Geständnisse: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Geständnisse: Roman' von Kanae Minato
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt.

Mit immenser Sogwirkung und einem unbestechlichen Blick auf die menschlichen Abgründe erzählt die ehemalige Lehrerin Kanae Minato eine faszinierend-verstörende Geschichte voller unerwarteter Wendungen. Ein packender Roman, dessen Stimmen den Leser noch lange begleiten.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:272
EAN:9783328102915

Rezensionen zu "Geständnisse: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Feb 2019 

    Abgründig

    Ein kleines Mädchen ertrinkt im Schwimmbad der Schule, wo seine Mutter unterrichtet. Die Lehrerin beschuldigt an ihrem letzten Arbeitstag vor den Sommerferien zwei Schüler ihrer Klasse, für den Tod ihres Kindes verantwortlich zu sein. Es beginnt ein perfides Spiel aus Rache und Vergeltung. Aus dem aufkommenden Irrsinn bleibt bald niemand der Beteiligten unbeschadet.

    Geständnisse ist kein Thriller, es ist ein literarischer Abriss über Wahnsinn, Vergeltung und Selbstjustiz. Dabei ist es gerade die distanzierte, nahezu gefühllose Sprache, die einen nicht kalt lässt. Protokollartig offenbart sich Seite um Seite, zunächst latent, später ganz offensiv, die Bösartigkeit und Abgründigkeit der handelnden Personen bis zur Eskalation. Das Buch setzt sich über alle Grenzen von Moral und Recht hinweg und zeigt menschliche Abgründigkeit in allen Facetten. Dabei ist das Buch beleibe keine Pulp Fiction, kein hirnloser Splatter und kommt ganz und gar blutarm daher. Es ist massiv invasiv, verstörend, geht an die Substanz, setzt gekonnt psycholgische Schraubzwingen an, die dem Druck kaum standhalten. Am Schluss bleibt ein fassungsloser Leser über, froh diesem Strudel an Verkommenheit und Grausamkeit entkommen zu sein.

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 30. Mai 2017 

    Überpsychologisierter "Thriller"

    Das Buch besteht aus sechs Kapiteln. Jedes Kapitel beinhaltet einen Monolog (ein Geständnis?) einer am Geschehen beteiligten Person.

    Das erste Kapitel beginnt sehr interessant: Die Lehrerin Moriguchi hält ihrer Klasse einen Vortrag anlässlich ihres Abschiedes. Sie beschreibt, warum sie den Beruf gewählt hat, wie sie an die Schule gekommen ist. Schließlich erfahren wir, dass ihre Tochter tragisch in einem Schulschwimmbad ums Leben kam und die Lehrerin Beweise dafür hat, dass das Kind von zwei Schülern der Klasse (A und B) ermordet wurde... Soweit Spannung pur!

    Die Lehrerin hat sich entschieden, nicht zur Polizei zu gehen, weil das Jugendstrafrecht zu schwach ist. Sie will selbst Rache nehmen...

    Die folgenden Kapitel lassen die Klassensprecherin,die Schwester eines Täters(B) und durch Tagebucheinträge auch dessen Mutter, Täter (B) selbst, Täter (A) und am Ende erneut die Lehrerin zu Wort kommen. Die Täter sind in der 8. Klasse und die Leser erfahren nach und nach einiges über deren Kindheit, insbesondere das schwierige Verhältnis zu den Müttern. Der eine Täterist ein überversorgtes Muttersöhnchen und dreht schließlich durch, und der andere wurde von der Mutter verlassen und will durch seine bösen Taten deren Aufmerksamkeit zurückerlangen...

    Im Verlauf des Buches gibt es noch mehrere Tote.

    Am Ende wird der Bogen geschlossen, indem die Lehrerin erneut zu Wort kommt und für den Leser noch einmal der Zusammenhang zwischen dem Geschehenen und der Rache vom Anfang der Geschichte hergestellt wird. Zugegebenermaßen gibt es da noch eine knallende Überraschung...

    Ich habe schon viele Spannungsromane mit psychologischer Tiefe gelesen und diese meist auch sehr genossen. Dieser kommt meines Erachtens unglaublich platt daher. Weder ist die Racheidee der Lehrerin (und ihre mangelnde Trauer) realistisch, noch das Verhalten des neuen Klassenlehrers plausibel. Die Täter haben gestörte Wahrnehmungen. Aber wenn die geschilderten familiären Verhältnisse derart schlimme Folgen hätten, bestünde unsere heutige Jugend zu einem großen Teil aus Psychopaten... Alles ist sehr zugespitzt und extrem. Da liest man nichts zwischen den Zeilen, sondern mir erscheint die Entwicklung des Plots sehr dick aufgetragen. Auch empfand ich manche Länge, weil die Erzählweise aus den verschiedenen Perspektiven heraus zwangsläufig Wiederholungen mit sich bringt.

    Ich hoffe, diese Rezension ist einigermaßen hilfreich, ich habe vermieden zu spoilern und bleibe dadurch im Ungefähren. Ich kann dieses Buch definitiv nicht empfehlen. Vielleicht bin ich aber auch zu anspruchsvoll.

    Zwei Sterne dafür, dass die Grundidee nicht schlecht ist und man auch sprachlich nichts aussetzen kann.