Goodbye, Bukarest

Buchseite und Rezensionen zu 'Goodbye, Bukarest' von Astrid Seeberger
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Es ist ein Rätsel in ihrer Familiengeschichte, ein blinder Fleck. Von Bruno, dem ältesten Bruder ihrer Mutter – dem es gelang, dass alles, was er berührte, zu zittern auf hörte – hieß es immer, er sei bei Stalingrad gefallen. Es war eine Lüge: Als Astrid zufällig davon erfährt, muss sie die Suche nach Bruno aufnehmen, ohne erklären zu können, warum. Und diese Spur führt nach Bukarest …

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:250
Verlag: Urachhaus
EAN:9783825152307

Rezensionen zu "Goodbye, Bukarest"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 17. Feb 2020 

    Episch erzählte Zeitgeschichte als spannendes Familienbild

    "Erst als ein Windhauch herüberwehte, hörte er es: Jemand pfiff eine Melodie, die er wiedererkannte. Eine Melodie, die das schwarze Loch mit Musik füllte: Bachs Ich ruf zu Dir." (Zitat Seite 91)

    Inhalt
    Astrids Mutter erzählte Zeit ihres Lebens, dass Astrids Onkel Bruno in Stalingrad gefallen sei. Erst nach dem Tod der Mutter erfährt Astrid von einem alten Pfarrer dass dies eine Lüge war. Bruno hatte den Krieg überlebt, aber mit der Familie bewusst gebrochen. Schon Astrids Mutter hatte nach Bruno gesucht, und Astrid setzt nun diese Suche fort, weil sie die Wahrheit wissen will. Was ist damals wirklich geschehen, lebt ihr Onkel Bruno noch?

    Thema und Genre
    Dieser autobiografische Roman führt seine Erzählerin durch miteinander verflochtene Schicksale, ausgehend von Sibirien im Zweiten Weltkrieg, nach Bukarest, über Berlin und München in ein altes Haus in Münsing, Bayern. Eines der Hauptthemen sind die Geschichte Rumäniens, Heimat, Flucht und Vertreibung, Familie, die Kraft der Musik und die Liebe in ihrer Vielfalt. Es geht um die Suche nach den eigenen Wurzeln.

    Charaktere
    Astrid will Antworten betreffend das Schicksal ihres Onkels Bruno und einen Teil ihrer Familiengeschichte, über den bisher geschwiegen wurde. Beharrlich folgt sie auch der kleinsten Spur und sie kann vor allem eines: zuhören. Sie hört den Menschen zu, deren Schicksal auf irgend eine Weise mit dem Schicksal Bruno Seebergers verknüpft ist, all dies eingebettet in wichtige Episoden europäischer Zeitgeschichte.

    Handlung und Schreibstil
    Der Aufbau dieses Romans wurde für dieses vielschichtige, umfassende Thema perfekt gewählt. Die Ich-Erzählerin berichtet über ihre Recherchen in der aktuellen Gegenwart, dadurch erfährt der Leser auch mehr über sie und ihr Leben. Mehrere Menschen sind fest mit dem Schicksal von Bruno verbunden. Deren Geschichten erfährt Astrid im Zuge ihrer Recherchen von den betroffenen Personen selbst oder durch nahestehende Zeitzeugen. Eine überaus spannende Reise durch die jüngere Vergangenheit, beeindruckend auch durch die vielseitigen Aspekte, die diese Menschen, ihre Entscheidungen und Gefühle, geprägt haben. Die poetische Sprache überzeugt ebenso, wie der gekonnte Aufbau und die Erzählformen.

    Fazit
    Ein spannend und doch poetisch erzähltes Stück Zeitgeschichte, ein Puzzle von verschiedenen Einzelschicksalen, die dicht miteinander verbunden sind und letztendlich ein Rätsel in der Geschichte einer Familie lösen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2020 

    Bewegender Pageturner

    Es sind wir Menschen, die Ewigkeiten füreinander schaffen. (S. 10)

    Als ich auf “Vorablesen“ auf das Cover von „Goodbye, Bukarest“ von Astrid Seeberger zu gucken kam, blitzte es kurz in meinen Augen und der nächste Klick führte mich dann auf die Inhaltsangabe. Die angebotene Leseprobe konnte mich dann schon in ihren Bann ziehen und schwups – war ein Leseeindruck geschrieben. Gut eine Woche später dann die Nachricht: „Du hast gewonnen.“ Da ahnte ich noch nicht, dass ich zwei Wochen später eines der „King´s Crown Juwels 2020“ gelesen haben würde…

    Nun denn. Astrid Seeberger macht sich auf die Suche nach ihrem Onkel Bruno. Als Archivar weiß ich, wie spannend und langwierig, aber auch emotional die Suche nach Angehörigen sein kann. Ich habe schon einige (nicht) unterdrückte Tränen im Laufe der Zeit bei unseren Benuter*innen gesehen.

    Von daher wundert mich der emotional-poetische Schreibstil auch nicht. Aber es passt zu den Geschichten, die Astrid Seeberger von Menschen erzählt bekommt, die ihren Onkel kannten. Hier hat sich die Autorin dem auch in der Geschichtswissenschaft vorkommendem Element der sog. „Oral History“ bedient. Die „mündliche Geschichte“ basiert auf dem Sprechenlassen von Zeitzeugen, ohne dass sie sich großartig vom Historiker beeinflussen lassen. Äußerst spannend das Ganze.

    Und sie sprechen, die Zeitzeugen. Sie erzählen ihre Geschichte und ich als Leser konnte eintauchen in das Leben in einem Strafgefangenenlager in der kasachischen Steppe, in das Bukarest der Vor- und Nach-Ceausescu-Ära…Und trotz der widrigen Umstände in den Lagern, die das Leben zur Hölle machen, werden (lebenslange) Freundschaften gebildet und am Ende weiß man: „Und die Einsamkeit nach einer Zeit der Zusammengehörigkeit ist die schlimmste Einsamkeit, die es gibt.“ (S. 82)

    Wenn auch über allem eine tiefe Emotionalität schwebt, gibt es noch etwas, was dieses Buch so besonders (zumindest für mich) macht: die Liebe zur Musik, die Leidenschaft für Literatur und zur Kunst.

    „Das Einzige, […] das mich nie im Stich gelassen hat, waren die Bücher und Bilder. Die kann mir niemand jemals wegnehmen, nicht jene Bücher und Bilder, die zu meiner Herzensangelegenheit geworden sind, im ganzen Leben nicht. Man kann sie ins Feuer werfen oder ins Meer, sie bleiben dennoch erhalten. Sie sind ein Teil von mir geworden, sie leben in mir.“ (S. 164)

    Und so spreche ich eine ganz klare Leseempfehlung für „Goodbye, Bukarest“ aus und zücke hochachtungsvolle 5*!

    ©kingofmusic

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Feb 2020 

    Eintauchen in die Vergangenheit

    Goodbye Bukarest ist eine Geschichte mit enormen Mehrwert - sei es für Leute, die selber noch die Spuren des Krieges in sich tragen (Gefangenschaft, Vermisste Verwandte), oder für die jüngeren Generationen um immer wieder die Auswirkungen des Krieges in Erinnerung zu rufen.

    In diesem Buch wird die Geschichte bzw. die Suche nach dem verschollenen Onkel erzählt. In der Familie wird über Brunos Schicksal geschwiegen. Ist er in einer Schlacht gefallen? Um die Wahrheit zu finden, muss man in die Vergangenheit auf Spurensuche reisen.
    In diesem Buch steht insebesondere der Krieg im Vordergrund - die Protagonisten wirken teilweise etwas schwach skizziert. In meinen Augen ist das aber vollkommen in Ordnung, weil es eben einen anderen Schwerpunkt in diesem Buch gibt.

    Ein tolles Buch, mit viel Mehrwert, denn auch ich kann es mir nicht ausmalen, wie es damals im Krieg gewesen ist.
    Goodbye Bukarest ist eine Geschichte mit enormen Mehrwert - sei es für Leute, die selber noch die Spuren des Krieges in sich tragen (Gefangenschaft, Vermisste Verwandte), oder für die jüngeren Generationen um immer wieder die Auswirkungen des Krieges in Erinnerung zu rufen.

    In diesem Buch wird die Geschichte bzw. die Suche nach dem verschollenen Onkel erzählt. In der Familie wird über Brunos Schicksal geschwiegen. Ist er in einer Schlacht gefallen? Um die Wahrheit zu finden, muss man in die Vergangenheit auf Spurensuche reisen.
    In diesem Buch steht insebesondere der Krieg im Vordergrund - die Protagonisten wirken teilweise etwas schwach skizziert. In meinen Augen ist das aber vollkommen in Ordnung, weil es eben einen anderen Schwerpunkt in diesem Buch gibt.

    Ein tolles Buch, mit viel Mehrwert, denn auch ich kann es mir nicht ausmalen, wie es damals im Krieg gewesen ist.