Gefährliche Empfehlungen

Buchseite und Rezensionen zu 'Gefährliche Empfehlungen' von Tom Hillenbrand
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Frankreichs legendärer Gastroführer »Guide Gabin« lädt zu einem rauschenden Fest in seinem neuen Firmenmuseum in Paris, und der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ist mittendrin. Während der Feier verschwindet eines der Exponate – die extrem seltene Ausgabe des »Guide Bleu« von 1939, von der nur wenige Exemplare existieren. Kieffer beginnt, Nachforschungen anzustellen. Bald erfährt er, dass wegen der Sternebibel bereits mehrere Menschen sterben mussten. Aber was ist so gefährlich an einem über siebzig Jahre alten Restaurantführer? Was ist das Geheimnis des blauen Buchs?

Format:Taschenbuch
Seiten:416
EAN:9783462049220

Rezensionen zu "Gefährliche Empfehlungen"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Dez 2017 

    Kieffer auf den Spuren des Guide Gabin

    Es ist bereits der fünfte Kriminalfall, den der luxemburgische Koch Xavier Kieffer löst und in dem er einerseits mit seinem kriminalistischen Gespür und andererseits mit seinen Kochkünsten überzeugt.
    Als Nord-Saarländerin haben die Geschichten für mich, die im benachbarten Luxemburg spielen, einen besonderen Charme, da ich die beschriebenen Lokalitäten teilweise kenne. Trotzdem sind die Krimis nicht provinziell, dafür sorgen die vielen Reisen des Kochs, nicht zuletzt nach Paris, wo seine Lebensgefährtin, Valérie Gabin lebt, die Chefredakteurin des berühmten Guide Gabin (= Guide Michelin), dessen Ausgabe von 1939 im Mittelpunkt dieses Kriminalfalls steht.

    Worum geht es?
    Zur Eröffnung des neuen Redaktionsgebäudes den Guide Gabin sind alle Größen der französischen Küche geladen, sogar der Präsident will erscheinen, da er ein Freund der Chefredakteurin Valérie Gabin ist. Kurz vor der Eröffnung sieht sich Xavier die Ausstellung aller erschienenen Guide Gabin an, auch der sehr seltene 1939 veröffentlichte ist vertreten. Ein Ausgabe, die nach der Besetzung Frankreichs ihre Aussagekraft verloren hat. Doch während der Feier kommt es zu einem Stromausfall und der Guide Gabin von 1939, eine Leihgabe der französischen Nationalbibliothek, wird gestohlen, der Bibliothekar Yves Brennan ermordet, während Kieffer ihn aufsucht. Glücklicherweise wird der Koch aber nur niedergeschlagen. Brennans letzte Worte lauten:

    "Hören Sie mir zu! 1313. Darüber die es verteilt. Sie...1313 Ooes...Ooesses..." (S.58)

    Parallel zur Handlung der Gegenwart wird die Geschichte des amerikanischen Capitain John Fisher kurz vor Kriegsende im Jahr 1944 erzählt. Die Alliierten haben große Teile Frankreichs bereits befreit und stoßen nach Deutschland vor. Fisher gehört zum amerikanischen Geheimdienst (OSS) und erhält verschlüsselte Nachrichten aus dem Radio. Zunächst von der BBC, dann von einem luxemburgischen Sender. Bei der Decodierung der Nachrichten spielt der Guide Gabin von 1939 eine entscheidende Rolle.

    Währenddessen macht sich Xavier Kieffer auf Wunsch des französischen Staatspräsidenten in der Gegenwart auf die Suche nach eben jener Ausgabe und stellt fest, dass jemand großes Interesse daran hat, alle verbliebenen Bände aus dem Verkehr zu ziehen. Welches Geheimnis birgt dieser Guide, der die Sternstunden französischer Küche beschreibt? Zu welchem Ort wird er Fisher kurz vor Kriegsende führen? Wie hängen beide Handlungen zusammen?

    Bewertung
    Ein sehr spannender Krimi, der mit einer interessanten und teilweise unerwarteten Lösung aufwartet. Darüber hinaus bietet er einen Ausflug in die Geschichte der französischen Kochkunst, die Entwicklung von "Butter, Butter und noch mehr Butter" hin zur Nouvelle Cuisine und der Zuwendung zur lokalen Küche, zu der Xavier Kieffer mit seinem Restaurant "Deux églises" maßgeblich beiträgt. Eine Fülle von Speisen erscheinen vor den Augen der Lesenden - man sollte den Roman nicht hungrig lesen, das Küchenlatein im Anhang gibt Aufschluss zu manch ungewöhnlicher Speise und Anregungen demnächst mal wieder in Luxemburg essen zu gehen.
    Während der zweite und dritte Band der Reihe von der Geschichte her etwas schwächelten, haben mich die letzten beiden und vor allem dieser neue Fall von Kieffer überzeugt, so dass ich dem Koch aus dem Nachbarland auch in Zukunft die Treue halten werde.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Feb 2017 

    Auf den Spuren des Guide Gabin von 1939

    Xavier Kieffer pendelt noch immer zwischen Luxemburg, wo er ein kleines Restaurant mit bodenständiger, feiner Küche betreibt und Paris, dem Wohn- und Arbeitsort seiner Freundin Valérie. Sie ist die Eigentümerin eines traditionsreichen Hauses, das den Guide Gabin herausgibt, DER Restaurantführer Frankreichs. Bei der Einweihungsfeier des neuen Firmensitzes in Paris kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem ein seltener Guide Gabin entwendet wird. Widerwillig macht sich Xavier auf die Suche und muss bald feststellen, dass er offenbar nicht der Einzige ist. Und seine Gegner sind nicht zimperlich...
    Auch wer die vorhergehenden vier Krimis mit dem Luxemburger Koch nicht gelesen hat, wird keine Schwierigkeiten haben, dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Frühere Begebenheiten tauchen wenn, nur am Rande auf und werden gegebenenfalls erklärt. Was man jedoch wirklich wissen sollte ist, dass neben der Suche nach dem Buch es hier auch um Kochen, Essen und Trinken geht. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt eher bei der Haute Cuisine vergangener Zeiten, doch auch wenn es nicht immer so appetitanregend sein mag (zumindest ging es mir so), informativ ist es auf jeden Fall (Oder ist es allgemein bekannt, dass die Sitte des 'Essens in mehreren Gängen hintereinander' von den Franzosen aus Russland importiert wurde?). Dazu gibt es wie üblich jede Menge Lokalkolorit und zwar nicht nur von Luxemburg, sondern dieses Mal auch von Paris (und ein bisschen Lyon).
    Wem das Alles zuviel Schnickschnack um einen Krimi drumrum ist, sollte sich vielleicht lieber eine andere Lektüre auswählen. Ich jedoch mag es, denn Tom Hillenbrand kann richtig gut erzählen und vor allem beschreiben, insbesondere die Atmosphäre. Luxemburg muss eine wunderschöne Stadt sein und seit ich die Xavier-Bücher lese, steht es auf meiner Wunschliste der Orte, wo ich noch hinmöchte. Bei Paris ist es natürlich kein Problem, solche Gefühle zu wecken ;-) aber der Teil, der in Lyon spielt, hat dazu geführt, dass ich meine Vorurteile (hässlich und uninteressant) zumindest in Teilen revidiert habe. So ganz nebenher erfährt man auch noch Einiges über die Zeit, als die Alliierten in Frankreich waren und versuchten, den Feind zu schwächen - beispielsweise mit schwarzer Propaganda.
    Ich habe nach dieser Lektüre wieder einiges Neues erfahren, mich in Luxemburg wieder etwas heimischer gefühlt und dazu noch eine spannende Geschichte gelesen. Nur dass ich ständig Appetit hatte, das war blöd...

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Jan 2017 

    Guide Gabin

    Die Lebensgefährtin des Luxemburger Kochs Xavier Kieffer hat geladen. Als Erbin der Herausgeber des Restaurantführers Guide Gabin will sie neue Wege gehen. Zum ersten Mal soll es eine Geschäftsstelle des traditionsreichen Giude geben. Zur Eröffnung sind illustre Gäste angekündigt und die Vorbereitungen sind kompliziert. Ein Ziel war es, von jeder bisher veröffentlichen Ausgabe, eines in die Ausstellung zu bekommen. Besonders die Vorkriegsausgaben sind selten und extrem schwierig zu finden, war die Ausgabe von 1939. Ausgerechnet diese verschwindet bei einem Zwischenfall während der Eröffnungsfeier. Wenig später wird ein Bibliothekar ermordet und Xavier Kieffer beginnt mit den Nachforschungen darüber, was diese Ausgabe des Guide Gabin so einzigartig macht.

    Schon in einigen Kriminalromanen hat der Autor Tom Hillenbrand seinen Luxemburger Koch und Restaurantbesitzer Xavier Kieffer auf die Reise geschickt, um verzwickte Fälle zu lösen. Kieffer, der hauptsächlich in Luxemburg residiert, sich aber auch häufig in Paris bei seiner Lebensgefährtin aufhält, gerät hier zufällig in diese Verschwörung. Seine Neugier und sein Wille, der Sache auf den Grund zu gehen, bringen ihn ein ums andere Mal in Gefahr. Schwierig, sich vorzustellen, was einen nach herrschender Meinung eher harmlosen Restaurantführer, so begehrenswert machen kann, dass Menschen dafür töten würden.

    Schon im ersten Kapitel bekommt zwar den Hauch einer Ahnung, doch die Geschichte, die Tom Hillenbrand um den Guide Gabin seiner Phantasie hat entspringen lassen, hat es wirklich in sich. Wie gebannt hängt man an den Seiten des Buches, wenn nach und nach das Geheimnis entblättert wird, weshalb so viele verschiedene Gruppen hinter dieser speziellen Ausgabe von 1939 hinter her sind. Mehrfach hält man den Atem an, wenn Kieffer oder einer seiner Freunde sich nahezu ausweglosen Situationen gegenübersehen. Wird die Anspannung allzu groß, kann man sich immer mal wieder mit Xavier Kieffers Küchenlatein entspannen, mit dem er einem die Luxemburgische regionale Küche näher bringt oder auch einen kleinen interessanten Ausflug in die Geschichte des Kochens unternimmt. Dieser Kriminalroman fesselt mit seiner ausgeklügelten Geschichte und kommt zum Glück auch ohne problembehafteten Ermittler aus. Egal ob man der fleischlastigen deftigen Küche huldigt oder nicht, hier bekommt man leckere Krimiunterhaltung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Jan 2017 

    Tom Hillenbrand: Gefährliche Empfehlungen

    Kulinarische und amüsante Krimiunterhaltung

    Bei einem rauschenden Fest des berühmten Gastronomieführers ,,Guide Gabin“ in Paris, bei dem viel Prominenz und sogar der französische Präsident als Gäste anwesend sind, verschwindet eines der Exponate. Ausgerechnet der extrem seltene Band des ,,Guide bleu“ von 1939 wird gestohlen. Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer, der mit Valérie Gabin, der Erbin des Unternehmens, liiert ist, beginnt zu ermitteln. Außer ihm scheinen sich noch einige andere Leute für das alte Buch zu interessieren. Und offensichtlich sind sie bereit, dafür auch über Leichen zu gehen. Kieffer verbeißt sich dennoch in die Geschichte und bringt sich damit selbst in höchste Gefahr.

    Xavier Kieffer als Koch mit detektivischer Spürnase wirkt auf eine sympathische Art etwas altmodisch. Sein Verhältnis zu Valérie Gabin, der Erbin des legendären Familienunternehmens, mutet allerdings mehr freundschaftlich als romantisch an. Dafür erhält man als Leser viele Einblicke in Luxemburger Eigenheiten und Spezialitäten.
    Kieffers kulinarische Ausführungen sowohl der Luxemburger als auch der französischen Küche sind unterhaltsam und interessant. Amüsant sind auch diverse Anspielungen wie z.B. den Lyoner Kochpapst Soubec (Bocuse) oder den französischen Präsidenten, der des Nachts auf seinem Roller die Pariser Straßen unsicher macht. Eingestreute Kapitel, die in den Kriegsjahren des 2. Weltkriegs spielen, liefern nach und nach Puzzleteilchen dafür, warum der ,,Guide bleu“ von 1939 auch heute noch so wichtig ist. Allerdings ist die Handlung stellenweise etwas überfrachtet, wenn Geheimdienste, der französische Präsident usw. involviert sind. Manche ,,Zufälle“ wie z.B. Xaviers Begegnung mit den ,,Rittern des guten Geschmacks“ lassen die Handlung stellenweise zu konstruiert erscheinen. Auch das Ende ist etwas dick aufgetragen. Hier wäre weniger mehr gewesen.
    Ingesamt aber ist der Krimi ,,Gefährliche Empfehlungen“ solide Kost, wenn man sich nebenbei gerne von kulinarischen Abschweifungen unterhalten lässt.