Frau im Dunkeln: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Frau im Dunkeln: Roman' von Elena Ferrante
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Frau im Dunkeln: Roman"

Gebundenes Buch
Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen - an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter ...

Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:188
EAN:9783518428702

Rezensionen zu "Frau im Dunkeln: Roman"

  1. Goldene Himbeere ganz klar

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 08. Feb 2020 

    Mein Fazit vorab: Das Geld sollte man sich wirklich sparen. Ich bin eigentlich grosser Ferrante Fan, finde sowohl die Themen als auch den Schreibstil fein, tiefgründig, lesenswert, immer... Bis jetzt!
    Das vorliegende Werk, puh... Das Cover und das Papier sind gewohnt schön, es gibt ein Lesebändchen, gut, die Sprache ist Ferrantegemäß schön flüssig zu lesen... That's aber auch all.
    Dass eine fast fünfzigjährige Professorin , die alleinstehend in den Strandurlaub reist um zu arbeiten/auszuspannen/raus zu sein und es stattdessen nötig hat, selbstgefällig über andere anwesende Strandgäste zu urteilen und einer Vierjährigen ihre heißgeliebte Puppe zu stehlen und sich daran ergötzt, ekelhaft. Mit ebensolcher Leichtigkeit und Selbstgefälligkeit erzählt sie in ihrer Geschichte, dass sie ihre Kinder früher für ganze drei Jahre wortlos verließ, einfach so, aus purer Eigenliebe und weil sie sich doch lieber noch ein bisschen mehr entwickeln wollte und überhaupt ihren Mann sowieso ja nicht mehr so liebt... Sorry dafür fehlt mir leider vollkommen das Verständnis. Es gab ersichtlich in ihrer Reflexion weder Leidensdruck, noch Depression, die eine Begründung ansatzweise hätten nachvollziehbar machen können. Keine Geldsorgen, keine eheliche Gewalt, die man als Ursache ihres Verhalten hätte erkennen können, nö nur Eigenliebe. Was will die Schriftstellerin denn damit ausdrücken, bitte? Dass es vollständig gleichgültig ist, Verantwortung zu haben für kleine Menschen, dass man auch eine Ehe, alles einfach aus einer blossen Laune der Eigenliebe heraus einfach so hinter sich lassen kann, ohne Gewissenbisse, vollkommen frei... Nicht genug dessen, erhebt sich die Protagonistin dann auch noch über andere und verurteilt naserümpfend deren Verhalten (am Strand, in ihrem Leben, in deren Ehe, im Umgang mit ihren Kindern), wozu ihr in meinen Augen jedes "Recht" dazu abhanden gekommen ist. Dessen nicht genug, legt sie in der Geschichte fortwährend auch noch ihr Unverständnis über ihre schlechte Beziehung zu ihren Töchtern dar. Ernsthaft?!

    Verstörend auch die Tatsache, dem kleinen Mädchen am Strand ihre Puppe zu stehlen und dies zu verschweigen und sich dann über die entsetzte Reaktion der Mutter, beim Mitteilen dieser Tatsache, auch noch zu wundern... Wo soll ich weiter machen, furchtbar! Ganz klar: KEINE Leseempfehlung, die Sterne sind lediglich der sprachlichen Gewandtheit der Autorin geschuldet und meinem Wissen, dass sie es besser kann!

  1. Die gute Mutter

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Feb 2019 

    Leda ist bald fünfzig. Schon lange geschieden, die beiden erwachsenen Töchter sind nach Kanada zu ihrem Vater gezogen, mietet die Professorin für Anglistik an der Universität Florenz für den Sommer eine Wohnung am Meer. Am Strand trifft sie auf eine Großfamilie, deren Verhalten, laut, ruppig, ordinär, sie an ihre eigene Kindheit und Jugend in Neapel erinnert. Einzig die junge Mutter Nina mit ihrer kleinen Tochter Elena sticht aus dieser Gruppe angenehm hervor. Leda beginnt, Resümee zu ziehen über ihr Leben, ihre Töchter, ihre Rolle als Mutter und Frau.

    Frau im Dunkeln ist ein schmaler Band, Jahre vor der Neapolitanischen Saga geschrieben. Viele Elemente die Elena Ferrante in ihrem epischen Werk verwendet hat, tauchen schon hier bei diesem Roman auf. Ein bisschen erscheint mir die Autorin wie eine italienische Lily Brett, die immer wieder die gleiche Geschichte in diversen Varianten erzählen möchte. Hier ist es die Endvierzigerin Leda, eine beruflich erfolgreiche Frau, selbständig, gebildet, intellektuell, die im Mittelpunkt der Handlung steht. Die Begegnungen, die sie in ihrem Urlaub macht, lassen sie über ihr Leben nachdenken. Leda wollte mehr sein in ihrem Leben als nur Mutter und Ehefrau eines erfolgreichen Mannes. Sie will raus dem Schatten ihres Mannes, hat ein enormes Bedürfnis frei zu sein, nach „Kreativität, Lob, Anerkennung, eigenem Geld“.

    „Körperliche Müdigkeit ist wie ein Vergrößerungsglas. Ich war zu müde, um zu arbeiten, zu denken, zu lachen, zu weinen, diesen Mann zu lieben, der zu intelligent war, zu verbissen damit beschäftigt, seine Wette mit dem Leben zu gewinnen, zu abwesend. Liebe erfordert Energie, und die hatte ich nicht mehr. Wenn er zärtlich wurde und mich küsste, wurde ich nervös, ich fühlte mich missbraucht, als ein Anreiz für seine im Grunde einsamen Gelüste.“
    Elena Ferrante kratzt hier an einem fast verbotenen Thema, in dem sie die absolute Mutterliebe in Frage stellt. Leda geht sehr hart mit sich selbst zu Gericht. Es ist eine ehrliche und offene Innenschau. Mutterliebe ist kein Naturgesetz, man wagt es nur oft nicht daran zu rütteln.