Hamburg Rain 2084

Buchseite und Rezensionen zu 'Hamburg Rain 2084' von Claudia Pietschmann
3.85
3.9 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hamburg Rain 2084"

Eine Stadt im ewigen Regen. Eine Stadt mit hierarchisch gegliederten Ebenen. Eine Welt voller Geheimnisse, Träume und Verbrechen: Hamburg Rain 2084 - Das dystopische Future Fiction eSerial von Herausgeber Rainer Wekwerth!

Der Juggernaut Ruiz ist eine menschliche Spielfigur, die durch einen Chip im Kopf unter Kontrolle gehalten wird. Er muss fliehen, als er in der Arena einen Mord begeht.

Helena ist fest entschlossen, ihn zu retten. Sie lässt sich auf einen Handel mit dem Schönheitschirurgen Dr. Golding ein, verkauft ihm ihre Telomere und damit zehn Jahre ihres Lebens.

Ruiz und Helena genießen ihre Freiheit und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft. Doch dann gerät die Sache aus dem Ruder und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

»V2« ist der erste Teil der ersten sechsteiligen Staffel von »Hamburg Rain 2084«.

Alle Bände sind unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesbar.

Format:Kindle Edition
Seiten:174
Verlag: Knaur eBook
EAN:

Rezensionen zu "Hamburg Rain 2084"

  1. Dazzles...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Mär 2017 

    Hamburg ist im Jahr 2084 im ewigen Regen nach einer Klimakatastrophe zum Moloch mit 22 Millionen Einwohnern herangewachsen. Bauwerke früherer Epochen sind zu einem einzigen Gebäude verschmolzen, das sich über eine gigantische Fläche erstreckt und weit in den Himmel ragt. Wie ein surreales Gebilde aus dem Traum eines Wahnsinnigen reckt es seinen Körper aus Stein, Glas und Stahl in die Wolken und unablässig fließt der Regen an seinen Milliarden Ecken und Kanten herab. Dieser gigantische Koloss ist in Ebenen unterteilt, die weit in die Höhe und tief unter die Oberfläche reichen. Das Leben ist streng hierarchsich organisiert: Je reicher, desto weiter oben; je ärmer, desto weiter unten. Während sich oben im wenigen Sonnenlicht die Reichen und Schönen vergnügen, leben die Armen in Dunkelheit und Müll. Nur die Mittelschicht bildet da mit ihren Träumen von einer besseren Wetl die Ausnahme. Und manchmal geschieht es, dass jemand den zugewiesenenLebensraum verlässt. Mit unvorhersehbaren Folgen. Davon handeln die Storys der dystopischen Science Fiction eBook-Serie 'Hamburg Rain 2084'.

    'Sundown' ist nach dem Prequel der zweite Band der ersten Staffel des spannenden Future Fiction eSerials. Die Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens sind:

    V2
    Sundown
    Rehab
    Zerfall
    Risse im Fundament
    Die Seuche

    Alle Bände sind unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesbar.

    * * *

    42 Ebenen unter dem Meeresspiegel regieren Gewalt, Chaos und Verzweiflung. Dort haust auch Daira, gemeinsam mit einigen anderen Gestalten, die sich hier vor der Stadt verbergen - Gejagte, die versuchen, auch im größten Müll noch zu überleben. Daira ist beim Syndikat in Ungnade gefallen und bestreitet ihren Lebensunterhalt seither mit dem geheimen Verkauf von Dazzles - hochtechnischen Tarnmodulen, mit denen die Käufer für einige Stunden in Lage sind, unsichtbar zu tun, wonach immer ihnen gelüstet. Heißbegehrt sind diese Module, und so ist es kaum verwunderlich, als plötzlich Dairas Ex-Freund Milan auf der Bildfläche erscheint, der sich im Syndikat zur rechten Hand des Don gemausert hat. Er ordert eine größere Menge dieser Dazzles und verrät nur, dass er sie für den größten Coup aller Zeiten benötigt.

    Als Gegenleistung für diese große Anzahl der Tarnmodule verspricht Milan seiner Ex-Freundin nicht nur eine gewaltige Geldsumme, sondern darüber hinaus auch eine neue Identität, die Daira ein zukünftiges Leben in den Ebenen über dem Meeresspiegel und ohne Verfolgung garantieren würde. Verführerisch genug, um der jungen Frau den Deal schmackhaft zu machen. Doch gleich nach der Übergabe gibt es unvorhergesehene Probleme, die Daira zum Handeln zwingen: Milan verschwindet und mit ihm die Dazzles - vom versprochenen Geld und ihrer neuen Identität keine Spur. Die ehemalige Streiterin des Syndikats benötigt nur zu bald schon nicht nur ihre großen technischen Fertigkeiten, sondern auch ihre gesamte Kampfkunst, denn auf der Jagd nach den Dazzles und nach Milan bekommt sie es nicht nur mit unerwarteten und unbequemen Gegnern zu tun, sondern auch mit einer gigantischen Verschwörung, die die Geschichte Hamburgs neu schreiben könnte...

    "...erst am frühen Nachmittag kommen wir vor dem Hauptquartier an. Genug Zeit, um die Sache tausendmal durchzukauen und sämtliche Möglichkeiten für Milans Verschwinden durchzuspielen. Am Ende bleiben zwei übrig: Entweder er hat jeden von uns übers Ohr gehauen, sich mit meiner Ware abgesetzt, und ich bin für alle Zeiten erledigt. Oder er liegt irgendwo tot im Schotter, die Dazzles sind geklaut, und ich bin für alle Zeiten erledigt."

    Erzählt wird die Geschichte in flottem Schreibstil aus der Sicht Dairas, die als überaus toughe junge Frau überzeugen kann. Selbst die härtesten Gegner zollen ihr Respekt, weil sie ihre Haut teuer verkauft und mit allen Wassern gewaschen ist. Manchmal etwas naiv, hat Daira aber klare Vorstellungen von dem, was sie will und was nicht. Kampferprobt, wenig zurückhaltend und nicht auf den Mund gefallen, behauptet sie sich in der von harten Kerlen und Gangs dominierten Unterwelt Hamburgs. Dabei zeigt Daira durchaus Mitgefühl, wenn sie es sich erlauben kann - so rettet sie z.B. einen Kampfhund aus den Klauen seines psychopathisch veranlagten Frauchens.

    Ein überaus unterhaltsamer und glaubhaft gestrickter Teil der Dystopie-Reihe ist dies - vielleicht ein wenig techniklastig (denn auch wenn es die geschilderte Technik so nicht gibt, klingen die zahlreichen verwendeten Begriffe doch recht authentisch und vorstellbar), aber in der Konzeption gelungen und überraschend, und auch der (oft schwarze) Humor kommt hier nicht zu kurz. Eine überzeugende Mischung, die Lust macht auch auf die restlichen Teile der Future Fiction Reihe...

    © Parden

  1. Jugendwahn...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Okt 2016 

    Hamburg ist im Jahr 2084 im ewigen Regen nach einer Klimakatastrophe zum Moloch mit 22 Millionen Einwohnern herangewachsen. Bauwerke früherer Epochen sind zu einem einzigen Gebäude verschmolzen, das sich über eine gigantische Fläche erstreckt und weit in den Himmel ragt. Wie ein surreales Gebilde aus dem Traum eines Wahnsinnigen reckt es seinen Körper aus Stein, Glas und Stahl in die Wolken und unablässig fließt der Regen an seinen Milliarden Ecken und Kanten herab. Dieser gigantische Koloss ist in Ebenen unterteilt, die weit in die Höhe und tief unter die Oberfläche reichen. Das Leben ist streng hierarchsich organisiert: Je reicher, desto weiter oben; je ärmer, desto weiter unten. Während sich oben im wenigen Sonnenlicht die Reichen und Schönen vergnügen, leben die Armen in Dunkelheit und Müll. Nur die Mittelschicht bildet da mit ihren Träumen von einer besseren Wetl die Ausnahme. Und manchmal geschieht es, dass jemand den zugewiesenenLebensraum verlässt. Mit unvorhersehbaren Folgen. Davon handeln die Storys der dystopischen Science Fiction eBook-Serie 'Hamburg Rain 2084'.

    'V2' ist nach dem Prequel der erste Band der ersten Staffel des spannenden Future Fiction eSerials. Die Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens sind:

    V2
    Sundown
    Rehab
    Zerfall
    Risse im Fundament
    Die Seuche

    Alle Bände sind unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesbar.

    * * *

    Der Unterschied zwischen arm und reich ist im Jahr 2084 in der Tat eklatant. Doch als ob es nicht reichen würde, dass Tausende von Menschen im und vom Müll leben, gibt es Menschen, die noch eine Stufe niedriger leben. Der Juggernaut Ruiz ist einer von ihnen - ein willenloser Sklave, der per Chip ferngesteuert wird und sich in der Arena tödlichen Kämpfen stellen muss. Als er versehentlich eines Tages seinen Kontrahenden vorzeitig tötet, fällt Ruiz in Ungnade und muss fliehen. Doch wenn er es nicht schafft, den Chip loszuwerden, ist er verloren - zu stark sind die Impulse von außen, zu energieraubend der Kampf gegen die Fremdsteuerung.

    Verbrecher nannten sie seinesgleichen und Krüppel und Freak und Abschaum. Die Kinder aus den oberen Ebenen machten sich einen Spaß daraus, sie zu verhöhnen, wenn man sie in die Arena trieb. Leute wie ihn, die sich verkauft hatten und deren Job es war, Figuren zu sein. Menschliche Spielfiguren zur Unterhaltung der Massen. Juggernauten - die über unglaubliche Kraft verfügten und dennoch ihr Leben lang Sklaven blieben. Menschen, die alles niederrollen könnten und es doch nicht taten. Weil die Chips in ihren Köpfen es nicht zuließen...

    Helena heißt seine schöne Freundin, die alles daransetzt, um Ruiz zu retten. Geld braucht sie, um einen Quacksalber bezahlen zu können, der ihrem Freund den Chip aus dem Kopf operiert. Aber als mittellose Bewohnerin Hamburgs hat sie nicht viele Möglichkeiten, um an die notwendigen Mittel zu kommen. Ihr bleibt offensichtlich nur ein Weg: sie muss sich in die Hände des Schönheitschirurgen Dr. Golding begeben, der eine Möglichkeit gefunden hat, durch die Transplantation von Chromosonenden, sogenannte Telomere, Lebenszeit von einer Person auf eine andere zu übertragen. Werden diese Telomere einem Menschen entnommen, so verliert dieser Jahre seines Lebens und altert um ein Vielfaches schneller. Doch für Helena ist kein Preis zu hoch - sie ist zu allem bereit, um ihren Ruiz zu retten und ihm und sich ein Leben in Freiheit zu verschaffen. Leider läuft wie so oft im Leben dann alles anders als geplant...

    Ehrlich gesagt lässt mich diese dystopische Geschichte um ein Hamburg in einer ungewissen Zukunft etwas zwiegespalten zurück. Die Idee dahinter fand ich durchaus ansprechend: Gesellschaftskritik (Kluft zwischen Arm und Reich, Ausbeutung der rechtlosen Armen, Schönheits- und Jugendwahn), gepaart mit ethischen Fragestellungen (Grenzen von wissenschaftlichen Allmachtsfantasien) und philosophischen Standpunkten (Hegel und Kant). Die Umsetzung jedoch konnte mich trotz des weitestgehend flüssigen Schreibstils nur wenig überzeugen. Unerwartete Sprünge in der Handlung sind hier ebenso als Kritikpunkt zu nennen wie die wenig greifbare dystopische Atmosphäre. Vor allem aber die Charaktere, die hier durchweg blass und eindimensional bleiben, verhinderten, dass ich am Geschehen emotional teilhaben konnte. Eine Weiterentwicklung selbst der Hauptfiguren konnte ich nicht erkennen, die Handlungen wurden v.a. durch äußere Ereignisse determiniert und weniger durch bewusste Entscheidungen der Charaktere.

    Die Grundidee verbunden mit einem angenehm überraschenden Ende gewährleisten dennoch eine mittelmäßige Wertung von meiner Seite. Eine durchaus interessante Geschichte, die trotz der genannten Kritikpunkte Lust macht auf die weiteren Geschichten der Staffel des Future Fiction eSerials.

    © Parden

  1. Großartiger zweiter Band einer epischen Saga

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Mär 2016 

    Die Geschichte fängt direkt hochspannend an! ...tja, denkt man jedenfalls in der ersten Schrecksekunde, aber: falscher Alarm.

    Die Protagonistin, Daria, bekommt erstmal eine Waffe in den Rücken gedrückt - was sie aber überhaupt nicht beeindruckt, weil sie weiß: erstens ist die Waffe totaler Schrott, und zweitens ist der Typ, der sie hält, eigentlich ganz in Ordnung und will sie gar nicht töten. Drohgebärden gelten 42 Ebenen unter dem Meeresspiegel quasi als ganz normale Verhandlungsstrategie.

    Da hatte mich das Buch schon halb überzeugt, denn die taffe Daria und ihr trockener Humor waren mir sofort sympathisch. Darin wurde ich im Laufe der Geschichte dann immer weiter bestärkt! Daria ist eine starke Protagonistin, die sich nichts gefallen lässt, die nie aufgibt, die ziemlich viel fürs Überleben tut, die aber dennoch nicht total abgebrüht und skrupellos ist. (Bonuspunkte gab es zum Beispiel für ihre Rettung eines angeblichen "Kampfhundes".) Gut gefallen hat mir auch, dass sie alles andere als perfekt ist. Zwar ist sie eine brilliante Expertin für Tarntechnik und eine Vindu-Kriegerin fünften Ranges, aber gerade das mit dem Vindu geht öfter mächtig schief...

    Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis Daria es mit gefährlicheren Gegnern zu tun bekommt als dem halbherzig aggressiven "Kunden" vom Anfang. Was als lukrativer Auftrag anfängt, reitet sie quasi über Nacht tief hinein in Bandenkriege, die Machenschaften des Syndikats und eine Verschwörung, die nicht nur ihr Leben bedroht, sondern das aller "Unerwünschten" Hamburgs.

    Die Charaktere fand ich alle unheimlich gut geschrieben. Die Autorin schafft es, dass man schon nach wenigen Sätzen ein echtes Gespür für den jeweiligen Charakter entwickelt. Jeder hat seine eigene, unverwechselbare Stimme, die in den lebendigen Dialogen hervorragend rüberkommt.

    Die Geschichte wird nach dem falschen Alarm vom Anfang auch sehr schnell sehr spannend - und bleibt es dann bis zum Schluss. Richtig beeindruckt hat mich, wie überzeugend die Autorin die dystopische Welt, die der Leser schon in im Prolog und im ersten Band der Reihe kennengelernt hat, weiter ausbaut und mit vielen Details ausschmückt. Besonders das "Technobabbel" beherrscht sie meisterhaft - es fließen unzählige technische Begriffe und Erklärungen in die Dialoge ein, die absolut glaubhaft klingen. Ganz selbstverständlich, als wäre diese Technologie nicht nur tatsächlich möglich, sondern sozusagen schon halb erfunden!

    Ich habe in diesem Band wirklich den Eindruck gewonnen, dass das monströs ausgeuferte Hamburg der Zukunft die perfekte Grundlage für eine wahrhaft epische Saga ist, und ich freue mich schon richtig auf die Bände 4, 5 und 6 (und hoffe auf eine zweite Staffel mit weiteren Bänden). Der Mega-Moloch Hamburg ist ein zutiefst originelles Konstrukt und bietet Stoff für ganz unterschiedliche Geschichten, und ganz ehrlich: "Hamburg Rain 2084" beweist, dass auch deutsche Autoren grandiose Dystopien schreiben können.

    Der Schreibstil ist rasch und eher schnörkellos, was aber wunderbar zu Daria und ihrem Wesen passte. Und wie schon gesagt, mir gefiel der trockene, manchmal eher böse Humor sehr gut! Es ist sicher kein poetischer Schreibstil, aber er vermittelt mühelos die düstere Atmosphäre, das Elend der unteren Ebenen und den täglichen Kampf ums Überleben.

    Fazit:
    Nachdem ich den als eBook-Novelle veröffentlichten Prolog der Reihe fantastisch fand, mich der erste Band dann aber eher enttäuschte, konnte mich der zweite Band nun wieder begeistern. Die Geschichte ist komplex und spannend, die Hauptfigur ist taff und hat einen großartigen Humor, und es machte mir einfach sehr viel Spaß, mehr über das zur Megametropole ausgeuferte Hamburg der Zukunft zu erfahren.

    Viele Leser werden beim Thema Dystopie erstmal an "Die Tribute von Panem", "Die Auslese", "Die Bestimmung", "Die Überlebenden" und ähnliche Bücher denken. In meinen Augen liest sich "Hamburg Rain 2084" etwas erwachsener, mit deutlich weniger Augenmerk auf Liebesgeschichten.

  1. Gladiatorenkämpfe im Jahr 2084

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 27. Mär 2016 

    Das Buch hat starke, interessante Grundthemen zu bieten:

    Zum einen geht es um blinden Schönheits- und Jugendwahn, und die Autorin übersteigert dabei eigentlich nur, was wir in unserer Realität tatsächlich schon erleben: den Zwang, so lange wie möglich so jugendlich wie möglich zu sein. Knackig, schön und makellos bis ins hohe Alter.

    In der düster-dystopischen Zukunft Hamburgs, die Claudia Pietschmann hier beschreibt, hat der bekannte Schönheitschirurg Dr. Golding eine Möglichkeit gefunden, durch die Transplantation von Chromosonenden, sogenannten Telomeren, Lebenszeit von einer Person auf eine andere zu übertragen. Natürlich sind nur die Ärmsten der Armen verzweifelt genug, kostbare Jahre ihres Lebens zu verkaufen - aber davon gibt es in dieser Dystopie in den unteren Ebenen der Stadt mehr als genug. Das wirft faszinierende ethische Fragen auf, und es klingt auch nach etwas, das tatsächlich irgendwann passieren könnte.

    Auch sehr interessant fand ich, dass im futuristischen Hamburg das Alte Rom aufersteht: es gibt blutige Gladiatorenkämpfe, und auch diese gehen natürlich auf Kosten der unteren Schichten. Wer das Geld dringend genug braucht, verkauft sich als menschliche Spielfigur, als "Juggernaut", lässt sich einen Chip ins Gehirn pflanzen und bestreitet dann brutale Kämpfe auf Leben und Tod in der Arena, buchstäblich ferngesteuert von seinem Besitzer.

    Aber so großartig ich die Themen fand, so blutleer fand ich leider die Umsetzung. Und das lag vor allem an den Charakteren.

    Sie tauchen auf, werden beschrieben und verschwinden dann zum Teil auf Nimmerwiedersehen, so dass ich mich fragte: warum wurde xyz überhaupt eingeführt? Fatalerweise fand ich auch die Charaktere, die tatsächlich wichtig für die Handlung sind, überwiegend enttäuschend. Ich konnte mich mit keinem davon wirklich identifizieren, und sogar mit den beiden Hauptfiguren tat ich mich sehr schwer.

    Ruiz ist ein Juggernaut, und am Anfang tat er mir leid. Er kommt aus den untersten Schichten der Stadt und hatte daher nur wenig Wahl, was seinen Lebensweg betrifft. Ich wollte wirklich mit ihm mitfühlen, aber mit jedem Kapitel hatte ich mehr das Gefühl, dass er keine greifbare Identität hat: er verhält sich sehr widersprüchlich, und dazu oft noch alles andere als sympathisch. Mal ist Helena die Liebe seines Lebens, dann denkt er kühl und geradezu verächtlich über sie.

    Helena dagegen liebt Ruiz abgöttisch, sklavisch ergeben bis zur Selbstaufgabe. Das wirkte auf mich nicht romantisch, sondern eher krankhaft und obsessiv! Nur einmal widersetzt sie sich seinem Willen, das aber nur, um sich für ihn aufzuopfern.

    Ich hatte bei beiden Protagonisten leider nicht den Eindruck, dass sie sich im Laufe des Buches tatsächlich weiterentwickeln. Sie lassen sich von den Geschehnissen eher mitreißen als das Steuer in die Hand zu nehmen, und dabei haben sie mehr als einmal unglaubliches, unglaubwürdiges Glück.

    Den Schreibstil fand ich nicht schlecht, aber so recht wollte der Funke nicht überspringen. Die Atmosphäre blieb für mich etwas blass, und oft passte der Sprachrhythmus nicht zu dem, was gerade passierte. In einer Szene wird Ruiz zum Beispiel auf übelste Weise zusammengeschlagen. Es wird gesagt "Gedankenfetzen tanzten durch seinen Schädel" - aber dann wird die Szene in ruhigen, geordneten Sätzen weitererzählt.

    Mein größtes Problem mit "V2" ist jedoch, dass die Basis der Geschichte für mich bis zum Schluss völlig unbegreiflich blieb.

    Ruiz ist ein Juggernaut. Es ist seine Aufgabe, in der Arena zu kämpfen, und es wird mehrfach gesagt, dass es Kämpfe auf Leben und Tod sind - dass es absolut normal ist, dass der Verlierer dabei stirbt. Ruiz hat schon viele Menschen getötet und das war bisher nie ein Problem, denn er soll das ja tun! Warum ist es also auf einmal ein Riesenskandal, als er einen anderen Juggernaut tötet? Warum ist es dieses Mal Mord, warum macht ein riesiges Polizeiaufgebot Jagd auf Ruiz? Habe ich da etwas überlesen?

    Fazit:
    Die Dystopie spricht hochspannende Themen an - Schönheitswahn, Jugendkult, Verrohung der Gesellschaft -, kann sie aber meines Erachtens nicht stimmig umsetzen. Die Charaktere wirkten auf mich eher flach und ich konnte nur selten mit ihnen mitfiebern, wodurch mich auch die Spannung nicht so richtig packte.

    Ich rätsele immer noch über das Schlüsselereignis der Geschichte, denn ich kann schlicht und einfach nicht verstehen, warum das alles überhaupt passiert... Ich habe den Eindruck, mir fehlt ein wichtiges Puzzleteilchen und ich kann daher das Gesamtbild nicht sehen.

  1. Düstere Zukunft

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jan 2016 

    42 Ebenen unter dem Meeresspiegel regieren Chaos, Verzweiflung und unerträgliche Hitze. Es gibt nur einen Grund diese trostlose Gegend aufzusuchen – die begehrten Tarnmodule von Daira. Damit ist der Zugang zu höheren und somit den meisten verschlossenen Ebenen Hamburgs möglich. Das berüchtigte Syndikat benutzt die Tarnmodule für ihre verbrecherischen Machenschaften und gefährden damit Hamburg. Für Daira beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Sie begibt sich auf die Jagd nach einem unsichtbaren Gegner um ihre Stadt zu retten und gerät in den Sog einer dunklen Verschwörung - eine Katastrophe von biblischem Ausmaß...

    Dieser 2. Teil hat mir nicht ganz so gut gefallen wie der Erste. Für meinen Geschmack kamen zu viele technische Details darin vor. Ansonsten hat die Autorin Heike Wahrheit, eine dunkle und bedrückende Atmosphäre geschaffen, die sich wunderbar in die Welt von Hamburg Rain einfügt.

    Ihre Charaktere, besonders Daira fand ich sehr sympathisch, wenn auch etwas naiv. Ich habe mich gefragt, wie sie schon lange in dieser Welt überleben konnte. Aber sie ist trotz ihrer Naivität eine sehr taffe Frau und das fand ich super. Ich muss euch ganz ehrlich sagen, dass ich in dieser Welt nicht leben wollte. Die Menschen in den unteren Ebenen zählen überhaupt nichts, auch wenn ihr einziges Verbrechen darin besteht, auf der falschen Ebene geboren worden zu sein. Es gibt fast keine Möglichkeiten aufzusteigen. In den unteren Ebenen regiert das Verbrechen und es gibt dort nur eine Regel: Friss oder stirb.

    Das ganze Konzept dieser Reihe finde ich sehr gut. Junge und unbekanntere Autoren bekommen die Chance zu zeigen, was sie können. Ich bin jedenfalls total gespannt, was sich die anderen Autoren zu dem Thema haben einfallen lassen und freue mich schon auf den nächsten Teil "Rehab". Man kann die Bücher in beliebiger Reihenfolge lesen, weil alle in sich abgeschlossene Geschichten enthalten. Ich richte mich am Erscheinungsdatum.

    Für "Sundown" vergebe ich 4 von 5 Byrons und bin schon sehr gespannt, wie mir die nächste Geschichte gefallen wird. Leider kommen noch ein paar andere Bücher vorher dran. Aber die eBooks laufen mir ja zum Glück nicht weg.

    Bisher erschienen:
    Der schwarze Regen (Prequel)
    V2
    Sundown
    Rehab
    Zerfall
    Risse im Fundament
    Die Seuche

    © Beate Senft

  1. Nur die Reichen zählen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Nov 2015 

    Eine Stadt im ewigen Regen. Eine Stadt mit hierarchisch gegliederten Ebenen. Eine Welt voller Geheimnisse, Träume und Verbrechen: Hamburg Rain 2084 - Das dystopische Future Fiction eSerial von Herausgeber Rainer Wekwerth!
    Der Juggernaut Ruiz ist eine menschliche Spielfigur, die durch einen Chip im Kopf unter Kontrolle gehalten wird. Er muss fliehen, als er in der Arena einen Mord begeht.
    Helena ist fest entschlossen, ihn zu retten. Sie lässt sich auf einen Handel mit dem Schönheitschirurgen Dr. Golding ein, verkauft ihm ihre Telomere und damit zehn Jahre ihres Lebens. Ruiz und Helena genießen ihre Freiheit und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft. Doch dann gerät die Sache aus dem Ruder und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Quelle Amazon)

    »V2« ist der erste Teil der ersten sechsteiligen Staffel von »Hamburg Rain 2084«. Alle Bände sind unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesbar.

    Nachdem mir "Der schwarze Regen", das Prequel dieser Serie so gut gefallen hatte, hab ich mich daran gemacht V2, den ersten Teil der Reihe zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Obwohl dieses Buch von einem anderen Autoren geschrieben wurde, fügt sich die Geschichte perfekt in das Szenario von "Der schwarze Regen".

    Die Welt in der die Geschichte spielt ist sehr düster und oft unmenschlich. Nur die ganz Reichen und eine winzige Mittelschicht haben ein lebenswertes Leben. Es sind die Leute, die über der Erde leben. Danach kommen unzählige Etagen unter der Erde und viele, die hier leben, haben noch nie das Tageslicht gesehen. Man kann nicht einfach so in die oberen Ebenen gelangen, dazu braucht man Passierscheine. Das Leben unter der Erde ist sehr hart. Die Menschen leben in Schmutz, kämpfen jeden Tag um ihr Überleben und die Verbrechensrate ist sehr hoch.

    Hier leben Helena und Ruiz. Ruiz ist ein Juggernaut, ein Klon, und hat eigentlich überhaupt keine Rechte. Er kämpft in einer Arena jeden Tag um sein Überleben und wird dabei durch einen Chip in seinem Kopf gesteuert. Doch es geht etwas schief und Ruiz muss fliehen. Doch durch den Chip wird er bald wahnsinnig werden, weil er sich gegen die Befehle die er bekommt, ständig wehren muss. Um einen Arzt zu bezahlen, der diesen Chip entfernt, verkauft seine Freundin Helena ihre Telomere an Dr. Golding. 10 Jahre ihres Lebens sollen es sein, damit reiche Frauen 10 Jahre länger jung und schön sein können.

    Aber dann geht etwas schief und Helena und Ruiz müssen um ihr Leben kämpfen. Gegen die Reichen, die beschützt und abgeschottet in den oberen Regionen leben. Haben sie überhaupt eine Chance?

    Die Geschichte ist sehr spannend und ich habe mit den Beiden mitgefiebert. Den Schreibstil von Claudia Pietschmann fand ich sehr angenehm zu lesen und in meinem Kopf entstanden sehr düstere Bilder. Ich kannte die Autorin vorher noch nicht, bin aber total begeistert von ihrer Art zu schreiben.

    Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Band dieser Reihe zu lesen und bin total gespannt, was sich der nächste Autor hat einfallen lassen. Ich vergebe für V2 5 von 5 Punkte und eine Leseempfehlung an alle, die gerne düstere Dystopien lesen.

    Bisher erschienen:
    Der schwarze Regen (Prequel)
    V2
    Sundown
    Rehab
    Zerfall
    Risse im Fundament

    Erscheint in Kürze:
    Die Seuche (07.12.15)

    © Beate Senft