Geblendet: Thriller (Jenny Aaron)

Rezensionen zu "Geblendet: Thriller (Jenny Aaron)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Aug 2019 

    Jenny Aaron ist zurück!

    Jenny Aaron ist zurück. Und sie steht vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung ihres Lebens. Denn eine Therapie könnte ihre Sehfähigkeit wieder herstellen. Doch die „Abteilung“ braucht sie dringender denn je.
    Mit „Geblendet“ schließt Andreas Pflüger seine Trilogie um die blinde Polizistin Jenny Aaron ab. Es empfiehlt sich jedenfalls die beiden vorangehenden Bücher Endgültig und Niemals zu kennen. Für mich ist dieser letzte Band der bedächtigste der Reihe. Das hört sich vielleicht seltsam an, denn gefühlt sterben hier die meisten Personen. Doch der Zwiespalt, in dem Jenny Aron steckt wird mit so einer Feinheit und fast zärtlich herausgearbeitet. Lange ist der Leser nur mit Jenny und ihren Überlegungen zusammen. Sie hadert, ist verletzlich mit sich selbst nicht im Reinen. Aber man rückt auch den anderen Mitglieder der Abteilung, dieser speziellen Einheit, näher, sieht die Menschen unter der gepanzerten Kampfausrüstung. Es ist diesmal nicht nur „Jungsquatsch“, wie es oft so treffend für die ersten beiden Teile heißt. Die starke Frau, Jenny, bekommt in Geblendet mit Malin eine ebenbürtige Gegnerin. Der Autor spielt mit Bildern und Spiegeln, Spiegelbildern.
    Sprachlich ist dieser Thriller wieder ein Hochgenuss. Philosophisch, tiefgründig und dann wieder kurz und bündig. Es gibt vieles, was ich an Andraes Pflügers Art zu schreiben mag. Diese kleinen Aufzählungen, die fast schon ein Markenzeichen sind, gibt es hier natürlich auch wieder. Mit dieser Reihe hebt sich Pflüger so wohltuend vom Einheitsbrei am Thrillermarkt ab, dafür gibt es ein ganz großes Lob und Dankeschön von mir.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Aug 2019 

    Gerechtigkeit für die Toten

    Nach ENDGÜLTIG und NIEMALS ist GEBLENDET der letzte Band der Trilogie mit der Elitepolizistin Jenny Aaron. Die Aufmachung eines jeden Bandes hebt sich positiv von anderen Neuerscheinungen ab. Die farbliche Gestaltung und dazu die Braille-Schrift, hier hat sich ein Verlag besonders viel Mühe gegeben. Im Bücherregal ein echter Hingucker.

    Gleich vorneweg - um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, empfiehlt es sich hier auf jeden Fall die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn es gab u. a. ausführliche Erläuterungen zur Blindheit und Aarons Umgang damit, die nicht mehr wiederholt werden.

    In diesen Band beschäftigt sich Aaron sehr viel mit sich selbst. Sie hat die Chance, durch eine spezielle Therapie ihr Augenlicht wieder zu bekommen, allerdings muß sie sich mit den Nebenwirkungen auseinandersetzen, daß ihre anderen Sinne darunter leiden werden. Das ist nicht einfach und erfordert sehr viel Kraft und Energie von ihr, die sie eigentlich anderweitig bräuchte. Gleichzeitig hat sie in diesem Band mit Malin eine Gegnerin, die ihr sehr ähnlich ist – sowohl im positiven als auch im negativen Sinn und vor allem, sie ist genauso kampfstark wie sie. Die beiden verbindet viel mehr als auf Anhieb zu erkennen ist. Sie hatten eine ähnlich gelagerte Ausbildung durch den jeweiligen Vater, wurden beide in asiatischer Kampfkunst unterwiesen, gehen bis zum Äußersten und waren bzw. sind blind. Aaron und Pavlik stehen in diesem Band vor großen Herausforderungen, die sie gemeinsam bewältigen müssen, denn Malin will sie töten, weil sie davon ausgeht, daß die beiden Schuld an dem Tod ihres Vaters trugen.

    Der Lesefluß kam bei mir dieses Mal nicht so recht zustande. Das war zum einen bedingt durch die Rückblenden und zum anderen trugen die Gespräche zwischen Kisho und Aaron dazu bei. Nicht, daß diese uninteressant waren, aber in dem Moment wurde der Fokus in eine andere Richtung gelenkt.

    Sehr gut gefiel mir das Vertrauensverhältnis zwischen Aaron und Pavlik und am Ende der feinfühlige Umgang mit den Verwandtschaftsbeziehungen von Malin (detaillierter möchte ich nicht werden). Auf den letzten Seiten wird klar Jenny Aaron ist fertig erzählt!

    Natürlich fehlt es in diesem Thriller nicht an Action, Gewalt, Blut und Leichen. Für mich schreibt der Autor intelliegent und komplex, fern von 08/15-Thrillern. Er hat eine sachliche, ruhige und schnörkellose Sprache und seine intensiven Recherchen auf vielen Gebieten merkt man in jedem Satz. Trotzdem wird dieser Abschluß der Trilogie nicht mein Lieblingsband werden.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 16. Aug 2019 

    Wie könnte ich über sie richten?

    Mit „Geblendet“ beendet Andreas Pflüger seine Trilogie um die erblindete Ermittlerin Jenny Aaron. Dieser 509-seitige Thriller ist im August 2019 bei Suhrkamp erschienen.
    Schon der Beginn des Thrillers ist bedrückend: Ein Vater stiftet seine zwölfjährige Tochter, Malin, zu ihrem ersten Mord an und macht sie dadurch zu einer Killerin.
    Jenny, vor fünf Jahren erblindet, begibt sich in Therapie, um ihr Augenlicht wiederzuerlangen. Doch dann wird sie in einen neuen Fall involviert und steht vor der Entscheidung: für die eigene „Abteilung“ kämpfen oder für das eigene „Seelenheil“? Während der Ermittlungen kommt sie dabei zu ganz neuen Erkenntnissen.
    Dieser Band beendet eine Trilogie und ist dennoch der erste aus dieser Reihe, den ich gelesen habe. Dieses stellte mich zu Beginn vor ziemlich große Herausforderungen, da es eine Zeitlang brauchte, die einzelnen Charaktere zu sortieren. Zwar gibt Pflüger hier Hilfen, aber die Bezüge zu alten Fällen sind doch so groß, dass das Lesen einiges an Konzentration erforderte und am Ende bestimmt noch einige Lücken blieben. Daher würde ich empfehlen, zuerst die vorherigen Bände zu lesen.
    Der Thriller beginnt mit einer beklemmenden Szene in Notre Dame sehr dramatisch und schreit förmlich danach, weitergelesen zu werden. Nach einem Sprung in die Gegenwart und zu Jenny Aaron lässt diese Spannung allerdings erst einmal nach. Auch dauert es etwas, bis man den Bezug zum Beginn herstellen kann, dann allerdings ergibt sich ein roter Faden, der für eine in sich logische Aufklärung sorgt.
    Das Buch bietet tiefe Einblicke in die Innenwelt der Protagonist/innen, vor allem in die Jennys und Malins. Was auf der einen Seite interessant zu lesen ist, sorgt auf der anderen Seite allerdings auch für Langatmigkeit, was wahrscheinlich vor allem dann zum Tragen kommt, wenn man die Vorgängerbände eben nicht kennt. Andererseits wird diese Langatmigkeit immer wieder unterbrochen von spannenden Szenen, die es dann auch wirklich in sich haben. Insbesondere das immer wieder auftretende Spiel mit erzählter Zeit und Erzählzeit fasziniert und sorgt für immense Dramatik. Auch das Finale in Barcelona zehrt ungemein an den Nerven.
    Der Autor hat für seinen Roman sehr gute Recherche betrieben, was man vor allem den Einsichten in die Welt der Blinden als auch denen in die fernöstliche Kampfkunst, gespickt mit Philosophie, entnehmen kann. Leider erscheint mir Jenny Aaron an einigen Stellen etwas zu übermenschlich: Zwar sagt man, bei Blinden seien andere Sinnesorgane besser ausgebildet als bei Sehenden, allerdings scheint dieses bei Jenny übertrieben, betrachtet man ihren Gehör- oder Geruchssinn. Hier wäre weniger mehr gewesen.
    Bei Andreas Pflüger überwiegen sehr kurze, prägnante Sätze, die jedoch deshalb nicht wenig anspruchsvoll sind. Auch immer wiederkehrende Wiederholungen und die Wahl des Präsens als Erzählzeit mögen anfangs gewöhnungsbedürftig erscheinen, haben mir aber sehr gut gefallen.
    Die Aufmachung des Buches ist eine Augenweide: Hardcover mit schwarzem Einband und schwarzem Buchschnitt sowie der Schutzumschlag in einem leuchtenden Gelb mit schwarzer, „verwischter“ Schrift passen vorzüglich zum Inhalt. Als kleine Zugabe steht der Buchtitel auch in Brailleschrift auf dem Umschlag. Mir gefällt dieses außerordentlich gut.
    Anfangs war ich von diesem Thriller vor allem angesichts der Langatmigkeit etwas enttäuscht, je weiter ich beim Lesen voranschritt, desto besser gefiel er mir indes, was vor allem auf die gute Recherche und den Erzählstil zurückzuführen ist. Insgesamt gebe ich dem Buch dreieinhalb von fünf Lesesternen.