Hard Land

Buchseite und Rezensionen zu 'Hard Land' von Benedict Wells
4.6
4.6 von 5 (25 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hard Land"

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
EAN:9783257071481

Rezensionen zu "Hard Land"

  1. Und es war Sommer …

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Apr 2021 

    Anfangs war ich erstaunt, dass Wells seinen Coming-of-Age-Plot in einem für ihn sicher völlig unbekannten Universum (tiefstes Missouri in den 80iger Jahren) ansiedelt, einer Welt, die er sich mit einer umfangreichen Recherche erst erschließen musste, aber vielleicht wollte er damit einfach nur im amerikanischen Raum Fuß fassen, denn die Geschichte ist zeitlos und könnte an jedem anderen beliebigen Ort spielen.

    Schon Wells erster Satz schlägt wie eine Bombe ein (später wird man feststellen, dass der Autor – wie ich auch – eine Vorliebe für gute erste Sätze hegt), und spätestens ab diesem ersten Satz weiß der Leser, dass es ein unheimlich guter Roman werden wird. Schnell taucht man in die Story ein und wird wieder in eine Welt („Hard Land“) zurückversetzt, die man einst verlassen hat, eine Welt, deren Schmerz man nur noch erinnern, nicht fühlen kann.

    Ich habe mich am Anfang lange gefragt, warum Wells gerade diesen Titel gewählt hat, denn der Gedichtband „Hard Land“, den der Held im Literaturkurs analysieren soll, steht nicht unbedingt im Fokus der Story – ich hätte da vielleicht eher zum Titel „Der Mystery Club“ gegriffen – aber im letzten Kapitel, wo der Roman genauso bombenmäßig endet wie er angefangen hat, wird dann alles glasklar und die letzten Zweifel ausgeräumt.

    Für mich ist dieser Roman wie ein Pendant zum wunderschönen Song von Peter Maffay „Und es war Sommer“, in dem ein ebenfalls Sechzehnjähriger den langen warmen Sommer als Mann beendet.

    Fazit: Ein bewegender Coming-of-Age-Roman, der einen wieder in die Zeit versetzt, in der man sich unsterblich gefühlt hat. Absolutes Jahres-Highlight!

  1. Ein besonderer Sommer

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Apr 2021 

    Der fünfzehnjährige Sam Turner lebt 1985 in der Kleinstadt Grady in Missouri, wo nicht viel los ist. Sein Vater ist arbeitslos, seine Mutter an Krebs erkrankt und er ist ein Außenseiter, seit sein bester Freund ist weggezogen. Nun soll er den Sommer bei seiner Tante in Kansas verbringen. Sam und seine Cousins verstehen sich überhaupt nicht, und so nimmt er einen Aushilfsjob im Kino an. Doch dann nimmt der Sommer eine unverhoffte Wendung für Sam. Er findet Freunde und verliebt sich. Doch dann geschieht etwas, dass ihn zwingt erwachsen zu werden.
    Dies war mein erster Roman von Benedict Wells und auch sicherlich nicht mein letzter. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und ich fühlte mich, als sei ich ein Bewohner von Grady.
    Es ist ein trostloses Leben in dem kleinen Ort. Wirtschaftlich ging es bergab nachdem die Textilfabrik geschlossen hat. Viele sind weggegangen und die übrigen haben keine Perspektive. Nicht schön für einen jungen Menschen wie Sam. Dann geht es auch noch seiner krebskranken Mutter immer schlechter. Außerdem hat Sam die üblichen Probleme mit dem Erwachsenwerden, eine Zeit in der man sich in der eigenen Haut nicht wohlfühlt. Doch sein Ferienjob verändert alles. Er gewinnt Freunde und verliebt sich in Kristie. Für Sam wird es ein ganz besonderer Sommer – bis das Schicksal zuschlägt.
    Ich mochte Sam, der authentisch und lebendig beschrieben ist. Aber auch die anderen Charaktere sind gut und vielschichtig dargestellt. Auch das Ende dieser Geschichte finde ich passend.
    Mich hat dieser Roman von Anfang an gepackt und ich kann ihn nur empfehlen.

  1. Ein mitreißender Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Apr 2021 

    Missouri 1985: Der 15-jährige Sam nimmt einen Ferienjob im alten Kino an. Damit beginnt für ihn ein Sommer, den er niemals vergessen wird. Er ist kein unscheinbarer Außenseiter mehr, findet Freunde und verliebt sich.

    Die Beschreibung dieses Romans hat mich sehr neugierig gemacht, besonders der Hinweis auf den Film 'Stand By Me', den ich absolut liebe. Außerdem kannte ich bisher noch kein Buch dieses Autors.
    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, sehr bildhaft und fesselnd und voller Gefühl. Ich war sofort komplett gefangen von dieser Geschichte und musste immer weiterlesen.
    Die Charaktere wirkten lebendig und authentisch. Sam hat mir sofort gefallen und ich mochte ihn total gerne. Ich habe ihn richtig ins Herz geschlossen.
    Die Story hat mir sehr gut gefallen. Das Flair der 1980er wurde super beschrieben, ich fühlte mich richtig in die damalige Zeit zurückversetzt und hatte alles sehr gut vor Augen. Da kamen so manche Erinnerungen hoch und ich musste mir unbedingt passende Musik anmachen.
    Sam in diesem für ihn ganz besonderen Sommer zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben war toll und spannend. Was wird er alles erleben? Welche neuen Freundschaften entwickeln sich? Wie erlebt er die erste Liebe? Die Handlungen und Erzählungen waren lebendig und berührend, ich war wirklich mittendrin. Die Gedanken und Gefühle waren sehr authentisch und mitreißend dargestellt.
    Das Ende hat mir sehr gut gefallen, es war sehr passend zu der Geschichte und rundete sie super ab.

    Ein fesselnder Roman um Sam und seinen ganz besonderen Sommer. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Zwichen Euphorie und Melancholie...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Apr 2021 

    „Entdecke die 49 Geheimnisse von Grady“ heißt es auf dem Schild einer Kleinstadt in Missouri. Sam ist fünfzehn und kennt kein einziges, und auch sonst besteht sein Leben eher aus Tiefpunkten. Bis er seinen Ferienjob in einem alten Kino anfängt. Dort trifft er nicht nur auf den schlagfertigen Cameron und den in sich gekehrten Sportler Hightower, sondern auch auf die draufgängerische und etwas ältere Kirstie, in die er sich verliebt. Doch alle drei haben gerade ihren Abschluss gemacht und werden im Herbst wegziehen. Sam bleibt also nur dieser eine Sommer mit seinen Freunden. Nur wenige Wochen, in denen er nicht nur die Geheimnisse seines Heimatorts entdeckt, sondern auch, wer er selbst ist. Und was es heißt, sich dem Leben wirklich zu stellen.

    Der erste Satz: „In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“ (S. 11)

    Ich war sehr gespannt, wie jemand, der die 80er Jahre nicht miterlebt hat (zumindest nicht bewusst), diese Atmosphäre würde beschreiben können. Nun, Benedict Wells kann. Sehnsucht habe ihn dazu getrieben - und ein intensives Eintauchen in die Filme und Musik dieser Epoche habe ihn dabei unterstützt. Neben einer atmosphärischen Erzählung um einen heranwachsenden Jugendlichen ist der Roman gleichzeitig auch eine Hommage an die Musik sowie an berühmte Coming-of-Age-Filme der 80er Jahre wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹. Zeitweise fühlte ich mich geradezu in eine Filmkulisse versetzt, was kitschig geraten könnte, es für mich aber zu keinem Zeitpunkt war.

    Sam ist ein unsicherer 15Jähriger, der seit dem Umzug seines besten Freundes keine Kumpel mehr hat und sich am liebsten in seine Bücher vergräbt. Seine Mutter kämpft gegen einen Hirntumor an, und so ist auch das Familienleben überschattet, von seinem Vater fühlt sich Sam nicht verstanden, und seine ältere Schwester ist schon vor längerer Zeit ausgezogen. Als seine Eltern ihn in den Ferien zu seinen gewalttätigen Cousins schicken wollen – er brauche Gesellschaft -, beschließt Sam, stattdessen lieber einen Ferienjob anzunehmen. Und so landet er im altmodischen Kino der kleinen Stadt, und sein Leben beginnt sich zu verändern.

    „… da vergaß ich die Zeit und ließ mich mitreißen, und ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben lang fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich.“ (S. 192)

    Im Kino trifft sich sozusagen der Club der Außenseiter - und so erlebt Sam zum ersten Mal seit dem Weggang seines Freundes Zugehörigkeit außerhalb der Familie. Auch wenn das eine Freundschaft auf Zeit zu sein scheint, bietet sie Sam die Möglichkeit, stundenweise der Enge und der Angst in seiner Familie zu entkommen. Zwischen Euphorie und Melancholie pendeln die Ereignisse dieses Sommers, und der*die Leser*in pendelt mit ihm. Freundschaften, die erste Liebe, Mutproben, Musik und Filme, Hoffnung und Zukunftsvisionen, Ängste und Schuldgefühle, die Erforschung der 49 Geheimnisse von Grady – und der Ernst des Lebens. Eine Menge Themen für die wenigen Wochen, und doch gerät dadurch alles in einen Wandel.

    ‚Hard Land‘ ist nicht nur der Titel dieses Romans, sondern gleichzeitig auch der Titel eines fiktiven Gedichtbandes von Gradys einzigem (und ebenfalls fiktivem) Schriftsteller. Dieser Gedichtband zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und wirft nicht nur erhellende Einblicke auf das Geschehen um Grady und seine Geheimnisse, sondern auch auf das Erwachsenwerden an sich. Und ebenso wie der Gedichtband sich in fünf Teile gliedert, einem Drama entsprechend, spiegelt sich das wiederum in diesem Roman…

    „...und da kapierte ich, (…) dass es nicht die gleichen neunundvierzig Geheimnisse für alle gab, sondern jeder seine eigenen hatte. Es waren die Blaubeermuffins dienstags bei Mrs. Ricks ebenso wie der Mystery Club, das Dach des Kinos und der Schrei des Vogels, der wusste wann es regnete (…) Aber das beste Geheimnis war, wie sich Kirsties Haar im Fahrtwind anfühlte.“ (S. 186 f.)

    Benedict Wells lässt sich Zeit mit dem Erzählen seiner Geschichte, so dass nicht nur ausreichend Raum bleibt für eine atmosphärische Schilderung des Kleinstadtlebens (phasenweise erinnerte mich das an die Romane von Kent Haruf) sowie für das Einbinden zahlreicher Filmtitel und Songs (einschließlich Soundtrack für diesen Roman), sondern auch für die Darstellung aller wichtigen Charaktere und nicht nur des Ich-Erzählers Sam. Ganz allmählich schälen sich so auch Sams Eltern und seine Schwester sowie seine neuen Freunde Cameron, Hightower und Kirstie aus den Seiten, was einen Einblick auch in ihren Hintergrund, ihre Gedanken- und Gefühlswelt verschafft. Hauptperson jedoch bleib Sam, der ein Jahr nach diesem einen Sommer die Geschehnisse zu Papier bringt.

    Die Erzählung lässt sich flüssig lesen und nimmt den*die Leser*in nicht nur mit auf eine Zeitreise in die 80er Jahre – und womöglich zurück in die eigene Jugend -, sondern auch auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Die Wortneuschöpfung ‚euphancholisch‘, die Kirstie in diesem Roman prägt, trifft den Charakter des Romans sehr gut. Gleichzeitig lachen und weinen? Bitte sehr. Dabei gerät die Erzählung glücklicherweise nicht ins Kitschige, sondern weiß an der ein oder anderen Stelle doch auch zu überraschen und ist nebenbei gespickt mit lebensklugen Sätzen. Das Ende mag polarisieren und nicht jedem gefallen, aber für mich passt es zu dem Motto: ‚Hommage an die Coming-of-Age-Filme der 80er Jahre‘, und insofern war es für mich stimmig…

    „Ich dachte nur noch von Tag zu Tag, und allmählich begriff ich: Trauer ist kein Sprint, Trauer ist ein Marathon. Und auf dieser Strecke gab es Stellen, an denen es besser lief, und andere, an denen ich kaum Luft bekam.“ (S. 274)

    Eine warmherzige, humorvolle und gleichzeitig berührende Geschichte voller 80er-Jahre-Flair. Über den Schmerz des Erwachsenwerdens und ein Lebensgefühl, das man nur einmal erlebt. Atmosphärisch, euphancholisch, glaubhaft, voller Sehnsüchte. Lesen – am besten nicht nur einmal!

    © Parden

  1. Coming of Age

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Apr 2021 

    1985, Sommer in Missouri. Sams Eltern möchten ihn zu seinen Cousins schicken, damit er über den Sommer nicht so allein ist und endlich mal unter Leute kommt. Um das zu verhindern sucht sich Sam einen Aushilfsjob im letzten Kino der Stadt. Dort lernt er Brandon, Cameron und Kristie kennen, alle älter als er und kurz vor dem Sprung aufs College. Nach und nach wird er Teil der Gruppe und in diesem Sommer erfährt Sam endlich, was Freundschaft, Zusammenhalt und auch Liebe bedeuten können.

    Benedict Wells gelingt mit diesem Buch ein Kinofilm auf Papier. Ich konnte mir von Anfang an Grady und die Umgebung bildlich vorstellen. Dazu kommt natürlich die Ähnlichkeit der Story zu den damaligen Kultfilmen wie Breakfast Club und American Graffiti, die auch im Buch eine große Rolle spielen. Den Schreibstil fand ich toll zu lesen, dadurch, dass Sam seine Erlebnisse dieses Jahres in seiner Jugend ganz offensichtlich als Erwachsener mit dem Leser teilt, bildet sich eine gewisse Melancholie beim Lesen. Nicht alles was passiert, ist toll und an manchen Stellen ist die Geschichte ganz schön traurig, aber am Ende ist es eine runde Geschichte über einen Außenseiter, der langsam seinen Platz im Leben findet.

    Für mich war es das erste Buch von Benedict Wells, aber sicher nicht das letzte. Und auch dieses Buch werde ich wohl noch ein weiteres Mal lesen. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, für mich gehört es definitiv zu den diesjährigen Jahreshighlights.

  1. Die Pfade mehrerer Leben treffen aufeinander im harten Land….

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Apr 2021 

    Hard Land von Benedict Wells

    Euphancholie. Ich kann nicht anders, als meine Rezension mit diesem im Buch vorkommenden Wort zu eröffnen. Beschreibt die Euphancholie doch genau DIESES EINE Gefühl, das eben nicht nur im Roman auftaucht, sondern damit auch gleich etwas Bittersüßes. Die Mischung aus Euphorie und Melancholie. Und damit wohl bei vielen die Erinnerung an die Jugendzeit, die so gemischt war, und aus Hochgefühlen bestand, an die man sich zu gern erinnert. Die aber gleichzeitig auch traurig macht, weil diese Zeit vorbei ist, und nie mehr wiederkommt. Es ist auf jeden Fall ein Wort, dass einen zwiespältig zurücklässt, in allen Dingen. Man ist froh erwachsen zu sein, nicht mehr wie ein Teenager durch alle Lebenslagen zu stolpern, aber gleichzeitig sehnt man sich nach der Unbeschwertheit dieser Zeit. Und weil die Geschichte von Hard Land genau das wiedergibt, die Euphancholie, werde ich mich diesmal gar nicht so lange im Einleitungstext aufhalten, wollte es nur schnell erwähnen. Denn was das Buch noch mehr als andere geschafft hat, war, dass es ziemlich viele Gedanken in meinen Kopf gezaubert hat. Dazu weiter unten im Text mehr.

    ….hier also schon die Geschichte des Buches:

    Samuel „Sam“ Turner ist 15, fast 16, und wir befinden uns mit ihm im Sommer 1985. Und es geht im Buch nun darum, ein Geheimnis zu ergründen, oder auch 49. Das Geheimnis eines Sommers? Der Jugend? Des Erwachsenwerdens? Des Verlustes? Oder gar etwas ganz Anderes? Dies offenbart sich euch am Ende. Denn die Geheimnisse seiner eigenen Jugend muss natürlich jeder für sich selbst entdecken, erleben und lösen :). So wie Sam in diesem Buch. Und so ist die Geschichte nicht nur Sams Geschichte, sondern die von uns allen, und unserer Jugend. Genau darum geht es. Denn Sam ist ein Außenseiter, spricht nicht viel, hat Angst vor Vielem, wird von anderen nicht wahrgenommen. Bis er in just diesem Sommer einen Job im alten Kino seiner Heimatstadt annimmt, Grady, diese Stadt die so eng, konservativ, langweilig, engstirnig, so sterbend erscheint, und ihm am Ende des Sommers doch so viel gegeben, aber auch genommen hat. Denn mit Kirstie, Cameron und Hightower, alle ein klein wenig älter und im letzten Schuljahr, verbindet ihn ziemlich bald nicht nur der Job im Kino, sondern genau dieser Sommer der Sehnsucht, die erste Liebe, die eigene Identitätsfindung, Erwachsenwerden, Freundschaft, Rebellion, Ablösung, Trauer und Selbstfindung. Aber das Buch erzählt auch von einer dunklen Seite, Sam nennt es sein dunkles Summen, das uns die Geschichte eines Jungen erzählt, dessen Mutter krank ist, der seinem arbeitslosen Vater aus dem Weg geht, der anfangs sehr schmächtig und in sich gekehrt ist, keine Freunde hat, und eine Schwester und einen besten Freund, die ihn beide sozusagen „verlassen“ haben. Der Sommer wo etwas beginnt, ist auch der Sommer, wo etwas endet. Nicht nur symbolisch, sondern wahrhaftig. Die Kindheit endet, die Jugend ist da, das Leben fängt nun richtig an, die eigene Freiheit, aber gleichzeitig auch die Düsternis und Dunkelheit, und der Tod. Das Ende überhaupt. Ob das Buch sich trotzdem von anderen Geschichten des Erwachsenwerdens unterscheidet? Definitives JA. Und am Ende darf jeder herausfinden, was Hard Land für ihn bedeutet, was es aussagt, was es mit diesem Buch zu tun hat, was sein Geheimnis ist, und wie man es am besten löst.

    Cover:

    Ein typisches Diogenes Cover, das aber trotzdem mit der Geschichte zu tun hat. Es verkörpert nämlich genau DAS, was im Buch beschrieben wird. Das Alleinsein der Jugend, sich einsam fühlen, aber auch Licht drum herum, das für Hoffnung sorgt, und sagt, dass man in allem Erwachsenwerden dann doch nicht alleine ist. So zumindest meine Interpretation.

    Fazit, und ein sehr langes Gedankenallerlei zum Buch:

    Um es mit den Worten aus Hard Land zu sagen: Dieses Frühjahr war chaotisch katastrophal, aber es war auch das Frühjahr, in dem ich mich in dieses Buch verliebte.

    Sam Turner, einen ganz großen Dank dafür, dass du mich in die Zeit des Jahrs 1985 mitgenommen hast, um mich an deinem Sommer teilhaben zu lassen. Das Buch braucht eine Weile, wirkt in einem nach. Man sollte sich nicht durchhetzen, um es so schnell wie möglich durchzulesen. Und ich gebe zu, die Lektüre des Buches etwas hinausgezögert zu haben, ganz einfach, weil ich etwas länger in der Zeit, der Atmosphäre, und im Zeitgeist der Geschichte gefangen sein wollte. Damit ich ein bisschen länger eintauchen konnte in das Erlebnis Hard Land. Fast sind die Szenerien so intensiv, dass man erstmal blinzeln muss, um wieder in der Realität und im Jetzt zu landen. Also liebes Hard Land. Vielen Dank, dass ich dank dir nochmal jung sein durfte. Also, zumindest ein kleines bisschen jünger, als ich jetzt bin. Ich könnte nicht mal sagen, welche Lieblingsszene ich habe, da sich grandiose Szene an Szene reiht, und das Buch sich somit zu einer einzigen Lieblingsszene von Anfang bis Ende zusammensetzt. Nur dass man in dieser Szene durch alle Emotionen rollt, in ihr weint, lacht, grinst, sich gut und schlecht, hilflos, aber auch berauscht fühlt. Fast fühlt man sich beim Lesen zurückversetzt in eine Zeit, als Mitglied eines Geheimclubs, dessen Ziel es ist, gemeinsam mit den Protagonisten das Geheimnis des Buches zu entschlüsseln, und wenn es dann vollbracht ist, fühlt man sich dazugehörig. Und nach dem Buch fühlt es sich auf einmal einfach nur cool an, die Außenseiterin zu sein, die jeder anstarrt :D

    Die 80er Atmosphäre ist einfach wunderbar eingefangen, und man fühlt sich im Buch wohl und beschützt, wie in einer Blase aus Jugendlichkeit und Freiheit. Und das, obwohl man doch so sehr auch im Buch bedroht wird, und die reale Welt aus Erwachsensein und problematischen Themen versucht, die Blase anzugreifen. Sie schafft es aber nicht, die Blase ganz kaputt zu machen. Und so ist es genau diese Mischung, die im Buch unheimlich gut hinbekommen wurde. Das Gleichgewicht aus Traurigkeit, Problemen, und einer sehnsüchtigen Jugendlichkeit verbunden mit allem, was Freiheit in der Jugend bedeutet. Und das, obwohl die unterschwellige Drohung einer Katastrophe immer da und gegenwärtig ist, etwas womit man sich auseinandersetzen muss: Das eigene Erwachsenwerden, aber auch die eigene Sterblichkeit. Ganz besonders gefallen hat mir das Flair der Kleinstadtatmosphäre, aus einer anderen Zeit. In der die Menschen und Jugendlichen, sich noch auf ganz andere Dinge besonnen haben. Wo es noch keine Überdigitalisierung gab, man sich untereinander mit Menschen beschäftigt hat, und es nicht so viel Ablenkung vom Menschsein gab. Wodurch man sich auch selbst schneller finden konnte, und sich als Mensch nicht verloren hat.

    Die Entwicklung, ja gar Metamorphose, Sams ist so anschaulich geschaffen, dass man sie dauerhaft im Kopf hat. Vom kleinen schüchternen und schmächtigen Kerl, der kaum etwas sagt zum jungen Mann der viel nachdenkt, sich wehrt, und quasi zum Erwachsenwerden gezwungen wird. Man hat tatsächlich immer ein Bild der Wandlung vor Augen, und es wird hier geschafft, dass auch das Benehmen so angepasst ist, dass man immer weiß, was Sache ist, und alles nachvollziehen kann. Ich nenne es einfach mal die Allegorie des Erwachsenwerdens. Die Charaktere behalten durchgängig ihre Individualität. Sie bleiben individuell in ihrem eigenen Selbst, und das, obwohl sie zusammen eine Gruppe ergeben, die mal mehr, und mal weniger zusammenhält, sich aber vor allem versteht. Denn in ihrer Individualität sind sie gar nicht so unterschiedlich, selbst wenn sie so erscheinen. So ist es, wenn Leute aufeinandertreffen, die denken, nichts gemeinsam zu haben, und dann doch merken, mehr gemeinsam zu haben, als offensichtlich ist. Das anfängliche Nichtwissen von Sam erscheint sympathisch, fast wie bei einer Identifikationsfigur, der man sich nahe fühlt, wenn man an seine eigenen Unsicherheiten als Teenager (oder eben heute noch) denkt. Geschrieben mit so viel Wortwitz, der gleichzeitig eine Ehrlichkeit ausstrahlt, der man sich unweigerlich ergeben muss. Die Sehnsucht und Nostalgie nach der eigenen Jugend fließt in jedes Wort und jede Szene mit ein, und die Erlebnisse der eigenen Jugendzeit sind sofort wieder präsent. Man mutiert ein wenig zum 15jährigen Teenager beim Lesen, etwas Zeitloses passiert, mit Feinsinn und Durchblick geschrieben. Getrieben von einer ernsthaften Wahrhaftigkeit, oder einer wahren Ernsthaftigkeit. Man merkt der Seele des Buches an, dass sie manchmal schreien will, es aber nicht tut, und trotzdem erkennt man unter dem Schreibstil, der Humoriges erzählt, das Tiefgründige und fast schon melancholisch anmutende, das in kleinen Nuancen erwähnt wird, die aber eine große Sprengkraft haben. Die Atmosphäre ist sehr dicht gewoben, mit wenigen Worten wurde geschafft, viel zu sagen. Geschrieben mit der Rebellion, des Irrsinns, und mit den Worten, der Stimmung und vor allem der Stimme einer Jugend, die so immer da war, und wohl immer da sein wird. Mit den Selbstzweifeln der Jugend gespickt, in der man so vieles an sich selbst nicht mag.

    Und wichtig! Das Buch ist durchwirkt von Musik, ein Ausflug in die Film- und Musikwelt der 80 er. Und ja…. Als Film – und Musikfreak mag ich auch das Heutige, schaue aber mit Tränen in den Augen auf das Vergangene zurück. Und musste dieses Durchzogene im Buch einfach erwähnen. Denn bei so mancher Musikszene im Buch musste man die Augen schließen ob der Gänsehaut, sie sich auf den eigenen Armen ausgebreitet hat, weil man sie so sehr fühlen konnte. Diese Gänsehaut – oft auch Tränenszenen, gab es natürlich bei Szenen außerhalb der Musik. Die noch eine andere Wirkung hatte. Denn ich gebe zu, dass mein Kopf während der Lektüre des Buches eine einzige 80 er Jahre Diskothek, die nicht nur dafür gesorgt hat, dass ich mit mir selbst getanzt habe (Dancing with myself, ohoooo), sondern auch während der Lektüre. Und das sowohl körperlich, als auch gedanklich, und mit Emotionen voller Freude. Hineingeschmissen wurde ich in einen Wirbel aus Erinnerungen, den Spirit einer anderen Zeit, und den Problemen eines Teenagers, dessen Probleme greifbar und wirklich da waren. Selbst die Einsamkeit und das Alleinsein.

    Ich möchte nicht sagen, dass es etwas völlig Neues ist, eine Geschichte zu lesen, in der sich jugendliche Sonderlinge zusammentun, und den Sommer ihres Lebens und des Erwachsenwerdens spüren, und uns mitnehmen in ihren Gedanken und Gefühlen. Doch das ist nun mal ein Merkmal des Coming of Age Genres. Aber erstens ist jede einzelne Geschichte des Erwachsenwerdens so individuell und einzigartig wie jeder Mensch selbst. Und zweitens schafft es die bildhafte Sprache einfach eine Atmosphäre zu schaffen, die einen traurig und niedergeschlagen, aber gleichzeitig auch fröhlich sentimental, und gar schmunzelnd zurücklässt. Und von dieser Atmosphäre lebt das Buch. Deswegen ist das Erwähnen von den „Geschichten und Büchern meiner Jugend“ auch nicht als Kritik gemeint, weil andere Geschichten ihre ganz eigene Individualität haben. Genau wie dieses Werk. Und erwähnen muss ich wenigstens Filme wie „The Breakfast Club“, „Stand by me“ oder sogar „ES“ u.v.m. In genau diesem Zeitgeist der Filme, der Bücher, der Geschichten, die sich mit dem Erwachsenwerden, da spielt sich auch Hard Land ab. Es zeigt uns etwas auf, dass es heute gibt, und immer gegeben hat, nämlich die Wandlung vom Kind zum Erwachsenen, und das Erkennen, dass die Zeit der Kindheit unweigerlich vorbei ist, aber man auch noch nicht ganz ein richtiger Erwachsener ist. Diese Zeit des Zwielichtes zwischen Kindheit und Erwachsensein, die ist magisch. Und zwar für jeden einzelnen Menschen. Und natürlich hat jede Zeit ihren Reiz. Jugendliche der 60 er z.B. werden genau diese Zeit lieben, und sich nach ihrer Zeit des Aufbruchs sehnen. Und somit regt das Buch nicht nur zum Nachdenken an. Man kommt als Leser in eine Welle aus tiefer Traurigkeit, die bricht, sich dann zurückzieht mit dem Gefühl der Sentimentalität und Sehnsucht nach der Leichtigkeit der Jugend. Beides wechselt sich ab. Wir haben keinen leichten Jugendroman, der nichtssagend vor sich hinplätschert vor uns. Und trotzdem einen Roman über die Jugend. Beides im Zusammenspiel dessen, was man wohl Leben nennt. Da wären Themen wie die eigene Jugend, und ihre Vergänglichkeit, die Vergänglichkeit des Seins, das Leben, der Tod. Das aus sich rauskommen. Aber auch das Kind bleiben, das jugendlich-sein, und der Geist der Dinge, die man als Jugendlicher tut, ausprobieren will, und es dann auch macht. Und es geht auch irgendwie um ein Nichtvergessen einer schönen, aber auch schrecklichen Zeit, die einen prägt. Dieses Buch lebt von seiner einmaligen Zeitatmosphäre, den gelebten Gefühlen und Gedanken.

    Entgegen dem ersten Eindruck strahlt das Buch dann doch nicht den Geist des Gefangenseins in einer Kleinstadt aus, sondern eher den der Freiheit. Selbst wenn das Gefängnis auch als Krankheit in der Familie, Alleinsein, oder das Gefangensein in der eigenen Unsicherheit wiedergespiegelt wird, aus der man ausbricht. Und es hat beim Lesen auch nicht wirklich lange gedauert, bis es szenisch als Geschichte so atmosphärisch und bildhaft beschrieben wurde, dass bei einigen Szenen eben jene Gänsehaut kam. Diese Momente kommen plötzlich, sind ohne Sicherheitsnetz einfach da, und sind deswegen umso intensiver, um sich fallen zu lassen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die einen nach dem Lesen wehmütig zurücklässt. Als der Sommer noch aus Mix-Tapes, Cornetto-Eis, Rollschuhen, dem Computerspiel Defender und Vokuhilas bestand. Ich sage gerne, dass dieses Buch mir Erinnerungen an eine Zeit gibt, in der ich kein Teenager war, und es trotzdem alles nachempfinden kann, jeden Augenblick miterlebe, und mich erinnere (was ja schon was heißen will). Es war eine Zeit ohne Ablenkungen der Technisierung, in der es zwar die Anfänge dessen gab, diese aber auf Basis heutiger Sicht natürlich nicht alles bedeutet haben. Man hat seine Freizeit einfach mit den Menschen um sich herum verbracht, und sich mit ihnen beschäftigt, hat Fotos und Bilder noch als Erinnerung gesehen, und nicht wie oftmals heutzutage, als Selbstdarstellung eines Selbst. Und dann ist das Buch natürlich noch durchzogen von Weisheiten über das Leben, die direkt aus der Seele kommen, und nicht nur einfach dahingesagt sind.

    Als schüchternes Teenagermädchen, das in sich gekehrt war (und wahrscheinlich immer noch ist), und das Alleinsein kennt, ist der Roman eine kleine Offenbarung, und zeigt auf, dass man nicht alleine ist in seinem Alleinsein. Und dass die Einsamkeit nur eine kleine Zeitebene ist, die nicht ewig dauert. Und somit ist das Ganze eine Symphonie aus melancholischen Sehnsuchtserinnerungen, die gleichzeitig Trauer in sich bergen. Ein Zusammenspiel, das ungewohnt gut zusammenpasst, und einen in jede Emotion und Gefühlsregung mit hineinzieht. Denn gleichzeitig strahlt das Buch aus, dass man manchmal aus seiner Sicherheit herauskommen muss, um die Unsicherheit zu überwinden, und dann etwas mehr Sicherheiz zu empfinden, mitten in einer Gruppe, die einem Sicherheit bietet. Und dann spürt man auf einmal das Leben, in diesem Buch zwischen Leben und Tod. Und man ist zerrissen. Nicht aufgrund von Wahnsinn, sondern weil man dieses Bittersüße einer ersten Liebe spürt, gepaart mit der Erkenntnis, die uns vor eine Wand aus Realität stellt. Und das zerreißt eben. Alles im Leben hat seine Zeit, und man muss auch genau zu dieser Zeit das dazu passende Leben durchmachen.

    Am Ende erkennt man, dass man mit all seiner Einsamkeit, seinen verwirrenden Gefühlen, aber auch dem jugendlichen Drang nach Freiheit nicht alleine ist. Denn irgendwie muss wohl jeder durch sein eigenes „Hard Land“, um erwachsen zu werden. Aber auch, um sich zeit des Lebens seine Jugendlichkeit ein wenig zu bewahren. Darin sind sich viele Menschen gar nicht so ungleich :D. Das Buch führt und bringt, ja, entführt uns sogar, in den Wiederhall einer Zeit, in der Küsse und Erfahrungen noch nicht inflationär waren, in der erste Küsse, erste Partys, erster Herzschmerz noch besonders waren. Erster schmerzlicher Verlust noch für immer unvergessen und präsent war. Eine Zeit, in der man den Moment einfach erlebt hat, ohne sich vorher Sorgen zu machen, wie Dinge bei anderen ankommen, wobei das natürlich auch nicht ganz stimmt. Aber es war freier, weil man nicht jederzeit darauf achten musste, sich selbst darzustellen, um Dinge von sich in den sozialen Medien preiszugeben. Ja, irgendwie wird nicht nur das Zeitgefühl, sondern auch das Gefühl einer ganzen Generation rübergebracht und fühlbar gemacht, weil tanzend, springend, sich gehen lassend, die Jugend genießend, mit einem Gefühl von Freiheit und Sorglosigkeit. Und in all dieser Zwielichtatmosphäre zwischen Trauer und Euphorie, da gibt es Stellen, die grenzen an einer solch wundervollen Situationskomik, dass es einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Das sind die Teile der Geschichte, die in einem Humor geschrieben sind, der nicht zu übermäßigem Lachen anregt, sondern melancholisch darauf hinweist, dass man selbst solche Zeiten erlebt hat, und mit Sehnsucht, und eben einem Grinsen, darauf zurückblickt, und sich irgendwie selbst in der Situation wiedererkennt. Und am Ende wird einem klar, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat. Seine eigene Jugend, sein eigenes Erwachsenwerden. Und dass wir uns doch nicht so sehr darin unterscheiden. Die Geschichten mögen anders sein, aber das Menschsein in ihnen ähnelt sich doch sehr. Also lest am besten dieses Buch, hört euch danach die Playlist an…. und tanzt…… am besten mit euch selbst :). Und in dem Wissen, dass jeder in seiner Jugend irgendwelche Kirsties, Hightowers, Camerons, oder auch Chucks um sich hatte. Wenn vielleicht auch in ganz anderer Form, und natürlich mit anderen Namen.

    Heutiges Rezensionslied? Irgendwie tanzt im Video dazu ja auch jeder für sich selbst, und doch keiner allein. Vielleicht ist das auch ein bisschen die Aussage des Buches. Alle tanzen allein für sich, und doch tanzt man zusammen. Und irgendwie ist es trotzdem am Ende auch so, dass man mit Sam, Kirstie, Cameron und Hightower befreundet IST. Außerdem gehört das Lied ins Jahr 1985, und zu einem Film, der im Buch erwähnt wird:

    „We are not alone. You'll find out when your cover's blown. There'll be somebody there to break your fall.
    We are not alone. 'Cause when you cut down to the bone. We're really not so different after all, after all. We're not alone.“

  1. Toller Roman der die 80er aufleben lässt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    Toller Roman der die 80er aufleben lässt

    Hard Land war für mich ein toller Roman, da ich durch ihn wieder in meine Jugend abtauchen konnte. Die 80er lebten vor meinem geistigen Auge wieder auf. Daher fiel es mir leicht, mit Sam Turner, dem Hauptakteur der Handlung warm zu werden. Er, mit seinen 15 Jahren, hört die Musik die auch mich begleitete, sah die Filme die ich damals sehr mochte. Mittlerweile hat dies alles nicht mehr den Stellenwert wie in der Jugend, trotzdem kommen viele Gefühle wieder hoch.
    Doch gibt es auch vieles, um dass ich Sam, der im fiktiven Grady in den Staaten aufwächst, nicht beneide. Denn seine Mutter hat Krebs, die Prognose steht schlecht. Außerdem ist er ein Außenseiter, litt vor allem früher oft an Angststörungen. Seine Mutter war immer sein Anker, mit seinem Vater wird er nicht warm, ganz anders seine Schwester Jean, die allerdings nicht mehr zu Hause wohnt.
    Der Plan seiner Eltern, ihn im Sommer zu Verwandten zu schicken, wird von Sam vereitelt. Er will dort nicht hin, und sucht sich einen Job im Kino des Städtchens.
    Dort lernt er drei ältere Mitschüler kennen, die die Schule im Sommer allerdings beendet haben werden. Kirstie,Cameron und Hightower nehmen Sam nach kurzer Zeit unter ihre Fittiche. Es wird der tollste Sommer seines Lebens, er hat nun echte Freunde und wächst über sich hinaus.

    Da der Leser von Anfang an weiß, dass er seine Mutter in diesem Sommer verlieren wird, schwebt dieses Ereignis die ganze Zeit über allem. Benedict Wells schafft es den Leser in alles einzubinden und mit Sam gemeinsam alles zu erleben. Der Roman ist locker und leicht geschrieben, wenn auch immer eine gewisse Schwermütigkeit vorhanden ist. Der Tod einer Mutter lässt da glaube ich auch keine anderen Gefühle zu.
    Wenn man mich fragen würde, mit welchen Schlagwörtern ich den Roman beschreiben würde, wären dies ganz sicher die Worte: Heranwachsen, Erwachsen werden und Trauerbewältigung.
    Obwohl ich viele Jahre über diesem Alter liege, würde ich aber dennoch nicht sagen, dass ausschließlich jüngere Leser gefallen finden können. Ich denke, das Buch ist auch für die älteren Semester geeignet, zumal Wells einen unheimlich mitreißenden Schreibstil hat.
    Wer sich fragt wie der Titel zu verstehen ist. Hard Land handelt es sich um einen Gedichtband eines Autors aus Grady. Dieser wird in der Schule gelesen und diskutiert, er spielt eine größere Rolle im Roman. Aber mehr verrate ich nicht. Selbst lesen!

  1. Sam

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:
    „Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden.“

    Benedict Wells geht mit seinem neusten Roman „Hard Land“ mal etwas andere Wege als sonst und was soll man dazu sagen? Es ist perfekt! Besser geht es nicht! Er kann es einfach! Warum? Seine einzigartige Art den Leser an seine Figuren zu fesseln und die Geschichte gehen zu lassen ist einmalig. Hier dürfen wir Sam kennenlernen und wissen recht schnell was ihm fehlt, nach was er sich sehnt, was ihm gefällt und was er hasst. Eigentlich nichts außergewöhnliches, aber Wells verpackt es grandios! Sam ist eigentlich ein Aussenseiter...aber warum? Ist er es wirklich? Als Leser begegnen einen unheimlich viele Fragen und das ist so herrlich typisch für Benedict Wells. Aus Fragen werden nach und nach stimmige und besondere Antworten. Hier Sam zu folgen ist ein wahres Fest für den Leser. Die heutige Zeit tituliert so eine Literatur als „Coming-of-age“ und das trifft es genial und wahrhaftig auf den Punkt. Sam wird hier erwachsen, macht Erfahrungen und lernt für’s Leben Dinge, die man eben lernen muss...
    Dieses Buch habe ich an einem sonnigen Nachmittag regelrecht verschlungen, da Wells einen sehr sauberen und flüssigen aber dennoch anspruchsvollen Schreibstil pflegt. Ich konnte dieses Buch nicht weglegen. Es hat mich berührt und hinterlässt kleine, feine Spuren, bei denen man selbst nochmal an die eigene Jugend zurück denkt.
    Wells zähle ich mittlerweile zu meinen Lieblingsautoren und das wird er hiermit nur noch fester - 5 von 5 Sterne für dieses Kunstwerk!

  1. Der schwierige Weg ins Erwachsenenleben

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Mär 2021 

    Der Roman spielt zwar in Missouri, könnte meiner Meinung nach aber ebenso in einer deutschen Kleinstadt spielen.
    Im Sommer 1985 nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Für ihn, der ein unscheinbarer Außenseiter ist, wird dieser Job zum Glücksfall. Er findet in Kirstie, der Tochter des Kinobesitzers und deren Kumpels, allmählich richtige Freunde, verliebt sich und wird zunehmend selbstbewusster. Durch die Zeit mit seinen Freunden, die ihn zu Alkohol und gefährlichen Mutproben verleiten, ihn aber auch dazu bringen, Probleme auszusprechen und sich ihnen zu stellen, wird es ein ganz besonderer Sommer für Sam. So vergisst Sam auch hin und wieder die unheilbare Krankheit seiner Mutter und das Schweigen seines Vaters.
    Die Geschichte ist an sich eine mehr oder weniger typische Geschichte des Erwachsenwerdens, die sowohl Erwachsene als auch ältere Jugendliche lesen können. Allerdings erzählt Wells sie auf besondere und sehr berührende Weise. Sams Geschichte geht zu Herzen, Tragik und Komik halten sich dennoch die Waage. Sprachlich ist der Roman ein wahrer Genuss. Poetische Wortschöpfungen wie Euphancholia bezeichnen treffend die Grundstimmung des Romans. Allerdings kann ich mit dem Ende des Romans wenig anfangen. Hier wird es vorhersehbar und kitschig, was mich im Vergleich zum restlichen Roman etwas enttäuscht zurücklässt.

  1. Erwachsenwerden als Hommage an 80er Kultfilme

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Mär 2021 

    Auch dieses Buch von Benedict Wells hat mir hervorragend gefallen. Diese Coming of age Geschichte ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Vergangenheit, die mir nicht unbekannt ist und vieles hochkommen lässt. Nun ist genau dieses Thema (Coming of age) und diese Zeit in meiner letzten Lesezeit von einem anderen Autor beleuchtet worden. Ewald Arenz gelang das in seinem "Der große Sommer" ebenso berauschend gut und ich verstehe die negativen Stimmen zu Hard Land nicht so ganz. Aber das muss ich ja auch nicht! Denn das Empfinden der Bücher ist bei uns Lesern halt auch verschieden und das ist vollkommen richtig so.

    Die Handlung spielt in der Kleinstadt Grady in Missouri und ist zeitlich im Jahre 1985 angesiedelt. Der fünfzehnjährige Sam wird erwachsen, muss erwachsen werden, denn leider wird er mit der Vergänglichkeit konfrontiert. Wobei ich diese Vergänglichkeit, das Sterben der eigenen Mutter hier nicht thematisch ausgeschlachtet empfand. Dies hätte ganz anders "zelebriert" werden können, wurde es aber nicht. Aber zum Erwachsenwerden gehört nicht nur der Schmerz, das Verschwinden der rosaroten Welt. Auch das Erwachen der eigenen Gefühle gehört dazu und passiert Sam in Gestalt von Kirstie. Auch hier verstehe ich das Empfinden von anderen Lesern nicht so ganz, denn Kirstie ist für mich nicht die Schlampe vom Dienst, eher ist Kirstie ein recht interessant gestrickter Charakter, sorgt sie doch dafür, ebenso wie die beiden Freunde Hightower und Cameron dafür, dass sich der Hauptcharakter Sam entwickelt, langsam vom schüchternen Jüngelchen zu einem interessanten Ganter ( :) Schwäne finde ich zwar toll, aber hier nicht so passend) wird. Aber letztlich muss auch Sam feststellen, dass Vergänglichkeit nicht nur ein Wort ist, sondern ein Begleiter eines jeden erwachsenen Menschen wird.

    Nur die Gestaltung des Auftritts bei der Beerdigung fand ich deutlich überzeichnet, aber letztlich wieder passend, wenn man bedenkt, dass dieses Buch als eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ betrachtet wird und dieser Auftritt als eine Filmsequenz betrachtet werden kann. Auch der Soundtrack zu diesem Buch ist perfekt. Letztlich ist dieses Untermalen eines Buches mit den Liedern, die darin auftauchen eine richtig gute Idee. Noch dazu wenn es Lieder sind, die teilweise auch für mich als Leser eine Bedeutung haben.

    Dennoch muss ich sagen, dieses Buch ist toll, kommt aber an "Vom Ende der Einsamkeit" nicht heran. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es eine Coming of age Geschichte ist und Sams Entwicklung schon dadurch begrenzt ist und eine Tiefe von "Vom Ende der Einsamkeit" auch dadurch nicht erreicht werden kann.

  1. Der Sommer, der alles verändert hat

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Mär 2021 

    "Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt." (Buchauszug)
    Missouri 1985: Der 15-jährige Sam versucht in seinen Sommerferien vor den Problemen zu Hause zu entfliehen. Durch die angespannte Stimmung sich sein Vater immer mehr in sein Schneckenhaus zurück, sodass Sam nicht mehr zu ihm durchdringt. Trotzdem er sich Sorgen um seine kranke Mutter macht, versucht er neue Freunde zu finden. Bei seinem Ferienjob im Kino trifft er auf eine Clique, die aus dem wortgewandten Cameron, dem nachdenklichen Hightower und der tapferen Kirstie besteht, in die er sich sofort verliebt. Alle drei haben erst kürzlich ihren Abschluss gemacht und nun genießen sie ihren letzten Sommer, ehe es aufs College geht. Für Außenseiter Sam bleibt also nur eine kurze Zeit, um sich mit seinen neuen Freunden zu vergnügen. In dieser Zeit jedoch lernt er nicht nur die Geheimnisse Gradys kennen, sondern vor allem sich selbst. Dieser Sommer wird jedoch nicht nur ihn verändern, sondern seine ganze Familie.

    Meine Meinung:
    Bisher kenne ich Benedikt Wells nur vom Hörensagen durch seine guten Bücher. Das war für mich ein Grund, endlich eines seiner Bücher zu lesen. Und ich muss sagen, jetzt kann ich ein wenig verstehen, warum er inzwischen Bestsellerautor ist. Den sein Schreibstil ist schon sehr individuell, bemerkenswert schön und überaus bildhaft. Vielleicht manchmal ein wenig überspitz, sodass ich mitunter das Gefühl habe, mitten in einem Film zu sein. Von warmherzig, melancholisch bis zu fröhlich humorvoll ist alles in dieser Geschichte enthalten. Während mich die eine Szene einfach nur schmunzeln lässt, kann ich in der nächsten meine Tränen kaum noch zurückhalten. Der Autor spielt hier förmlich mit meinen Emotionen, doch vor allem katapultiert er mich in meine eigene Jugendzeit zurück. Zwar bin ich 1985 schon etwas älter als Sam, doch sei es die Musik, Filme oder besonders die Verhaltensweisen, all dies lässt mich in meine eigene Vergangenheit zurückreisen. So etwas habe ich sonst bisher recht selten bei einem Buch erlebt. Grady ist so eine typisch durchschnittliche amerikanische Kleinstadt, die wir heute als Kaff oder Nest titulieren würden. Diese Stadt birgt 49 Geheimnisse, die es zu entdecken gibt. Leider habe ich nur wenige von diesen Geheimnissen im Buch gefunden, sicherlich weil ich zu sehr in Sams Geschichte vertieft war. Jedoch bei 49 Kapitel könnte man annehmen, dass sich in jedem eines dieser Geheimnisse versteckt hat. Es ist zudem ein Buch, das mich zum Nachdenken bringt. Ab einem gewissen Alter ist in Grady einfach jeder nur froh, wenn er endlich wegkann in die große weite Welt. Unter anderem die drei Absolventen Cameron, Hightower und Kirstie. Sam dagegen ist eher ein Außenseiter, introvertiert, speziell und außergewöhnlich, doch leider ohne Freunde. Selbst als er auf diese verschworene Gemeinschaft im Kino trifft, tut er sich zuerst schwer. Jedoch die Liebe zu Kirstie zieht ihn immer wieder zur Clique hin, bis sie ihn dann doch akzeptieren. Natürlich lernt Sam dabei nicht nur Gutes von seinen neuen Freunden, den sie rauchen, nehmen Drogen und trinken Alkohol. Klasse auch die Musik von REM, Simple Minds bis zu U2, die er ausgesucht hat und die alle auf einer Playlist bei YouTube zu finden sind. Sowie die angesagten Filme, die gerade zu der Zeit in dem kleinen Kino liefen und von denen ich viele kannte. Besonders Michael J. Fox, als selbstbewusster Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft" hat es Sam angetan. Durchaus eindrücklich schildert Wells den plötzlichen und viel zu frühen Tod von Sams krebskranker Mutter, dass auch mich sehr berührt hat. Ich konnte mich durch die gute Darstellung des Autors sehr gut in Sam hineinversetzen, wie viel dieser Verlust für ihn bedeutet. Ebenso haben mich seine Protagonisten angesprochen, indem er jedem einzelnen seinen ganz eigenen Charakter verpasst hat. Dass er dabei seine persönliche Jugend und Erlebnisse in diesem Buch verarbeitet, gefiel mir ausgesprochen gut. Dadurch lernte ich sehr viel von der Persönlichkeit Benedikt Wells. Mich jedenfalls konnte diese Geschichte überzeugen, selbst wenn mir das Ende nicht ganz so zugesagt hat. Darum 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Jugendliche, Junggebliebene und die, welche wieder jung sein wollen.

  1. Der schönste, schrecklichste Sommer

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Mär 2021 

    Ort: eine fiktive Kleinstadt namens Grady in Missouri
    Zeit: 1985/86
    Protagonist und Ich-Erzähler: Sam
    Erster Satz: „In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“ (S. 11)
    Roter Faden: ein fiktiver Gedichtband namens Hard Land von Gradys einzigem Schriftsteller aus dem Jahr 1893, die „Geschichte des Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam […] Ein Zyklus von über neunzig zusammenhängenden Gedichten, unterteilt in fünf Akte“ (S. 45/46) – wie der Roman.

    Melancholie
    Die Sommerferien ragen 1985 wie ein „Berg von Langeweile“ (S. 11) vor dem knapp 16-jährigen Sam Turner auf, bis ein Aushilfsjob im örtlichen Kino seine Welt für immer verändert. Sam war immer ein introvertierter Außenseiter, in seiner Kindheit geplagt von Panikattacken, sein einziger Freund ist im letzten Herbst weggezogen, die ältere Schwester lebt als Serien-Drehbuchschreiberin weit weg an der Westküste und meldet sich kaum. Als wäre das nicht schon genug, ist das erzkonservative Grady seit der Schließung des größten Arbeitgebers ein Ort im Niedergang, Sams in sich gekehrter Vater Joseph deswegen arbeitslos und seine empathische Mutter Annie leidet seit Jahren an einem Hirntumor:

    "Immer, wenn die Krankheit akut war, waren wir alle in Alarmbereitschaft, alles andere spielte keine Rolle mehr. Nur war dieses »alles andere« mein Leben." (S. 106)

    Euphorie + Melancholie = „Euphancholie“
    Die Hoffnung der Mutter auf Freundschaften für Sam erfüllt sich mit der Arbeit im Kino, obwohl die eingeschworene Kino-Clique zunächst reserviert reagiert und ihn anfänglich nur aus Mitleid aufnimmt. Allerdings sind der schwule Cameron aus reichem Haus, der sportliche, farbige Brandon, genannt Hightower, der unter Rassismus leidet und früh seine Mutter verlor, und die hübsche Kirstie, die immer wieder Pech in der Liebe hat, zwei Jahre älter und damit im Gegensatz zu Sam, der noch zwei Schuljahre vor sich hat, bereits auf dem Absprung. In diesem Sommer mit ihnen erlebt Sam jedoch alles, was gemeinhin zum Erwachsenwerden gehört. Sie ermuntern ihn, sich seinen Ängsten zu stellen und verhelfen ihm so zu mehr Selbstvertrauen. Sie sind für ihn da, als seine Mutter stirbt und es ihm den Boden unter den Füßen wegzieht:

    "»Sie war wie diese Stützräder, wenn man Fahrradfahren lernt«, sagte ich." (S. 248)

    Als seine drei Freunde am Ende des Sommers Grady verlassen, bleibt Sam allein mit seiner Trauer und seiner unerfüllten Liebe zu Kirstie zurück, doch der nächste Sommer kommt bestimmt…

    Schwächer als der Vorgänger
    Der 1984 geborene Benedict Wells erzählt diese klassische Coming-of-Age-Geschichte mit sehr viel Empathie für die 1980er-Jahre, für seine Themen und Figuren. Vor allem Sam ist unwiderstehlich. Sämtliche Begleiterscheinungen des Erwachsenwerdens und wirklich alle Klischees sind vorhanden, ebenso die Filme und Songs der 1980er-Jahre (Soundtrack im Internet abrufbar). Leider führt das zu Vorhersehbarkeit und bei mir zum Eindruck, dass man vieles schon einmal gelesen oder gesehen hat und Themen systematisch abgearbeitet werden. Selbst der tolle erste Satz ist, wie der Autor gesteht, „mitgenommen“ aus Charles Simmons Roman "Salzwasser". Bewundernswert ist allerdings, wie Benedict Wells die sprachlichen Kitschklippen gekonnt umschifft, wie gut er die Atmosphäre des sterbenden Ortes einfängt, wie er die behutsame Vater-Sohn-Annäherung andeutet und die verschiedenen Phasen der Trauer beschreibt.

    Alles in allem konnte mich das leicht konsumierbare "Hard Land" nicht so mitreißen wie "Vom Ende der Einsamkeit". Gute Unterhaltung, auch für Jugendliche, ist es trotzdem.

  1. Viel Hype um (fast) gar nichts

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Es gibt ja Autoren, von denen viele begeistert sind und die wenig kritisch „beäugt“ werden. Benedict Wells gehört dazu. Allerorten verfallen die Leserinnen und Leser regelmäßig in Begeisterungsstürme. Doch kann er diesen „Erwartungen“ wirklich gerecht werden? Ich habe das Experiment gewagt, in einer Leserunde sein neuestes Buch „Hard Land“ zu lesen.

    Nun, um ehrlich zu sein, kann ich den Hype sowohl um das Buch als auch den Autor selbst (noch) nicht ganz nachvollziehen (ein anderer Roman von ihm (Vom Ende der Einsamkeit) subt noch bei mir).

    „Hard Land“ katapultiert uns zurück ins Jahr 1985 in ein beschauliches, typisch amerikanisches Nest namens Grady, dessen „49 Geheimnisse“ es zu entdecken gilt *g*. Der 15-jährige Sam ist ein schüchterner, in sich gekehrter Jugendlicher, der (natürlich) im Lauf des Romans eine „anständige“ Entwicklung durchmacht und vom Enterich zum Schwan aufblüht. Dafür sorgen schon persönliche Schicksalsschläge und die erste Liebe.

    Benedict Wells weiß seine Leserinnen und Leser (zumindest einen Großteil davon) zu packen. Er kann geschickt formulieren, wird nie rührselig, die Story hat (wenige) scharfe Ecken und Kanten. Das ist alles nett und schön (sind die Filmrechte schon verkauft? *g*), es tut auch keinem weh, wenn man es gelesen hat, aber thematisch ist die Teenager-Zeit (zu) weit weg, dass ich jetzt wirklich mitgerissen wurde. Am besten haben mir die zahlreichen Filmhinweise („Ferris macht blau“ oder „Breakfast Club“) sowie der Soundtrack zum Buch gefallen; DAS, liebe Leute, war noch Musik *g*.

    Wenn ich oben sagte, es wird nie rührselig, so muss ich mich an dieser Stelle noch korrigieren: selten habe ich mich über so ein langweiliges und (sorry) weichgespültes Ende so aufgeregt wie hier.

    Ich weiß nicht, ob ich mit falschen Erwartungen an diesen Roman herangegangen bin; Tatsache ist jedoch, dass ich persönlich nur eine eingeschränkte Leseempfehlung abgeben kann. Ich bin mir jedoch sicher, dass das Buch seine Zielgruppe findet, die es entsprechend in den Himmel lobt.

    3*

    ©kingofmusic

  1. Die 49 Geheimnisse von Grady

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Sam ist 15, ein schwieriges Alter – kein Kind mehr, aber noch nicht erwachsen. Er ist in der Schule ein Außenseiter und seit sein einziger Schulfreund weggezogen ist, noch mehr zum Einzelgänger geworden. Die familiäre Situation ist belastend, seine Mutter ist todkrank und zu seinem Vater findet er keinen richtigen Draht.

    Doch als er im kleinen Kino der Stadt einen Ferienjob annimmt, ändert sich sein Leben. Er lernt Brandon, Cameron und Kirstie, die Tochter des Inhabers kennen. Die Drei sind in ihrem letzten Highschool-Jahr und auf dem Absprung zum College und sie nehmen Sam ein wenig unter ihre Fittiche. Und damit wird aus diesem Sommer, trotz aller Trauer das, was bereits im ersten Satz des Buches anklingt: „In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb.“

    Benedikt Wells ist ein Shooting Star unter den jungen Schriftstellern und seine Bücher werden regelmäßig zu Bestsellern. Nicht unverdient, wie ich finde. Er trifft ganz genau den Ton dieser Teenager, kann sich in ihr Denken und Fühlen hineinversetzen.

    Die Geschichte spielt in einer amerikanischen Kleinstadt in den 80iger Jahren und auch hier hat Wells ein ganz genaues Gespür für die Zeit und die Atmosphäre. Was ich ganz erstaunlich finde, wenn ich bedenke, dass er erst Mitte der 80iger geboren wurde.

    Das schmerzhafte Ende einer Jugend wird sehr empathisch beschrieben, manchmal anrührend und nah an der Sentimentalität, aber nie ins Kitschige abrutschend. Wells hat eine leichte und ansprechende Art zu schreiben, der Leser kann sich wunderbar in die Geschichte fallen lassen. Dass alles ein wenig zu glatt erscheint, muss gar kein Manko sein.

    Durch das ganze Buch läuft wie ein Roter Faden die Geschichte des einzigen namhaften Bürgers der Kleinstadt, ein Schriftsteller, dessen Gedichtzyklus seit Jahrzehnten Thema in der Highschool ist. Mit der Auflösung der „49 Geheimnisse von Grady“ endet das Buch und dieses Ende ist für mich die einzige kleine Schwachstelle des Buches.

  1. Wunderschön - nur das Ende hätte etwas besser sein können

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Mär 2021 

    Im Sommer 1985 findet der 15jährige Sam nicht nur einen Ferienjob in einem Kino, sondern auch Freunde und er verliebt sich zum ersten Mal. Obwohl seine Mutter schwer krank ist, erlebt er die schönsten Monate seines Lebens. Zum ersten Mal ist er anerkannt und kein Sonderling wie in der Schule. Doch dann trifft ihn ein schwerer Schicksalsschlag, der alles wieder zunichte zu machen scheint.
    Es ist keine außergewöhnliche Geschichte, die Benedict Wells uns erzählt, sondern vielmehr ein typischer Jugendlichensommer wie er sein sollte, angereichert mit jeder Menge Beigaben aus den 80ern. Nicht zuletzt auch mit einer Playlist der im Buch erwähnten Songs, von der man im Anhang erfährt, wo man sie finden kann.
    Wunderschön ist die Sprache, in der der Autor Sam als Ich-Erzähler von dieser Zeit berichten lässt. Einerseits gibt es tragische Ereignisse, die einem als Lesenden fast das Herz zerreißen (ich gebe zu, ich habe hin und wieder ein Tränchen verdrückt), aber kurz danach schildert er selbstironisch Szenen, bei denen man laut lachen muss. Wells trifft den Ton wie auch die Gedanken und Gefühle des später 16jährigen so gut, dass einem Sam schnell ans Herz wächst und man mit ihm leidet, sich freut, ärgert und jubelt.
    Auch wenn die Zielgruppe Erwachsene zu sein scheinen und das Umfeld die Südstaaten der USA Mitte der 80er sind, werden sich vermutlich auch heutige Jugendliche in Europa schnell mit Sam identifizieren und mitfühlen können, was ihn bewegt. Denn diese Dinge sind universell und nicht auf Zeit oder Raum begrenzt.
    Mit dem letzten Teil hadere ich etwas, denn hier ist der Hang zum Happyend selbst mir ;-) einfach zu groß. Auch dass der Schwerpunkt auf dem Gedicht ruht, das dem Buch den Titel verleiht, ist nicht so ganz mein Fall - mir war es ein bisschen zu poetisch und zu weit hergeholt.
    Trotzdem: Es ist eine wirklich gelungene Unterhaltungslektüre mit viel Zeitkolorit der 80er Jahre.

  1. Rasanter Coming-of-Age Roman in den 1980ern

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Mär 2021 

    Ich-Erzähler Sam ist ein 15-jähriger Außenseiter sowie ein ruhiger, zurückhaltender Typ. Die familiäre Situation wird durch die Arbeitslosigkeit des Vaters belastet, noch mehr drückt aber die zurückgekehrte Krebserkrankung der Mutter aufs Gemüt, Sams ältere Schwester Jean wohnt in New York. Zudem hat er seinen besten Freund Stevie gerade verloren. Bereits der erste Satz zeigt die ambivalente Dramatik des Romans: „In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb.“ Die Familie lebt in der amerikanischen Kleinstadt Grady in Missouri, wo eine große Textilfabrik ihre Tore geschlossen hat, was hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit zur Folge hat. Dieses Setting wird sehr atmosphärisch beschrieben.

    Um die Sommerferien nicht bei der ungeliebten Verwandtschaft verbringen zu müssen, sucht sich Sam einen Ferienjob im ortsansässigen einzigen Kino. Dort lernt er Kirstie, die Tochter des Kinobesitzers, kennen. Ebenso gehören der farbige Footballspieler Brandon (genannt Hightower) und der schwule Industriellensohn Cameron zur Belegschaft – alle sind 2 Jahre älter als Sam, haben die Schule gerade abgeschlossen und planen nach den Ferien einen Neuanfang.

    Schnell wird Sam in die Gruppe integriert, zunächst aus Mitleid, später aus echter Sympathie. Was folgt, ist ein Sommer der ersten Male: zum ersten Mal lernt Sam echte Freundschaft kennen, zum ersten Mal wird geraucht, getrunken, geküsst und gehascht, zum ersten Mal verliebt er sich.

    Der Autor trifft den Ton der Jugendlichen genau, die Perspektive ist stimmig. Die Erzählungen wirken authentisch in der Mitte der 1980er Jahre angesiedelt, in denen man Musik noch auf Kassetten überspielte oder in der Zelle telefonierte. Leser, die in jenen Jahren ebenfalls aufgewachsen sind, werden die Songs und Filme dieser Zeit wiedererkennen und feiern (der passende Soundtrack ist im Internet abrufbar). Es ist das Lebensgefühl der jungen Generation, das in die Weite Amerikas übertragen und glaubwürdig kolportiert wird. Deshalb könnte der Roman auch heutigen Jugendlichen zusagen.

    Die Charaktere sind vielschichtig. Jeder aus der Clique hat familiären Ballast zu tragen oder andere Probleme, die man beim Feiern oder mit Alkohol zu verdrängen versucht. Zum ersten Mal fühlt sich Sam außerhalb seiner Familie geborgen. Er verbringt viel Zeit mit den Freunden und es gelingt ihm, die Krankheit seiner Mutter eine Weile in den Hintergrund treten zu lassen.

    Der Titel des Buches bezieht sich auf den (fiktiven) Gedichtband „Hard Land“, den der berühmteste Sohn der Stadt geschrieben hat und über den jede 11. Klasse einen Hausaufsatz schreiben muss. Das Werk behandelt „ die Geschichte eines Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam“. Seine Parallelen zu den fünf Abschnitten des Romans (angepasst ans Klassische Drama) sind unübersehbar und originell. Sam darf man als den klassischen Helden betrachten, der sich in vielerlei Beziehungen selbst überwinden muss, um erwachsen zu werden. Diese Zusammenhänge werden (überflüssigerweise) auch im letzten Abschnitt erörtert.

    Es gibt wunderschöne Szenen und Dialoge, die verhindern, dass der Text ins Oberflächliche abdriftet. Dafür sorgt natürlich auch die Dramatik rund um Sams Mutter. Wie nebenbei fallen wunderbar treffend formulierte Metaphern oder Sätze, die den Leser innehalten lassen und Gefühle auf den Punkt bringen:

    „Mein Vater war mir oft wie eine heruntergelassene Jalousie vorgekommen. Doch an jenem Mittag konnte ich zumindest durch die Ritzen spähen. (S. 47)

    „Sie konnte mir so ähnlich sein und sie war das Gegenteil von mir, und wenn meine Stimmung eine leere Fabrikhalle war, dann war sie ein Haufen Kerzen.“ (S. 100)

    „Es gibt so viele Dinge, vor denen ich Angst habe. Sterben-müssen ist die größte Angst überhaupt, doch wenigstens muss man da nur einmal durch.“ (S.146)

    „Und meine Betrunkenheit war wie eine schwere Decke, die jemand über all meine Bedenken und Ängste geworfen hatte.“ (S.194)

    „Meine Erinnerung an diese Tage gleicht einem verbrannten Blatt Papier, von dem nur einige verkohlte Fetzen übriggeblieben sind.“ (S.207)

    Vieles hat mir an dem Roman gefallen. Er ist kurzweilig geschrieben, es gibt eine rasante, spannende Handlungsdichte, die Dialoge sind glaubwürdig. Man kann stellenweise lachen und traurig sein, man erlebt Zauber und Schmerz der ersten Verliebtheit. Sam und seine Freunde sind Sympathieträger, man gönnt den Heranwachsenden die Erlebnisse dieses Sommers, über dem trotz allem ein ernster Schatten schwebt.

    Mit zunehmender Lektüre wirkten allerdings viele Szenen gefällig und drehbuchmäßig auf mich. Alles steuert auf ein absehbares Ende zu, die Handlungsorte besitzen fast zuviel Flair - ob traumhafter See, fulminante Villa oder einsame Waldhütte… Dazu passt die perfekte Ausleuchtung mit Sonnenauf- oder -untergang... Alles ein bisschen zu plakativ für meinen Geschmack, alles sehr gewollt. Ein filmreifes Ende. Ich sehe den Streifen schon über die Kino-Leinwand flackern…

    Der Roman wird mit Sicherheit breite Leserschichten ansprechen. Er ist ein All-Age-Roman, ein guter Unterhaltungs- und Entwicklungsroman, an den man allerdings keine hohen literarischen Ansprüche stellen sollte.

  1. Ein Sommer, den man nicht mehr vergisst

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Mär 2021 

    Sommer 1985 in der Kleinstadt Grady im US-Bundesstaat Missouri: Samuel Turner (15) ist ein schüchterner Außenseiter, der von seinen Mitschülern gemieden wird. Sein Kumpel Stevie ist gerade weggezogen, seine Schwester Jean ist schon länger aus dem Haus. Der Vater, Joseph, ist seit Längerem arbeitslos. Zudem hat Sam damit zu kämpfen, dass seine Mutter Annie unter einem Hirntumor leidet. Wie soll er bloß die langen Ferien rumbringen? Da kommt es ihm gerade recht, dass das örtliche Kino eine Aushilfe sucht. Sam findet dort nicht nur einen Job, sondern auch drei Freunde. Es beginnt ein unvergesslicher Sommer...

    „Hard Land“ ist ein Coming-of-Age-Roman von Benedict Wells.

    Meine Meinung:
    Die Struktur ist wohl durchdacht. Der Roman besteht aus fünf Teilen - ebenso wie das gleichnamige, aber fiktive Werk, das in der Geschichte behandelt wird. In dem Gedichtband dreht es sich unter anderem um die angeblich 49 Geheimnisse von Grady. Genau so viele Kapitel hat folglich Wells Roman. Diese Verknüpfung finde ich sehr gelungen, zumal das fiktive „Hard Land“ auch dem Genre Coming of Age zuzuordnen sei, heißt es in dem Roman. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Sam.

    Stilistisch ist der Roman der Jugendsprache nachempfunden, ohne jedoch zu vulgär oder salopp zu sein. Starke Dialoge machen das Geschehen lebhaft. Sehr angetan bin ich von den kreativen Wortneuschöpfungen und den tollen Sprachbildern.

    Als gelungen empfinde ich außerdem die Darstellung der Figuren, die nicht stereotyp angelegt sind. Mit Sam steht ein sympathischer Protagonist im Vordergrund. Er kommt authentisch rüber. Seine Entwicklung habe ich gerne verfolgt. Auch die übrigen Charaktere wirken lebensnah und besitzen psychologische Tiefe.

    Der Stoff des Romans ist weder neu noch einzigartig. Dennoch habe ich mich beim Lesen der etwas mehr als 300 Seiten nicht gelangweilt, denn der Autor schafft es zu berühren, ohne ins Kitschige abzudriften. Es geht um die großen, universellen Themen wie Liebe, Freundschaft, Familie, Trauer und natürlich alle Aspekte des Erwachsenwerdens - eingebettet in eine Hommage an die 1980er-Jahre mit vielen Referenzen zu Musik, Film und Lifestyle dieser Zeit. Immer wieder sind lebenskluge Sätze eingestreut, die zum Nachdenken anregen.

    Die Handlung bietet nur wenige Überraschungen, ist aber durchweg stimmig. Im letzten Teil wird die Story inhaltlich ein wenig schwächer. Das schmälert meinen positiven Gesamteindruck aber kaum, zumal der Autor am Ende sogar Selbstironie beweist.

    Das Cover ist hübsch. Wie bei einigen anderen Büchern des Verlags erschließt sich mir das Motiv jedoch nicht. Der Titel wiederum ist äußerst passend.

    Mein Fazit:
    „Hard Land“ von Benedict Wells ist ein Roman, der mich sowohl emotional bewegt als auch trefflich unterhalten hat.

  1. Nostalgisch, anrührend, aber leider übers Ziel hinausgeschossen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 16. Mär 2021 

    ..., so würde ich meinen Erstkontakt mit Benedict Wells beschreiben.
    Seine Coming-of-Age-Geschichte spielt in Grady, einer niedergehenden Kleinstadt in Missouri/USA im Jahr 1985. Es gibt noch keine PCs und auch keine Handys, dafür ein altes Kino und das vertraute Diner, Anlaufstelle und Treffpunkt der Jugend.
    Sam ist 15, kontaktscheu und introvertiert. Sein Vater, arbeitslos, weil der größte Arbeitgeber in der Stadt seine Tore geschlossen hat, spricht nicht viel mit ihm und seine große Schwester ist weggezogen und meldet sich selten. Seine einzige Vertraute ist seine Mutter, allerdings ist bei ihr der Krebs zurückgekehrt, den sie vor wenigen Jahren glaubte, besiegt zu haben.
    Um nicht die Ferien bei seinen ungeliebten Cousins verbringen zu müssen, springt Sam über seinen Schatten und nimmt den Aushilfsjob im Kino an. Dort arbeiten auch Cameron, "Hightower" und Kirstie, alle älter und mit Plänen, nach diesem Sommer die Stadt zu verlassen. Doch bevor sie sich trennen, erleben die Vier eine unvergessliche Zeit voller Mutproben, Gespräche, Alkohol und Drogen. Sam erkennt, dass alle ihr Päckchen zu tragen haben, dass er an Kirstie nicht herankommt und dass man die Zeit nicht anhalten kann. Auf dem Höhepunkt der besten Zeit, die Sam je erlebt hat, stirbt seine Mutter. Die Schüchternheit zerreißt, die Schweigemauern brechen, Sam schlägt zurück. Jetzt muss sich wahre Freundschaft beweisen.

    Wells versteht es, alle Register für eine nostalgische Reise in die "unbeschwerte" Jugend zu ziehen, mit Songs aus den Achtzigern, mit dem Gefühl noch ein "echtes" Leben gehabt zu haben. Die Kontrapunkte setzt er in den Niedergang der kleinen Stadt, was sich in Schließungen, Arbeitslosigkeit und Wegzug niederschlägt, in persönliche Dramen, wie Krankheit und dysfuntionalen Familien und schließlich mit den gesellschaftpolitischen Themen, wie Homosexualität, Rassismus und eine, sich mit allen Mitteln "ausprobierende", rebellische Jugend. Auf der einen Seite ein "gefühlsechtes" Buch, mit vielen Bonmots, die man sich alle am liebsten ins Poesiealbum schreiben möchte, andererseits eine handwerklich durchdachte Story, die alle Aspekte des Dramas beherzigt.

    Fast perfekt, wenn nicht im letzte Abschnitt alles erklärt, einen riesigen Friede-Freude-Eierkuchen gebacken, und die Auflösung dieses unsäglichen Gedichts vom einzigen brühmten Kind der Stadt, welches Jahr für Jahr von den Abschlussklassen interpretiert werden musste, gebracht worden wäre. That was much to much und in meinen Augen arg strebsam. Die punktgenauen Landungen in der Dramaturgie, die spannungsgeladenen, erotischen Momente und die detailversessene Analyse der Familienkalamitäten, haben meine Augen rollen und mein Interesse zum Ende schwinden lassen. Schade, denn der Anfang war toll!

  1. Rührstück aus den 1980igern

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 15. Mär 2021 

    Sam Turner kämpft mit der unentrinnbaren Aufgabe, erwachsen zu werden und das in Grady, einem kleinen, verschlafenen Städtchen in Missouri am Virgin Lake. Irgendwo fließt auch der Missouri gemächlich dahin. Der Strom des Lebens eben.

    Benedict Wells lässt die Kleinstadtidylle oder Kleinstadtmisere, je nach Betrachtungsweise, in seiner Coming of Age-Geschichte vor unseren Augen erstehen. Aus irgendeinem Grund entführt er uns dazu in die 80iger Jahre. Das hätte er mal besser nicht getan.

    Wie viele Städtchen hängt auch das Leben in Grady von einem einzigen Arbeitsgeber ab, das ist vor Ort die Textilbranche. Die M-Tex ist gerade abgewandert in ein Billiglohnland und Sams Vater von daher arbeitslos. Sam durchläuft die üblichen Kalamitäten der schwierigen Übergangsphase zum Erwachsen sein: Seine Identität finden, Freunde finden, seinen Platz finden, (s)einen Standpunkt finden, die Liebe finden. Verluste verkraften.

    Der Kommentar:
    Was veranlasst, besonders männliche Autoren, die 1980er so zu verklären? Es gab in dieser Zeit genau wie in anderen, reichlich Probleme auf der Welt. Benedict Wells ist jedoch sehr angetan vom sogenannten Lebensgefühl dieser 80er Jahre und lässt nicht nur Songs (Playliste) und Filme in epischer Ausführlichkeit in seinen Roman einfließen, langweilig, sondern stellt mit „Hard Land“ sogar eine Gedichtinterpretation in den Mittelpunkt. Auch langweilig. Sterbenslangweilig.

    "Hard Land" könnte ein Jungsbuch sein, denn die einzige Frauensperson, die eine wichtige Rolle spielt, ist eine Schlampe, Kristie mit dem „heißen Höschen“. Ansonsten Männerfreundschaft. Alkohol und Drogen. Paar nette Einfälle von Wells, aber nichts Besonderes und ein paar flippe Sprüche. Vor allem aber jede Menge Rührseligkeit und Heldenposen. Das hässliche Entlein Sam hat sich in einen Schwan verwandelt und promotet mit (an)gebrochenem Kiefer einen wilden Song in einer Kirche. Oha. Haltet ein. Nicht zu vergessen die vorangegangene Mutprobe!

    Fazit: Neben einigen mehr oder weniger brillanten Einfällen, eher weniger, und einer Menge Rührseligkeit, bietet Hard Land nichts, was den anspruchsvollen Leser begeistern könnte. Ein Coming of Age-Roman wie viele. Und ziemlich abgegessen noch dazu. Friede.Freude. Eierkuchen am Ende.

    Im Unterhaltungssektor reicht es aufgrund einer gefälligen, flippigen Sprache noch für drei Sterne am Literatenhimmel, dessen drittes Sternbildmitglied, man aber nur bei sehr klarem Himmel erspäht.

    Kategorie Unterhaltung.
    Verlag: Diogenes, 2021

  1. Die Pointe

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    Kurz vor seinem sechszehnten Geburtstag tritt Sam Turner seinen Aushilfsjob im Kino von Grady an. Sein bester Freund ist weggezogen und Sam sucht eine Abwechslung von seinem Zuhause. Annie, Sams Mutter, ist nicht bei guter Gesundheit und Sams Vater ist der ewig Schweigende. Außerdem wird es Zeit, dass Sam sich ein wenig abnabelt. Seine jugendlichen Kollegen sind älter als Sam und er befürchtet, nicht in die Runde zu passen. Doch bald sind er, Cameron, Hightower und Kirstie ein eingeschworenes Team. Bei ihrer Tätigkeit können sie tolle Filme schauen. Besonders „Zurück in die Zukunft“, der gerade rausgekommen ist, hat es Sam angetan. Schließlich ist Marty McFly auch kein Riese und trotzdem cool.

    Gerade erst hat Sam seine neuen Freunde kennengelernt, doch für diese ist es der letzte Sommer nach dem Abschluss. Sie alle wollen Grady zum Studium verlassen und so ist der erste Sommer für Sam in einer Clique auch der vermutlich letzte. Doch gerade in diesen Tagen kann Sam nichts besseres passieren. Mit seinen Freunden kann er sich von der gedrückten Stimmung ablenken, die daheim herrscht. Er ist in großer Sorge um seine Mutter, aber er ist auch verliebt in Kirstie. Und manchmal ist es einfach angebracht, ein paar Mutproben zu bestehen.

    Ein toller Roman über den Ausklang der Jugend und den Beginn des Erwachsenwerdens. Man fühlt sich beim Lesen in die eigene Jugend zurückversetzt, man lauscht sowohl Sams Mixtapes als auch den eigenen. Klasse Filme, klasse Musik, Partys alles könnte so unbeschwert sein. Doch auch in so jungen Jahren wird man schon mit dem Ernst des Lebens konfrontiert und dann kann das Leben aus der Balance geraten. Sams Ringen um seine Balance ist authentisch und emotional berührend dargestellt. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen und vielleicht versteht man sogar die eine oder andere Anspielung. Dieser Roman nimmt den Leser mit auf die Reise eines Sommers.

  1. Ein unvergesslicher Sommer

    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    „Der Himmel war blau wie ein Pool, und wenn ich heute an diesen Sommer zurückdenke, dann war das Schönste eigentlich immer der Weg von unserem Haus zum Kino oder zum Larry´s. Diese zwanzig Minuten, bis ich die anderen sah und in denen ich mir ausmalen konnte, was wir machen würden und ob ich Kirstie ein bisschen näherkam.“ (Zitat Seite 166)

    Inhalt
    In diesem Sommer 1985 wird Sam Turner sechzehn Jahre alt. Eigentlich soll er die Ferien bei seiner Tante und Cousins in Kansas verbringen, doch dies will er auf keinen Fall und so nimmt er einen Ferienjob im kleinen, alten Kino von Grady, seiner Heimatstadt an. Bisher ein ruhiger, unsicherer Außenseiter, ändert sich in diesem Sommer alles für ihn. Denn im Kino trifft er Cameron, der immer für eine Geschichte gut ist und Brandon „Hightower“, Star des Footballteams der Schule und Kirstie, die Tochter des Kinobesitzers. Sam ist zum ersten Mal verliebt und durch seine neuen Freunde gewinnt er rasch Sicherheit. Dann kommt sein Geburtstag, der Tag, an dem er sechzehn Jahre alt wird und ein Ereignis sein Leben auf den Kopf stellt.

    Thema und Genre
    In diesem Coming-of-Age-Roman geht es um jene Phase zwischen Jugend und Erwachsenenleben, in der alles möglich scheint. Themen sind Verlust, Trauer, Mut, Angst, Freundschaft, Erwachsenwerden, 80er Lebensgefühl und die Liebe.

    Charaktere
    Der Autor nimmt sich Zeit für jede seiner unterschiedlichen Figuren und deren persönliche Geschichte, denn es ist nicht nur Sams Geschichte, sondern auch die seiner Mutter, seines Vaters, seiner älteren Schwester Jean, und der Freunde Hightower, Cameron und Kirstie. Es sind unterschiedliche Charaktere, jede*r auch mit eigenen Themen, die in ihrer Vielschichtigkeit den Charme dieser Geschichte ausmachen.

    Handlung und Schreibstil
    Sam Turner erzählt die Geschichte dieses Sommers 1985 rückblickend, ein Jahr später, am Beginn des nächsten Sommers, behält aber den chronologischen Ablauf bei. Die fünf übergeordneten Abschnitte der Handlung enthalten fortlaufend insgesamt neunundvierzig Kapitel, analog zu den neunundvierzig Geheimnissen von Grady, die es hier angeblich zu entdecken gibt, obwohl im Grunde alle so rasch als möglich aus dieser verschlafenen Kleinstadt ohne Perspektiven wegziehen wollen. Zitate und Auszüge aus „Hard Land“, einem Gedichtband, geschrieben von William J. Morris, Gradys berühmtestem Dichter, ziehen sich durch die Geschichte dieses besonderen Sommers und sind eine sprachliche, philosophische Vertiefung eines Schreibstils, der in den Schilderungen und Gedanken die Ausdrucksweise der Jugendlichen so realistisch trifft, dass man sich beim Lesen sofort mitten im Geschehen fühlt und diesen besonderen Sommer in dieser Kleinstadt, umgeben von einem See und endlosen Feldern, in Gedankenbildern miterlebt.

    Fazit
    Einfühlsam, und in der perfekten Mischung zwischen nachdenklich, traurig, jedoch nie larmoyant, und ausgelassen, übermütig, in einer ungestümen Aufbruchsstimmung der Freiheit und Träume, lässt der Autor den jungen Sam von diesem einen Sommer erzählen. Eines Tages prägt Kirstie ein neues Wort: Euphancholie, eine Mischung aus Euphorie und Melancholie. Besser kann man diesen Roman nicht beschreiben.

  1. - ein euphancholischer Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    "Neues Wort. Mischung aus Euphorie und Melancholie" (98)
    - ein Gefühl, das beides vereint, beschreibt das Empfinden beim Lesen des Romans ziemlich gut.

    Der Ich-Erzähler, Sam Turner, inzwischen 17 Jahre alt, schildert rückblickend, was im Sommer 1985 und in dem Jahr danach geschehen ist.

    "In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb." (11)
    "Es war der Anfang der Sommerferien, und von dem Berg an Langeweile, der vor mir aufragte, hatte ich noch nicht mal die Spitze abgetragen." (11)

    Sam schwankt zwischen der Angst um seine Mutter, die einen Gehirntumor hat(te) und der es gesundheitlich besser geht, und dem Wunsch etwas zu erleben. Er will endlich hinter die 49 Geheimnisse (=Anzahl der Kapitel im Roman) seiner Heimatstadt Grady im Bundesstaat Missouri zu kommen, von denen der einzige Schriftsteller der Stadt William J.Morris in seinem Gedichtzyklus "Hard Land" (!) spricht. Diesen Schriftsteller hat Wells wahrscheinlich erfunden, da die Gedichte, in denen Sam während des Sommers liest, jeweils in Zusammenhang mit der Handlung des Roman stehen.

    Interessanterweise erklärt Wells den Aufbau seines Romans, indem er den Highschool-Lehrer, der den Gedichtzyklus im Unterricht bespricht, erklären lässt, "Hard Land" sei wie ein klassisches Drama konstruiert:
    Exposition (Die Wellen) - Komplikation (Der Ball in der Luft) - Peripetie (Die Prüfung) - Retardation (Der Streich) - Katharsis (Die Pointe)

    Ohne den Inhalt vorwegnehmen zu wollen, es passt perfekt. Im ersten Teil werden die Figuren und der Ort vorgestellt. Sam, der keine Freunde hat, litt als Kind unter Panikattacken und war deswegen in psychotherapeutischer Behandlung. Immer noch fällt es ihm schwer, sich unter Gleichaltrigen cool und gelassen zu verhalten. Im Kino Metropolis, in dem er einen Job bekommt, lernt er eine Clique aus zwei Jungen und einem Mädchen kennen, die nach den Ferien aufs College gehen wird. Zunächst weisen sie ihn freundlich zurück, doch nachdem er sich Kristie offenbart, ihr seinen Kummer und seine Ängste anvertraut hat, verschiebt sich das Gleichgewicht und er wird in dieses seltsame Trio aufgenommen, bestehend aus dem stillen, ruhigen Brandon mit dem Spitznamen Hightower (Football-Spieler), dem redseligen, filmbegeisterten Cameron, der homosexuell ist, und der selbstbewusst wirkenden Kristie, die in einigen Situation unsicher wirkt und Sätze und Wörter wie "die Quittung der Nacht" sammelt.

    Im zweiten Teil steht die Beziehung zu Kirstie, in die sich Sam verliebt, im Mittelpunkt. Aber Sam erzählt auch von seinem innigen Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn dazu drängt, arbeiten zu gehen, Zeit mit seinen neuen Freunden zu verbringen, weil sie sieht, wie er aufblüht und sie bald nicht mehr für ihn da sein kann.
    Auch sein Vater unterstützt ihn erstaunlicherweise darin, obwohl Sam ein eher distanziertes Verhältnis zu ihm hat.
    "Mein Vater war mir oft wie ein heruntergelassene Jalousie vorgekommen. Doch an jenem Mittag konnte ich zumindest durch die Ritzen spähen." (47)

    Mit Hightower entwickelt sich eine ernsthafte Freundschaft, gemeinsam joggen sie jeden Morgen und Sam erfährt, dass er als 12-Jähriger seine Mutter verloren hat und bei seinem Stiefvater lebt.

    An seinem Geburtstag, der Peripetie, muss Sam drei Prüfungen ablegen - wie ein klassischer Held - und er erkennt, dass es "nicht die gleichen neunundvierzig Geheimnisse für alle gab, sondern jeder seine eigenen hatte" (186).

    Die Pointe des Romans ist die gleiche, auf die auch der (fiktive) Gedichtzyklus hinausläuft, und rundet diesen Coming of Age-Roman ab. Freundlicherweise liefert Wells auch eine Erklärung dieses Begriffs, indem er sie ebenfalls dem Lehrer in den Mund legt.
    "Der klassische Held [ist] oft auf einer inneren oder äußeren Reise. Ausgelöst in der Regel durch ein einschneidendes Erlebnis wie Verlust oder Liebe, aber auch durch eine erste Konfrontation mit den großen menschlichen Fragen. Das alles zwingt den Helden, sich zu verändern, zu reifen und seinem alten Leben zu entwachsen." (306)

    oder wie es bei William Morris heißt:
    "Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt." (306)

    Benedict Wells trifft den Ton der Jugendlichen und die Themen, mit denen sie sich auf dem Weg zum Erwachsensein auseinandersetzen, z.B die Frage: Wer bin ich überhaupt oder wie sollte ich sein? Sams Antwort zum Rat der Schulpsychologin, aus sich herauszugehen, lautet:

    "Nur, wenn man darüber nachdenkt, ist es ja eine Bankrotterklärung an das eigene Ich, wenn man besser dran ist, da rauszuschlüpfen und es wie eine kaputte Hülle zurückzulassen." (26)

    Wells gelingt es hervorragend, dass man sich in die Heranwachsenden hineinversetzen kann und an ihrem Reifen und Wachsen teilnimmt. Die Figuren und auch die Zeit wirken völlig authentisch, die Song- und Filmtitel erinnern an die eigene Jugend ;).

    Ein warmherziger Roman - Hard Land könnte man im Englischen auch als Heart Land verstehen - den ich allen ans "Herz" legen möchte, die gerne übers Erwachsenwerden lesen, und denen, deren Ball noch hoch in der Luft fliegt.

  1. Wirf den Ball so hoch du kannst!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Mär 2021 

    Grady; Missouri: Sam Turner ist 15 Jahre alt in diesem Sommer 1985. Es ist der Beginn der Sommerferien und einige lange Wochen ohne sinnvolle Beschäftigung liegen vor ihm. Er hat keine Freunde, seine Mutter ist schwer krank und der Vater hat sich in dumpfes Schweigen zurückgezogen. Doch da bietet sich ein Ferienjob im örtlichen Kino an und plötzlich ist alles ganz anders in diesem Sommer.

    „In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“

    Gleich zu Beginn des Buches weist uns Autor Benedict Wells den Weg, den sein Coming of Age Roman Hard Land nehmen wird. Es wird eine Reise ins Erwachsenwerden. Mittendrin im Sound der 80er Jahre erlebt Sam in diesen wenigen Wochen alle Höhen und Tiefen, die ein Heranwachsender zu bewältigen hat. Zusammenhalt Freundschaft, Erste Liebe. Aber auch die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren.

    „Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt.“

    Warum siedelt Benedict Wells diese Geschichte nur 1985 an, dem Jahr, in dem der Schriftsteller gerade einmal ein Jahr alt war? Weil er ein unglaubliches Gespür für Sehnsuchtsorte hat, der Musik und den Filmen dieser Zeit ein Denkmal setzt und damit sein Lesepublikum aller Altersgruppen erreicht. Diejenigen, die diese Zeit selbst in einem ähnlichen Alter wie Sam erlebt haben, vielleicht am Meisten. Alle anderen werden zumindest ein ähnliches Alter wie Sam haben oder gehabt haben, diesen verwirrenden Zustand der Pubertät, die Disharmonie von Gefühl, Körper und Intellekt, kennen.

    Zurück in der Vergangenheit, in dieser fiktiven langweilige Kleinstadt Grady irgendwo im amerikanischen Mittelwesten, gehen für den Autor Benedict Wells die Lichter an. Mitten in dem „John Hughes Universum“, zwischen Simple Minds und Billy Idol, dem Zauber von ersten Malen und ersten Sätzen, bleibt Wells ein Magier der Emotionen. Dieses Buch ist Kino, vom Beginn bis zum Abspann und Soundtrack.

    Don‘t stop believin‘…!

  1. Der Sommer einer Jugend

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2021 

    Sam hat über den Sommer einen Job im Kino angenommen. Er ist 15 Jahre alt, eher der ruhige Außenseiter und möchte für einige Wochen den Sorgen entkommen, die zuhause auf ihn warten, denn seine Mutter ist schwerkrank. Und in diesem einen Sommer 1985 wird alles anders, als es zuvor je war. Bald schon freundet er sich mit seinen etwas älteren Arbeitskollegen an und verliebt sich zum ersten Mal. Sam macht in diesem Sommer viele wertvolle Erfahrungen und entdeckt die Welt um sich herum ganz neu, er bekommt die Chance endlich ein fast normales Teenager-Leben zu führen und wird dabei gleichzeitig ein Stück erwachsener.

    Mein erstes Buch von Benedict Wells hat mich gleich auf den ersten Seiten in seinen Bann gezogen. Sam als Protagonist war mir sehr nahe, ich konnte mich stets gut in ihn hineinfühlen und finde zudem, dass er im Laufe des Buches eine großartige Entwicklung durchmacht. Auch die anderen Figuren, besonders Sams Arbeitskollegen, aber auch beispielsweise sein Vater sind alle sehr individuell skizziert und schön und authentisch ausgearbeitet.

    Die Atmosphäre des Buches hat mir sehr gut gefallen, dieses Gefühl eines vergangenen Jahrzehnts, das da beim Lesen aufkommt, wird sehr greifbar.

    Das Buch lässt sich toll lesen, der Schreibstil schwankt ebenso wie Sams Gefühlleben zwischen euphorisch und melancholisch. "Euphancholisch" eben.

    Fazit: Eine wunderschöne, überzeugende Coming-of-Age-Geschichte mit sehr schöner Atmosphäre. Sicher nicht mein letzter Wells!

  1. Die Geschichte vom Erwachsenwerden...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Feb 2021 

    Da "Vom Ende der Einsamkeit" seit Jahren mein Lieblingsbuch ist, hatte ich großen Respekt mit diesem Roman zu starten und ich muss gestehen, dass es einen zweiten Anlauf brauchte, eh ich dann über die ersten dreißig Seiten kam, denn dieses Buch ist anders, aber nicht weniger toll.

    In der Geschichte geht es um den schüchternen, 15- jährigen Sam, der seinen Platz noch nicht gefunden hat in der Welt. Im Sommer 1985, kurz vor seinem 16. Geburtstag fängt er in einem Kino an zu arbeiten, was seine Welt schlagartig auf den Kopf stellt? Wird er doch noch über sich hinauswachsen?

    Durch Sam Turner als Ich- Erzähler erlebt der Leser hautnah die Gefühls- und Gedankenwelt des Teenagers, die mich direkt in meine Jugend mit all den Ängsten und Sorgen zurück katapultiert hat.

    Bei diesem Coming- of- Age- Roman stehen gleich sieben Figuren ihren Mann, was sehr ungewöhnlich ist, da meist weniger Charaktere betrachtet werden und dennoch gelingt es Wells jeden ausreichend zu skizzieren, so dass jeder Leser seine persönliche Lieblingsfigur finden wird.

    Die beleuchteten Personen sind sehr vielfältig, denn anders als in 80er Jahre Filmen, kommen hier auch People of Colour und queere Menschen drin vor, was mir außerordentlich gut gefallen hat.

    Sam als Hauptcharakter steht im Fokus der Handlung. Ich mochte an ihm, dass er trotz seiner Schüchternheit versucht seine Ziele zu erreichen. Man spürte wie sehr ihm die Freundschaft zu Kirstie und Co gut tut. Der Mix aus ersten Malen, die wunderschön und auch schmerzhaft sind, zeigen ein reales Bild der Erfahrungen auf, die man als junger Mensch eben macht.

    Aber nicht nur Sam hat seine Päckchen zu tragen, sondern auch seine Freunde Hightower, Cameron und Kirstie. Auch ihre Ängste, Probleme und Sorgen sind nachvollziehbar.

    Neben Sam ist meine Lieblingsfigur Kirstie, da sie nicht das typische Mädchen ist, das sich durch Make-up und Klamotten definiert, auch wenn sie dadurch kaum weibliche Freunde hat. Es ist schön, dass sie sie selbst sein will, anstatt sich für andere zu verbiegen.

    Richtig gut fand ich zudem, dass nicht nur die Teens beleuchtet werden, sondern auch Sams Eltern, die sich in einer sehr schlimmen Situation befinden, denn seine Mutter ist schwer krank. Auch seine große Schwester, die dem Teenageralter entwachsen ist, findet Platz in der Geschichte.

    Das Besondere an dem Roman ist wieder einmal die Sprache, die mich regelrecht umgehauen hat. Hat nicht jeder manchmal eine Komfortzone, die so klein ist wie ein Penny?

    Fazit: Dieser Roman ist eine Hommage an die 80er und die Jugend. Er unterhält auf sehr berührende Weise und lässt einen nicht mehr los. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen und habe nun ungemein Lust die alten TV- Klassiker wieder zu schauen. Spitzenklasse!