Gespräche mit Freunden: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Gespräche mit Freunden: Roman' von Sally Rooney
4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Frances und ihre Freundin Bobbi, Studentinnen in Dublin, lernen das gut zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Sie treffen sich bei Events, zum Essen, führen Gespräche. Persönlich und online diskutieren sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und Genderfragen und, natürlich, über sich selbst. Während Bobbi von Melissa fasziniert ist, fühlt sich Frances immer stärker zu Nick hingezogen ... Ein intensiver Roman über Intimität, Untreue und die Möglichkeit der Liebe, eine hinreißende, kluge Antwort auf die Frage, wie es ist, heute jung und weiblich zu sein.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783630875415

Rezensionen zu "Gespräche mit Freunden: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Feb 2020 

    Bild einer Generation

    leukam
    Die 1991 geborene irische Autorin Sally Rooney wird im englischsprachigen Raum für ihre beiden Romane gefeiert. Nun ist ihr 2017 im Original erschienener, mehrfach ausgezeichneter Debütroman „ Gespräche mit Freunden“ auf Deutsch erschienen.
    Die Ich- Erzählerin Frances ist 21 Jahre alt, wie ihre Freundin Bobbi. Beide studieren in Dublin Literaturwissenschaft und treten als Performance- Künstlerinnen mit eigenen Texten auf. Die zwei Frauen waren einmal ein Liebespaar, bis Bobbi Schluss gemacht hat. Freundinnen blieben sie weiterhin. Frances ist eher unsicher und verletzlich, während die schöne Bobbi immer direkt sagt, was sie denkt.
    Eines Tages lernen sie ein etwas älteres Paar kennen. Die 37jährige Melissa ist eine erfolgreiche Kulturjournalistin und ihr gut aussehender Ehemann Nick arbeitet als Schauspieler. Das etwas glamouröse Paar lädt die Studentinnen zu sich nach Hause ein. Bobbi ist fasziniert von Melissa, flirtet ungeniert mit ihr. Dass sich Frances und Nick zueinander hingezogen fühlen, bemerkt lange niemand. Die zwei treffen sich heimlich und beginnen eine Affäre. Trotzdem fällt es ihnen schwer, über ihre wirklichen Gefühle zu sprechen. Aus Misstrauen gegenüber ihren eigenen Emotionen und aus Angst vor Verletzungen tun sie so, als ginge es ihnen nur um den Sex. Noch schwieriger wird es, als Melissa die beiden Studentinnen in ein Ferienhaus nach Frankreich einlädt.
    Neben der intensiven Liebesgeschichte beschreibt die Autorin in ihrem Roman das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Das zeigt sich auch in den vielen Gesprächen, die die Protagonisten führen. Da geht es um tagespolitische Themen und große Ideologien, um Kunst und Literatur, um Liebe, Freundschaft und Sex.
    Frances hat wie viele aus ihrer Altersgruppe keinen Plan für später. Arbeit und Geld verdienen ist für sie eher zweitrangig. Obwohl die finanziellen Zuwendungen ihres Vaters eher spärlich fließen, ihr oft das Geld für das Lebensnotwendigste fehlt, macht sie lieber unbezahlte Praktika. Bobbi hat zwar reiche Eltern, lehnt aber den Kapitalismus ab und kämpft gegen alle gesellschaftlichen Normen.
    „Gespräche mit Freunden“ ist ein kluger und psychologisch interessanter Liebes- und Gesellschaftsroman. Sally Rooney schreibt in einer klaren, präzisen Sprache, manches liegt zwischen den Zeilen. Obwohl vordergründig garnicht so viel passiert, entwickelt das Buch einen großen Sog. Sally Rooney ist auf jeden Fall eine junge Autorin, auf deren weitere Bücher man gespannt sein darf.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Sep 2019 

    Präzise ausgeleuchtete Alltäglichkeiten

    Frances und Bobbi waren schon zu Schulzeiten Freundinnen, eigentlich sogar mehr als das. Für kurze Zeit hatten sie miteinander eine Liebesbeziehung. Nun sind beide erwachsen, studieren in Dublin und treten gemeinsam bei Poetry Slam Veranstaltungen auf. Als die beiden das um etwa zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen lernen, verschieben sich die Relationen.
    Gespräche mit Freunden ist ein Buch für junge Menschen oder für solche, die sich noch erinnern können, wie es war, als sie noch jung waren. Das Debüt von Sally Rooney kreist inhaltlich um Liebe und Freundschaft, Vertrauen und Treue, Selbstfindung und Zweifel.
    Frances stammt aus finanziell bescheidenen Verhältnissen. Die Autorin lässt Frances immer wieder betonen, sie sei Kommunistin. Das fand ich aus mehreren Gründen seltsam, denn Frances will den gut situierten Leuten wie Melissa nahezu gefallen, will sich ihnen angleichen. Sie hat keine Probleme mit den „reichen Leuten“ Zeit zu verbringen, mit ihnen in Frankreich zu urlauben. Auch dass sie sich nicht vorstellen kann für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Obwohl sie ein ihrer Qualifikation entsprechendes Angebot hat, nimmt sie dann doch in einer prekären Situation einen prekären Job an. Ich halte Frances für viel, naiv, unbedarft, unsicher, aber für keine Kommunistin. In vielen Dingen erinnerte mich Frances dann wiederum an mich selber. Vielleicht fiel es mir deswegen schwer, sie zu mögen. Oft wollte ich ihr sagen, du musst nicht andere nachahmen um liebenswert zu sein, verwechsele Verliebtheit nicht mit Liebe, Begehren nicht mit Verbundenheit.
    „Gespräche“ finden statt, wirken aber oft aufgesetzt, künstlich, pseudointellektuell, viel gesprochen, wenig gesagt. Aber die digitale Generation neigt auch hier dazu, lieber in schriftlich verkürzter Form zu kommunizieren. „Mit Freunden“ schien mir manchmal zweifelhaft, oft hatte ich den Eindruck, dass sich keiner wirklich leiden kann, auch oder gerade nicht den- oder diejenige, die man sexuell begehrt.
    Der Stil ist schlicht und unaufgeregt, selbst die Dialoge kommen ohne Anführungszeichen aus. Alles bleibt verbindlich unverbindlich. Die Handlung lebt von präziser Trivialität, gut ausgeleuchteten Alltäglichkeiten. Diese Analytik beherrscht die Autorin und ließ mich an dem Buch durchhalten.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Aug 2019 

    Was uns die Liebe antut...

    Klappentext und Aufmachung des Buches hatten mich aufmerksam werden lassen und so begann ich gespannt mit der Lektüre.

    In der Geschichte geht es um die beiden Studentinnen Frances und Bobbi, die als Teenager mal ein Paar waren und jetzt beste Freundinnen sind. Als sie ein Ehepaar kennenlernen, wird das ihre Welt gänzlich verändern. Was bedeutet Freundschaft? Was bedeutet Liebe? Werden es die beiden herausfinden?

    Zunächst einmal muss ich den recht nüchternen Schreibstil der Autorin loben, der sich eher so anfühlt als würde man Menschen belauschen als dass man ein Buch liest. Auch wenn man anfänglich denkt, dass diese Art der Schreibe keine Gefühle bei einem hervorruft, so tut sie es doch.

    Die Handlung wird uns aus der Sicht von Frances nahe gebracht, da sie hier als Ich- Erzählerin fungiert. Auch wenn sie mir nicht immer sympathisch war, so konnte ich ihr Handeln die ganze Zeit voll und ganz verstehen. Ihre unterkühlte Art hatte etwas sehr spezielles, bei der ich mir wirklich vorstellen kann, dass das andere Menschen anzieht.

    Bobbi mochte ich persönlich am liebsten, denn sie ist so unglaublich selbstbewusst und macht ihr Ding. Von ihr könnte man sich glatt eine Scheibe abschneiden.

    Bei Melissa und Nick dachte ich anfänglich, dass sie über vierzig sind, weil sie doch als recht konservativ beschrieben werden. Dass sie dann aber erst Anfang dreißig sind, erschien mir anfänglich etwas unglaubwürdig, aber wahrscheinlich hat jemand mit Anfang zwanzig genau diese Sicht auf jemanden in meinem Alter.

    Melissa mochte ich nicht sonderlich, da ich sie immer als sehr herrisch empfunden habe. Aber wahrscheinlich ist einem jedes Mittel recht um die eigene Ehe zu retten.

    Nick war hingegen sehr ambivalent. Klar konnte ich die Faszination verstehen, die er auf Frances ausübt, schlicht weil er Schauspieler ist und gut aussieht, aber das allein reicht ja kaum für eine feste Beziehung. Er war mir einfach zu fremdbestimmt, da er sich von den Frauen in seinem Leben so rumschubsen lässt. Andererseits hat ihn das auch sehr interessant wirken lassen, da man herausfinden will warum er so ist.

    Die letzten hundert Seiten hatten es dann nochmal echt in sich und konnten mich dann völlig für den Roman einnehmen.

    Mich hat sehr berührt, dass eine der Protagonistinnen Endometriose hat und wie sie damit umgeht. Da konnte ich sehr mitfühlen, weil ich dieselbe Erkrankung habe, die kaum einer kennt und doch sehr viele Frauen haben.

    In meinen Augen werden sich vor allem Leser angesprochen fühlen, die im Alter der Protagonisten sind und ähnliches durch haben in puncto Beziehungen.

    Fazit: Ein unterhaltsamer Roman, der die Arten der Beziehungsmöglichkeiten sehr interessant beleuchtet. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Aug 2019 

    Ménage à quatre

    Also erstmal muss ich sagen, dieses Buch hat mich regelrecht angeknipst. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin schafft es einen riesigen Lesesog zu erzeugen. Und ich habe eine Autorin mehr, die ich nicht mehr aus den Augen lassen werde.

    Eine Ménage à quatre wird beschrieben. Bobbi und Frances lernen Melissa und Nick kennen und ihre Gefühle beginnen im Dreieck zu springen. Bobbi und Frances sind in den 20ern, waren einmal ein Paar und studieren in Dublin, Melissa und Nick sind in den 30ern und ein Paar, Melissa ist Journalistin, Nick ist ein Schauspieler. Alle vier lernen sich kennen und es beginnt eine gewisse Anziehungskraft zwischen ihnen. Dabei gleitet aber das Beschriebene nie ins Triviale. Die Figuren bleiben differenziert und vor allem glaubhaft! Man spürt das Hin- und Hergerissene in ihren Gedanken, der Hauptcharakter Frances ist der am meisten schwankende Charakter, Frances ist ja erst in ihren 20ern und beim sich finden. Und genau dieses sich finden wird in einer mich sehr inspirierenden Weise zelebriert. In ihrem Schwanken macht mich gerade die Person Frances sehr nachdenklich. Einiges von ihrem Denken/Handeln kann ich nachvollziehen, erscheint mir schlüssig, anderes an ihrem Denken/Handeln ist mir nicht nachvollziehbar. Genau das macht aber die Geschichte in meinen Augen auch glaubhaft. Ich kann mich noch selbst an mein hin- und herschwingendes Verhalten in jüngeren Jahren erinnern, vielleicht macht auch gerade dieses Erinnern dieses Buch für mich so interessant. Denn genau das macht für mich auch den Zauber der jüngeren Jahre aus. Die Möglichkeit und das Müssen des Herausfindens der eigenen Person. Dabei werden aber nicht nur die Irrungen und Wirrungen in der Liebe thematisiert, es geht ebenso um eine gewisse Gesellschaftskritik, um die Machtpositionen in menschlichen Beziehungen, sowie um Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Betroffenen. Es ist ein insgesamt sehr interessantes Buch/ein interessantes Gesamtkonstrukt und genau deswegen kann ich zu diesem Roman nur sagen, bitte unbedingt lesen!