Gnadenbringende Weihnachtszeit: Wie "Macht hoch die Tür", "O du fröhliche" und der Adventskranz entstanden

Rezensionen zu "Gnadenbringende Weihnachtszeit: Wie "Macht hoch die Tür", "O du fröhliche" und der Adventskranz entstanden"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 01. Dez 2018 

    Eine hinreißende Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

    Nur weil es Heilung für das verwundete Leben der Menschen gibt, feiern wir Advent.

    Alle Jahre wieder … heute oft Stress pur, ein Anlass, sein eigenes Ego aufzupolieren: Wer bekommt oder macht die teuersten und originellsten Geschenke? Wer hat den tollsten Weihnachtsbaum? Wer präsentiert sich am besten?
    Einen sehr lesenswerten Gegenpol dazu setzt Elisabeth Eberle mit ihrem 134-seitigen biographischen Sachbuch „Gnadenbringende Weihnachtszeit. Wie ‚Macht hoch die Tür‘, ‚O du fröhliche‘ und der Adventskranz entstanden“. Das Buch ist 2018 im Verlag der Franck-Buchhandlung erschienen.
    Die Autorin greift in ihrem Buch die Biographien dreier Männer auf, die die Adventszeit und das Weihnachtsfest in Deutschland bis heute prägen: Georg Weissel, Johannes Falk und Johann Wichern. Sie erklärt darin nicht nur die Entstehung der im Untertitel genannten weihnachtlichen Traditionen, darüber hinaus führen diese Lebensbeschreibungen das Weihnachtsfest auf ihren eigentlichen Grund zurück: die Geburt Jesu und die damit verbundene Nächstenliebe und Heilszusage, wird doch in keiner anderen Religion die Liebe am Nächsten so allumfassend gesehen wie im Christentum, was in diesen Lebensbeschreibungen sichtbar wird.
    Blitzlichtartig greift die Verfasserin einzelne, prägende Szenen aus dem Leben dieser Drei auf und bettet sie in den gesellschaftshistorischen Hintergrund ein, wobei die soziale Misere des 18. Und 19. Jahrhunderts eindrücklich herausgearbeitet wird, und lässt die Traditionen vor einem für viele neuen Licht erstrahlen. Im Anschluss an jede Erzählung erläutert Eberle historische Hintergründe und trennt Fiktion von Wahrheit. Demselben dient ihr Nachwort.
    Eberles Sprache wirkt sehr poetisch, ist beschreibend und teils ein wenig antiquiert, was aber wunderbar zum Inhalt des Buches passt und dem Lesevergnügen sowie –fluss keinen Abbruch tut.
    Auf dem Cover dominieren die Farben Blau und Gold, die vollkommen zum Weihnachtsfest passen, dabei aber keinesfalls kitschig wirken.
    Insgesamt bietet dieses Buch einen stimmungsvollen Einblick in unsere heute noch gepflegten Traditionen und stimmt nachdenklich, was unseren heutigen Umgang mit dem Weihnachtsfest betrifft. Es ist ein Aufruf, auch gegenwärtig noch die Hoffnung und die Dankbarkeit, die diesem Fest immanent sind, nicht nur als leere Hülle zu verstehen, sondern mit Leben und eigenem Tun zu füllen. Neben dem Wissenszuwachs regt das Buch dazu an, sich wieder mehr auf die Wurzeln der Weihnachtsbotschaft zu besinnen, die im Handeln dieser drei Männer eindrücklich zu Tage tritt. Darum kann ich diese kleine Lektüre allen nur wärmstens empfehlen.