heimelig: Warum Nelly aus dem Altersheim spazierte und nie mehr wiederkam

Buchseite und Rezensionen zu 'heimelig: Warum Nelly aus dem Altersheim spazierte und nie mehr wiederkam' von Blanca Imboden
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Nelly ist mit ihren 77 Jahren eine fröhliche, selbstbewusste, gesunde und recht muntere Witwe. Trotzdem zieht sie ins Altersheim, weil ihre Tochter Trudi den dringenden Wunsch hat, ihr gemütliches Elternhaus durch einen modernen Neubau zu ersetzen. Trudi verspricht ihrer Mutter zwar eine coole Einliegerwohnung, aber da macht Nelly – auch ein wenig trotzig – nicht mit. Dann lieber grad ab ins "heimelig". Dort wird es ihr aber schon bald ganz unheimelig langweilig, und sie überlegt sich, dass sie – jetzt, wo sie so viel Zeit hat – eigentlich auf Reisen gehen könnte. Nicht weit, nur durch die Schweiz. Nicht lang. Nur immer für einen Tag. Die Idee dahinter: Sie will das Abc abreisen. Und so macht sie sich auf den Weg nach Ascona, nach Buochs, nach Chur und erlebt dabei einiges.
Sie macht neue Bekanntschaften, lernt die Drogenfahndung kennen, muss einen Panflötenspieler abwimmeln und bringt sogar das Leben ihrer Enkelin Kim durcheinander. Natürlich nicht mit Absicht. Mit Absicht zieht sie aber ihre Aktion "Spiegeleier für alle" durch, und die, die wird ein voller Erfolg. Die Quintessenz aller gemachten Erfahrungen überrascht Nelly, denn sie begreift: Sie ist zwar alt, aber sooo alt dann doch wieder nicht. Und schließlich lässt sie die Erkenntnis zu: "Ich will eigentlich nur eins: raus! Und wieder leben, möglicherweise sogar wieder lieben."

In Blanca Imbodens Altersheim-Roman wird gelacht und geliebt, gelebt und gestorben. Die Autorin beschreibt liebevoll das Zusammenleben von alten Menschen, hat genau beobachtet und recherchiert und erzählt neben viel Traurigem auch eine sehr fröhliche und durch und durch lebensbejahende Geschichte, die Mut macht, auch mal gegen den Strom zu schwimmen.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:224
EAN:

Rezensionen zu "heimelig: Warum Nelly aus dem Altersheim spazierte und nie mehr wiederkam"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Mai 2019 

    Die Seniorensammelstelle

    Nelly ist 77, immer noch neugierig auf das Leben und fit. Warum wählt sie eine Seniorenresidenz? Weil ihre umtriebige, alles optimierende Tochter Trudi nach dem Tod des Vaters das alte Elternaus abreißen liess und ein neues Familienhaus baute. Auch für die Mutter würde sich doch in einer Einliegerwohnung Platz finden.

    Doch Nelly behagt das nicht, abhängig möchte sie nicht werden, dann lieber ein Heim. Wo es doch ganz neu ist und den Namen „Heimelig“ trägt. Aber der Schein trügt. Nicht umsonst treibt seit einiger Zeit ein Poltergeist sein Unwesen und setzt auf jedem Schild ein „Un“ vor den Namen. Es ist der alltägliche Frust mit zu wenig Personal und zu engen Zeitplänen. Mit der Massentauglichkeit, die keinen Platz für individuelle Wünsche lässt. Es sind Kleinigkeiten die Nelly stören. So wird nach einem kurzen Anklopfen immer sofort die Tür geöffnet, eigentlich eine Unhöflichkeit. Die Küche ist altersgerecht, aber warum muss sie deshalb geschmacksarm und weich verkocht sein?

    Aber Nelly muckt auf. Nicht nur, dass sie beschließt sich mit kleinen Tagesausflügen ihre Zeit zu vertreiben, sie wird auch zur Protokollantin der Beschwerden. Sie wollen der Direktorin Meier nicht das Leben schwermachen, aber sie auch nicht einfach unterbuttern lassen. Ja, mit Nelly kommt Trubel in das Heim.

    Dieser Roman ist dem Leben abgelauscht. Die meisten älteren Leser werden Erfahrungen mit dem Umgang ihrer Eltern und Großeltern haben, sie werden vielleicht auch das eine oder andere Altenheim kennen. Vielleicht auch mit Grauen an die Zukunft denken, wenn sie selbst vielleicht einmal in einem solchen „Mumienspeicher und Runzelsilo“ – wie die Insassen ihr Haus mit Selbstironie nennen – leben müssen.

    Es wird viel gelacht in diesem Buch, Frau Imboden hat eine ganze Menge komische und witzige Einfälle verarbeitet, die dabei ganz realistisch sind. Es wird aber auch geweint – denn Trauer und Tod kann man nicht ausblenden. Ich muss gestehen, auch ich habe ein-zwei Tränchen verdrücken müssen.

    Mir hat das Buch großen Spaß gemacht und trotzdem auch einen realistischen Blick auf das Alter ermöglicht und für die Situation in Altenheimen sensibilisiert. Das ist ein großer Verdienst der Autorin, die ihre Erfahrungen gründliche Recherche eingebracht hat.