Fräulein Gold: Scheunenkinder

Buchseite und Rezensionen zu 'Fräulein Gold: Scheunenkinder' von Anne Stern
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Fräulein Gold: Scheunenkinder"

1923: Die Berliner Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel nach Mitte gerufen. Obwohl die jüdische Familie dort nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln lebt, gewinnt Hulda das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche nach ihm verstrickt. Wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verlorengehen? Je hartnäckiger Hulda den Spuren folgt, desto stärker stößt sie auf Widerstand, denn die Bewohner des Viertels haben ihre gut gehüteten Geheimnisse. Bald zeigt sich, dass die Berliner Polizei zur gleichen Zeit nach Kinderhändlern fahndet, und Hulda ahnt einen Zusammenhang. Kann Kommissar Karl North ihr helfen, das Neugeborene zu finden? Doch dann entlädt sich im Scheunenviertel der Judenhass in einem Pogrom, und Hulda selbst gerät in höchste Gefahr.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:448
EAN:9783499004292

Rezensionen zu "Fräulein Gold: Scheunenkinder"

  1. Hebamme der Herzen im Einsatz...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Band der Hulda- Gold- Reihe. Meines Erachtens kann man den Roman auch lesen ohne "Fräulein Gold: Schatten und Licht" zu kennen, allerdings würde einem dann richtig was entgehen.

    Wir schreiben ein neues Jahr und Hulda hat auf Empfehlung ihres Vaters einen Einsatz im jüdischen Scheunenviertel. Die Schwiegerfamilie der jungen Frau, bei der sie entbindet, scheint nicht gut auf die Schwiegertochter zu sprechen zu sein. Als dann auch noch ein mysteriöser Rabbi auftaucht und das Neugeborene verschwindet, sind Huldas Detektivantennen auf Empfang. Wo ist der Kleine abgeblieben? Ist das Baby Opfer eines Verbrechens geworden?

    Der interessierte Leser wandelt im Berlin 1923. Der Autorin ist es hier vor allem ungemein gut gelungen die Düsternis, die Armut und die Not der Menschen darzustellen. Fast hat man das Gefühl beim Lesen die Enge und die lästigen Gerüche des Armenviertels am eigenen Leib zu spüren. Beim Scheunenviertel merkt man richtig was für ein Mix aus Kulturen dort lebt und dass das Zusammenleben dort nicht immer einfach ist.

    Zudem mochte ich sehr, dass auch das Thema Hebamme und wie eine Entbindung abläuft beleuchtet werden. Man denkt immer das ist die natürlichste Sache der Welt, aber so einfach ist es dann eben doch nicht.

    Hulda ist auch in diesem Band wieder ein fürsorglicher Mensch, der verzichtet um anderen zu helfen. Man muss sie einfach gern haben.

    Kommissar Karl North bleibt auch hier ein Mysterium und wirklich einschätzen kann ich ihn nach wie vor nicht. Die intensivere Anbändelung mit Hulda hat mir gut gefallen, da er sich nun langsam öffnet.

    Ich mochte die Apothekerin Jette Langhans gern, die ein offenes Ohr hat und Hulda unterstützt. Solch eine Freundin kann denke ich jeder gebrauchen.

    Etwas schade fand ich, dass es keinen wirklichen Kriminalfall gibt. Klar nimmt Hulda die Verfolgung auf, aber im Fokus steht der Fall der verschwundenen Kinder nicht. Die Auflösung dazu fand ich persönlich zu einfach.

    Wenn auch etwas schwächer als der Einstiegsband, so kann ich doch sagen, dass auch dieser Teil ein wahrer Pageturner ist und man von Berlin und der Zeit nicht genug bekommen kann. Und man lernt auch wieder etwas dazu, denn mir war bis dato nicht bekannt, dass es bereits in den 20ern Progrome gab. Die Anfeindungen gegen die jüdischen Mitbürger wurden sehr anschaulich dargestellt.

    Fazit: Für Hulda- und Berlin- Fans ein Muss, alle anderen sollten es einfach mal wagen und sich überraschen lassen. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus.

  1. tolle Fortsetzung!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Okt 2020 

    Durch die Vermittlung ihres Vaters ist Hulda einer Frau im Scheunenviertel bei der Geburt behilflich. Nach einigen Tagen verschwindet das Kind jedoch und niemand außer der Mutter scheint es zu vermissen. Hulda will das nicht auf sich beruhen lassen und fängt an, nach dem Kind zu suchen. Und gerät dabei auch selbst in Gefahr.

    Dieser zweite Band der Reihe spielt in Berlin 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation. Geld wird in Taschen herumgetragen, nicht mehr in Portemonnaies, die Versorgungslage wird immer schlechter. Hulda wird immer wieder mit ihrer jüdischen Herkunft, der sie selbst keinerlei Bedeutung zumisst, konfrontiert. so gerät sie auch in das Pogrom, das im November 23 im scheunenviertel wütet.

    Ihre Beziehung zu Karl North ist schwierig, beide sind der Meinung nicht gut genug für den anderen zu sein, dazu kommt, dass Karl nur wenig von sich selbst preisgibt und Hulda sich von ihm gemaßregelt fühlt. Aber trotzdem halten die beiden aneinander fest und versuchen ihre Beziehung zu festigen. Hulda findet auch Halt in alten und neuen Freundschaften. Bert, der Zeitungverkäufer ist schon seit langem einer ihrer Anker, der ihr gelegentlich den Kopf wäscht und ihr die Welt erklärt. Neu ist die Freundschaft zu Jette, der Apothekerin. Hier findet sie eine gute Freundin, die mit ihr einige Träume teilt.

    Ich habe das Buch wieder verschlungen, es ließ sich einfach toll lesen. Und auch wenn es manchmal thematisch schwer auszuhalten war, habe ich mich mit diesem Buch wieder wohl gefühlt. Man hat immer das Gefühl direkt dabei zu sein und Hulda über die Schulter zu schauen. Huldas Entwicklung fand ich spannend und die Leseprobe zu Band 3 deutet an, wie es mit ihr weiter gehen wird. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich hoffe sehr, dass wir Hulda noch einige Jahre lang begleiten können.

    Von mir eine absolute Leseempfehlung für diese wunderbare Fortsetzung.