Fünf Tage in Paris: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Fünf Tage in Paris: Roman' von Tatiana de Rosnay
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Ein aufwühlendes Familientreffen in Paris

Paris ist von sintflutartigem Regen heimgesucht, als sich die Familie Malegarde dort anlässlich einer Feier trifft. Tochter Tilia reist aus London an, wo sie als Künstlerin lebt, und Sohn Linden, ein Fotograf, kommt aus Los Angeles dazu. Schon bei der Ankunft bemerken Tilia und Linden, dass Paul, der Vater, ein stets agiler Baumschützer, kraftlos wirkt. Auch Lauren, die Mutter, ist angeschlagen. Die Seine droht über die Ufer zu treten, sodass die vier das Hotelzimmer fast nicht verlassen können. Die apokalyptischen Wetterverhältnisse spiegeln, was auf der Familie lastet. Vieles wurde in den Jahren von einem Mantel des Schweigens umhüllt. Die Ereignisse spitzen sich zu, als Paul im Restaurant zusammenbricht und ins Koma fällt. Linden hält am Krankenbett Wache - und fasst endlich den Mut, sich seinem Vater gegenüber zu outen. Doch auch Paul hat ein erschütterndes Geheimnis, das der Schlüssel zu seiner Liebe zu den Bäumen, allen voran den Linden ist ...

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783570103654

Rezensionen zu "Fünf Tage in Paris: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Apr 2019 

    Kraftvolles symbolträchtiges Familienfresko

    Mit großer Leichtigkeit, ein bisschen französisch-schwatzhaft, aber mit enormem Tiefgang und viel Gespür für bewegende symbolhafte Situationen führt die Autorin Tatiana de Rosnay in ihrem Roman „Fünf Tage in Paris“ die Leser durch eine überflutete Stadt und zugleich durch eine bewegende Familientragödie.

    Ein Wochenende in Paris, zum 70.Geburtstag des Familienoberhauptes Paul Malegarde und zum Hochzeitstag mit seiner Frau Lauren, nur mit dem Sohn Linden, ein in L.A. lebender erfolgreicher Fotograf, und der in London lebenden Tochter Tilia, ist Ausgang einer dramatischen Geschichte. Paris versinkt im Regen, das Wasser der Seine steigt bedrohlich an und der stets gesund wirkende weltweit berühmte Baumschützer Paul wirkt kraftlos und grau, bis er am Abend seines Geburtstages im Restaurant zusammenbricht und ins Krankenhaus gebracht werden muss.
    Ein apokalyptisch-dystopisches Hochwasserszenario ist Hintergrund und zugleich Hauptakteur der dramatischen Entwicklung in der Familie Malegarde, in deren Verlauf auch Lauren an einer Lungenentzündung erkrankt und ans Hotelbett gebunden ist. Während Sohn Linden am Bett seines Vaters im Krankenhaus wacht strömen Erinnerungen auf ihn ein, und er entschließt sich endlich, mit seinem Vater zu reden und sich zu outen.

    Symbolträchtig steigt das Wasser der Seine in dem Maße, in dem sich auch die bereits präkere Familiensituation zuspitzt. Das Krankenhaus, in dem Paul versorgt wird, befindet sich im Hochwassergebiet, der Ehemann von Tilia, ein Alkoholiker, taucht überraschend auf, und apauls Gesundheitliche Situation ist unklar. So wie das Hochwasser seinem Scheitel zustrebt bewegt sich auch die Familiensituation in dramatischer Weise auf einen Höhepunkt zu, an dem es Entspannung, in welche Richtung auch immer, geben muss.

    Die Autorin spricht in ihrem Roman viele aktuelle Themen an, neben Naturgewalten durch Klimaveränderungen wie Hochwasser und Sturm berührt sie politische und soziale Sprengsätze der herrschenden französischen Machtverhältnisse in Ausnahmesituationen, sinkende Menschlichkeit im Umgang miteinander und nicht zuletzt die Hilflosigkeit des Einzelmenschen der Moderne in der Großstadt in Katastrophensituationen.
    Doch nichts wirkt Zuviel, denn der Roman bewegt sich immer an der Entwicklung der Familie, an den Einzelschicksalen entlang, so dass man von der Größe und Mächtigkeit der angesprochenen Probleme als Leser eben nicht erschlagen zu werden droht, sondern sich hervorragend am Erzählfaden entlanggingen kann.

    Die Familie selbst ist mit reichlich Konfliktpotenzial ausgestattet in der Art, dass in Extremsituationen Dinge hochgespült werden, die bis dahin unter der Oberfläche schwelten. Andererseits verbindet diese vier Menschen eine große Zuneigung und Liebe, die sie jetzt füreinander sorgen lassen, auch wenn in früheren Jahren Schweigen oder Unverständnis tiefe Wunden gerissen hat.

    Tatiana des Rosnay hat einen sehr leichtfüßig erzählten und gut lesbaren Roman geschrieben, der große Katastrophen in großen und kleinen Rahmen mit viel psychologischem Gespür und enormen Lesesog miteinander verknüpft, ohne jemals seicht oder allzu pathetisch zu wirken. Nichts wirkt auf mich konstruiert oder aufgesetzt. Die Probleme innerhalb der Familie erscheinen sehr wahrhaftig und lebensnah realistisch, die Naturgewalten sehr greifbar und äußerst bedrohlich. Ich möchte nicht sagen, dass ich den Roman völlig atemlos las, aber die kraftvolle Geschichte hat mich sehr bewegt und ich möchte dieses mitreißende Buch unbedingt zu Lesen empfehlen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Apr 2019 

    Regen in Paris und ein Blick auf die Malegardes

    Tatiana de Rosnay beschreibt hier in einer wundervollen und klangvollen Sprache und einem, mich sofort in seinen Bann ziehenden Schreibstil, vor einem erst tristen, bald bedrohlichen Bild eines verregneten Paris ein Treffen der Malegardes, einer amerikanisch-französischen Familie. Die Eltern, die 61-jährige Lauren Malegarde, die amerikanische Mutter und der bald 70-jährige Paul Malegarde, der französische Vater laden ihre 39-jährige Tochter Tilia und ihren 36-jährigen Sohn Linden nach Paris ein, es soll gefeiert werden, und zwar der 70. Geburtstag des Vaters Paul und der 40. Hochzeitstag der Eltern. Dazu reisen die Tochter Tilia, eine Malerin, aus London und der Sohn Linden, ein Fotograf, aus San Francisco an. Ein uns bekanntes Bild einer Familienzusammenkunft also.

    Durch die sehr bedrückende und belastende Situation des nicht aufhörenden Regens in Paris und noch einige plötzliche Ereignisse bei den Malegardes wird eine sehr dysphorische Stimmung erzeugt, die Tatiana de Rosnay durch ihre Kunst mit der Sprache umzugehen, noch gut zu ergänzen weiß. Ein noch stärkerer Lesesog entsteht.

    Wie bei vielen Familienzusammenkünften, kommen auch hier viele bisher unbesprochene Themen an die Oberfläche. Durch das Setting und die plötzlichen Ereignisse in der Familie Malegarde geraten alle Familienmitglieder an ihre Grenzen, bisher unterschwellige Probleme innerhalb der Familie treten an die Oberfläche und es wird endlich nach und nach gesprochen; einige Familienmitglieder wachsen ebenso durch ihr Handeln über sich hinaus und das Ganze, obwohl das Setting nicht absolut real ist, aber durchaus real sein könnte, wird dem Lesenden sehr authentisch erzählt. Die Familienmitglieder sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen, ein sehr schönes Gefühl entstand in mir beim Erkunden der Malegardes.

    Aber nicht nur über die jetzige familiäre Situation wird gesprochen, genauso ist es auch ein Trip in die Vergangenheit, in die Vergangenheit von Paul.

    Und genauso werden noch andere wichtige Thematiken und Geschehnisse von Paris/Frankreich besprochen. Darunter sind auch viele Thematiken, die nicht nur für Franzosen wichtig sein könnten. Und trotz dieser Dichte und Fülle von Thematiken wirkt das Buch auf mich nicht überladen. Eher lädt es zum Nachdenken ein und regt an.

    Und ich kann und muss nur sagen. Unbedingt Lesen!