Hippie

Buchseite und Rezensionen zu 'Hippie' von Paulo Coelho
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Buch mit Leinen-Einband
Als der rebellische junge Paulo aus Brasilien und die Holländerin Karla sich in Amsterdam begegnen, trifft sie die Liebe wie ein Blitz. Sie beschließen, gemeinsam aufzubrechen und als Reisende auf dem Hippie-Trail Erfahrungen zu sammeln, nach eigenen Werten zu suchen und danach zu leben. Mit an Bord sind ihre Freunde Rahul, Ryan und Mirthe sowie die Musik, die damals die Welt aus den Angeln hob. Eine inspirierende Reise von Amsterdam nach Kathmandu, an Bord des 'Magic Bus'. Geschrieben von Paulo Coelho, der uns an einem unbekannten, frühen Kapitel seines Lebens teilhaben lässt.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070491

Rezensionen zu "Hippie"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jan 2019 

    eine Reise im Magic Bus

    Was für den Einen heutzutage der Jakobsweg ist, war für den Anderen in den 60er und 70ern der Hippie Trail. Dieser führte von Europa auf dem Landweg nach Südostasien. Endstation war Kathmandu.
    Es gehörte zum guten Ton des Hippie-Lebens, diese Reise durchzuführen. Denn am Ende stand die Aussicht auf Erfüllung? Ein Leben in Frieden und Freiheit? Selbstverwirklichung? Was auch immer. Mögen diejenigen, die sich auf den Hippie Trail begaben, am Ende das gefunden haben, was sie sich erhofft hatten.

    Auch Paulo Coelho war Hippie aus Überzeugung, wie so viele junge Leute in der damaligen Zeit.
    In seinem autobiografischen Roman "Hippie" beschreibt er durch den Protagonisten Paulo, seine eigene Reise von Amsterdam in Richtung Kathmandu im sogenannten Magic Bus, einem alten klapperigen Bus, der zwischen Amsterdam und Kathmandu pendelte. Man ahnt es. Mit einem klimatisierten Luxusreisebus hatte dieser Magic Bus herzlich wenig zu tun. Doch dafür war die Reise günstig.

    "Viele, denen Karla und Paulo begegneten, trugen ebenfalls Blumen im Haar. Einige spielten Blockflöte, andere Geige, Gitarre oder Sitar. Ein bunter Klangteppich lag über allem, ... . Einige boten Weihrauchstäbchen, Armbänder, bunte Jacken feil, die wahrscheinlich in Peru oder Bolivien hergestellt worden waren, und er hätte ihnen am liebsten alles abgekauft, weil sie sein Lächeln erwiderten und ihn nicht wie die Verkäufer in den Läden zum Kaufen drängten."

    Amsterdam war zur damaligen Zeit eine Anlaufstelle für Hippies aus aller Welt. Die Niederlande waren und sind für ihren toleranten Umgang mit Drogen bekannt. Drogen waren für Hippies ein probates Mittel, um das Leben zu genießen. Daher wundert es nicht, dass hier viele Hippies ihre Zelte aufschlugen. Für viele von ihnen war Amsterdam eine Zwischenstation auf ihrem Weg nach Südostasien. So auch für den Protagonisten Paulo. Auf der Suche nach seinem Ich will er die Welt bereisen, bis ihm das Geld ausgeht.

    Die Lebensphilosophie, welche die Hippies verfolgten, hatte durchaus ihren Charme: ein Leben, frei von Zwängen und Tabus; ein Leben in einer "alternativen" Lebensform; ein Leben in Frieden; ein Leben, in dem sich jeder selbst verwirklichen kann.

    Mit diesem Anspruch ist auch der junge Brasilianer Paulo unterwegs. In Amsterdam lernt er die Holländerin Karla kennen. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen. Aber irgendwie fehlt ihnen der letzte Schritt zu einer Beziehung. So geht ihr Umgang miteinander nicht über ein freundschaftliches Verhältnis hinaus, auch wenn jeder von den beiden insgeheim zu mehr bereit wäre, dies aber nicht wahrhaben möchte.

    "Sie waren - wieder einmal - in gegensätzliche Richtungen aufgebrochen, sosehr sie auch versuchten, einander zu begegnen."

    Karla und Paulo zieht es nach Südostasien. Also finden sie sich eines Tages im Magic Bus nach Kathmandu wieder, zusammen mit anderen Gleichgesinnten, deren Hintergründe im Verlauf der Handlung nach und nach von Coelho beschrieben werden. Die Route führt über den Balkan bis nach Istanbul, wo Paulo und Klara eine einschneidende Erfahrung machen, die Einfluss auf den Fortgang der Reise hat.

    Der brasilianische Erfolgsautor Paulo Coelho, der für seine spirituellen Romane und Erzählungen berühmt geworden ist, polarisiert. Die Themen seiner Werke sind i. d. R. die Liebe, die Suche nach dem Sinn des Lebens sowie die Selbstfindung. Seine Fans lieben seine Bücher gerade wegen dieses spirituellen Aspekts. Nicht selten werden diese Bücher als Seelenratgeber wahrgenommen. Dann gibt es aber Leser wie mich, die nichts mit dieser Art von Literatur anfangen können.

    Stellt sich natürlich die Frage, warum ich mir "Hippie" vorgenommen habe. Ganz einfach. Als Jugendliche habe ich die Hippie-Bewegung in den 70er Jahren bewusst wahrgenommen. Leute meiner Generation waren der Hippie-Faszination erlegen und sind es wahrscheinlich immer noch, unabhängig davon, ob sie selbst in das Hippie-Leben schlüpfen konnten bzw. durften. Daher war meine nostalgische Erinnnerung an die damalige Zeit Motiv genug, um zu diesem Roman zu greifen.
    Und ich wurde nicht enttäuscht. Coelho hat mit diesem Roman eine unterhaltsame Abhandlung über das damalige Hippie-Dasein geschrieben, in dem er nichts zu diesem Thema auslässt. Er liefert interessante Hintergründe zu dieser Bewegung. Sehr schnell stellt man fest, dass sich ein Hippie nicht auf Flower Power, Musik und Drogen reduzieren lässt. Coelho beleuchtet das damalige Hippie-Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei macht er auch nicht vor bekannten Vorurteilen halt und stellt diese richtig.
    Diese detailreichen und faszinierenden Schilderungen haben das Buch zu etwas Besonderem für mich gemacht. Mein Durst nach Hippie-Nostalgie wurde vollends gestillt.

    Aber der Coelho wäre kein Coelho, wenn man nicht auch in diesem Roman einige seiner Lebensweisheiten finden würde. So werden auch seine Fans mit diesem Buch nicht zu kurz kommen. Denn, wenn man will, kann man sich intensiver mit dem spirituellen Aspekt dieses Romans auseinander setzen. Muss man aber nicht.

    Wer also ein bisschen Hippie-Spirit schnuppern und in Nostalgie schwelgen möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient. Wer dieses Buch unter einem spirituellen Aspekt lesen möchte, wird ebenfalls auf seine Kosten kommen.

    © Renie

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 03. Dez 2018 

    Sei mal wieder etwas Hippie

    Ich bin in die Hippiezeit hinein geboren und habe sie nur als Kind erlebt. Was die Erwachsenen oder die Pubertierenden in dieser Zeit erlebt haben, welche Abenteuer sie bestanden haben, davon hatte ich keine Ahnung. Was mir in Erinnerung verblieben ist, ist die Musik. Pauolo Coelho zeigt mir was ich nicht wusste, nimmt mich mit auf eine Reise zu bunten Klamotten und Schlaghosen. Coelho ließ mich mit diesem Roman einige Lücken füllen und nicht nur das. Der Autor hat hier eine Biografie seiner jüngeren Zeit geschrieben.
    Das Buch:
    Der Brasiliener Paulo ist, neben der Holländerin Karla, die Hauptfigur. Er gehört zu der Hippiescene und ist auf seinem Findungstripp, erst in den Anden und dann in Europa unterwegs, wo Paulo auf Karla trifft. Es gab damals eine „unsichtbare Zeitung“ (Mundpropaganda), die davon berichtete, dass der wichtigste Ort zu dieser Zeit, entweder der Piccadilly Circus oder der Dam in Amsterdam waren. Der Treffpunkt aller Hippies der Welt. Startpunkt einer Reise im Magic Bus auf dem Hippie Trail, der sie quer durch Europa nach Indien führte.
    Paulo und Karla machen sich auf diese Reise und erhoffen sich Erleuchtung, trafen auf die Liebe und auf Menschen, die ihnen gleichgesinnt waren.

    Was ich gelesen habe:
    Während ich in dem Buch las und mich verlor, fand ich immer wieder wunderbare Sätze. Nachdenklich saß ich ein ums andere Mal und habe darüber nachgedacht, was ich da gerade gelesen habe. Sätze wie:

    „Beide sehnten sich nach Unendlichkeit. Und es war einfach, diese Sehnsucht zu stillen – man musste nur zulassen, dass das Unendliche sich offenbarte. Und dazu brauchten sie keinen besonderen Ort, nur das eigene Herz und den Glauben, dass es eine gestaltlose Kraft gibt, die alles durchdringt und in sich das trägt, was die Alchimisten Anima Mundi, die Weltenseele, nennen“ (seite 241)

    verzauberten mich. Auf vielen Seiten findet man die Liebe zu sich selber. Coelho schreibt einem das Leben und die Liebe nahe. Er beschreibt Wege, die zur Erleuchtung führen sollen und lässt seine Protagonisten wachsen. Alles ist so wunderbar bunt, poetisch und leicht. Willkommen zu einer Reise der Selbsterkenntnis!

    Ein wundervolles Buch!

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 28. Okt 2018 

    Eine poetische Reise und eine spirituelle Sinnsuche

    „Wir können nicht wählen, was mit uns geschieht, aber wir können wählen, wie wir damit umgehen.“ (Zitat Seite 57)

    Inhalt:
    Paulo, ein junger Brasilianer, besucht auf seiner Weltreise Amsterdam und sein nächstes Ziel wird der Piccadilly Circus in London sein. Doch in Amsterdam lernt er die Holländerin Karla kennen und sie überredet ihn, sie auf einer Busreise nach Nepal zu begleiten, entlang des Hippie Trails. Da er sich in Karla verliebt hat und die gesamte Reise im Magic Bus nur 70 US-Dollar kostet, ändert er seine Pläne und kommt mit. In Istanbul ist ein Halt von einer Woche vorgesehen und Paulo ist begeistert, da er unbedingt mehr über die Spiritualität der Sufis lernen will. Er ist auf der Suche – wird er in Istanbul Antworten finden?

    Thema und Genre
    Geschrieben als Roman, ist die Geschichte stark autobiografisch. Es geht auch um die Liebe, vor allem aber um spirituelle Antworten auf Fragen des Lebens, denen Coelho später als Schriftsteller jeweils einen ganzen Roman gewidmet hat. Er wird ein Pilger des Lichts, was zum Krieger des Lichts führt, es geht um Entscheidungen und die Sehnsucht wie im Alchimisten und diese Reise des jungen Paulo im Magic Bus führte ihn Jahre später auf den Jakobsweg. Ein Thema ist natürlich auch die Geschichte der Hippie-Bewegung.

    Charaktere:
    Hauptprotagonist ist der junge Paulo, eigenwillig und unangepasst, auf der Suche nach sich selbst. Karla wiederum will unbedingt nach Kathmandu reisen, will aber die weite Busreise nicht ohne Begleiter unternehmen. Auch für sie bringt diese Reise eine überraschende Erkenntnis. Auch auf weitere Mitreisende und ihre persönlichen Themen geht der Autor näher ein.

    Handlung und Schreibstil:
    Der Autor erzählt die Geschichte dieser Reise chronologisch, mit einigen erklärenden Rückblenden. Er schreibt in der dritten Person, wechselt aber zwischen den einzelnen Charakteren, die er jeweils in den Mittelpunkt stellt. Seine Sprache ist leise und eindringlich, seine Aussagen bringen uns Leser zum Nachdenken.

    Fazit:
    Ein poetischer Roman, in dem es um wesentlich mehr geht, als um die Hippie-Bewegung und Jugend im Aufbruch. Der Autor zeigt in seiner typischen Sprache der leisen Töne unterschiedliche spirituelle Themen und Sichtweisen auf und regt so den Leser zum Weiterdenken an.