Fünf Lieben lang: Roman

Rezensionen zu "Fünf Lieben lang: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Aug 2019 

    Liebeslinien

    Dieses Buch lässt mich etwas gespalten zurück in meinen Empfindungen, einerseits herrscht im Geschriebenen eine Sprachgewalt, die förmlich berauscht und andererseits wieder entfaltet sich eine gewisse Langeweile in meinem Kopf. Ein bisexueller junger Mann schaut auf seine Lieben, sein Begehren, seine Selbstzweifel und auch sein Unvermögen sich der Liebe zu öffnen; dieser Blick ist interessant und auch schonungslos ehrlich. So ehrlich, dass es manchmal auch weh tut. Einerseits tut sein ewiges Zweifeln weh. Andererseits tut aber auch weh, dass er in bestehenden Partnerschaften nicht gestehen kann, dass sich etwas in seinen Gefühlen geändert hat. Und gerade dadurch ist er auch ambivalent, gegenüber dem Partner/der Partnerin ist der Hauptprotagonist ja wieder gar nicht ehrlich, er belügt und betrügt. Aber leider ist ein solches Verhalten unter uns weit verbreitet. In der Liebe ist alles erlaubt, heißt es zumindest, auch wenn ich da etwas anderer Meinung bin, aber da spricht wahrscheinlich ein gewisser kleiner verletzter Teil in mir. Einerseits sind diese Blicke auf die Irrungen und Wirrungen der Liebe sicher von einer Tiefe, dieses Herumirren in den eigenen Gefühlen sicher von einem gewissen erinnernden Wert für den Leser.
    Aber leider ist dieser Blick manchmal auch etwas lahm, man vermisst eine gewisse Entwicklung des Hauptcharakters. Dies Unvermögen sich zu öffnen und letztendlich fallen zu lassen in die Liebe wird zwar erklärt, aber ich vermisse eine Schlussfolgerung seitens der Hauptperson. So befürchtet man als Leser ein weiteres Dahingleiten des Hauptprotagonisten durch das Leben, bis er an einen Punkt kommt, der ein Weiterkommen unmöglich machen wird. Und das wäre definitiv schade! Durch die Art der Schreibe hat der Roman trotzdem eine 4 Punkte Bewertung erhalten. Gerade weil man sich an vielen Stellen im Buch durch diese Sprachgewalt so mitgenommen fühlt, besonders im ersten Drittel des Buches, aber auch immer wieder später. Insgesamt nicht schlecht. Die Handlungen der Hauptperson konnte ich manchmal nachvollziehen, manchmal aber auch gar nicht. Und gerade diese Mischung macht dieses Buch in meinen Augen wieder äußerst interessant. Denn eigentlich könnte man sich auch folgende Frage stellen, wieviel von der Hauptperson steckt eigentlich auch in uns?

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Aug 2019 

    Für mich eine Entdeckung

    Paul ist 12 Jahre alt, als er zum ersten Mal das Begehren spürt. Auf einer italienischen Ferieninsel beginnt er für Nanni, einen Schreiner der für seine Eltern arbeitet, zu schwärmen. Er weiß das Gefühl noch nicht zu benennen, erst sehr viel später wird er erkennen, dass er zum ersten Mal liebte.

    Paul wird ein erfolgreicher Mann, der sein Leben lang die Liebe sucht. Er findet sie bei Männern und Frauen. Und doch scheint er unfähig, eine Beziehung zu halten. Wichtig ist ihm das Erobern, das Umkreisen, das vorsichtige Herantasten. Dann zeigt er sich in all seiner Verletzlichkeit und er entblößt sein Innerstes.

    Die Sprache dieses Romans ist großartig. Was für ein Stilgefühl! Leichtigkeit und Melancholie haben sich dabei zu einer Einheit verbunden. Pauls Gefühle - Herzschmerz, Sehnen, Unsicherheit - beschreibt der Autor so unmittelbar und echt, dass ich sie zu spüren begann. Seine Liebesgeschichten vibrieren vor Sinnlichkeit.
    Während Paul von Nanni zu Chloé, zu Manfred, zu Claire und all den anderen Figuren findet, die in wenigen Sätzen und Handlungen erstaunlich präzise portraitiert werden, blieb mir Paul immer etwas geheimnisvoll. Trotz seiner ständigen Untreue, auch seiner Wankelmütigkeit, war er verletzlich und immer auf der Suche nach der wahren Liebe, die er wohl nie finden wird, oder besser, sie nie erkennen wird. Denn kaum hat er sich verliebt, beginnt er zu analysieren, jeden Satz und jede Bemerkung zu hinterfragen und verliert dabei den Menschen aus den Augen.

    Ich kannte den Autor nicht, der wohl schon mit seinem ersten Roman einen großen Erfolg erzielte. Wie schön, dass ich ihn mit diesem Rezensionsexemplar kennenlernen durfte.