Gefrorener Schrei: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Gefrorener Schrei: Roman' von Tana French
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Sie wollten einen richtig interessanten Fall – aber kein Spiel, das niemand kontrollieren kann. Der nervenaufreibende, abgründige neue Roman der renommierten Nr.1-Spiegel-Bestseller-Autorin Tana French.
»Messerscharf, fesselnd, sprachlich außergewöhnlich und atmosphärisch eindringlich.« Harlan Coben

Aislinn Murray ist jung, hübsch und liegt tot in ihrem Haus, der Tisch ist für ein romantisches Abendessen gedeckt. Wieder so eine klare Beziehungstat, denkt die Polizei. Doch bald stoßen die Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran auf Ungereimtheiten. Und es wird immer offensichtlicher, dass jemand in der Mordkommission ihre Arbeit behindert. Weil sich Antoinette mit ihrer toughen Art Feinde gemacht hat? In einem explosiven Ermittlungskreisel wird nur eines immer deutlicher: Unschuldig ist hier niemand.

»Meisterhaft, wie Tana French Stimmungen einfängt und geniale Plots konstruiert.« Washington Post

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:656
EAN:9783651024472

Rezensionen zu "Gefrorener Schrei: Roman"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jun 2019 

    Psychologische Spannung und Tiefe, sprachlich ausgefeilt

    Bei Tana Frenchs „Gefrorener Schrei“ handelt es sich um den sechsten Band ihrer Reihe rund um das Dubliner Morddezernat, Dublin-Murder-Squad. Das Buch ist im Dezember 2016 bei Fischer Scherz erschienen und umfasst 653 Seiten.
    Am Ende ihrer Nachtschicht erhält das Ermittlerpaar Antoinette Conway und Stephen Moran einen neuen Fall, der ihnen von ihrem Chef, O’Kelly, höchstpersönlich zugeteilt wird: Die junge, hübsche Aislinn Murray wurde tot in ihrem Haus aufgefunden, der Tisch für ein romantisches Dinner gedeckt. Was anfangs wie eine einfache Beziehungstat anmutet, entpuppt sich nach und nach als vielschichtiger und komplizierter. Was erschwerend hinzukommt: Antoinette hat das Gefühl, als wolle jemand ihre Ermittlungsarbeiten torpedieren. Wem kann sie noch trauen?
    Der Roman ist, trotz einiger langatmiger Stellen gerade zu Beginn, von Anfang bis Ende spannend zu lesen. Der Plot ist vielschichtig und hintergründig konstruiert; auch wenn ich ziemlich rasch ahnte, worauf der Fall und seine Lösung hinauslaufen werden, war es äußerst interessant, die Zusammenhänge am Ende zu ergründen und mitzuverfolgen.
    Das Buch ist durchzogen von aktuellen Themen wie Mobbing (am Arbeitsplatz), Glaubhaftigkeit der Polizei, Kritik an den Medien und Stalking.
    Gerade der erste Punkt regt sehr zum Nachdenken an. Die Protagonistin selbst sieht sich im Laufe der Ermittlungen mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, von Feinden umgeben, sich selbst über weite Strecken als Opfer und traut nicht einmal ihrem Partner mehr. Dass am Ende, ohne dass alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist, diese Ansichten zum Teil ins rechte Licht gerückt werden, verleiht der Handlung Authentizität. Es ist doch nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint, die Welt ist eben schwer zu durchschauen. Dieses besagt auch die Auflösung des Falls: Manchmal ist es einfach nötig, den einengenden Tunnelblick zu verlassen und sich auf neue Perspektiven sowie Möglichkeiten einzulassen.
    Dass French ihr Handwerk auch sprachlich beherrscht, zeigt das breite Spektrum ihres Stils. Die Ich-Perspektive im Präsens erleichtert die Identifikation mit Antoinette, man hat während des Lesens fast das Gefühl, als plaudere sie mit den Leser*innen und die Sprache ist daher eher umgangssprachlich, an einigen Stellen fast schon vulgär, sprich authentisch. Auf der anderen Seite gibt es, wenn die Autorin z.B. das Dezernat ausmalt, Stellen poetischer Beschreibungen: „Der Soko-Raum wirkt unsicher und bedroht, ein Schiff auf unruhiger See …“. Liest man wiederum die Vernehmungen durch die Kommissarin und ihren Kollegen, Breslin, hat man das Gefühl, live dabei zu sein, muss an einigen Stellen sogar schmunzeln.
    Tana French präsentiert mit „Gefrorener Schrei“ einen spannenden, vielschichtigen und psychologisch interessanten Roman, der Leserinnen und Leser in seinen Bann zieht. Gepaart mit der sprachlichen Leistung ist es ein Buch, an dem alle Liebhaber*innen spannungsgeladener Literatur ihre wahre Freude haben werden. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jul 2017 

    Scheinbar einfacher Fall mit unerwarteten Wendungen

    Gefrorener Schrei ist der 6. Kriminalroman Tana Frenchs, der in Irland spielt. Während in den ersten vier Romanen die Ermittler*innen wechseln und immer eine Figur aus den vorherigen Band wieder eine Rolle spielt, durchbricht sie im vorliegenden Roman dieses Muster.

    Die ermittelnden Detectives sind die gleichen wie in "Geheimer Ort", nämlich Antoinette Conway und Stephen Moran, mit dem Unterschied, dass die Handlung dieses Mal ausschließlich aus der Ich-Perpektive Conways erzählt wird.

    Inhalt
    Antoinette Conway ist die einzige Frau im Morddezernat in Dublin. Seit sie gemeinsam mit Stephen Moran den Fall im Mädcheninternat gelöst hat (Geheimer Ort), sind die beiden ein Team. Während Stephen ein Sonnenschein ist und dazu gehören will, ihr gegenüber aber loyal ist, wird sie ausgegrenzt und jemand oder mehrere behindern ganz offensichtlich ihre Arbeit - Dokumente verschwinden, Mitteilungen werden nicht weitergeleitet, in ihr Spind wurde uriniert.

    "Im Grunde aber ging es nicht darum, dass ich eine Frau bin. Das war bloß ihr Ansatzpunkt, bloß der Umstand, von dem sie glaubten, er würde, müsste es ihnen leichtmachen, mich herumzuschubsen. Im Grunde war es einfach. Es ging um genau dasselbe wie in der Grundschule, als Irland noch schneeweiß, ich das einzige in bisschen dunklere Kind in der Klasse und mein allererster Spitzname Kackgesicht war." (S.56)

    Trotzdem gibt sie nicht auf, obwohl sie mit dem Gedanken spielt, in ein privates Wachunternehmen zu wechseln, denn sie glaubt, alle seien gegen sie. Kann sie ihrem Partner wirklich vertrauen?

    Im vorliegenden Mordfall geht es die junge Aislinn Murray, die tot in ihrer Wohnung gefunden wird, nachdem ein anonymer Anruf auf der Polizeiwache eingeht. Gefallen auf die Sockelplatte ihres Kamins - Schädelbruch. Der Tisch festlich gedeckt für ein Candlelight-Dinner. Die Sachlage scheint klar zu sein - eine Beziehungstat.
    Warum stellt der Superintendent O´Kelly dem Team Conway und Moran dann den erfahrenen Detective Breslin zur Seite? Wenn der Fall doch so klar erscheint? Vor Ort und nach dem Gespräch mit der besten Freundin des Opfers, Lucy, tauchen weitere Fragezeichen auf. Lucy bringt einen geheimnisvollen Lover ins Spiel, nicht der Mann, der zum Essen eingeladen war - Rory Fallon, Besitzer einer Buchhandlung.
    Er ist zunächst der einzige Verdächtige, wirkt jedoch kaum wie jemand, der im Affekt eine junge Frau niederschlägt. Trotzdem will Breslin ihn möglichst schnell dingfest machen - Conway und Moran hegen jedoch erhebliche Zweifel an der Schuld Fallons.

    Sie erwägen eine andere Theorie - Aislinns geheimer Lover könnte ein Krimineller sein, der eine Verbindung zur Polizei, vielleicht zu Breslin selbst hat.
    Auch Breslins Partner McCann verhält sich eigenartig. Zudem finden Conway und Moran heraus, dass er vor langer Zeit das Verschwinden von Aislinns Vater untersucht hat - ein Umstand, der für den Fall noch wichtig werden wird.

    Der aber auch die Wahrnehmung Conways beeinflusst, deren Vater selbst unbekannt ist und nie versucht hat, einen Kontakt zu ihr herzustellen. Immer verzwickter erscheint dieser Fall und hält einige unerwartete Wendungen bereit.

    Bewertung
    Der Fall ist spannend - keine Frage. Doch die Besonderheit dieses Krimis ist die Ich-Perspektive von Detective Conway - mit ihren messerscharfen Schlussfolgerungen einerseits, aber auch mit ihrer Unsicherheit, ihren Ängsten andererseits. Ihr Denken wird davon bestimmt, dass ihr im Dezernat jeder Böses will, sogar ihren Partner verdächtigt sie illoyal zu sein. Ständig fühlt sie sich beobachtet, ausgegrenzt. Auf wen kann sie sich verlassen?
    Sie will mit aller Macht die starke, unangreifbare Frau sein, die niemanden an sich heran lässt und genau das scheint ihre größte Schwäche zu sein.
    Der schmale Grat zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Wahrheit, die permanente Verschiebung dieser Linie machen den besonderen Reiz dieses Krimis aus.

    Bei Tana French ist psychologisch anspruchsvolle und unterhaltsame Kriminalliteratur garantiert!