Heimweh: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Heimweh: Thriller' von Marc Raabe
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Berg ist klar, dass er selbst das Ziel des Anschlags ist. Eine langvergessene Schuld drängt ans Licht. Um Isa zu finden, muss er das tun, was er nie wollte: zurück in seine Vergangenheit. Zurück ins Heim. Dort hat er gelernt, sich zu wehren, und dort wäre er beinahe getötet worden. Berg nimmt die Kampfansage an. Denn für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:432
EAN:9783548288789

Rezensionen zu "Heimweh: Thriller"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Aug 2018 

    Kindheitstrauma

    Jesse Berg ist ein angesehener Arzt. Zwar ist er von seiner Frau Sandra getrennt, seine Tochter Isa ist sein ein und alles. Jesses Entsetzen kennt keine Grenzen als er erfährt, dass Isa entführt wurde. Gemeinsam mit der besten Freundin seiner Frau macht er sich auf die Suche nach dem Kind. Jule, die Jesse nicht über den Weg traut, kommt zwar mit. viel lieber würde sie aber die Polizei verständigen. Genau das hat der Entführer mit der Drohung verboten, er würde die Kleine umbringen. Jesses einziges Ziel ist es, seine Tochter wieder zu bekommen. Und eine vage Spur führt in seine Vergangenheit.

    Was tut ein Vater nicht alles, um für das Wohl seines Kindes zu sorgen. Natürlich versagt er im Alltag manchmal, gerade nach der Trennung. Als Arzt ist er im Streß, vergisst mal was, ist unpünktlich. Aber als das Leben seiner kleinen Tochter bedroht wird, ist er da. Die kleine Isa ist einfach der wichtigste Mensch in seinem Leben. Ein Leben, dass nicht immer geradlinig verlaufen ist. An Phasen in seiner Kindheit kann Jesse sich kaum erinnern, aufgewachsen ist er in dem Heim, zu dem er jetzt zurück fährt. Doch wer dort sollte etwas gegen ihn oder gar gegen seine Tochter haben. Sicher jedenfalls wird es kein fröhliches Wiedersehen geben.

    Schnell ist man im Geschehen um den Arzt Jesse Berg. Auch wenn seine Verhaltensweisen nicht immer ganz schlüssig erscheinen, bleibt die Spannung doch immer erhalten. Nach und nach entwickelt sich eine packende Story mit einem fesselnden Bezug in die Vergangenheit des Arztes. In dem alten Kinderheim ging und geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Sowohl unter den Leitenden als auch unter den Kindern und Jugendlichen herrschen Cliquen und nicht immer haben alles das Wohl des anderen im Sinne. Ein gut zu lesender Thriller mit einer Auflösung, mit der die meisten Leser sicher nicht rechnen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Aug 2018 

    Dunkle Vergangenheit...

    Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Berg ist klar, dass er selbst das Ziel des Anschlags ist. Eine langvergessene Schuld drängt ans Licht. Um Isa zu finden, muss er das tun, was er nie wollte: zurück in seine Vergangenheit. Zurück ins Heim. Dort hat er gelernt, sich zu wehren, und dort wäre er beinahe getötet worden. Berg nimmt die Kampfansage an. Denn für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

    Jesse Berg ist entsetzt, als er seine Tochter besuchen will und in der Wohnung nur seine Exfrau ermordet vorfindet. Von seiner Tochter Isa keine Spur, nur ein Spruch an der Wand: 'Du hast sie nicht verdient!'. Der erfolgreiche Kinderarzt wähnt sich in einen Alptraum katapultiert - der gleich noch einmal schlimmer wird, weil die Freundin seiner Exfrau die Wohnung in dem Moment betritt als er sich über die Leiche beugt. Es scheint kaum möglich, Jule zu erklären, dass er nicht der Mörder ist, denn verständlicherweise ist die Freundin außer sich.

    Keine Polizei, so viel ist Jesse klar, denn auch die würde ihn möglicherweise für den Täter halten - und Zeit kosten. Zeit, die Jesse nicht hat, denn er muss seine Tochter suchen. Und er ahnt schon, dass die Lösung in seiner Vergangenheit liegt. In einer Zeit, auf die er nie wieder zurückblicken wollte, einer Zeit, die Löcher hat, denn mit 13 Jahren hatte Jesse einen Unfall, der alles auslöschte, was davor war. Seither hatte der Kinderarzt nie das Gefühl, wirklich er selbst zu sein, da ihm immer etwas fehlte.

    Jesse zwingt Jule mit ihm zu kommen, in die Berge nach Garmisch-Partenkirchen, zum Kinderheim, in dem er aufwuchs. Denn er braucht Antworten, muss endlich wissen, was damals genau geschah - und wer er vor dem Unfall war. Und diese Antworten können ihm nur die Menschen geben, die dort noch leben. Denn sonst, so ahnt Jesse, sieht er seine kleine Tochter nie wieder...

    Marc Raabe, der aus dem Bereich der Filmproduktion kommt, lässt hier mehrere Handlungs- und Zeitsträngen nebeneinander herlaufen - aus der Sicht von Jesse (in Gegenwart und Veragngenheit) wird ebenso erzählt wie aus der Sicht der kleinen Isa, gelegentlich auch anderer Figuren. Durch die kleinen Cliffhanger, die häufig am Ende der Abschnitte auftauchen, entsteht so ein Lesefluss, der v.a. im letzten Drittel des Buches kaum noch zu stoppen ist. Es gelingt dem Autor, die einzelnen Stränge zunehmend miteinander zu verflechten, so dass am Ende tatsächlich für mich keine Fragen mehr offen blieben.

    Der Spannungsbogen ist von Anfang an gegeben und steigert sich zum Ende hin, wobei zu Beginn v.a. auch die vielen Fragezeichen und ungeklärten Details für Spannung sorgen, während es gegen Ende dann in einem klassischen Showdown mündet. Die geschilderten Gewaltszenen sind nichts für zarte Gemüter, doch empfand ich sie diesmal wohldosierter als beispielsweise in 'Der Schock'.

    Die Atmosphäre ist düster und kalt, die Charaktere authentisch gezeichnet. Auch wenn es die ein oder andere nicht ganz glaubwürdige oder nachvollziehbare Stelle gibt, hat mich der Thriller als Ganzes diesmal wirklich überzeugt. Dies freut mich um so mehr, als ich mit einem anderen Thriller von ihm ('Der Schock') so gar nicht zurechtkam. Da zeigt sich wieder einmal, dass es sich durchaus lohnen kann, einem Autor auch eine zweite Chance zu geben!

    © Parden