Großes Sommertheater: Roman

Rezensionen zu "Großes Sommertheater: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Ist Blut wirklich dicker als Wasser?

    Frank Goldammer dürfte jedem ein Begriff aufgrund der Max-Heller-Reihe sein und nun geht er etwas andere Wege. Aber jeder darf beruhigt sein, sowohl Krimi als auch Weltkrieg sind nicht ganz vergessen.

    In der Geschichte geht es um den Patriarchen Joseph, der vor seinem anstehenden Tod seine zerstrittene Familie zu sich ruft. Noch einmal möchte er all seine Kinder sehen, die ihn mal mehr und mal weniger leiden können. Ob das eine gute Idee war sie alle zu sich zu holen inklusive Kind und Kegel?

    Der Autor entführt uns an die Ostsee und mit der Einstiegsbeschreibung der Region fühlt man sich direkt im Urlaub angekommen.

    Die Familie des Patriarchen ist alles andere als klein, hat er doch mindestens drei Kinder, von denen er weiß, die jeweils von anderen Müttern stammen. Und diese bringen ihre extravaganten Ehefrauen samt verwöhnter Kinder und gar Enkel mit.

    Da haben wir den Politiker Erwin, der sich weder optisch noch in seinem Verhalten sonderlich von seinem Bruder Harald unterscheidet, der als Gangster seine Brötchen verdient. Die Brüder sind schon aus Prinzip neidisch aufeinander. Was der Eine hat, will der andere unbedingt haben. Das geht vom Auto über die Partnerin bis hin zum Sitzplatz am Tisch. Am liebsten möchte man den Beiden die Augen öffnen und ihnen zeigen, dass sie mehr gemeinsam haben als sie eigentlich trennt.

    Und der Dritte im Bunde schlägt ganz aus der Art, schließlich ist Uwe arbeitslos und das schon sein Leben lang. An Uwe hat mich am meisten fasziniert, dass er mehr kann als man ihm eigentlich zutraut und dass er im Verlauf der Geschichte sogar über sich hinaus wächst, was die anderen nicht schaffen werden.

    Mein Liebling des Buches, auch wenn er gehörig nervig war, ist und bleibt klein Rocco, der Enkel von Erwin. Mit seinen drei Jahren mischt er die ganze Familie auf und sorgt für reichlich Wirbel. Bei jeder Aktion von ihm musste ich herzhaft lachen und man wartet bei jedem Verschwinden seinerseits nur darauf, was er wohl als Nächstes anstellen wird.

    Doch auch die Nebencharaktere wissen zu überzeugen, wie Schwiegersohn Jussi, der die nervigen deutschen Verwandten am liebsten killen wollen würde oder die Teenies, deren zarte Neugier füreinander dafür sorgt, dass sie mal ihr Handy vergessen.

    Ansonsten lässt uns Goldammer in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken, denn die Familienmitglieder gönnen sich rein gar nichts und würden auch vor Mord nicht zurückschrecken, um an das Ziel ihrer Träume zu gelangen.

    Mir hat besonders der Rückblick in Josephs Vergangenheit gefallen, denn hier lernen wir dessen Eltern während des zweiten Weltkrieges kennen und warum letztendlich die Familie sich so verkorkst entwickelt hat.

    Fazit: Für mich der ideale Sommer- und Urlaubsroman, der einen sowohl schmunzeln lässt als auch nachdenklich stimmt, ob man immer fair mit der eigenen Familie umgeht. Lesespaß garantiert!