Hannah und ihre Brüder

Buchseite und Rezensionen zu 'Hannah und ihre Brüder' von Ronald H. Balson
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Bei einer Gala wird ein angesehener jüdischer Bürger Chicagos vom hochbetagten Ben Solomon bedroht und beschuldigt, ein SS-Offizier zu sein. Obwohl alles auf eine Verwechslung hinweist, engagiert Ben die Anwältin Catherine Lockhart und ihren Ermittler Liam Taggart – er ist sich sicher, seinen Ziehbruder zu erkennen, der einst Bens Familie und seine Geliebte Hannah verriet. Bei ihrer Recherche stoßen Catherine und Liam auf das Schicksal dreier Kinder im kriegszerrütteten Polen, die wie Geschwister aufwachsen und einander als Feinde wiederbegegnen. Aber beschuldigt Ben den Richtigen?

Format:Taschenbuch
Seiten:498
EAN:9783746635095

Rezensionen zu "Hannah und ihre Brüder"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Jun 2019 

    Nie aufgeben

    Während einer Veranstaltung wird der angesehene Gönner der Stadt Chicago Elliot Rosenzweig von einem alten Herrn beschuldigt, während der NS-Zeit schwerste Verbrechen begangen zu haben. Der alte Ben Solomon wird aus dem Saal geführt. Doch er ist sich sicher, er hat in Rosenzweig den SS-Offizier Otto Piontek erkannt. Als Kinder und Jugendliche sind sie zusammen aufgewachsen und doch wurde Otto zu einem der schlimmsten Mörder dieser Zeit. Wie allerdings soll Ben das beweisen? Er engagiert die Anwältin Catherine Lockhart und den Privatdetektiv Liam Taggart. Auch diese Beiden muss er erstmal von seiner Geschichte überzeugen.

    Nicht davonkommen dürfen diese Nazi-Verbrecher, die so viel Leid über so viele Menschen gebracht haben. Und doch etliche konnten sich davonstehlen, mit Geld und Helfershelfern entzogen sie sich ihrer gerechten Strafe. Jahre später sind auch die entflohenen Täter alt geworden. Sollen sie verfolgt werden, wenn sie nach der langen Zeit noch entdeckt werden? Mord verjährt nicht, zurecht. Es gilt alles daranzusetzen die Mörder ihrer Strafe zuzuführen. Und genau das macht der alte Ben Solomon. Er gibt nicht auf in seinem Streben nach Gerechtigkeit. Die Taten des Otto Piontek müssen gesühnt werden. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Lockhart und Taggart geht Solomon seine schwierigste Aufgabe an.

    Mit diesem Buch geht der Autor ein wichtiges Thema an. Findet man heute noch einen Nazi-Verbrecher, ist dieser auch schon betagt. Vielleicht hat er jahrelang ein unauffälliges und unbescholtenes Leben geführt und sagt so etwas wie, was wollt ihr denn noch, es ist schon so lange her, ich bin alt. Aber kann dieses Argument gelten? Nicht umsonst gibt es für Mord keine Verjährung. Natürlich muss solchen Leuten der Prozess gemacht werden, natürlich darf ein Ben Solomon nicht aufgeben. Da die Täter häufig keine Reue zeigen, sind sie im Gefängnis richtig untergebracht. Da können vermeintlich gute Taten keinen Ausgleich bilden. Ob sich nicht zu viele unter dem Schutz ihrer Gönner der Verfolgung entziehen konnten. Sicher, doch den Glauben an das Rechtssystem halten die aufrecht, die sich dem entgegenstemmen. Obwohl die sehr erzählende Darstellung der Handlung den Lesefluss etwas bremst, sollte man sich dieses wichtigen Buches annehmen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Jun 2019 

    Berührend

    Als Ben Solomon während einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Chicago den hochangesehenen jüdischen Bürger Elliot Rosenkranz mit einer Waffe bedroht, ist die Stadt entsetzt. Der Vorwurf von Solomon lautet, dass Rosenkranz der SS-Offizier Otto Piontek ist und ihn bestohlen hat. Auf Bitte einer alten Freundin von Solomon übernehmen Liam Taggart, der Privatdetektiv und Catherine Lockhart die Rechtsanwältin die Verteidigung von Ben. Rosenkranz beschwört, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss. Ben Solomon wiederum ist sich absolut sicher, dass es sich bei Rosenkranz um Otto Piontek handelt. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche.

    Dieses Buch beeindruckt durch die Erzählungen von Bens Kindheit und Jugend mit seiner jüdischen Familie in Polen. Besonders sympathisch sind seine Eltern, die selbstlos den kleinen Otto in die Familie aufnehmen, nachdem sein Vater arbeitslos geworden ist. Nur wenige Jahre später ist alles anders. Ottos Eltern sind zurückgekommen und haben ihrem deutschen Sohn einen guten Posten in der Wehrmacht besorgt. Anfänglich versucht Otto die Familie auch noch zu schützen, er bewahrt auch ihr Geld und ihre Wertgegenstände auf. Aber er verändert sich unter dem Einfluss, auf Hilfe können die Solomons kaum noch hoffen.

    Catherine Lockhart, die einfühlsame Anwältin, die den Fall anfänglich nur zum Gefallen übernimmt, gerät zunehmend in den Bann von Bens Erzählungen, so wie ich im Übrigen auch. Das ist es auch, was das Buch so interessant und lesenswert macht. Catherines Wandel von der erfolgsorientierten Anwältin zu einer Anwältin für Menschenrechte und Gerechtigkeit ist spannend und nachvollziehbar. Das machte sie auch so sympathisch.

    Ronald H. Balson hat in seinem Roman geschickt die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verbunden und in einer sehr spannenden, einfühlsamen und tiefergreifenden Story verpackt. Die Protagonisten, die wir durch die angenehme Erzählweise nach und nach besser kennenlernen, wachsen einem schnell ans Herz und machen den Roman dadurch viel lebendiger. Der Autor schreibt schonungslos über das Schicksal der Juden und deren grausame Vernichtung. Seine Ausführungen über den Kampf um das tägliche Überleben sind heutzutage kaum noch vorstellbar. Die Aufarbeitung der Geschichte von Ben ließen mich betroffen von der Tragik seines persönlichen Schicksals zurück.

    Ich bin von diesem Buch tief beeindruckt und empfehle es unbedingt weiter.