Gotteszahl

Buchseite und Rezensionen zu 'Gotteszahl' von Anne Holt
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Gotteszahl"

Früher gab es bei den Stubøs immer Schweinerippe als Weihnachtsessen, aber diesmal hat Mutter Inger Johanne Kabeljau gemacht. Während Kommissar Yngvar Stubø aus Oslo dem Kabeljaukopf die Augen aussaugt, bringen die Kinder das Gespräch auf Wasserleichen.

Als wäre das noch nicht genug des Makabren, erhält der Ermittler auch noch einen Anruf: Im norwegischen Küstenort Bergen ist die sympathische und hoch geachtete Bischöfin Eva Karin Lysgaard, die sich durch ihren Einsatz für Homosexuelle und Arme allerdings nicht nur Freunde gemacht hat, ermordet worden. Die Spur führt zu einer mysteriösen zahlenmystischen Sekte namens „Gruppe 25“, die die von Verderbnis durchzogene christliche Welt reinigen wollen. Und, der Leser weiß es gleich zu Beginn von Gotteszahl/, viel früher aus der Kommissar: Bei einem Mord wird es nicht bleiben...

Irgendwann kommt wohl kein moderner Krimi-Autor mehr drum herum, eine (christlich-fundamentalistische) Sekte zum Ausgangspunkt der Handlung zu machen. Die Mystery-Thriller des Genre-Übervaters Dan Brown werfen ihre lange Schatten bis in die letzten ausgeleuchteten Winkel der Gattung hinein. Aber es kommt ja vor allem auch darauf an, wie man als Autor mit – bewussten oder unbewussten – Vorbildern umzugehen versteht, und da ist die norwegische Bestsellerautorin Anne Holt wie immer eine sichere Bank. Denn sie versteift sich nicht in Spekulationen, sondern erzählt so souverän, dass der ganze Fall logisch und authentisch wirkt.

Kurz und gut: Gotteszahl ist ein spannender, klug gebauter und mit einer gehörigen Portion Witz geschriebener Kriminalroman: allein schon, wie es Holt gelingt, von der skurrilen Darstellung eines Leichenfunds am Kai eines Fjordes mit einem literarischen „Filmschnitt“ zum Weihnachtsessen der Stubøs überzuleiten, ist nichts weniger als brillant. -- Stefan Kellerer

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:464
Verlag: Piper
EAN:9783492053952

Rezensionen zu "Gotteszahl"

  1. Gute nordische Krimikost...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Okt 2017 

    Eine bis zur Unkenntlichkeit verweste Leiche und eine angesehene Bischöfin, die auf heimtückische Weise erstochen wird – das ist nur der Beginn einer grausamen Mordserie, der ein teuflisches Muster zugrunde liegt. Kommissar Yngvar Stubø ist schnell klar, dass Beten nicht der Schlüssel zur Lösung sein wird...

    Es ist zu merken, dass Anne Holt eine geübte Krimiautorin ist. Auch in diesem Roman (Band 4 der Reihe um Yngvar Stubø) versteht sie es, den Leser bereits auf den ersten Seiten zu fesseln.

    Gleich zu Beginn wird eine Szene präsentiert, in der man direkt gebannt ist. Ein Betrunkener ist ins Wasser gefallen, zwei Leute versuchen ihn zu retten, doch plötzlich hat jeder von ihnen jemanden in der Hand... Einer davon ist tot und entstellt. - Danach wechselt die Szene zum Weihnachtsabend des Osloer Kommissar Yngvar Stubø und seiner Familie - etwas angestrengt harmonisch, bis ein Telefonat ihn in den Alltag zurück reißt. Die Bischöfin Eva Karin Lysgaard ist am Heiligabend erstochen worden, auf offener Straße...

    Immer mehr Leichen tauchen auf, in der ersten Hälfte des Buches ist kaum ein Zusammenhang erkennbar. Dazu das Gefühl der Frau von Kommissar Yngvar Stubø, dass ihre Tochter Kristiane beobachtet und verfolgt wird, möglicherweise auch in Gefahr ist. Erst ab der zweiten Hälfte des Buches finden die losen Enden zueinander, werden Zusammenhänge sichtbar, aber auch eine große Tragik.

    Obwohl dies mein erster Krimi der Reihe um Yngvar Stubø ist, hatte ich keine Schwierigkeiten, in die Erzählung hineinzufinden. Bei aller Dramatik entwickelt sich die Geschichte sehr ruhig, teilweise vielleicht auch etwas langatmig. Die Hintergründe liegen im Bereich des Vorstellbaren, wirken auf mich jedoch etwas konstruiert. Beeindruckend allerdings, dass die Autorin ein Thema gewählt hat, das sich in ihrer eigenen privaten Situation widerzuspiegeln scheint. Und erkennbar auch der Tenor von Anne Holt, für ein menschlicheres Miteinander zu plädieren.

    Insgesamt eine gute nordische Krimikost, ein Buch, das nicht verschlungen werden will, sondern an so manchen Abenden in Ruhe eine Geschichte erzählen möchte.

    © Parden