Ich bin Circe: Roman

Rezensionen zu "Ich bin Circe: Roman"

  1. Emanzipation

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Feb 2020 

    Schon in jüngeren Jahren haben mich die griechischen Sagen begeistert, Gustav Schwab und die Sagen des klassischen griechischen Altertums flackerten durch meinen Kopf. Die griechische Götterwelt um Zeus auf dem Olymp interessierte mich, nur eines störte mich schon als Kind. Ich fand alles sehr männlich dominiert, die Rolle der weiblichen Göttinnen etwas unterbesetzt und auch etwas unglaubwürdig, denn wer mit offenen Augen durch die Welt schreitet, findet da ein etwas anderes Bild. Schon als Kind wunderte ich mich hier. Später dann, mit fortschreitendem Wissen, erschloss sich mir die Geschichte und ein erweiterter Blick erschien. Begriffe wie Patriarchat und Matriarchat ergaben einen Sinn und die griechische/römische Welt erschien als ein Beispiel für den ersteren Begriff und die kretische/minoische Welt als ein Beispiel für letzteren Begriff. Was so ein blöder Vulkanausbruch anrichten kann. Wäre dieser Ausbruch des Vulkans Thera/Santorin damals nicht gewesen und hätte der minoischen Kultur kein Ende bereitet, die Entwicklung Europas wäre eine andere gewesen. Eine bessere? Vielleicht.

    Aber weil die Entwicklung Europas eben lief, wie sie lief, konnte eine patriarchale Ordnung greifen und ihr Werk tun. Auch deshalb konnte oder musste Madeline Miller heute ein Werk verfassen, welches einen weiblicheren Blick auf die griechische Sagenwelt ermöglicht. Ein Blick, der mir richtig gefallen hat und Emanzipation zeigt. Die Emanzipation des Hauptcharakters Circe, aber auch eine Emanzipation der etwas verstaubten griechischen Sagenwelt. Eine Emanzipation, die in meinen Augen dringend nötig war.

    Das Buch ist eine Geschichte, die mir sehr gefallen hat, die einen recht großen Sog aufweist und die eine recht interessante Entwicklung des Hauptcharakters aufzeigt. Und in mir wieder Bilder aus vergangenen Zeiten aufleben lässt. Hat mir sehr gefallen dieses Buch!