Gespräche mit Freunden: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Gespräche mit Freunden: Roman' von Sally Rooney
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Frances und ihre Freundin Bobbi, Studentinnen in Dublin, lernen das gut zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Sie treffen sich bei Events, zum Essen, führen Gespräche. Persönlich und online diskutieren sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und Genderfragen und, natürlich, über sich selbst. Während Bobbi von Melissa fasziniert ist, fühlt sich Frances immer stärker zu Nick hingezogen ... Ein intensiver Roman über Intimität, Untreue und die Möglichkeit der Liebe, eine hinreißende, kluge Antwort auf die Frage, wie es ist, heute jung und weiblich zu sein.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783630875415

Rezensionen zu "Gespräche mit Freunden: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Aug 2019 

    Was uns die Liebe antut...

    Klappentext und Aufmachung des Buches hatten mich aufmerksam werden lassen und so begann ich gespannt mit der Lektüre.

    In der Geschichte geht es um die beiden Studentinnen Frances und Bobbi, die als Teenager mal ein Paar waren und jetzt beste Freundinnen sind. Als sie ein Ehepaar kennenlernen, wird das ihre Welt gänzlich verändern. Was bedeutet Freundschaft? Was bedeutet Liebe? Werden es die beiden herausfinden?

    Zunächst einmal muss ich den recht nüchternen Schreibstil der Autorin loben, der sich eher so anfühlt als würde man Menschen belauschen als dass man ein Buch liest. Auch wenn man anfänglich denkt, dass diese Art der Schreibe keine Gefühle bei einem hervorruft, so tut sie es doch.

    Die Handlung wird uns aus der Sicht von Frances nahe gebracht, da sie hier als Ich- Erzählerin fungiert. Auch wenn sie mir nicht immer sympathisch war, so konnte ich ihr Handeln die ganze Zeit voll und ganz verstehen. Ihre unterkühlte Art hatte etwas sehr spezielles, bei der ich mir wirklich vorstellen kann, dass das andere Menschen anzieht.

    Bobbi mochte ich persönlich am liebsten, denn sie ist so unglaublich selbstbewusst und macht ihr Ding. Von ihr könnte man sich glatt eine Scheibe abschneiden.

    Bei Melissa und Nick dachte ich anfänglich, dass sie über vierzig sind, weil sie doch als recht konservativ beschrieben werden. Dass sie dann aber erst Anfang dreißig sind, erschien mir anfänglich etwas unglaubwürdig, aber wahrscheinlich hat jemand mit Anfang zwanzig genau diese Sicht auf jemanden in meinem Alter.

    Melissa mochte ich nicht sonderlich, da ich sie immer als sehr herrisch empfunden habe. Aber wahrscheinlich ist einem jedes Mittel recht um die eigene Ehe zu retten.

    Nick war hingegen sehr ambivalent. Klar konnte ich die Faszination verstehen, die er auf Frances ausübt, schlicht weil er Schauspieler ist und gut aussieht, aber das allein reicht ja kaum für eine feste Beziehung. Er war mir einfach zu fremdbestimmt, da er sich von den Frauen in seinem Leben so rumschubsen lässt. Andererseits hat ihn das auch sehr interessant wirken lassen, da man herausfinden will warum er so ist.

    Die letzten hundert Seiten hatten es dann nochmal echt in sich und konnten mich dann völlig für den Roman einnehmen.

    Mich hat sehr berührt, dass eine der Protagonistinnen Endometriose hat und wie sie damit umgeht. Da konnte ich sehr mitfühlen, weil ich dieselbe Erkrankung habe, die kaum einer kennt und doch sehr viele Frauen haben.

    In meinen Augen werden sich vor allem Leser angesprochen fühlen, die im Alter der Protagonisten sind und ähnliches durch haben in puncto Beziehungen.

    Fazit: Ein unterhaltsamer Roman, der die Arten der Beziehungsmöglichkeiten sehr interessant beleuchtet. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Aug 2019 

    Ménage à quatre

    Also erstmal muss ich sagen, dieses Buch hat mich regelrecht angeknipst. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin schafft es einen riesigen Lesesog zu erzeugen. Und ich habe eine Autorin mehr, die ich nicht mehr aus den Augen lassen werde.

    Eine Ménage à quatre wird beschrieben. Bobbi und Frances lernen Melissa und Nick kennen und ihre Gefühle beginnen im Dreieck zu springen. Bobbi und Frances sind in den 20ern, waren einmal ein Paar und studieren in Dublin, Melissa und Nick sind in den 30ern und ein Paar, Melissa ist Journalistin, Nick ist ein Schauspieler. Alle vier lernen sich kennen und es beginnt eine gewisse Anziehungskraft zwischen ihnen. Dabei gleitet aber das Beschriebene nie ins Triviale. Die Figuren bleiben differenziert und vor allem glaubhaft! Man spürt das Hin- und Hergerissene in ihren Gedanken, der Hauptcharakter Frances ist der am meisten schwankende Charakter, Frances ist ja erst in ihren 20ern und beim sich finden. Und genau dieses sich finden wird in einer mich sehr inspirierenden Weise zelebriert. In ihrem Schwanken macht mich gerade die Person Frances sehr nachdenklich. Einiges von ihrem Denken/Handeln kann ich nachvollziehen, erscheint mir schlüssig, anderes an ihrem Denken/Handeln ist mir nicht nachvollziehbar. Genau das macht aber die Geschichte in meinen Augen auch glaubhaft. Ich kann mich noch selbst an mein hin- und herschwingendes Verhalten in jüngeren Jahren erinnern, vielleicht macht auch gerade dieses Erinnern dieses Buch für mich so interessant. Denn genau das macht für mich auch den Zauber der jüngeren Jahre aus. Die Möglichkeit und das Müssen des Herausfindens der eigenen Person. Dabei werden aber nicht nur die Irrungen und Wirrungen in der Liebe thematisiert, es geht ebenso um eine gewisse Gesellschaftskritik, um die Machtpositionen in menschlichen Beziehungen, sowie um Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Betroffenen. Es ist ein insgesamt sehr interessantes Buch/ein interessantes Gesamtkonstrukt und genau deswegen kann ich zu diesem Roman nur sagen, bitte unbedingt lesen!