Geschichten aus Nian: Landwandlerin (NIAN-ZYKLUS)

Rezensionen zu "Geschichten aus Nian: Landwandlerin (NIAN-ZYKLUS)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Dez 2018 

    Berührendes und zu Herzen gehendes „Märchenmonster“!!!

    „„Warum!! Warum sind wir nicht gestern hergefahren? Sie haben sie wahrscheinlich nicht mal gefragt, ob sie bereit ist!“ Sie wusste von ihrem Vater, dass vor einem Ritt auf einem geschmeidigen Frischblatt der Baum gefragt wurde, ob er eins hergeben möge. Diese Pappel aber hatte gleich ihr ganzes Leben hergeben müssen…Bereit? Ule stutzte. So ein Gedanke war ihr noch niemals gekommen. Was für eine seltsame Idee, einen Baum zu fragen, ob er … bereit sei. „Sag mal, was hast du da gerade gesagt?“ Dilas tränenüberströmtes Gesicht erschien wieder und sie sagte wütend und mit zugeschwollener Nase: „Fragen, Mensch! Jeder Blödmann fragt andere Menschen, ob er dies oder das haben dürfe, und nimmt es sich nicht einfach. Bäume fragt niemand, die werden einfach umgehauen! Soll das vielleicht mal einer mit denen machen??“ Sie zeigte in Richtung der Forstschaffer.“ (S. 87)

    Das Leben besteht (wenn man es mal genauer betrachtet) aus lauter Premieren und evtl. anschließenden Wiederholungen *g*. In diesem Fall ist die Premiere, dass ich meiner Rezension zu „Geschichten aus Nian – Landwandlerin“ von Paul M. Belt, welches den 2. Band einer auf 7 Bände ausgelegten All Age-Fantasy-/All Age-Märchen-Saga bildet, das bisher längste Zitat das ich jemals verwendet habe, vorangestellt habe.

    Dies war und ist aber insofern nötig, weil in diesem Abschnitt eine von mehreren Kernaussagen der Geschichte steckt. Außerdem wusste ich bereits zum Zeitpunkt des Lesens genau, dass ich ihn (ob in gekürzter oder ungekürzter Form war ich mir noch nicht einig) in meiner Rezension verewigen werde, weil er direkt zu mir gesprochen hat und mir wieder (einmal mehr) schmerzlich vor Augen führt, mit welcher Ignoranz die Menschen die „Große Mutter“ Erde und ihre Ressourcen behandeln. Ich finde die Idee, einen Baum zu fragen ob er (beispielsweise für eine Autobahn, für einen neuen (überflüssigen) Konsumtempel, für einen nie fertig gestellten Flughafen) bereit ist gefällt zu werden, GROOSSAARTIIG. Ich glaube, wir hätten einen größeren Baumbestand, mehr intakte Natur und weniger Probleme mit uns selbst, wenn wir Mutter Erde wieder (mehr) zu schätzen wüssten…

    Die Protagonistin Dila begibt sich nach einem Streit mit ihrem Vater auf eine Wanderung durch Nian und findet währenddessen neben den in ihr versteckten Gaben, die sie zu einer sog. „Wandlerin“ machen, nicht nur viele ihr wohlgesinnte Gefährten und Freunde, sondern auch zu sich selbst und zurück zu ihren Lieben. Mich haben die Reise, die Reisebeschreibung, aber auch das Drumherum sehr an eine nianianische Version des Jakobswegs erinnert und ich fühlte während der gesamten Lesezeit ein Kribbeln in mir, welches mir meinen Traum von einer „Begehung“ des Jakobweges wieder etwas näher gebracht hat.

    Paul M. Belt hat mit den „Geschichten aus Nian“ ein friedliches, berührendes und zu Herzen gehendes „Monster“ geschaffen, welches neben der Sprache der Bääuumee und anderer Pflanzen durch zahlreiche wunderschöne Zeichnungen ergänzt wird und so allen Leserinnen und Lesern (egal ob Erwachsene oder Kinder) auch noch etwas für´s (künstlerische) Auge bietet.

    Herausragend!!!