HALF BAD - Das Dunkle in mir: Band 1

Rezensionen zu "HALF BAD - Das Dunkle in mir: Band 1"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Apr 2015 

    Halbling

    Keiner hat ihn gewollt. Noch nicht einmal in seiner Familie. Seine Mutter hat sich seinetwegen umgebracht, meint er. Seine älteste Schwester wird zur Jägerin. Nur seine Gran und seine Halbgeschwister Deborah und Arran sind auf seiner Seite. Und so wird Nathan das schwarze Schaf unter den weißen Hexen, denn er ist ein Mischling, halb weiße Hexe, halb schwarze Hexe. Immer strengere Regeln werden den Mischlingen auferlegt, sie werden vermessen, befragt und kontrolliert. Die Schikanen machen auch vor ihren Familien nicht halt. Nathan ist sehr unsicher, wo soll er sich zugehörig fühlen. Er meint sein Körper sei der einer schwarzen Hexe, sein Geist eher weiß. Schließlich hat er die Fähigkeit, sich selbst zu heilen und das ist doch eindeutig weiß.

    Im ersten Moment mag man sich in Bezug auf die Hexen an den Zauberer von Oz erinnert fühlen, doch ist dies eine ganz andere Hexengeschichte. Zunächst einmal sind die Hexen (im Original witches) nicht zwingend weiblich, auch die männlichen Hexen werden so bezeichnet. Die weißen Hexen in der Mehrzahl üben die Kontrolle aus, die Schwarzen werden gejagt und am meisten gejagt wird Nathans Vater, den er nie kennengelernt hat und der so zu einer Sehnsuchtsgestalt wird. Weniger angesehen noch als die schwarzen Hexen sind aber die Mischlinge. Auf der untersten Stufe stehend ist Nathan schlimmen Erziehungsmaßnahmen ausgesetzt. In der Schule erstrahlt seine Mitschülerin Annalise wie ein Licht in seinem Leben.

    Teilweise recht grausam kommt es einem vor, wie die Kerkermeister Nathan behandeln. Im Namen einer guten Erziehung, die ihm helfen soll, den rechten Weg zu finden, wird er gequält und seinen wenigen Lieben entfremdet. Und doch kann er seinem Erbe nicht entfliehen. Man leidet mit Nathan und begehrt mit ihm auf. Man schreckt zurück vor den Hindernissen, die sich Nathan in den Weg stellen, und ist erfreut, wenn er doch hin und wieder Hilfe erhält. Auch wenn noch nicht endgültig erkennbar ist, wohin Nathans Reise gehen wird, ist dieser erste Band einer Trilogie sehr spannend erzählt und entführt einen in ein etwas anderes England der Kontrolle und Ausgrenzung, das fast einen Bezug zum wirklichen Leben haben könnte.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 14. Apr 2014 

    Konnte mich nicht vom Hocker reißen

    Nathan wird in eine Welt geboren, die von den weißen Hexen und Hexern kontrolliert wird. Schwarze Hexen und Hexer werden gejagt und getötet. Nathans Mutter ist eine weiße Hexe, seine Geschwister sind weiße Hexen und Hexer, doch Nathans Vater ist Markus, der mächtigste schwarze Hexer überhaupt. Und somit ist Nathan ein Halbcode und für den weißen Rat gefährlich. Früh nimmt sich seine Mutter das Leben und er wächst mit seinen Geschwister bei seiner Gran auf. Außer seiner Familie will fast niemand etwas mit ihm zu tun haben. Ist er wirklich so gefährlich? Muss er zwangsläufig böse werden? Oder er kann er selbst entscheiden was er sein möchte?

    "Half Bad" ist ein Jugendbuch und das merkt man auch. Die Sprache ist einfach gehalten, aber zeitweise ist die Handlung doch auch recht brutal. In dieser Welt gibt es ganz klare Regeln: Weiß ist gut - schwarz ist böse. Aber natürlich wird im Laufe der Geschichte klar, dass es eben nicht so ist.

    Was mich sehr geschockt hat, waren die Bekanntmachungen des weißen Rates. Erst mussten schwarze Hexen in Listen kenntlich gemacht werden, dann musste jeder Kontakt mit einem Schwarzen dem Rat gemeldet werden. Es wurde aber noch schlimmer. Die Schwarzen durften sich nicht mehr vom Fleck rühren, ohne vorher die Genehmigung des Rates einzuholen. Und so geht es immer weiter. Ich habe mich beim Lesen sehr darüber aufgeregt.
    Natürlich lässt sich das alles ganz einfach auf die heutige Gesellschaft übertragen, denn solche Ungerechtigkeiten und diesen Hass vor Menschen die anders sind gibt es leider immer und überall.

    Nathan hat eine gewisse Tiefe, auch wenn die anderen Charaktere eher blass bleiben. Aber da man immer hautnah bei Nathan dabei ist, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, waren die schrecklich vielen und langen Kampfphasen. Das langweilte mich mit der Zeit und ich merkte, dass ich sie irgendwann nur noch überflog. Ansonsten fand ich den Plot ziemlich gut ausgearbeitet.

    Half Bad - Das Dunkle in mir ist der erste Teil einer Reihe. Ich vermute, dass es wohl 3 Teile werden, aber ich denke nicht, dass ich unbedingt wissen muss wie es weiter geht. Meine Neugierde hält sich wirklich in Grenzen. Trotz allem vergebe ich für dieses Buch 3 von 5 Punkten, denn es hat mir gut die Zeit vertrieben, aber überragend war es eben nicht. Der Debütroman von Sally Green ist ein solides Jugendbuch das man lesen kann aber nicht unbedingt muss. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    © Beate Senft