Für immer ist die längste Zeit: Roman

Rezensionen zu "Für immer ist die längste Zeit: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Apr 2018 

    Madeline, Eve und Brady

    Sie ist tot, Maddy ist vom Dach gesprungen und gestorben. Ihre Tochter Eve ist untröstlich und auch Brady, ihr Mann weiß nicht wie er mit dem tragischen Ereignis umgehen soll. Manchmal denkt Eve, sie habe ihre Mutter nicht genug gefeiert, sich nicht genug bedankt, sich wenig Mühe gegeben. Auch Brady macht sich große Vorwürfe, immer stand der Beruf im Vordergrund, häufig hatte er etwas anderes vor, wenn es darum gegangen wäre, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Sowohl Brady als auch Eve verkriechen sich in ihre Ecken und wissen nicht wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen.

    Man wünscht es niemanden, aber viele Menschen werden jemanden im Bekanntenkreis haben, der oder die sich das Leben genommen hat. Auch wenn man kein enger Verwandter war kann man nachvollziehen, welch ein Schlag vor den Kopf es bedeuten kann, wenn jemand einfach selbst geht und es keine Erklärung gibt. Dazu kommt die Trauer, die einen sowieso überfällt, wenn man einen lieben Menschen vermissen muss. Eve und Brady leiden an ihrem Verlust und sie können sich nicht trösten. Madeline, die irgendwie noch nicht ganz weg ist, versucht, ihren Lieben zur Seite zu stehen, ihnen zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich auch neuen Erfahrungen zu öffnen, ohne ihre Mutter und Frau zu vergessen.

    Aus Sicht von Maddy, Eve und Brady kann man an dem langsamen und schmerzvollen Prozess teilhaben, den man nach dem Versterben des geliebten Familienmitglieds durchmachen muss. Man fühlt mit Eve und Brady mit, man fragt sich, weshalb Madeline es getan hat, man wünscht den Hinterbliebenen, dass sie sich mit der Situation abfinden, neue Erfahrungen machen und doch gute Erinnerungen behalten. Man denkt aber auch an die eigenen Lieblingsmenschen, die nicht mehr da sind und versucht auch selbst nach vorne zu blicken und sich vorzustellen, dass es ihnen gutgeht, wo auch immer sie sind.

    Ein berührender Roman über die Trauer, über den Tod, Lächeln und Freude, die zunächst kaum gewagt werden und die Hoffnung auf bessere Tage, in denen man einen Schritt voran getan hat und in warmer Erinnerung zurückblicken kann,

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mär 2018 

    Mit dem Tod stirbt die Liebe nicht

    Madeline Starling ist tot. Nachdem sie mit Mitte 40 vom Dach der Bibliothek des Wellesley College gestürzt ist, hat sie eine Mission: Sie will für die 16-jährige Tochter Eve und ihren Ehemann Brady eine neue Frau finden. Denn Maddy ist nicht im Himmel gelandet, sondern kann aus kurzer Höhe das Leben ihrer Familie und anderer Leute beobachten. Der Witwer und die Teenagertochter sind nach dem Tod mit ihrem Alltag überfordert. Und sie fragen sich, warum das Ganze passiert ist. Maddy will etwas unternehmen, doch ihre Einflussnahme aus dem Jenseits heraus ist eingeschränkt…

    „Für immer ist die längste Zeit“ ist der Debütroman von Abby Fabiaschi.

    Meine Meinung:
    Das Buch besteht aus 17 Kapiteln und einem Epilog. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Maddy, Brady und Eve. Dieser Wechsel hat mir sehr gut gefallen.

    Auch den Schreibstil finde ich sehr angenehm. Er ist locker und flüssig. Mir fiel es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Die Seiten ließen sich schnell lesen.

    Zu den drei Hauptprotagonisten konnte ich schon nach kurzer Zeit einen Zugang finden und vor allem zu Maddy Sympathie aufbauen. Die Gedanken- und Gefühlswelt der drei Charaktere wird gut deutlich. Sie wirken realitätsnah. Auch die Entwicklung von Eve und Brady ist glaubhaft beschrieben.

    Die Handlung ist abwechslungsreich und hält auch Überraschungen bereit. Die Geschichte ist nicht so vorhersehbar, wie man anfangs meinen könnte.

    Durch den Tod der Mutter nehmen die Trauer und die Frage nach der Schuld viel Raum in der Geschichte ein. Der Roman ist daher emotional und sehr bewegend. Die ernste Botschaft wird dabei klar: Man soll das Leben so lange genießen, wie es geht. Dadurch regt das Buch zum Nachdenken an. Gleichzeitig gelingt es der Autorin aber auch, immer wieder humorvolle Elemente einzubauen. Diese Mischung konnte mich überzeugen.

    Das Cover ist zwar inhaltlich etwas nichtssagend, aber auch sehr hübsch. Der deutsche Titel weicht stark vom amerikanischen Original („I Liked My Life“) ab, ist aber ebenso treffend gewählt.

    Mein Fazit:
    Mit „Für immer ist die längste Zeit“ legt Abby Fabiaschi einen ebenso unterhaltsamen wie berührenden Roman vor, der für kurzweilige Lesestunden gesorgt hat und meinen Erwartungen vollends gerecht wurde. Ich kann die Geschichte empfehlen.