Frostmond: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Frostmond: Kriminalroman' von Frauke Buchholz
4
4 von 5 (15 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Frostmond: Kriminalroman"

In den Tiefen Kanadas werden Verbrechen an indigenen Frauen aufgedeckt. Seit Jahren verschwinden junge Frauen ­indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways. Für die Polizei scheinen diese Verbrechen keine Priorität zu haben. Doch als die 15-jährige Jeanette Maskisin in Montreal tot aufgefunden wird und die Medien darüber groß berichten, werden die Ermittler LeRoux und Garner auf den Fall angesetzt. Ihre erste Anlaufstelle ist ein Cree-Reservat im hohen Norden Quebecs, aus dem Jeanette stammt. Dort stoßen die Polizisten auf Ablehnung, denn aus Sicht der First-Nation-Familien hat sich die Polizei nie für die vermissten Frauen interessiert. Die Ermittler kommen immer mehr in Bedrängnis, denn es werden weitere ­Opfer befürchtet und auch der Täter wird zur Zielscheibe – jemand hat blutige Rache geschworen.

Format:Taschenbuch
Seiten:312
Verlag:
EAN:9783865327239

Rezensionen zu "Frostmond: Kriminalroman"

  1. Tote Frauen, weiße Männer

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 01. Mai 2021 

    Am Ufer des St Lawrence Stromes in Montreal wird die Leiche der fünfzehnjährigen Jeanette Maskisins angespült. Ihr toter Körper weist zahlreiche Misshandlungen auf, ihr Tod eindeutig auf Mord zurückzuführen. Mit den Ermittlungen wird Jean-Baptiste LeRoux betraut. Da Jeanette nicht die erste ermordete Frau indigener Abstammung war, wird dem Polizisten ein Profiler aus dem tausende Kilometer entfernten Regina zur Unterstützung beigestellt. Ted Garner und LeRoux sind sich vom ersten Tag nicht grün, zu unterschiedlich sind sie in Lebens- und Arbeitsweise.

    „Frostmond“ ist der Debütkrimi von Frauke Buchholz. Die deutsche Autorin hat einige Jahre in einem Cree Reservat im Norden Kanadas verbracht und widmet ihr Buch all den ermordeten Frauen und Mädchen, die am „Highway der Tears“ zu Tode kamen, und deren Mörder nie ermittelt wurden.

    Wir erleben die Vorgänge rund um den Mordfall Jeanette Maskisin aus den Perspektiven der beiden Ermittler LeRoux und Garner. Zwischen den beiden Männern steht es nicht zum Besten. Ihre Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitigen Vorurteilen. Sind die Frankokanadier für Garner „Froschfresser“, hält Le Roux die englischstämmigen Landsleute für Hinterwäldler und Rednecks. Dabei ist Garner pedant, elegant und gebildet, wirft mit Schopenhauer Zitaten nur um sich, während LeRoux desillusioniert, schäbig und seinem Sexualtrieb ausgeliefert herumläuft. Geeint sind die beiden nur in ihren Vorurteilen den Indigenen gegenüber. „Indsmen“ nennt Garner sie ständig, da hat er wohl auch bei Karl May nachgelesen.

    Die Lebensweise der First Nations People wird uns von Leon vermittelt, der dritten Erzählstimme in diesem Kriminalroman. Leon ist der Cousin der ermordeten Jeanette und offensichtlich der Einzige, der ein wirkliches Interesse am Schicksal des Mädchens hat. Leons Einblicke zeigen eine Welt der Perspektivenlosigkeit, der Alkoholsucht und häuslichen Gewalt und einer von Staat und Gesellschaft verachteten Gemeinschaft, aber auch eine fremde mythologische Gedankenwelt.

    Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und sind über lange Strecken von den Befindlichkeiten der beiden (weißen) Männer geprägt. Dabei gerät für mein Empfinden das Thema, der Femizid an indigenen Frauen, aus dem Fokus. Ich hätte mir als Kontrapunkt zu der toxischen Maskulinität einen weiblichen Blickwinkel gewünscht. Am Schluss nimmt die Krimihandlung Fahrt auf, die mich aber mit ihrem Showdown nicht hundertprozentig überzeugen könnte.

  1. Highway of Tears⁣

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Apr 2021 

    Der “Highway of Tears” ist leider keine Erfindung der Autorin. So wird tatsächlich im realen Leben ein 725 Kilometer langer Abschnitt des Transcanada-Highways genannt, entlang dessen schon seit vielen Jahren junge indianische Frauen verschwinden und entweder nie wieder auftauchen – oder nur tot. Von achtzehn Opfern spricht die Royal Canadian Mounted Police, diverse Indigenen-Organisationen dokumentieren hingegen über vierzig Opfer.⁣

    In “Frostmond” wird ein weiteres Opfer des Highways aufgefunden, die erst 15-jährige Cree-Indianerin Jeanette Maskisin. Das Medieninteresse ist hoch, was die Polizei zu verschärften Ermittlungen zwingt. Mit diesem Fall müssen sich daraufhin zwei Männer befassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die sich jeden Schritt des Weges misstrauisch oder gar mit offener Feindseligkeit beäugen.⁣

    Der frankokanadische Sergeant Jean-Baptiste LeRoux ist ein unverbesserlicher Weiberheld, der einerseits seine Ehe retten will, andererseits aber weder seines Alkoholismus noch seiner Sexsucht Herr wird. Von Therapie, wie seine Frau berechtigterweise vorschlägt, will er nichts wissen. In seinem Job ist er schon lange ausgebrannt, quält sich nur noch waidwund und voller Selbstmitleid durch die Ermittlungen.⁣

    Das schrappt meines Erachtens oft nur haarscharf am Klischee vorbei, mir fehlte ein tieferes Verständnis für das, was ihn antreibt und umtreibt. Manches wird hier und dort erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt, wie zum Beispiel das Thema eines unerfüllten Kinderwunsches.⁣

    LeRouxs Gegenpart in dieser Ermittlung ist der anglokanadische Verstandsmensch Ted Garner, Profiler der Royal Canadian Mounted Police. Der teilt seine Verachtung in alle Richtungen aus und bedient dabei auch noch großzügig rassistische Vorurteile, ist eiskalt und arrogant, hält nichts von Teamwork… Wo immer er in Aktion tritt, schafft er sich schnell Feinde.⁣

    Nur für Schopenhauer schlägt scheinbar sein analytisches Herz – und für die falsche Frau. Genau diese Romanze wollte für mein Empfinden jedoch nicht so recht dazu passen, wie Garners Charakter ansonsten beschrieben wird. Allzu schnell werden seine Gedanken schwärmerisch und geradezu kitschig; da fehlten mir ein überzeugendes auslösendes Ereignis oder schlüssige Begleitumstände, die eine so drastische Wandlung erklären könnten.⁣

    Eine zum Scheitern verurteilte Partnerschaft?⁣

    Sympathieträger sind im Grunde beide Männer nicht. Da sie aber sehr gegensätzliche Menschen sind, ergänzen sie sich bei der Ermittlung tatsächlich ganz gut – wenn man mal davon absieht, dass beide gleichermaßen verloren sind, wenn sie ihre urbanen Welten verlassen und sich auf indianisches Gebiet begeben müssen. Denn natürlich führen ihre Ermittlung sie auch nach Niskawini, das Cree-Reservat, in dem Jeanettes familiären Wurzeln liegen.⁣

    Die Menschen dort haben wenig Grund, der Polizei zu trauen, denn bisher hat sich ja niemand wirklich für die ermordeten Frauen interessiert, und die Polizei ist Teil eines Systems, das der indigenen Bevölkerung übel mitgespielt hat. Das Misstrauen beruht auf Gegenseitigkeit, da kommt die eine Seite der anderen kein Stück entgegen.⁣

    Den Gegenpol zu diesem widerwilligen Zweigespann bildet Leon Maskisin, Cree-Indianer und Cousin des ermordeten Mädchens. Er führt ein Leben ganz nah an den Traditionen seiner Vorväter, beschafft Nahrung und verdient sich Geld mit Jagen und Fallenstellen nach den Methoden seines Großvaters. Durch Leon gewinnt das Buch eine ganz andere Perspektive, die ungemein wichtig ist für die Geschichte und deren gesellschaftskritische Komponente.⁣

    Durch ihn erweitern sich die Themen und Spannungsfelder. Es wäre geradezu sträflich, ein Buch wie dieses zu schreiben, ohne einem indianischen Charakter eine eigene Stimme zu geben, und mit Leon gelingt der Autorin ein sehr überzeugender Blickwinkel.⁣

    Die Geschichte entfaltet sich in ausdrucksstarken, düsteren Bildern vor den Leser:innen, in packend geschriebenen Episoden, die wortgewandt und geschickt konstruiert für Krimispannung sorgen. Doch was diesen Krimi von anderen Krimis abhebt, ist die schon erwähnte Gesellschaftskritik: er prangert den Rassismus an, der der indigenen Bevölkerung immer noch entgegengebracht wird.⁣

    Die Autorin beleuchtet die Ausgrenzung, die Benachteiligung, die bodenlose Ungerechtigkeit gegenüber Menschen, denen ohnehin schon unsägliches Unrecht angetan wurde. Das ist überzeugend, bestürzend und hat immer den Klang der Wahrheit.⁣

    Hier sei erwähnt, dass Frauke Buchholz längere Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada verbracht hat und immer noch Freundschaften aus dieser Zeit pflegt. Diesen unmittelbaren Einblick in die Kultur der Cree und das Leben in den Reservaten merkt man “Frostmond” positiv an.⁣

    Das Ende lässt viel Raum für eine Fortsetzung. Es wird einiges aufgeklärt, aber es bleibt auch einiges offen – was sicher realistisch ist, denn selbst in einem Land wie Kanada, wo man es nicht erwarten würde, fallen unterprivilegierte Menschen zu oft durchs Raster, zum Teil vor aller Augen.⁣

    Fazit⁣

    Eine 15-jährige Cree-Indianerin wird tot aufgefunden, der Medienrummel ist groß. Der frankokanadische Polizist Jean-Baptiste LeRoux, ein desillusionierter Alkoholiker, und der anglokanadische Profiler Ted Garner, arroganter Vernunftsmensch mit zahlreichen Vorurteilen, sollen zusammenarbeiten, um den Fall schnellstmöglich abzuschließen, sind sich aufgrund ihres gegensätzlichen Naturells aber schnell spinnefeind. Derweil zieht der Cousin des ermordeten Mädchens los, um den Mörder zu finden und zu töten.⁣

    Großartig fand ich, wie fundiert und gut recherchiert die Autorin über das Leben der Cree in Kanada schreibt und dabei den alltäglichen Rassismus beleuchtet, der diese Menschen immer noch an den Rand der (weißen) Gesellschaft drängt. Der Schreibstil ist wunderbar atmosphärisch und packend, die Perspektive von Leon Maskisin liest sich schlüssig und durch und durch authentisch.⁣

    Schwer tat ich mich hingegen mit LeRoux und Garner, die in meinen Augen ein wenig Tiefgang vermissen lassen – es wird einiges erwähnt, das ihnen mehr Dimension geben könnte, dem wird meines Erachtens aber nicht ausreichend Raum eingeräumt.⁣

  1. Spannendes Debüt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Apr 2021 

    Spannendes Debüt

    Frostmond

    Gleich vorweg möchte ich erwähnen, dass ich es gut finde, dass die Autorin, Frauke Buchholz, ihren Krimi an wahre Begebenheiten angelehnt hat. Die Verbrechensserie an den indigenen jungen Frauen und Mädchen hat wirklich stattgefunden. Ich finde es gut und wichtig, dass die Autorin dadurch gezielt auf die Misstände, die immer noch vorliegen, hinweist. Nichts ist schlimmer als das verschweigen solcher Gräueltaten.
    Da die Autorin selbst viel Zeit in einem Reservat verbracht hat, und sich in ihrem Studium diesem Thema gewidmet hat, fließt sehr viel an wertvollen Hintergrundinformationen in das Buch mit ein.

    Der Fall selbst beginnt direkt spannend mit dem Fund der Leiche der 15 jährigen Jeanette Maskisin. Die Sûrete du Québec ermittelt, wie auch schon in den anderen Fällen, der an diesem Highway verübten Morde. Der Leser bekommt gleich den Eindruck, als die ethnische Herkunft des Opfers klar ist, dass die Ermittler nicht frei von Vorurteilen sind. Der Ehrgeiz, sich um Aufklärung zu bemühen, scheint außerdem sehr gering. Eine Tatsache, die mich betroffen gemacht hat, da sie leider die bittere Wahrheit widerspiegelt.
    Jean-Baptiste LeRoux von der Sûrete ist daher nicht begeistert, als von auswärts der Profiler Ted Garner zu ihm stößt. Gemeinsam sollen sie Licht ins Dunkel bringen. Doch erstmal wirkt es so, als ob die beiden Herren gar nicht miteinander klar kommen. Garners Vorurteile scheinen sogar noch ausgeprägter zu sein, da er seinen kanadischen Kollegen in Gedanken als Froschfresser betitelt. Leider keine tolerante Einstellung, die eine gute Zusammenarbeit fördern würde.
    Der Leser hat es auf der einen Seite mit der Sicht der Ermittler zu tun. Er muss sich obendrein mit den sexuellen Eskapaden und den Eheproblemen von LeRoux auseinandersetzen. Der Fall selbst nimmt erst etwas später mehr Fahrt auf.
    Auf der anderen Seite erleben wir Leon, den Cousin des Opfers. Dieser Part hat mir persönlich sehr gut, wenn nicht sogar am besten, gefallen. Die Einblicke in seine Gefühle und die Schilderung der Lebensumstände waren sehr ergreifend.
    Generell empfand ich die Schilderungen aus dem Reservat sehr bedrückend, da sie leider sehr realistisch sind. Die Vorstellung, dass diesen Menschen das Leben schwer gemacht wird, Ihnen soviel genommen wurde, lässt mich jedesmal aufs neue wütend zurück.

    Frauke Buchholz hat einen soliden Krimi geschaffen, der sich außerdem mit den Problemen der indigenen Bevölkerung auseinandersetzt.
    Die Ermittlungen sind spannend konzipiert und das Ende erschien mir sehr realistisch. Garner beweist, dass er doch nicht so verkehrt ist, mein Gesamteindruck viel am Ende doch etwas milder aus. Bei LeRoux schlich sich zwar nur wenig Verständnis für sein Verhalten ein, ich muss aber zugeben, dass er ein interessanter Charakter ist, dessen weiterer Werdegang sicher interessant zu verfolgen ist. Mal sehen, was der nächste Teil so bereithalten wird.
    Ich habe das Debüt sehr gern gelesen, und bin auf weiteres aus der Feder von Frau Buchholz gespannt

  1. Frostiges Kanada

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Apr 2021 

    Entlang des Transcanada-Highways verschwinden seit Jahren immer wieder junge Frauen spurlos. Doch die Polizei kümmert sich offenbar kaum darum. Ein möglicher Grund dafür ist die indigene Abstammung der Frauen. Erst als die 15-jährige Jeanette Maskisin in Montreal tot aufgefunden wird und in den Medien ausführlich darüber berichtet wird, wird die Polizei tätig. Dem schlampigen Ermittler LeRoux, der wenig Interesse an dem Fall zeigt und sich eher seinen fleischlichen Begierden widmet, wird der kühle Profiler Ted Garner aus Saskatchewan zur Seite gestellt. Der Gegensatz zwischen den beiden Ermittlern könnte nicht größer sein – und auch ihre gegenseitige Antipathie nicht. Ihre Ermittlungen führen sie in ein Cree-Reservat im hohen Norden Quebecs, aus dem Jeanette stammt. Doch dort treffen sie auf Ablehnung, da die Polizei dort noch nie positiv aufgetreten ist. Auch in Jeanettes Familie löst ihr Tod zwar Trauer und Wut, aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit aus. Lediglich Jeanettes Cousin Leon scheint mehr über sie und ihre Motive, nach Montreal zu gehen zu wissen. Und Leon beschließt, auf eigene Faust nach dem Mörder zu suchen.
    Die Autorin hat einige Zeit in Kanada und in einem Cree-Reservat verbracht, was man den Schilderungen der Lebensverhältnisse und der Atmosphäre dort deutlich anmerkt.
    Die beiden ungleichen Ermittler bedienen zwar einige Klischees, ähneln sich in ihrer weißen, überheblichen Art und sind beide nicht unbedingt Sympathieträger. Ihre Gegensätzlichkeit bietet aber auch ein großes Spannungspotential, das dem Kriminalroman zugutekommt. Stellenweise spielt allerdings der Zufall eine zu große Rolle.
    Ein lesenswerter und interessanter Krimi, der sich eines wichtigen Themas annimmt, das leider auf wahren Begebenheiten basiert.

  1. Frauenmorde an der indigenen Bevölkerung Kanadas

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Apr 2021 

    „Dieses Buch ist den vielen ermordeten indigenen Frauen und Mädchen in Kanada gewidmet, deren Fälle niemals aufgeklärt wurden.“ (Widmung)

    Die Leiche der erst 15-jährigen Jeanette Maskisins wird am Ufer des St. Lawrence Rivers in Montreal angeschwemmt. Ihr Körper ist grausam zugerichtet, außerdem ist sie im 4. Monat schwanger. Auf den Fall angesetzt wird Ermittler Jean-Baptiste LeRoux, der seiner Arbeit eher desillusioniert nachgeht und sich stattdessen lieber dem Alkohol und dem Sex hingibt. Ihm ungewollt zur Seite gestellt wird der Profiler Ted Garner, der extra aus dem fernen Saskatchewan angefordert wurde. Er ist ein Anzug tragender Pedant, dem Schlampigkeiten zuwider sind. Zudem kommt er aus dem englischsprachigen Teil Kanadas und betrachtet Menschen aus dem französischen Teil als „Froschfresser“.

    Normalerweise wird wenig Energie für die Suche nach Mördern an Indianerinnen aufgewendet. Mittlerweile ist der öffentliche Druck jedoch so groß, dass die Polizei handeln muss. Beide Ermittler werden durch ihre Ressentiments gegenüber der indigenen Bevölkerung geeint. Ansonsten beobachten sie sich eher skeptisch, die Teambildung fällt ihnen extrem schwer. Zu allem Überfluss wird auch noch eine Prostituierte ermordet aufgefunden. Stehen die beiden Toten im Zusammenhang, handelt es sich etwa um einen Serienmord?

    LeRoux und Garner werden dazu verdonnert, zunächst im Cree-Reservat zu ermitteln. Sie besuchen Jeanettes Familie, sind geschockt von den Lebensverhältnissen im Reservat. Man begegnet ihnen überall mit großer Ablehnung, das Misstrauen gegenüber Weißen und Behörden ist groß. Jeanettes Cousin Leon, der viel Kontakt zu ihr gehabt hat, pflegt eine sehr traditionelle Lebensweise und verdient sein Geld mit der Jagd. Leon kann der Polizei nicht alles über Jeanette sagen, was er weiß. Er wird selbst von Gewissensbissen geplagt, weil er sich mitschuldig an ihrem Tod fühlt. Dadurch beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen zu betreiben, die ihn ebenfalls nach Montreal führen, das eine völlig fremde Welt für ihn ist.

    Die Geschichte wird wechselweise aus drei Perspektiven (Leon/LeRoux/Garner) erzählt. Wir können den Figuren quasi in den Kopf schauen, was mir sehr gut gefallen hat, weil wir dadurch an ihren Überlegungen partizipieren und deren unterschiedliche Sichtweisen und Handlungen nachvollziehen können. Leons Überlegungen indessen grenzen sich davon deutlich ab: Er geht sehr intuitiv vor und lässt sich von den Geistern seines Stammes leiten. Er vertraut keinem der beiden Offiziellen, was zusätzlich Spannung erzeugt.

    Die Sprache ist gehoben und sehr ansprechend. Die Autorin beschreibt die vielseitige, frostige Wildnis Kanadas bildreich und detailliert. Man spürt, dass sie sich nicht nur über Jahre mit der indigenen Bevölkerung Kanadas beschäftigt hat, sondern auch selbst in einem Cree-Reservat lebte, so dass ihr die dortigen Zustände sehr vertraut sind. Die meisten Menschen sind arm und wohnen beengt in maroden Holzhäusern. Aufgrund der zementierten Perspektivlosigkeit flüchten sich viele Menschen in Alkohol und Drogensucht. So ist es kein Wunder, dass insbesondere junge Leute den weiten Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft auf sich nehmen. Das Fahren per Anhalter ist oft das Mittel der Wahl. Die Einsamkeit der Highways macht gerade Frauen zur leichten Beute für Triebtäter. So ist ein Abschnitt des Transcanada-Highway zu trauriger Berühmtheit gelangt, weil dort zahlreiche junge Frauen mit indigener Herkunft spurlos verschwunden sind. Das nahm die Autorin zum Anlass, sich dieser Thematik in ihrem ersten Roman zu widmen.

    Die Authentizität der Lebensverhältnisse im Reservat, die bestehenden Vorurteile zwischen der indigenen und der weißen Bevölkerung, die Beschreibung der weitläufigen Landschaft – all das ist wunderbar gelungen. Man bekommt einen guten Einblick in ein fremdes Land mit seinen strukturellen Problemen. Die eigentliche Kriminalhandlung nimmt erst in der zweiten Hälfte Fahrt auf. Während im ersten Teil viel Wert auf detaillierte Beschreibungen gelegt wurde, ging mir im zweiten einiges zu schnell. Die Ermittlung schreitet sehr zügig voran, der Zufall kommt den beiden Ermittlern zur Hilfe. Für mich wird nicht alles völlig logisch aufgelöst. Vielleicht habe ich mich aber auch vom unmoralischen Privatleben LeRoux´ oder der beginnenden Liebelei seines Kollegen Garner ablenken lassen, wer weiß? Das Finale ist rasant und lässt für den Action liebenden Krimileser keine Wünsche offen.

    Manche Fragen beantwortet die Autorin bewusst nicht. Es bleibt Luft für einen weiteren Roman, der 2022 ebenfalls im Pendragon-Verlag erscheinen soll und den ich gewiss lesen werde.

    Fazit: Ein lesenswerter, äußerst atmosphärischer, kurzweiliger Kriminalroman, der die Probleme der indigenen Bevölkerung Kanadas authentisch in Szene setzt.

  1. Spannend und mit viel Hintergrundwissen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Apr 2021 

    In Kanada verschwinden seit Jahren immer wieder junge Frauen indigener Herkunft entlang des Transcanada-Highways. Die Polizei hat sich bisher leider nicht um die Aufklärungen bemüht. Als jedoch die 15-jährige Jeanette Maskisin tot aufgefunden wird, übernehmen LeRoux und Garner die Ermittlungen. Im Cree-Reservat im Norden Quebecs stoßen sie auf Ablehnung, weil sich die Polizei bisher nie für die vermissten Frauen interessierte. Dennoch ermitteln sie weiter.

    Mich haben das düstere Cover und der Klappentext total angesprochen und neugierig auf den Krimi gemacht.
    Der Schreibstil ließ sich wunderbar lesen. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte bestens folgen. Es fiel mir schwer, das Buch beiseite zu legen.
    Die Charaktere wirkten sehr authentisch und wurden bildhaft beschrieben. Die beiden unterschiedlichen Ermittler LeRoux und Garner empfand ich sehr echt, gerade weil sie nicht die üblichen Sympathieträger waren, sondern teils heftige Ecken und Kanten hatten. Das machte sie für mich speziell und besonders. Garner fand ich sympathisch, auch wenn er recht kühl und analytisch war. Das machte ihn aber zu einem guten Ermittler. LeRoux dagegen fand ich sehr unsympathisch. Er hatte jede Menge Eigenschaften, die mich menschlich regelrecht abgestoßen haben. Auch als Ermittler hat er nicht gerade Professionalität bewiesen.
    Der Plot hat mir super gefallen. Ich fand ihn gut konstruiert und dicht gewebt. Ich hatte viele Fragen im Kopf und war neugierig, was sich alles offenbaren wird und welche Verbindungen es gibt. Dadurch war die Spannung bei mir durchgängig vorhanden.
    Neben dem Kriminalfall selbst gab es tolle und vertiefte Einblicke in die indigene Bevölkerung, die ich voller Neugierde gelesen habe. Aber auch die Vorurteile zwischen den englisch und französisch sprechenden Kanadiern fand ich sehr interessant, da mir das bisher nicht bekannt war.
    Die Auflösung war schlüssig und nachvollziehbar. Ich freue mich auf weitere Bände der Autorin. 

    Ein spannender Krimi mit viel Hintergrundwissen und aktuellen Themen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Das Verschwinden der indigenen Frauen Kanadas

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Apr 2021 

    "Behandele einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen." (indianische Weisheit)
    In den Weiten und Idylle Kanadas häufen sich seit einigen Jahren die Verbrechen und Morde an jungen Frauen indigener Herkunft. Besonders häufig findet man die Toten entlang des Transkanada-Highways. Als das letzte Opfer die erst 15-jährige Jeanette Maskisin schwer entstellt aus dem Wasser gezogen wird, holt man den Psychologen und Profiler Ted Garner zur Hilfe. Er soll nun ein Profil des Täters erstellen, damit Sergeant der Sûreté du Quebec Jean Baptiste LeRoux (J.B.), diesen möglichst schnell fassen kann. Bei einem Besuch des Cree-Reservats im Norden Quebecs, aus dem Jeanette herkam, stoßen die beiden nur auf Ablehnung und Feindseligkeit. Kein Wunder, den bisher hat sich die Polizei wirklich wenig um die vielen vermissten Frauen gekümmert. Doch nicht nur das die Ermittler weitere Opfer befürchten, sie und der Täter werden selbst zur Zielscheibe. Den jemand will Jeanettes Tod rächen komme, was es wolle.

    Meine Meinung:
    Das Debüt der Autorin, die selbst einige Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada gelebt hat, wirklich bemerkenswert, was das Lokalkolorit und die Beschreibungen rund um die indigene Bevölkerung anbelangt. Sie schildert nicht nur von den Problemen der Regierung mit den Ureinwohnern, sondern ebenso von Drogen, Alkohol und Missbrauch. Was sicherlich daran liegt, wie man schon seit Jahren diese Menschen behandelt. Sie haben kaum Arbeit und werden als Art Schauobjekte und Touristenattraktion in Reservate gesteckt. Kein Wunder, das da junge Frauen versuchen auszubrechen, um in einer Stadt wie z. B. Montreal eine neue Zukunft zu finden. Doch leider fallen sie oft in die Hände von Dealern und Bosse von Prostituierten. Der Letzte, der Jeanette lebend gesehen hat, war ihr Cousin Leon Maskisin. Ihm hat sie anvertraut, dass sie in die Stadt abhauen möchte. Und auch wenn er sie gewarnt hat, bestiehlt sie ihn und haut ab. Dadurch wird Leon zu einem der ersten Verdächtigen. Dieser Kriminalfall lebt größtenteils von den Begebenheiten rund um die beiden Ermittler Ted Garner und J. B. LeRoux. Ihre Charaktere sind hier zwar nicht gerade sehr sympathisch, doch dafür haben sie wirklich ein bemerkenswertes Profil. Während J. B. eher der Frauenheld und Liebhaber ist, der trotz glücklicher Ehe mit Sophie laut Ted seinen Schwanz nicht in der Hose lassen kann. Die Amtssprache der Sûreté ist Französisch, während Ted aus dem englischen Teil Kanadas kommt. Darum tituliert er LeRoux gerne auch als Froschfresser, wohin gegen er der Hinterwäldler ist. Dadurch kommen sich die beiden öfters ins Gehege oder jeder von ihnen macht es im Alleingang, was dann ebenfalls zu Problemen führt. Jedoch Sympathie für die Indianer haben sie beide nicht gerade. Trotzdem spürt man sehr gut, dass Ted seinen Beruf weitaus ernster nimmt als LeRoux , für ihn scheint dieser nur noch eine Last zu sein. Kein Wunder also, das er so für Ted nicht gerade eine große Hilfe ist. Selbst Polizeichef Morel empfinde ich als unsympathisch, arrogant und herablassend. Zwar haben mich die beeindruckenden Informationen über die Ureinwohner Kanadas gefreut, doch dafür blieb meiner Meinung nach der Krimi etwas auf der Strecke. Von daher als reiner Kriminalfall wäre er mir fast zu wenig gewesen. Besonders was die Spannung anbelangt, die erst so richtig im letzten Drittel aufkommt. Außerdem kam mir dann das Ende viel zu schnell und etwas zu unrealistisch daher. Selbst wenn es dort noch spannend wurde, waren einige Aktionen der Ermittler nicht richtig durchdacht. Außerdem blieben mir am Ende noch einige Fragen offen und gerne hätte ich mehr über Jeanettes Verbleib vor dem Mord erfahren. Deshalb gibt es von mir gute 3 1/2 von 5 Sterne.

  1. Highway of Tears

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Apr 2021 

    Inhalt:

    In Montreal wird die Leiche einer jungen Indianerin angespült. Es handelt sich um die 15jährige Jeanette Maskisin, die vor kurzem aus einem Cree-Reservat aus dem Norden Québecs in die Stadt kam. Eigentlich werden solche Fälle eher nachlässig gehandhabt, aber in letzter Zeit wurden mehrere Frauenleichen mit den gleichen Tötungsmerkmalen aufgefunden und die indianischen Verbände und auch die Presse üben Druck auf die Ermittlungsbehörden aus und wollen rasche Ergebnisse. So bekommt der desillusionierte und in einer Lebenskrise steckende Jean-Baptiste LeRoux, ein Sergeant der Sûreté du Québec einen Profiler der englischsprachigen Royal Canadian Mountain Police (RCMP), Ted Garner, zur Seite gestellt. Die Gegensätze zwischen den beiden könnten nicht größer sein. Hier der korrekte, fast pedantische Garner, auf der anderen Seite LeRoux, dessen private Probleme so großen Raum einnehmen, dass er für seine polizeiliche Arbeit kaum Energie aufbringen kann. Die Ressentiments zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen Kanadas scheinen größer zu sein, als ich vermutet habe und LeRoux und Garner treffen mit den größten Vorurteilen aufeinander. „Froschfresser“ gegen „Hinterwäldler“. Beiden gemeinsam sind allerdings die Vorbehalte gegenüber der indigenen Bevölkerung, in ihren Augen alles minderwertige und alkohol- oder drogenabhängige Nichtsnutze, die auf Kosten der kanadischen Steuerzahler leben. Natürlich stoßen die beiden Ermittler auf eine Mauer des Schweigens, das Misstrauen gegenüber den Behörden ist groß. Jeanettes Cousin Leon lebt noch im Reservat und versucht, die alten Traditionen und Lebensweisen der Cree-Indianer aufrechtzuerhalten und sein eigenes Leben danach auszurichten. Ihn erreichte vor einiger Zeit ein Hilferuf Jeanettes und nun fühlt er sich schuldig. Deshalb bricht er Richtung Montreal auf, um ihren Mörder auf eigene Faust zu finden.

    Meine Meinung:

    Die Autorin lebte für einige Zeit in einem Reservat der Cree-Indianer und lernte so die teils katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen kennen, unter den die Menschen dort leben. Auch das Verschwinden junger Frauen meist indianischer Herkunft entlang des Transcanda Highways ist leider traurige Realität.

    Zu Beginn war ich wirklich sehr angetan von dieser Geschichte. Die gegensätzlichen Ermittler und das Thema des alltäglichen Rassismus gegenüber der First-Nation-Bevölkerung versprachen eine spannende Lektüre. Auch der gehobene Schreibstil ist sehr ansprechend. Der Anfang ist vielleicht aufgrund der ausführlichen Charakterbeschreibungen wenig „krimiartig“, aber gerade das hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mit der Figur des Sergeant LeRoux wenig anfangen konnte. Ungefähr ab der Mitte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf und es wird richtig spannend. Allerdings kommt es hier zu einigen seltsamen Zufällen und Konstruktionen, die mich nicht überzeugen konnten. Die Handlungsweisen einzelner Figuren sind wenig nachvollziehbar und, für mich, auch stellenweise unglaubwürdig. Die Hintergründe der Mordtat sind erschreckend, aber durchaus schlüssig, doch es gibt einige merkwürdige Nebenschauplätze, die aus dem Nichts auftauchen und wohl als Ablenkungsmanöver dienen sollen. Vielleicht stehe ich mir hier als Leser selbst im Weg, dass ich solche Begebenheiten zu sehr hinterfrage und mich dann leider auch an Kleinigkeiten aufhänge, aber mir hat es den ersten guten Eindruck leider ziemlich geschmälert. Es ist ohne Frage ein gutes Buch mit einem wichtigen Thema, nur die Auflösung und das Ende hätte ich mir etwas durchdachter und differenzierter gewünscht. Deshalb kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben, die ich auf 4 Sterne aufrunde.

    In Montreal wird die Leiche einer jungen Indianerin angespült. Es handelt sich um die 15jährige Jeanette Maskisin, die vor kurzem aus einem Cree-Reservat aus dem Norden Québecs in die Stadt kam. Eigentlich werden solche Fälle eher nachlässig gehandhabt, aber in letzter Zeit wurden mehrere Frauenleichen mit den gleichen Tötungsmerkmalen aufgefunden und die indianischen Verbände und auch die Presse üben Druck auf die Ermittlungsbehörden aus und wollen rasche Ergebnisse. So bekommt der desillusionierte und in einer Lebenskrise steckende Jean-Baptiste LeRoux, ein Sergeant der Sûreté du Québec einen Profiler der englischsprachigen Royal Canadian Mountain Police (RCMP), Ted Garner, zur Seite gestellt. Die Gegensätze zwischen den beiden könnten nicht größer sein. Hier der korrekte, fast pedantische Garner, auf der anderen Seite LeRoux, dessen private Probleme so großen Raum einnehmen, dass er für seine polizeiliche Arbeit kaum Energie aufbringen kann. Die Ressentiments zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen Kanadas scheinen größer zu sein, als ich vermutet habe und LeRoux und Garner treffen mit den größten Vorurteilen aufeinander. „Froschfresser“ gegen „Hinterwäldler“. Beiden gemeinsam sind allerdings die Vorbehalte gegenüber der indigenen Bevölkerung, in ihren Augen alles minderwertige und alkohol- oder drogenabhängige Nichtsnutze, die auf Kosten der kanadischen Steuerzahler leben. Natürlich stoßen die beiden Ermittler auf einer Mauer des Schweigens, das Mißtrauen gegenüber der Behörden ist groß. Jeanettes Cousin Leon lebt noch im Reservat und versucht, die alten Traditionen und Lebensweisen der Cree-Indianer aufrechtzuerhalten und sein eigenes Leben danach auszurichten. Ihn erreichte vor einiger Zeit ein Hilferuf Jeanettes und nun fühlt er sich schuldig. Deshalb bricht er Richtung Montreal auf, um ihren Mörder auf eigene Faust zu finden.

    Die Autorin lebte für einige Zeit in einem Reservat der Cree-Indianer und lernte so die teils katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen kennen, unter den die Menschen dort leben. Auch das Verschwinden junger Frauen meist indianischer Herkunft entlang des Transcanda Highways ist leider traurige Realität.

    Zu Beginn war ich wirklich sehr angetan von dieser Geschichte. Die gegensätzlichen Ermittler und das Thema des alltäglichen Rassimus gegenüber der First-Nation-Bevölkerung versprachen eine spannende Lektüre. Auch der gehobene Schreibstil ist sehr ansprechend. Der Anfang ist vielleicht aufgrund der ausführlichen Charakterbeschreibungen wenig „krimiartig“, aber gerade das hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mit der Figur des Sergeant LeRoux wenig anfangen konnte. Ungefähr ab der Mitte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf und es wird richtig spannend. Allerdings kommt es hier zu einigen seltsamen Zufällen und Konstruktionen, die mich nicht überzeugen konnten. Die Handlungsweisen einzelner Figuren sind wenig nachvollziehbar und, für mich, auch stellenweise unglaubwürdig. Die Hintergründe der Mordtat sind erschreckend, aber durchaus schlüssig, doch es gibt einige merkwürdige Nebenschauplätze, die aus dem Nichts auftauchen und wohl als Ablenkungsmanöver dienen sollen. Vielleicht stehe ich mir hier als Leser selbst im Weg, dass ich solche Begebenheiten zu sehr hinterfrage und mich dann leider auch an Kleinigkeiten aufhänge, aber mir hat es den ersten guten Eindruck leider ziemlich geschmälert. Es ist ohne Frage ein gutes Buch mit einem wichtigen Thema, nur die Auflösung und das Ende hätte ich mir etwas durchdachter und differenzierter gewünscht. Deshalb kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben, die ich auf 4 Sterne aufrunde.

  1. "Highway of tears"

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Apr 2021 

    "Highway of tears" nennt man den über 700 km langen Abschnitt des Highway 16 in Kanada, der von der Stadt Prince George westwärts bis zur Küste führt. Auf diesem Straßenabschnitt wurde seit 1970 eine große Anzahl Frauen ermordet, die meisten indigene Frauen. Viele weitere verschwanden und tauchten nie wieder auf. "Frostmond" von Frauke Buchholz widmet sich einem solchen (hier erfundenen, aber für die Serie typischen) Verbrechen. Das Opfer, die 15jährige Jeannette Maskisin, stammt aus der abgelegenen Cree-Siedlung Niskawini. Das Leben hier ist einförmig und bietet wenig Perspektiven für eine indigene Schülerin: viele Eltern sind arbeitslos, Alkohol und häusliche Gewalt spielen eine große Rolle, eine verschwundene Indianerin interessiert kaum jemanden. Jeanette wollte unbedingt dort weg – und wird in der Großstadt Montreal im St- Lawrence-River angespült: schwanger von einem Unbekannten, gefoltert, missbraucht und ermordet. Der zuständige Ermittler Jean Baptiste LeRoux und der Profiler Ted Garner, aus Regina in Saskatchewan gekommen, sollen gemeinsam den Täter finden.

    Die Ermittlung steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Ted Garner ist, da aus dem englischsprechenden Teil Kanadas stammend, im frankophonen Quebec nicht recht willkommen. LeRoux fühlt sich von seinem Job angeödet, hat Eheprobleme und trinkt. Der intellektuelle Anzugträger Garner geht ihm auf die Nerven. Gemeinsam überführen die beiden den Sarg der Toten in ihre Heimatgemeinde, um sich dort umzuhören, aber niemand will ihnen richtig helfen. Neue Impulse gibt es erst, als eine zweite Leiche auftaucht.

    Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von LeRoux und Garner. Mit Leon, dem Cousin der ermordeten Jeanette, kommt eine dritte, ganz andere Stimme ins Spiel: Leon hat sich entschieden, nach der traditionellen Weise seines Volkes zu leben, und will den Mörder auf eigene Faust finden, da er - mit einiger Berechtigung - den Behörden nicht traut.

    Der Autorin war es ein Anliegen, die alarmierend miserable Situation der indigenen Menschen in Quebec authentisch darzustellen. Dafür hat sie eingehend recherchiert und auch eine Weile in einer Cree-Siedlung gelebt. Dass sie sich auskennt, wird auf jeder Seite des Romans deutlich. Die für uns ungewöhnlichen Schauplätze, eine nächtliche Fahrt auf dem einsamen Highway bei Schnee, der Besuch des abgelegenen Dorfes Niskawini, die Lebensverhältnisse der Indianer werden ebenso authentisch geschildert wie die Gemütslage der beiden Ermittler, die heftige Vorurteile gegen "Indsmen" und ihre Lebensweise haben. Eine kluge Entscheidung war es jedenfalls, mit dem eigenwilligen und in jeder Hinsicht starken Cousin auch einem Angehörigen dieser Gruppe eine Erzählstimme zu geben. Was fehlt, ist die Stimme einer Frau, da es sich bei der Mordserie um Femizide handelt – aber andererseits ist die konsequent männliche Perspektive vermutlich ein getreues Abbild dieses Milieus, in dem sich Frauen kaum behaupten können.

    Das Buch bietet eine spannende Handlung, viel Lokalkolorit und einen Blick in eine für uns völlig fremde Welt; in Leons Erzählstrang erfahren wir auch einiges über die Traditionen und Mythen der Ureinwohner. Ein wenig nervig (nur meine Meinung) sind manchmal die Perspektiven der beiden Ermittler, die sämtliche typischen "Männerprobleme" zu haben scheinen, die man haben kann. Im sehr actionreichen Finale müssen sie dafür auch ein paar Federn lassen, aber der Fall – dieser eine von vielen – wird gelöst. Einige unbedeutende Fragen bleiben offen, so dass sich die Leserin auf eine Fortsetzung freuen kann.

    Fazit: Ein spannender Krimi, der einige wichtige, bei uns kaum bekannte Verwerfungen in der Bevölkerung Kanadas zum Thema hat. Leseempfehlung!

  1. Highway Morde

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Apr 2021 

    Immer wieder werden entlang des Transcanada Highways ermordete junge Frauen gefunden, überwiegend Indigene, keines dieser Verbrechen wurde aufgeklärt. Es scheint keine große Priorität bei den Ermittlungsbehörden zu haben. Als ein junges Mädchen tot gefunden wird, schaltet sich die Presse ein und auf diesen Druck hin, werden provinzübergreifende Ermittlungen angestellt. Ted Garner, ein kühler, analytischer Beamter aus dem englischsprachigen Teil Kanadas und Jean Baptiste Leroux, emotional und moralisch ungefestigt, werden zum Team wider Willen.

    Sie können die Identität des jungen Mädchens klären, stoßen aber im Reservat auf Misstrauen und Ablehnung. Wer kann es den Stammesangehörigen verdenken, haben sie doch immer unter Vorurteilen und Rassismus zu leiden.

    Leon, der Cousin der toten Jeanette, macht sich auf eigene Faust nach Montreal auf, um die Mörder seiner Verwandten zu finden.

    Ein spannender und vielschichtiger Kriminalroman. Ich habe mit großem Interesse die kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe verfolgt, die die Autorin kenntnisreich in den Fall einbettet. Man merkt, dass sie vieles aus eigener Anschauung kennt. Vor allem die Trostlosigkeit, die Armut und der verbreitete Alkoholismus in den Reservaten, eine Folge der fortdauernden Unterdrückung und Entwurzelung der Stämme der First Nations, schildert die Autorin realistisch und engagiert.

    Das Ermittlergespann konnte mich allerdings nicht überzeugen, besonders LeRoux, der sich in der Szene der Stripclubs und Bordelle eher vergnügt, als ermittelt, blieb mir zu plakativ. Die Sprache ist bildreich und der Ton der beiden Ermittler mitunter derb, das fand ich durchaus stimmig. Besonders im letzten Drittel, wenn Leon seinen Rachefeldzug führt, wird Action und Tempo noch einmal gesteigert.

    Über das Leben der indigenen Völker im heutigen Kanada, ihrer fortwährenden Diskriminierung und Ausgrenzung, habe in diesem informativen Krimi sehr viel erfahren.

  1. Kanadas verschwundene und ermordete Frauen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Apr 2021 

    n den letzten 30 Jahren sind mehr als 1.200 indigene Frauen verschwunden oder ermordet worden, wobei die Dunkelziffer sehr wahrscheinlich viel höher liegt. Von einigen dieser Verbrechen handelt das Buch Frostmond, in dem gleich zu Beginn in Montreal die Leiche einer 15jährigen Indianerin gefunden wird. Aufgrund der vielen ungelösten Morde gibt es großen Druck auch von Seiten der Presse, sodass der Profiler Garner aus dem 6.000 km entfernten Regina hinzugezogen wird. Gemeinsam mit der ortsansässigen Polizei machen sie sich auf die Suche, die sich nicht nur wegen der mangelnden Bereitschaft zur Zusammenarbeit der Indigenen schwierig gestaltet, sondern auch aufgrund der sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden verantwortlichen Ermittler.
    Die Untersuchung des Mordfalles entwickelt sich allmählich, ca. bis zur Hälfte liegt der Schwerpunkt eher bei der Beschreibung der beiden Polizisten sowie den Lebensverhältnissen im Reservat, aus dem das ermordete Mädchen stammt. Garner wie auch sein aus Montreal stammender Partner LeRoux erzählen abwechselnd von ihren Nachforschungen wie auch von ihrem Privatleben, wobei bei LeRoux fast die Privataktivitäten überwiegen, mit denen er seinen Frust über die Arbeit vergeblich zu vergessen sucht. Als dritte Stimme kommt ein Cousin und guter Freund der Toten hinzu, Leon, der als Cree und Ich-Erzähler seine Sicht der Dinge schildert.
    Die Autorin beschreibt in ihrem Erstling die Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse der indigenen EinwohnerInnen sowie das Verhältnis zum Rest der Bevölkerung überzeugend und glaubwürdig. Es ist nicht verwunderlich, wenn die Indigenen kein Vertrauen zur Polizei haben, die offensichtlich geprägt ist von Vorurteilen und Rassismus. Etwas weniger überzeugend wirkten die Figuren der beiden Ermittler auf mich, wobei insbesondere LeRoux mehrfach Kopfschütteln bei mir auslöste, aber die gute Geschichte ließ mich leicht darüber hinwegsehen.
    Doch leider gerät das letzte Viertel des Buches für meinen Geschmack zu sehr in den Bereich der Phantasie. Die beiden Polizisten werden zum Superhelden bzw. zur tragischen Gestalt und wenn schon nicht das Recht siegt, dann zumindest die Gerechtigkeit – was nicht unbedingt das Schlechteste ist ;-) Auf jeden Fall bietet es so schon fast zwangsläufig den Raum für eine Fortsetzung – mit einem vielleicht (oder hoffentlich?) etwas glaubwürdigerem Ende.

  1. Mord an indigenen Frauen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Apr 2021 

    Kanada hat das Image eines freien Landes. Doch für die ursprünglichen Bewohner ist es keineswegs ein Traumland. Aus ihrem früheren Lebensraum vertrieben, wohnen heute viele in entlegenen Reservaten. Der Alltag dort ist trostlos. Die meisten leben in bitterer Armut, bedingt durch die extrem hohe Arbeitslosigkeit. Alkohol und Drogenkonsum gewähren eine gefährliche Fluchtmöglichkeit aus der bitteren Realität. Mit der Hoffnung auf eine Perspektive zieht es vor allem Jugendliche in die Großstädte . Doch der Traum von einem besseren Leben erweist sich oft als Illusion. Viele enden auf der Straße oder in der Prostitution.
    Der Highway 16, der sich quer durch Kanadas Westen erstreckt, von den Reservaten in die Städte, hat es zu einer traurigen Berühmtheit gebracht. „ Highway of Tears“ wird er genannt. Seit Jahren verschwinden immer wieder indigene Frauen; die Fälle werden fast nie aufgeklärt.
    Vor diesem Hintergrund entwirft Frauke Buchholz ihren Kriminalroman „ Frostmond“. Die Autorin kennt sich aus. Sie hat über zeitgenössische indigene Literatur promoviert und längere Zeit in Kanada verbracht. Dabei hat sie verschiedene Reservate besucht und in einem Cree- Reservat gelebt.
    Mitte Oktober wird am Urban Beach in Montreal die Leiche einer jungen Frau angeschwemmt. Wie sich bald herausstellen sollte, handelt es sich dabei um die 15jährige Jeanette Maskisin, eine Cree aus dem Reservat Niskawini. Der Körper des Mädchens weist Misshandlungen auf, die ihr vor ihrer Ermordung zugefügt wurden. Außerdem war sie schwanger.
    Da in den letzten Jahren vermehrt junge Frauen indigener Herkunft tot aufgefunden wurden, vermutet die Polizei einen Serienmörder. Deshalb wird der Polizeipsychologe Ted Garner, einer der besten Profiler, hinzugezogen. Er soll gemeinsam mit dem Sergeant Jean-Baptiste LeRoux die Ermittlungen aufnehmen. Die beiden ungleichen Männer sind sich von Beginn an unsympathisch. Der Anglo- Kanadier Garner blickt verächtlich auf den „ Froschfresser“ LeRoux herab. Der wiederum hält wenig von dem arrogant wirkenden Garner. Aber beide eint ihre Vorurteile gegenüber der indigenen Bevölkerung.
    Die ersten Befragungen führen ins First Nation Reunion Center, der ersten Anlaufstelle für Indianer in Montreal. Aber hier ist man wenig kooperativ. Zu groß ist das Misstrauen gegenüber der örtlichen Polizei, zu schlecht die gemachten Erfahrungen.
    So fliegen Garner und LeRoux für zwei Tage ins weit entfernte Niskawini- Reservat. Hier lebt die Familie der jungen Toten, hier ging sie zur Schule. Doch auch hier erhalten die Polizisten wenig brauchbare Informationen. Da holt sie die Nachricht von einer weiteren Frauenleiche nach Montreal zurück.
    Gleichzeitig macht sich Leon Maskisin, ein Cousin von Jeanette und ihr letzter Vertrauter, auf den Weg in die Stadt, um den Mörder zu finden und den Tod seiner Cousine zu rächen.
    Frauke Buchholz erzählt ihre Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven, der, der beiden Ermittler, die dritte Stimme gehört dem jungen Cree Leon. Das gibt der Erzählung einen zusätzlichen Reiz. Hier zwei Vertreter des Weißen Kanada - des französisch sprechenden und des englisch- sprechenden Teils - stehen einem Vertreter der Native Nation gegenüber. Vorurteile herrschen auf allen Seiten. Ressentiments zwischen den Weißen, Verachtung zwischen Weißen und Indianern, auf beiden Seiten.
    Die Autorin lässt sich am Anfang Zeit, das Umfeld und die Hintergründe ihrer Figuren darzustellen. Auf der einen Seite steht der völlig ausgebrannte Sergeant LeRoux, der seinen Frust mit zu viel Alkohol zu betäuben versucht. Seine Ehe ist wegen seinen ständigen Affären am Ende, in seiner Arbeit kann er keinen Sinn mehr entdecken. Ihm gegenüber steht der unterkühlte und überhebliche Garner, der engagiert die Ermittlungen vorantreibt. Sympathien wecken beide nicht beim Leser, wobei man Garner aber eine gewisse Entwicklung zugestehen muss.
    Leon verkörpert einen selbstbewussten Indianer. Er hält sich fern vom Leben der Weißen, kennt die Wurzeln seiner Kultur und versucht, das traditionelle Leben seiner Vorfahren zu führen.
    Besonders interessant für mich waren die Textpassagen, in denen die Autorin das Leben der Indigenen beschreibt. Auch das Schicksal des jungen Mädchens hat mich berührt. Dazwischen finden sich immer wieder poetische Beschreibungen der kanadischen Wildnis.
    Im zweiten Drittel des Romans gewinnt die Krimihandlung an Fahrt und wartet mit einem spektakulären Finale auf. Das liest sich ungeheuer spannend und so verzeihe ich auch manch unglaubliche Wendung und manches klischeehafte Verhalten.
    „ Frostmond“ ist ein packender und gut lesbarer Roman, bei dem man gleichzeitig einiges über die dunklen Flecken Kanadas erfährt. Das positive Bild des Landes bekommt dabei leider einige Risse.

  1. Große Schlange

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Apr 2021 

    In Kanada verschwinden seit längerem junge Frauen indigener Herkunft. In den Fällen wird meist nicht intensiv ermittelt. Als jedoch die erst 15jährige Jeanette in Montreal tot aufgefunden wird und die Presse berichtet, wird zunächst der örtliche Ermittler Jean-Baptiste LeRoux mit dem Fall befasst. Ihm wird der englischsprachige Ted Garner an die Seite gestellt. Sie schaffen es, die Tote zu identifizieren und sie machen sich auf den Weg in das heimatliche Reservat des Mädchens, um dort mehr über die Tote zu erfahren. Dies jedoch erweist sich als schwierig, da die Bewohner nicht geneigt sind mit den Weißen zusammenzuarbeiten.

    Der schlecht gelaunte, zwar verheiratete, aber fremden Frauen nicht abgeneigte LeRoux mit seinem Bauchgefühl und der kühle, kopfgesteuerte Garner bilden ein ungleiches Paar, dass nur widerwillig zusammenarbeitet. Und doch ergänzen sie sich mit ihren unterschiedlichen Ansätzen. In Anbetracht dessen wie wenig sich die Weißen für das Leben der Indigenen interessieren, ist es kein Wunder, dass sich die Ermittlungen schwierig gestalten. Die beiden Beamten treffen auf Schweigen. Dennoch rühren sie etwas auf, denn der Cousin des Opfers beginnt sich an die Zeit mit Jeanette zu erinnern, die wie eine kleine Schwester für ihn war. Er hätte ihr helfen müssen.

    In einen spannenden Kriminalfall eingebettet schildert die Autorin, wie die Menschen indigener Herkunft in Kanada ihr Leben fristen. Zwar gibt es die wenigen Ausnahmen derer, die die Gratwanderung zwischen zwei Welten schaffen, doch die Mehrzahl derer, die indianischen Stämmen angehören erscheinen von der gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt. Und das bei einem Land, das doch sehr fortschrittlich wirkt. Eine überraschende Erkenntnis, die betrübt. Darüber hilft zwar der witzige und teilweise bissige Tonfall des Romans hinweg und auch die packende Handlung überzeugt, aber das Grundthema bleibt und arbeitet in einem. Sollten die Ureinwohner nicht wenigstens genauso geschätzt werden wie die Einwanderer, wenn nicht mehr? Ein nachdenklich stimmender Roman, der sich als informativ und lesenswert erweist.

    4,5 Sterne

  1. Die Zerstörung der kanadischen Romantik

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Apr 2021 

    "Seit Jahren verschwinden junge Frauen indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways. Für die Polizei scheinen diese Verbrechen keine Priorität zu haben."

    Der Autorin war es ein Anliegen, die reelle Problematik mit den Natives, in diesem Fall dem Volk der Cree-Indianer, in ihrem Krimi aufzuarbeiten, vor der Kulisse des, in anglo- und franko-kanadische Gebiete, geteilten Kanadas. Stellvertretend für diese Spaltung stehen die Ermittler G.B. LeRoux und Ted Garner, die zusammen den Mord an der 15-jährigen Jeanette Maskisin aufklären sollen. Sie wurde nahe der Millionenstadt Montreal im Fluss aufgefunden, mit fehlenden Augen, zahlreichen Malen von Misshandlungen und außerdem schwanger.
    Die Untersuchungen zum Fall erweisen sich als schwierig. Unterstützung aus den Reihen der First-Nations-Familien ist nicht zu erwarten, das Misstrauen ist zu groß, aber auch die Zusammenarbeit von LeRoux und Garner hat ein paar Hürden zu überwinden. LeRouxs Verachtung gegenüber den Indigenen, sein Alkoholkonsum und seine Vorliebe für käuflichen Sex kollidiert mit Garners Feingeist für Literatur und der unverhohlenen Aufwartung zu LeRouxs Frau.
    Lichtblick und Hoffnung auf Rache für den Mord bietet da der Cousin des Opfers, der sich für eine traditionelle Lebensweise entschieden hat und mit "indianischen" Fähigkeiten zum Ziel kommt.
    Alle Männer vereint die Gefahr, in der sie schweben, wenn sie sich in Sachen des mafiösen Gewerbes einmischen und zudem auch noch schwere posttraumatische Belastungsstörungen ihr eigenes Unheil verbreiten.
    Ein spannender Krimi, der nach einer Fortsetzung verlangt, dessen Frauenquote (außer unter den Opfern) durchaus noch aufgestockt werden darf. Der Ausflug in die kanadischen Weiten und ein kurzer Einblick in das Leben der Ureinwohner allerdings entschädigen für ein, zwei strapazierte Klichees.

  1. Indigene und Einwanderer, Vorurteile und Morde im Frostmond

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Mär 2021 

    Diesen Thriller habe ich vor längerer Zeit gelesen. Und er hat mir gefallen. Sehr gefallen sogar! Und das aus verschiedenen Gründen.

    Zum einen wegen der Spannung, die hier wunderbar erzeugt wird und der Schreibkunst der Autorin Frauke Buchholz, die dieses Buch zu einer wunderbaren Unterhaltung macht.

    Zum anderen wegen dem Personal, Sergeant Jean-Baptiste LeRoux, der zuständige Polizist in Montreal, ein dem Leben und den Frauen zugeneigter Mann, (Klischee, ich hör dich rufen :) ) und der wegen wegen der Brisanz des Falles zugeteilte knallharte Profiler Ted Garner aus Alberta. Beide erfüllen Klischees, gerade deswegen dachte ich am Anfang, wo bin ich denn hier hingeraten, doch nach und nach pellen bestimmte Krusten beider Männer ab und eine gewisse Veränderung beider Charaktere beginnt und ebenso werden die Protagonisten etwas sympathischer. Doch es gibt nicht nur diese beiden Ermittler. Ein Indigener wird in einem anderen Handlungsstrang auch auf die Suche geschickt! Dies ist wirklich gut gemacht von Frauke Buchholz, wie ich finde.

    Zum anderen interessiert mich natürlich das Thema. Dieses Interesse an den eigentlichen Einwohnern dieses riesigen Kontinents begleitet mich schon viele Jahre. Indigene werden öfters Opfer von kriminellen Delikten in Kanada und auch in den USA. Dies hat verschiedene Ursachen, die hier in diesem Krimi perfekt beleuchtet werden. Natürlich ist dies etwas, was mich bewegt! Haben die Indigenen dieses Kontinents in den vergangenen Jahrhunderten doch schon genug gelitten! Doch das Leiden hört nicht auf, es findet nur andere Wege. Wege, die nur über Information und auch einen gewissen Schutz unpassierbar gemacht werden können!

    Dabei ist Frauke Buchholz eine Autorin, die sich mit diesem Thema gut auskennt. Hat sie doch unter Indigenen gelebt und sich mit Ihnen intensiv befasst, was man auf ihrer Webseite gut nachlesen kann.

    Ein Kriminalfall, der wahre Wurzeln hat, der mich anspricht und von dessen Ermittlern ich sehr gern gelesen habe! Ebenso wie ich sehr hoffe ihnen wieder zu begegnen!!!