Hiob: Roman eines einfachen Mannes

Buchseite und Rezensionen zu 'Hiob: Roman eines einfachen Mannes' von Joseph Roth
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hiob: Roman eines einfachen Mannes"

Hiob von Joseph Roth erzählt auf eine einfühlsame und bewegende Weise das von Schicksalsschlägen durchzogene Leben des Mendel Singer, einem "ganz alltäglichen Juden". Jetzt liegt der Roman des 1939 verstorbenen österreichischen Autors auch als Hörspielbearbeitung vor. Helmut Peschina, selbst Autor zahlreicher Hörspiele, hat die Bearbeitung dieses Werks vorgenommen.

Wir werden in das einfache Leben einer jüdischen Familie geführt, das uns mit seinen ganz alltäglichen Problemen und Tragödien erschüttert. Mendel Singer ist die Reinkarnation des biblischen Hiob im 20. Jahrhundert. Wie dieser muß er die Prüfungen Gottes erdulden. Seine Frau und zwei seiner Kinder sterben, bei der Emigration in die USA muß er seinen behinderten Sohn zurücklassen und schließlich mit ansehen, wie seine Tochter ins Irrenhaus eingeliefert wird. Gebeugt von seinem schweren Los hadert er mit Gott und verliert allen Lebensmut, doch da erscheint eines Tages eine fast wundersame Umkehr des Schicksals.

Peschina hat es verstanden, mit einfachen Mitteln auf sehr behutsame Weise die Geschichte des Mendel Singer zu Gehör zu bringen. Mit einer exzellenten Sprecherbesetzung (Michael Degen in der Hauptrolle) und einem Gespür für die Sprache und den Rhythmus des Autors gelingt es, ohne großartige Effekthascherei diesen Roman, der voll ist mit Kindheitserinnerungen Joseph Roths, zu gestalten. Gerade die Schlichtheit, mit der hier das Werk präsentiert wird, hebt es heraus und macht es zu einem Glanzstück in der Reihe der Audiobooks. --Anne Hauschild

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:192
EAN:9783423130202

Rezensionen zu "Hiob: Roman eines einfachen Mannes"

  1. Glaubensprüfungen in formvollendeter Sprache

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    Der von Gott Herausgeforderte ist in diesem Roman Mendel Singer, ein Jude wie er im Buche steht. Er lebt in einem kleinen russischen Dorf und hat sein bescheidenes Auskommen im Thoraunterricht für die Dorfkinder. In Traditionen verhaftet und mit großem Willen alle Leiden zu ertragen, lehnt er eine Behandlung der Epilepsie seines Letztgeborenen ab. Hat er doch schließlich noch zwei gesunde Söhne, eine hübsche Tochter und eine tüchtige Frau.

    Seine Prüfungen beginnen mit dem Heranwachsen seiner Kinder. Ein Sohn wandert nach Amerika aus, der andere geht zum Militär und seine Tochter vergnügt sich mit den Soldaten. Ein Ausweg scheint da die Ladung seines Sohnes zu sein, der seine Eltern bittet, in die USA zu kommen. Die Tochter wäre gerettet, doch Menuchim, der Jüngste muss zurückgelassen werden, schwachsinnig und ein Krüppel, bekommt er kein Visum.

    Mit dem geschäftlichen Erfolg seines emigrierten Sohnes scheint sich dann alles zum Guten zu wenden, doch Krieg bricht aus und würfelt noch einmal alles durcheinander. Sieger werden zu Verlierern und in Vergessenheit Geratene zu unerwarteten Helden.

    Ruhig und abgeklärt erzählt Roth die Lebensgeschichte Mendel Singers und packt in knapp 200 Seiten alles rein, was ihn selbst vielleicht vor 100 Jahren ausgemacht und bewegt hat. Die Menschen standen auf, suchten neue Lebenswege, die Welt war im Umbruch. Die Hürden zum großen Glück, sucht Roth im Glauben, in der Familie und im Krieg.

    Joseph Roth wurde nur 45 Jahre alt und starb 1939 an einer Lungenentzündung. Trotz seines jungen Alters, zeugt die Sprache in diesem Roman von einer Gelassenheit und Weisheit, wie ich sie selten las. Mag die Story vielleicht abgedroschen, die Charaktere tausendfach beschrieben sein, so komponiert Roth hier ein eigenes, feinsinniges und würdevolles Bild der Anfänge des 20. Jahrhunderts.