlichen Sprache erzählt. Manchmal wechselt die Autorin in die neutrale 3. Person Singular und bezeichnet sich dabei als die Frau oder das Mädchen. Sie schafft in diesen Momenten einen emotionalen Sicherheitsabstand zu dem Geschehen – wahrscheinlich ihre Art, um manche Gedanken und Erinnerungen überhaupt ertragen zu können.

    Fazit:
    Ein sehr intimes und ungewöhnliches Buch. Maggie O’Farrell beschreibt ihr Leben anhand von lebensbedrohlichen Situationen. Dabei zeichnet sich das Bild einer starken Frau ab, die trotz aller Todesmomente, die ihr widerfahren sind, gelernt hat, mit Freude an ihrem Leben festzuhalten und jeden Moment zu genießen, als ob es ihr letzter wäre. Ein Buch, das mich sehr berührt hat und noch lange beschäftigen wird.

    © Renie