Geh, wohin dein Herz dich trägt: Roman

Rezensionen zu "Geh, wohin dein Herz dich trägt: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Okt 2017 

    Ein feinfühliges Buch, sanft und weise...

    Der Titel klingt kitschig und mag an einen Liebesroman à la Rosamunde Pilcher erinnern - aber weit gefehlt. Und doch ist es ein Liebesroman - in gewisser Weise. Ein Buch über die Liebe zum Leben...

    Den Lebensabend einsam in ihrem kleinen Häuschen verbringend, beschließt Olga, ein Tagebuch an ihre Enkelin zu führen, die sie damals zu sich nahm, als ihre Mutter frühzeitig starb. Anfangs fühlten sie sich eng miteinander verbunden, doch mit der Zeit entfernten sie sich mehr und mehr voneinander. Schließlich fasst ihre Enkelin den Entschluss, sich aus den schwierigen Familienverhältnissen zu befreien und nach Amerika zu gehen. Sie vereinbaren, dass sie sich nicht schreiben werden.

    Olga schmerzt dieser Abschied sehr, und sie schreibt Briefe, die sie nicht abschickt, in der Hoffnung, dass ihre Enkelin sie liest, wenn sie zurückkehrt und Olga vielleicht nicht mehr lebt. Es gibt zu viele unausgesprochene Dinge, die ihr auf der Seele brennen und die sie ihr noch sagen will.

    "Die Toten belasten uns nicht so sehr durch ihre Abwesenheit als vielmehr durch das, was - zwischen uns und ihnen - nicht ausgesprochen wurde." (S. 170)

    So legt die alte Frau Zeugnis ab über ihr Leben, ihre innersten Gedanken und Gefühle, gesteht die tiefe und innige Liebe zu ihrer Enkelin und deckt nach und nach die Geheimnisse der Familie auf. Sie hilft sich mit dem Schreiben über die Trennung und ihr Alleinsein hinweg und schließt im Angesicht des Todes Frieden mit ihrem eigenen Leben.

    Ihre Briefe sind voller tiefer Einsichten und der Weisheit des Alters, die ein wirklich gelebtes Leben finden lässt. Sie spricht zu ihrer Enkelin mit großer Nachsicht und Verständnis für ihre jugendliche Unausgeglichenheit, ihre Kühle, und dass sie sich von ihr abgewandt hat und schlägt damit eine Brücke zwischen den Generationen.

    Und eigentlich möchte sie mit all ihren Worten ausdrücken, dass man auf nichts anderes als seine tiefe, innere Stimme hören sollte, um das richtige auszuwählen.

    "Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt, welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich, und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf, und geh, wohin es dich trägt." (S. 190)

    Die Autorin schafft es, mit einfachen Worten und anschaulichen Bildern eine sehr intensive Stimmung zu erzeugen, der sich der Leser gar nicht verschließen kann. Es berührt, ohne zu beschämen.

    Ein feinfühliges Buch, sanft und weise.

    © Parden