Helene geht baden (Conte Krimi)

Rezensionen zu "Helene geht baden (Conte Krimi)"

  1. So ein Gfrett mit den Mördern

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Aug 2020 

    „Ich hab das Fräul’n Helen baden seh’n, das war schön.
    Da kann man Waden seh’n, rund und schön im Wasser stehn.“ (Fritz Grünbaum)
    Es ist ein mörderisch heißer Sommer in Köln. Eine junge Frau, Moni Dahms, wird ermordet am Ufer eines Entenweihers aufgefunden. Markant sind vor allem die tiefen Einschnitte an ihrem Bauch. Die SOKO Moni tritt auf der Stelle, können den „Messermann“ wie der Mörder von der Presse tituliert wird, nicht finden. Dann wird Helene Opfer desselben Mannes. Nur weil der einsam Rentner Fritz von gegenüber den Angriff auf Helene mit einem Fernglas beobachten kann, wird Helene rechtzeitig gefunden.
    „Helene geht baden“ ist der erste Krimi von der österreichischen Schauspielerin und Schriftstellerin Isabella Archan. Es ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der in kein Schema passt. Das liegt zu einem an der frechen Sprache und ganz besonders an der bemerkenswerten Erzählperspektive. Die Autorin dringt in die Köpfe der Opfer ein, macht die Tote lebendig und gibt einfühlsam und fantasievoll den geschunden Frauen eine ganz besondere Stimme.
    „Moni ist tot, aber nicht blöd. Überhaupt erstaunt es sie, das sie immer noch so vernünftig denken kann“
    Gleich zu Beginn sehen wir Monis toten Körper aus ihrer speziellen Sicht, später übernimmt Helene das Wort, betrachtet ihren geschlagenen, verletzten Körper von oben. Helene, die so gerne ein schaumiges duftendes Bad nimmt, die blonde lustige, üppige Helene, in die sich der alte Fritz von vis-a-vis ein bisschen verschaut hat.
    „Die Verletzte, das Opfer, die Patientin, oder einfach »Das ist Helene«.“
    Helene, die nach dem Angriff auf sie, jeden groß gewachsenen Mann als ihren Angreifer sieht, den Willa Stark, die ermittelnde Polizistin, auf ihre Liste der Verdächtigen setzen muss.
    Willa Stark ist eine schräge Persönlichkeit, nägelkauend, nasebohrend, konfus und hartnäckig. Ihr eigener Onkel Willi war vor Jahren wegen Totschlags verurteilt worden. Vielleicht findet sie deshalb so leicht die „entscheidenden Verknüpfungen zwischen all den Verdächtigen und Motiven. Vielleicht weil in ihren Adern Mörderblut floss.“ Teamfähig ist sie nicht gerade, die Willa, „das Fräulein Ösi“. Aus dem österreichischen Graz hat sich Willa über Europol nach Köln versetzen lassen. Dort hat sie es sich mit ihrem Kater Jimmy gemütlich gemacht und gut Anschluss in das deutsche Team gefunden. Aber wenn es stressig wird, dann schlägt es ihr ganz schnell den steirischen Dialekt raus.
    „So ein Gfrett…du saudeppertes ....“
    Und es ist wahrlich ein Gfrett, bis die Polizei den „Messermann“ endlich stellt. Bis dahin lebt die Geschichte von zwei ungewöhnlichen Protagonistinnen. Gut gemacht!

  1. Rabenschwarzer Krimi

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Okt 2017 

    Krimi und Komik - geht das? Isabella Archan verbindet geschickt einen spannenden Kriminalfall, in der ein schreckliches und grausames Verbrechen begangen wird, mit komischen Elementen und außergewöhnlichen Erzählperspektiven, die die Tat erträglich machen. Eine Kostprobe - der Beginn:

    "Sie sitzt auf einem Ast und versucht, mit Hilfe ihrer Gedanken den dünnen Zweig zu bewegen. Tatsächlich wippen die Blätter leicht auf und ab. Das könnte natürlich auch am Wind liegen. Moni ist zwar tot, aber nicht blöd." (S.11)

    Worum geht es?
    Moni ist ermordert worden und ihre Seele beobachtet, wie ein Jogger ihre übel zugerichtete Leiche findet. Auf ihrem Bauch finden sich Schnitte, die wie ein Jägerzaun aussehen. Gestorben ist sie am Blutverlust, gequält wurde sie nicht am Ufer des kleinen Sees im Park, an dem sie gefunden wird, sondern in ihrer Wohnung.

    Die Ermittlungen übernehmen Peter Kraus, Spitzname: alter Rocker, und die junge Kommissarin Willa Stark - gebürtig aus Graz, das Fräulein Ösi. Dort löste sie einen spektakulären Fall, der auch europaweit Interesse erzeugt hat. Die Publicity nahm man der jungen Kriminalinspektorin übel und sie wird zur Außenseiterin. Deshalb hat sie das Angebot Interpols angenommen an einem länderübergreifenden Entführungsfall mitzuhelfen. Und ist in Köln gestrandet und geblieben, wo sie beginnt, sich heimisch zu fühlen. In dem Gerichtsmediziner Harro deNärtens hat sie einen guten Freund gefunden. Trotz zahlreicher Spuren kann der Fall Moni nicht gelöst werden...

    Die zweite Protagonistin ist die junge Helene, die Baden über alles liebt und sich dieser Wonne fast täglich hingibt, beobachtet vom Rentner Fritz, der sein einsames Dasein mit Spannen fristet.
    An einem Abend beobachtet er Schreckliches gegenüber und verhindert einen weiteren Todesfall. Das, was er sieht, verändert Helenes und sein Leben nachhaltig und beschert Willa neue Ermittlungen, da der Fall dem Monis gleicht. Wird es der jungen Grazerin, deren Onkel Willi vor Jahren einen Mord im Affekt begangen hat, gelingen den mysteriösen Messermann zu finden?

    Bewertung
    Die außergewöhnliche Erzählperspektive zu Beginn des Kriminalromans hat mich neugierig gemacht und das grausame Verbrechen aus der Sicht der unbeteiligten "Seele", die ganz neutral und schmerzfrei ihren Körper betrachtet, ist so distanziert dargestellt, dass auch zart Besaitete es gut ertragen können. Die Außenperspektive tritt mehrfach im Roman auf - mit dem gleichen Effekt.
    Die ehrgeizige Ermittlerin Willa Stark, eine fast klassische Einzelgängerin, ist sehr sympathisch und erfrischend. Das Team bleibt blasser, außer der Gerichtsmediziner, aber im Mittelpunkt soll neben dem Opfer die Grazerin stehen.
    Die Handlungsweise Helenes nach dem Überfall ist schwer nachzuvollziehen, als langjährige Krimileserin und Tatort-Liebhaberin aber nicht unwahrscheinlich. Psychologisch lässt sich das "unvernünftige" Handeln sicherlich erklären.
    Die Motive des Täters werden nur angedeutet, doch auch er bleibt als Figur glaubhaft. Das Ende ist spannend und gut konzipiert - dramaturgisch gut umgesetzt.

    Eine klare Lese-Empfehlung!