GIRL A

Buchseite und Rezensionen zu 'GIRL A' von Abigail Dean
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "GIRL A"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: HarperCollins
EAN:9783749901050

Rezensionen zu "GIRL A"

  1. Außer Kontrolle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2021 

    Außer Kontrolle

    Nun ist die letzte Seite von Girl A gelesen, inklusive Danksagung und die Rezension soll beginnen. Aber wie? Diesem besonderen Thriller von Abigail Dean gerecht zu werden, das ist eine Herausforderung, die wirklich selten vorkommt. An sich müsste ich fast alle anderen von mir rezensierten Bücher um einen Stern abwerten, damit die fünf Sterne für dieses ihre volle Berechtigung entfalten.

    Girl A ist das zweitälteste Kind der gesamt sieben Geschwister. Sie heißt Alexandra (Lex) Gracie und ist fünfzehn Jahre alt, als ihr ENDLICH die Flucht gelingt. Die so schwierige Flucht aus dem Haus des Grauens, Moor Woods Road 11. Als die Familie dies Haus erwirbt und dahin umzieht, gerät die vor dem Umzug schon grenzwertige Situation völlig außer Kontrolle. Grenzwertig heißt in diesem Fall: Es wurde nicht geputzt, nicht gewaschen und regelmäßiges Essen gab es nicht! Siehe Seite 198: „[…] die schlimmsten Leiden des Hauses. Der Teppich unter meinem Bett war weich und verfilzt, und Schimmelgeschwüre waren bis hoch zur Matratze gewuchert. Unter dem Kinderbett lagen angefaulte Strampler, die von jedem von uns getragen und nie gewaschen worden waren.“

    Dennoch war dieser Prozess schleichend. Richtig gut war sie nie, die Situation dieser Familie. Zu viele Kinder in zu kurzer Zeit, eine zutiefst unterwürfige Mutter und ein Vater, zunehmend durch Erfolglosigkeit vom Irrsinn gezeichnet. S. 241: „Im Lifehouse rackerte Vater sich vor leeren Bänken ab. Eine Gemeinde von Fliegen, unfähig, den Weg zur Tür zu finden, ging allmählich an den Fenstern zugrunde.“ Und S. 304: „Graue Haarbüschel klebten ihm an der Stirn. Die Mundwinkel sackten in die Hängebacken ab. Ein Geruch entströmte ihm, nicht bloß aus dem Mund, sondern von unter der Haut, als hätte sich dort etwas zum Sterben zurückgezogen.“

    Die Kapitel sind nach den Kindern unterteilt: Girl A ist Alexandra, genannt Lex. Boy A ist Ethan. Delilah, die Schöne, ist Girl B. Gabriel, der Kurzsichtige ist Boy B. Noah ist Boy D. Evie, Alexandras überaus geliebte Schwester und Zimmergenossin ist Girl C. Daniel hat kein eigenes Kapitel. Boy C scheint es nicht zu geben und Daniel, als der Nachfolger, käme nach Noah.

    Bevor der Roman fertig gelesen ist, kommt noch ein zusätzlicher Schock auf, lässt einem keine Ruhe und man liest ein bestimmtes Kapitel nochmal und wieder und wieder.

    Dieser Thriller hat es wirklich in sich und man fragt sich – relativ spät – warum lesen wir solche Bücher? Weil wir uns versichern wollen, dass es uns besser geht? Weil uns das Morbide fasziniert? Oder sind wir bloß Spanner, die durch Schlüssellöcher lugen? Das muss wohl ein jeder mit sich selbst abmachen. Mich jedenfalls wird dieser schleichende Prozess, dessen Zeuge ich nun wurde, lange Zeit nicht mehr loslassen.

    Wie reagieren wir wohl selbst bei absoluter Überforderung? Oder haben die meisten von uns nur schlicht das Glück, solches Unheil nicht anzuziehen?

    Mich würde noch interessieren, ob eine reale Geschichte als Vorlage gedient hat? Jedenfalls konnte ich nichts dergleichen entdecken. Für Hinweise wär ich dankbar.

    Fazit: Wer so viel allerfeinste Minuslektüre ertragen kann, dem sei dies Buch ans Herz gelegt. Hier passt einfach alles vom genialen Cover bis hin zur anspruchsvollen Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Hochverdient hierfür die fünf Sterne. Mehr gibt’s ja leider nicht.

  1. Anders als Erwartet

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 28. Apr 2021 

    Lex Gracies Kindheit war nicht sonderlich gut. Im Haus ihrer Eltern angekettet gelingt ihr mit 15 Jahren die Flucht. Als die nun erwachsene Anwältin mitten im Leben steht, muss sie sich wieder mit ihrer Geschichte beschäftigen, als ihre Mutter im Gefängnis stirbt und ihr das Haus vermacht. Jahrelang hat sie ihre Erinnerungen verdrängt, die nun über sie hereinbrechen.

    Bei diesem Buch hat mich das Cover sehr angesprochen. Es macht so einen mystischen Eindruck und passt auch irgendwie recht gut zum Thema an sich. Ich hätte es in einem Buchladen bestimmt auch in die Hand genommen. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und dabei fand ich die Stimme der Sprecherin sehr angenehm. Ich konnte allem gut folgen also geh ich davon aus, dass der Schreibstil beim lesen sehr angenehm ist. Was mich aber etwas gestört hat waren die Sprünge in die Vergangenheit, die manchmal nicht so recht nachvollziehbar waren. Ich weiß nicht, ob das beim Lesen besser rüberkommt und nur ein Problem des Hörbuches war.

    Für mich ging es eher in die Richtung Roman und war nicht wirklich ein Thriller an sich. Dafür hat mir etwas die Spannung gefehlt. Es ging mir etwas zu viel über die Geschwister und sie in der Gegenwart. Klar, es ist auch wichtig zu erfahren wie sie mit der ganzen Sache umgegangen sind, aber für mich hätte man da vielleicht den Klappentext ändern sollen, da er eine andere Geschichte suggeriert. Zumindest bin ich dieser Meinung.
    Es war für mich allgemein recht schwer Zugang zu den Charakteren zu finden. Es wurde alles etwas zu nüchtern erzählt, obwohl die ganze Geschichte ganz schön krass ist.

    Ich kann das Buch nicht empfehlen, wenn man viel Spannung sucht, aber wenn man mit dem Gedanken rangeht, dass es ein Roman ist, könnte man vielleicht doch Spaß an der Lektüre haben. Mich hat es nicht vollkommen überzeugt.

  1. Eine erschreckende Geschichte

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Apr 2021 

    Nach dem Tod der Mutter soll Alexandra Gracie, genannt Lex, den Nachlass der Mutter ordnen. Viele Jahre hatte Lex alles verdrängt, was ihr Schreckliches in der Kindheit passiert ist, und nun bricht alles wieder auf. Sie und ihre Geschwister wurden von den fanatisch religiösen Eltern gefangen gehalten und misshandelt. Als Lex die Flucht gelang, war sie bis auf die Knochen abgemagert und total verdreckt. Ihr Vater nahm sich das Leben, ihre Mutter wurde verhaftet und verurteilt. Nun hat die Mutter ihren Kindern das Horrorhaus vermacht. Lex möchte eine Begegnungsstätte daraus machen, benötigt dazu aber die Einwilligung der Geschwister.
    Was geschehen ist, erleben wir durch die Erinnerungen der Geschwister. Dieser Roman ist sehr bedrückend, aber auch packend. Der Schreibstil ist sachlich. Die Autorin erzählt all das, aber wertet nicht. Inspiriert wurde Abigail Dean von einer wahren Geschichte. In jedem Kapitel kommt eines der Geschwister zu Wort, so dass man erfährt, wie es ihnen ergangen ist. Sie nehmen unterschiedliche Entwicklungen.
    Eigentlich war es einmal eine fast normale Familie, bis der Vater eine religiöse Erweckung erlebt. Danach beginnt das Leid für die Geschwister, das zunehmend schlimmer wird. Die Mutter ist ihm hörig und tut, was er sagt. Lex gelingt es zu flüchten und so können die Geschwister befreit werden. Um sie zu schützen werden ihnen Namen wie „Girl A“ gegeben. Man bringt sie in Familien unter und will ihnen ein normales Leben ermöglichen. Doch wie kann das Leben normal werden, wenn man so etwas erlebt hat? Die psychischen Schäden können nicht repariert werden. Mich hat es gewundert, dass Lex ihren Weg gegangen ist und nun als Anwältin tätig ist, denn auch sie lassen die Dämonen nicht los.
    Auch wenn vieles von dem, was die Kinder ertragen mussten, nur angedeutet ist, so ist es dennoch erschreckend und schwer zu ertragen. Am Ende wird es dann noch überraschend.
    Es ist eine erschreckende Geschichte, die mich aber von Anfang an gepackt hat.