Hanas Koffer

Buchseite und Rezensionen zu 'Hanas Koffer' von Karen Levine
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5 von 5 (2 Bewertungen)

Ein Koffer mit der Aufschrift "Hanna Brady, Waisenkind" fasziniert die jüngsten Besucher des Holocaustmuseums in Tokio. Sie wollen mehr über Hana wissen. Also begibt sich die Museumsleiterin auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie findet Fotos und Zeichnungen von Hana und begegnet schließlich Hanas Bruder. So erfahren die Kinder, wie Hana aussah, was sie gerne spielte, wer ihre Eltern waren - und wie ihr junges Leben ausgelöscht wurde. In der Erinnerung dieser Kinder - und der Leser - wird Hana lebendig bleiben.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:153
EAN:9783473523085

Rezensionen zu "Hanas Koffer"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Sep 2015 

    Gegen das Vergessen

    Ein kleines Mädchen wird mit diesem Buch dem Vergessen entrissen. Hana Brody lebte mit ihrem älteren Bruder George und den Eltern in der Stadt Nove Mesto in der Provinz Mähren. Sie liebte ihre Familie, ging gerne zur Schule und traf sich mit ihren Freundinnen. Sie war sportlich, spielte gerne Klavier und nahm an Schulaufführungen teil.

    "Es gab nur eines, was sie von den anderen unterschied: Die Bradys waren Juden."

    Das Wissen über Hana und ihre Familie haben wir Fumiko Ishioka zu verdanken, der Leiterin des Tokyo Holocaust Education Resource Center. Dieses Museum wurde von einem anonymen japanischen Sponsor gegründet, der wollte, dass die Jugend mehr über diesen Teil der Weltgeschichte erfuhr.
    Nach einem Treffen mit der Holocaust-Überlebenden Yaffa Eliach bildeten ein paar junge Japaner die Gruppe "Kleine Flügel", die unter der Leitung von Fumiko Ishioka daran arbeitete, das Interesse anderer Kinder und Jugendlicher an der Holocaust-Geschichte zu wecken. Hanas Koffer spielt dabei eine große Rolle für den Erfolg ihrer Aufgabe.

    Dieser Koffer befindet sich im Museum in einem Glasschrank. Ein Name steht drauf: Hanna Brody. Und ein Geburtsdatum: 16. Mai 1931. Und: Waisenkind.
    Die Kinder wissen nur, dass der Koffer aus Auschwitz kommt. Aber wer war Hana? Es gab viele Fragen, aber keine Antworten.
    Fumiko Ishioka versprach den Kindern, etwas über Hana herauszufinden und suchte in der ganzen Welt.

    Und so erfuhren sie von Hanas Schicksal. Sie durfte das Kino nicht mehr besuchen, wurde von der Schule ausgescchlossen. Die Freundinnen spielten nicht mehr mit ihr. Und sie musste einen gelben Stern mit der Aufschrift "Jude" tragen.

    Mit jedem Verlust einer Freundschaft und mit jeder neuen Einschränkung fühlten Hana und George, wie ihre Welt ein bisschen kleiner wurde.

    Im Frühjahr 1941 wurde ihre Mutter verhaftet, kurze Zeit später ihr Vater. So kam sie zusammen mit ihrem Bruder zu einem Onkel aufs Land. Aber auch dort waren sie nicht sicher. Sie wurden nach Theresienstadt transportiert. Dort wurde Hana auch noch vom Bruder getrennt. Doch es gab einige Menschen, die sich ihrer annahmen. Hana bekam im Geheimen Unterricht. Man versuchte, dass die Kinder, und sei es nur für eine kurze Zeit, die brutale Umgebung vergessen konnten.
    Nach zwei langen Jahren durfte Hana endlich einmal die Woche für zwei Stunden ins Freie. Sie suchte sofort ihren Bruder und fand ihn glücklicherweise.

    Es kamen immer mehr Menschen nach Theresienstadt. Dadurch wurden die Essensrationen für jeden einzelnen immer weniger. Tausende wurden in Viehwaggons abtransportiert. Alle möglichen Gerüchte gingen um: Die Menschen erwarte ein besseres Leben. Auf der andern Seite hörte man von Todeslagern - diesen Transport musste Hana dann auch noch miterleben. Noch am Tag ihrer Ankunft in Auschwitz wurde sie vergast.

    Als Fumiko Ishioka wieder in Tokio war, musste sie den "Kleinen Flügeln" die traurige Wahrheit über Hana mitteilen. Aber sie hatte auch eine frohe Botschaft für die Kinder: Hanas Bruder George hat überlebt und wohnt nun in Kanada.

    Und so erhielt George Brady im August 2000 ein Päckchen aus Japan.

    Eineinhalb Millionen jüdische Kinder kamen im Holocaust um.

    Hana Brodys Geschichte wurde nun schon in gut 1000 Schulen von mehr als 200.000 Schülern gelesen.

    Ich wünsche diesem Büchlein den Einzug in noch viele ungezählte Klassenräume. Damit sich diese Geschichte nicht wiederholt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jul 2014 

    Die Begreifbarkeit des Grauens...

    Ein Koffer mit der Aufschrift "Hanna Brady, Waisenkind" fasziniert die jüngsten Besucher des Holocaustmuseums in Tokio. Sie wollen mehr über Hana wissen. Also begibt sich die Museumsleiterin auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie findet Fotos und Zeichnungen von Hana und begegnet schließlich Hanas Bruder. So erfahren die Kinder, wie Hana aussah, was sie gerne spielte, wer ihre Eltern waren - und wie ihr junges Leben ausgelöscht wurde. In der Erinnerung dieser Kinder - und der Leser - wird Hana lebendig bleiben.

    Ein
    Koffer - Hanas Koffer - wird zum Schlüssel (...) In seiner Geschichte
    verbergen sich schreckliche Traurigkeit und große Freude, die Erinnerung
    an die Grausamkeit der Vergangenheit und die Hoffnung auf die Zukunft.
    (S. 9 f.)

    Das Buch erzählt in zwei Handlungssträngen, wie sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Wie Hanas kurzes Leben verlief. Erläutert kindgerecht die geschichtlichen Umstände, in denen Hana aufwuchs, vom wachsenden Grauen, aus dem es kein Entkommen gab. Und welche Spuren bis in die Gegenwart reichen.
    Geschickt verschachtelt erfährt der Leser zum einen von den Bemühungen und Erfolgen des kleinen Holocaust Museums in Tokio bei der Recherche rund um den Namen Hana Brady - und zum anderen von Hanas Schicksal. Kindgerecht geschrieben, oft fast sachlich - und doch berührend. Ein Buch, das ein ungelebtes Leben ehrt und aus der Vergessenheit holt.

    © Parden

    Die ausführliche Rezension mit vielen Bildern und Dokumentationsausschnitten findet Ihr wieder in unserem Blog. Besuch und Kommentare herzlich willkommen!

    http://www.litterae-artesque.blogspot.de/2014/07/levine-karen-hanas-koff...