Großmutters Haus: Roman

Rezensionen zu "Großmutters Haus: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Dez 2019 

    Gut/empfehlenswert, aber kein Highlight

    In dem unterhaltsamen, vergnüglichen und flotten 252 Seiten langen Roman geht es um Malina, eine Studentin (Philosophie, Germanistik, Komparatistik), die nebenbei als Angestellte in einer Bücherei arbeitet. Sie liebt Bücher, erlebt sie als Rettung und empfindet die Welt zwischen Buchdeckeln als weiter.
    Am Ende des Romans trauert sie um eine geliebte Autorin. Aber ist es nicht ausgleichende Gerechtigkeit, dass sie da dann auch ihre bis dahin totgeglaubte Großmutter wiedergefunden hat?

    Am Anfang der Geschichte bekommt Malina ein Paket voller Geldscheine. Und zwar von ihrer totgeglaubten Großmutter Kristyna. Malina besucht sie in ihrer Hütte im Wald. Im Gepäck hat sie 1000 Fragen und ihre ausgeflippte, lebensfrohe und unkonventionelle Oma Krystina will ihr dabei helfen, sie zu beantworten. Malina lernt im Verlauf der Geschichte nicht nur ihre „vielseitige und wandlungsfähige Großmutter“, deren ungewöhnlichen Alltag und den stummen Jakob, sondern auch sich selbst kennen.

    Wenn man den Roman liest, muss/darf man sich öffnen und auf skurrile Begebenheiten und grotesk-komische Episoden einlassen.
    Er kommt leichtfüßig und humorvoll daher und regt zum Nachdenken an. Die Sprache ist schön und mitreißend. Das Buch steckt voller Metaphern und wenn man bereit ist, sie als solche zu erkennen und zu übersetzen, dann kann man den Roman als tiefgründig und tiefsinnig bezeichnen.

    Wird es Malina gelingen, den Theatersaal der Literatur zu verlassen? Wird es ihr gelingen, sich ins echte Leben zu werfen, sich zu befreien und sich an ihren Bedürfnissen zu orientieren so wie es Oma Krystina vorlebt?

    Der Roman enthält viele bedeutsame Themen, die man unschwer entdecken kann. In gewisser Weise ist es auch ein Pageturner. Man wird prächtig unterhalten. Aber unterm Strich war mir alles zu offensichtlich, zu gewollt, zu „flach“.
    Ein nettes Buch für zwischendurch und sicherlich ein Buch, über das sich gut diskutieren lässt, weil es wahrscheinlich sehr unterschiedliche Eindrücke hervorruft.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 20. Nov 2019 

    Poetisch, magisch, brillante Sprache

    „In Großmutters Haus würde ich diese Tür klar vor mir sehen, wissen, dass dahinter die Antworten auf all meine Fragen, auch die noch ungestellten, lägen. Und nichts weiter wäre zu tun, als hindurch zu spazieren, um hinter dieser Tür lächelnd zu erkennen, dass keine einzige Frage mehr nötig war.“ (Zitat Seite 20)

    Inhalt
    Bücher haben Malina schon immer fasziniert und ihre Berufswahl beeinflusst. Sie war vom Land in die Stadt gezogen, wo sie ein unabhängiges, zurückgezogenes Leben führt. Geld verdient sie mit einer Teilzeitstelle in einer Bücherei, gleichzeitig studiert sie Germanistik und Literaturwissenschaft. Eines Tages erhält sie ein Paket von ihrer Großmutter. Im wahrsten Sinne von der Familie totgeschwiegen, lebt diese, und dies aktiv, lebensfroh und sehr eigenwillig. Malina zieht ihren Urlaub vor und fährt zu der alten Dame, Kristyna-Oma nennt sie sie und hat viele Fragen, an die Oma und an das Universum. Wird sie Antworten finden?

    Thema
    In diesem Roman geht es um eine besondere Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter, um Familie und Lebensfreude, um Liebe, Freiheit und die Suche nach dem persönlichen Platz im Leben.

    Charaktere
    Kristyna lebt in einem alten Haus auf dem Land, irgendwo am Waldrand. Alter ist kein Thema für sie, sie hat ihr Leben immer bunt und nach eigenen Vorstellungen gelebt und dies tut sie auch jetzt noch.
    Malina hat ein Verhältnis mit einem älteren, verheirateten Mann und hat vor, diese Beziehung, die im Grunde keine echte Beziehung ist, zu beenden. Die erste Antwort auf ihre Frage über den Sinn des Lebens, die sie ihrer Großmutter stellt, ist ein Joint, eine spezielle Kräutermischung, hergestellt von ihrer Oma. Es warten noch einige Überraschungen auf Malena.

    Handlung
    Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von etwas mehr als zwei Wochen, denn genau zwei Wochen Urlaub hat Malena für den Besuch bei ihrer Großmutter zur Verfügung. Ergänzt durch wenige, erklärende Rückblenden, spielt die Handlung in der Gegenwart, erzählt von Malena in der Ich-Form. Im Mittelpunkt stehen die Gespräche zwischen Enkelin und Großmutter, der ruhige Tagesablauf in Verbindung mit dem Leben in der Natur. Malena fragt nicht nur, sie beobachtet auch und manche Ereignisse haben etwas Magisches. Es ist ein poetisches Buch, erzählt in einer lebendigen Sprache. Man liest die Freude des Autors an Sprachspielereien, die sie seine Schilderungen noch bunter und lebhafter gestalten.

    Fazit
    Eine poetische, magische und gleichzeitig einfache Geschichte um die Suche nach dem Sinn des Lebens, bunt und üppig erzählt in einer lebhaft-beschreibenden Sprache. Ein Buch für Menschen, die beim Lesen des folgenden Satzes sofort das entsprechende Bild vor Augen haben und jedes einzelne Wort genießen: „Das Auto parkte hinter den Holunderstauden und in der eigenen Staubwolke, die sich zeitverzögert herangewälzt hatte, den Wagen verschlang und nach und nach erst freigab, indem sie, müde und seiner überdrüssig, zu Boden sank.“ (Zitat Seite 149).

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    gut/empfehlenswert, aber kein Highlight

    In dem unterhaltsamen, vergnüglichen und flotten 252 Seiten langen Roman geht es um Malina, eine Studentin (Philosophie, Germanistik, Komparatistik), die nebenbei als Angestellte in einer Bücherei arbeitet. Sie liebt Bücher, erlebt sie als Rettung und empfindet die Welt zwischen Buchdeckeln als weiter.
    Am Ende des Romans trauert sie um eine geliebte Autorin. Aber ist es nicht ausgleichende Gerechtigkeit, dass sie da dann auch ihre bis dahin totgeglaubte Großmutter wiedergefunden hat?

    Am Anfang der Geschichte bekommt Malina ein Paket voller Geldscheine. Und zwar von ihrer totgeglaubten Großmutter Kristyna. Malina besucht sie in ihrer Hütte im Wald. Im Gepäck hat sie 1000 Fragen und ihre ausgeflippte, lebensfrohe und unkonventionelle Oma Krystina will ihr dabei helfen, sie zu beantworten. Malina lernt im Verlauf der Geschichte nicht nur ihre „vielseitige und wandlungsfähige Großmutter“, deren ungewöhnlichen Alltag und den stummen Jakob, sondern auch sich selbst kennen.

    Wenn man den Roman liest, muss/darf man sich öffnen und auf skurrile Begebenheiten und grotesk-komische Episoden einlassen.
    Er kommt leichtfüßig und humorvoll daher und regt zum Nachdenken an. Die Sprache ist schön und mitreißend. Das Buch steckt voller Metaphern und wenn man bereit ist, sie als solche zu erkennen und zu übersetzen, dann kann man den Roman als tiefgründig und tiefsinnig bezeichnen.

    Wird es Malina gelingen, den Theatersaal der Literatur zu verlassen? Wird es ihr gelingen, sich ins echte Leben zu werfen, sich zu befreien und sich an ihren Bedürfnissen zu orientieren so wie es Oma Krystina vorlebt?

    Der Roman enthält viele bedeutsame Themen, die man unschwer entdecken kann. In gewisser Weise ist es auch ein Pageturner. Man wird prächtig unterhalten. Aber unterm Strich war mir alles zu offensichtlich, zu gewollt, zu „flach“.
    Ein nettes Buch für zwischendurch und sicherlich ein Buch, über das sich gut diskutieren lässt, weil es wahrscheinlich sehr unterschiedliche Eindrücke hervorruft.