Herrscher der Gezeiten

Rezensionen zu "Herrscher der Gezeiten"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Feb 2015 

    Tolle Geschichte mit zu vielen Längen am Anfang

    Inhalt:
    Die Welt ist überflutet nur ein kleines Eckchen gibt es auf dem menschen Leben. bei jeder Flut flüchten sie auf eine Plattform, die besten Plätze sind hart umkämpft. Jeden Tag der gleiche Trott und dieselbe Angst zu ertrinken. Mitten drin Coe, die von den anderen nicht gut behandelt wird und für ihren Formations-Nachbarn Tiam schwärmt.
    Dann liegt der König im sterben. Tiam soll die Prinzessin Star heiraten und Coe wird ihre Hofdame. So erfährt sie von einem Geheimnis was sie in Gefahr bringt und sie an den König zweifeln lässt.

    Meine Meinung:
    Herrscher der Gezeiten ist für mich ein ganz klares Coverbuch, doch auch die Geschichte zwischen den Buchdeckeln hat seinen Reiz.

    Eine Geschichte in der das eingetreten ist was schon viele Befürchten und Klimaforscher unken. Die Welt versinkt. Es gibt nicht mehr genug Platz für die vielen Milliarden Bewohner. Übrig geblieben auf der einen kleinen Insel sind etwas über 400 Menschen und die Königsinsel, die aber doch recht geschützt in ihrer Burg wohnt. Alles drumherum ist geflutet und auch wenn die Hoffnung besteht, weiß keiner ob es nicht irgendwo noch andere Völker gibt.
    Sie fängt an mit der Erklärung der Formation. Ein Szenario was bei jeder Flut von Nöten ist. Alle Bewohner gehen auf Fest zugewiesene Plätze auf einer Plattform. Coe hat einen guten Platz und steht neben Tiam der etwa in ihrem Alter ist. Der gute Platz ist das einzige positive was man zunächst von ihr liest, denn ansonsten hat sie nicht viel zu lachen.

    Die Grundidee finde ich gut und interessant. Allerdings muss ich sagen das es an der Umsetzung doch das ein oder andere Mal gehapert hat. Manches wurde mir zu ausführlich beschrieben und so kamen Längen auf, die es langweilig werden ließen. Erst etwa ab der Hälfte geschieht das nicht mehr und die Spannung wächst stetig.
    Der Schreibstil und die Sprache sind flüssig und wirklich leicht zu lesen. Fantasie-Begriffe sind auch immer verständlich und ausreichend umschrieben um zu wissen was gemeint ist, davon gibt es ein paar aber nicht zu viele.

    Die Figuren waren mir nicht alle sympathisch und manche kann ich auch nun am Ende des ersten Bandes nicht richtig einschätzen.
    Coe ist die zweitjüngste auf dieser Insel. Sie wird um ihren Platz auf der Plattform beneidet und gemieden wegen ihrem Gestank. Denn sie muss schon seit Jahren das Klo putzen. Sie ist gerade am Anfang recht zurückhaltend. Doch Coe wächst mit der Geschichte und nicht nur der LEser sondern auch sie selbst entdeckt unerkannte Seiten an ihr. Ich finde, dafür das ihr vieles unbekannt ist, ist sie sehr mutig. Sie scheut kaum einer Gefahr und macht einfach anstatt groß darüber nachzudenken.
    Tiam ist für Coe etwas wie ein großer Bruder und noch ein wenig mehr. Er soll sie beschützen und ist ihr Vertrauter. Er wirkt mutig und unerschrocken, hat aber auch seine Ängste die ihn hemmen.
    Finn ist zu Beginn recht sympathisch wandelt sich aber dann und blieb mir am Ende ein Rätsel über das man vielleicht in Zukunft ein wenig mehr raus bekommen kann.
    Star, die Prinzessin führt sich auch wie selbige auf und ist recht anstrengend. Sie strahlt oft eine Arroganz aus, die ich einfach nicht mag und mich mit ihr nicht warm werden lies.

    Auch wenn es nicht viele Bewohner dieses Fleckchens gibt gibt es doch einige wichtige Figuren, die alle unter einen Hut zu bekommen empfand ich aber nicht als schwierig auch weil sie alle sehr unterschiedlich sind.

    Am Ende gehe ich allerdings nicht wirklich zufrieden raus. Dieses Buch hat zum Schluss einen wirklich fiesen Cliffhänger und zwingt schon zum weiterlesen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Feb 2015 

    Das Ende der Welt - oder das Ende der Menschlichkeit?

    Im Jahr 2046 kam die große Flut. Der Meeresspiegel stieg und stieg, bis alle großen Landmassen überflutet waren - der Tod fast aller Menschen.

    Unzählige Generationen später, auf der winzigen Insel Tides, der das Meer mit jeder Flut mehr Land raubt:
    Die 496 Menschen, die noch übrig sind, leben beinahe klaustrophobisch zusammengepfercht. Dennoch halten sie nicht zusammen. Jeder kämpft für sich allein. Zuneigung, Liebe? Gibt es nicht mehr. Und mit Mitgefühl darf auch niemand rechnen: wird jemand schwer verletzt, wird er einfach ins Meer geworfen, wo ihn die fleischfressenden "Kritzler" in Stücke reißen.

    Man vertraut sich nicht, man hilft sich nicht. Mit jeder Generation geht mehr verloren, was einen Mensch erst zum Menschen macht, und das ist eine größere Katastrophe als die erbarmungslose Flut, denn zurück bleibt nur noch eine freudlose, kalte Welt.

    Coe, die Hauptfigur, hat in dieser Gesellschaft einen besonders schweren Stand, denn sie hat eine Behinderung; als sie noch ganz klein war, hat ein Kritzler ihr die Hand abgerissen. Deswegen wird ihr die Arbeit übertragen, die sonst niemand will: sie muss Tag für Tag die Gemeinschaftstoilette reinigen, und da sie deswegen bestialisch stinkt, wird sie beschimpft und lächerlich gemacht.

    Bemerkenswert fand ich, dass Coe sich ihre Gefühle bewahrt hat, die im Laufe der Geschichte mehr und mehr aufblühen. Sie hat verständlicherweise wenig Selbstbewusstsein, stellt sich aber dennoch als mutig und entschlossen heraus, und als loyal gegenüber den Menschen, die sie liebt.

    Tiam ist der Junge, der seit jeher neben ihr steht, auf der Plattform, auf die sich die Menschen bei Flut flüchten. Er fällt auf durch seinen Optimismus und seinen Humor, und er macht sich viele Gedanken darüber, wie sich das Leben der Bewohner von Tides verbessern ließe.

    In dieser abgestumpften Welt sind Coe und Tiam scheinbar die letzten Menschen, die noch keine Gefühlszombies sind, und gerade deswegen waren sie für mich großartige Protagonisten.

    Das Buch lässt sich viel Zeit damit, Atmosphäre aufzubauen und dem Leser diese Welt vorzustellen. Dennoch habe ich mich kein bisschen gelangweilt sondern es wirklich genossen, auch wenn sich die Spannung nur langsam entwickelt.

    Der Schreibstil ist eindringlich und spricht alle Sinne an. Man kann als Leser fast schon das Salz auf den Lippen schmecken und den Wind im Haar spüren! Die Autorin erzeugt mit malerischen Worten die dichte, düstere Atmosphäre einer kleinen Welt, die am Abgrund steht.

    Diese bietet einen denkbar schlechten Nährboden für Romantik, aber dennoch verliebt sich Coe in Tiam. Die beiden müssen quasi neu entdecken, wie das eigentlich geht, sich mögen, und das hatte etwas herzzerreißend Romantisches...

    Einer meiner größten Kritikpunkte war die Plausibilität. Die Menschen leben und leiden schon seit unzähligen Generationen auf der immer kleiner werdenden Insel Tides - aber sie scheinen nur wenige Strategien entwickelt zu haben für das Leben dort.

    So gewinnen sie ihr Trinkwasser zum Beispiel ausschließlich über Regenwasser, so dass sie oft beinahe verdursten, wenn es länger nicht geregnet hat... Aber man weiß doch heute schon, dass man Meerwasser erhitzen und den Dampf auffangen kann, um das Salz herauszufiltern. Würde dieses Wissen wirklich verloren gehen in einer Gesellschaft, in der solches Wissen lebenswichtig ist?

    Es gab viele Dinge, wo ich mir dachte: Was? Das kann doch nicht, das funktioniert doch nicht, wieso denn das, müsste das nicht...? Irgendwann habe ich beschlossen, die Dinge einfach hinzunehmen, aber ich hatte öfter den Eindruck, dass die Autorin ihre Welt nicht bis in kleinste Detail durchdacht hat.

    Fazit:
    496 Menschen klammern sich ans Leben auf der kleinen Insel Tides, aber das Ende ist nahe. Mitgefühl und Zuneigung sind nur noch fatale Schwächen. Die junge Coe, die aufgrund einer Behinderung als nutzlose Last angesehen wird, und Tiam, der zukünftige König dieser kleinen Welt am Abgrund, finden sich gemeinsam im Zentrum eines Aufstandes wieder, der das Ende bedeuten könnte - oder einen neuen Anfang.

    Für mich war das Buch originell und interessant, auch wenn die Spannung sich eher langsam entwickelt. Die Charaktere fand ich wunderbar, den Schreibstil hervorragend, und obwohl manche Dinge für mich nicht glaubhaft waren, habe ich das Buch doch sehr gerne gelesen.