flüchtig: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'flüchtig: Roman' von Achleitner, Hubert
3.8
3.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "flüchtig: Roman"

Maria ist verschwunden. Seit Monaten hat Herwig, mit dem sie seit fast dreißig Jahren verheiratet ist, nichts von ihr gehört. Dass sie ihren Job gekündigt und seinen Volvo mitgenommen hat, lässt zumindest hoffen, dass sie noch am Leben ist. Doch was ist passiert, mit ihrer Ehe, ihrer Liebe, ihrem gemeinsamen Leben? Hubert Achleitner schickt seine Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise, die sie von den österreichischen Bergen quer durch Europa bis nach Griechenland führt. Und die für beide doch in erster Linie eine hochemotionale Reise in ihr Inneres bedeutet. Ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück … „Flüchtig wie die angezupften Töne der Bouzouki waren die Begegnungen mit diesen Menschen. Dennoch hinterließ jeder von ihnen eine Melodie in meinem Herzen, die weiterschwingt.“

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
Verlag:
EAN:9783552059726

Rezensionen zu "flüchtig: Roman"

  1. Wenig innovativ

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 17. Aug 2020 

    Dieses Buch fängt vielversprechend an. In einem sehr schönen Erzählstil, mit Humor und Raffinesse, erfährt man von Maria, die mit Mitte 50 ihr gesichertes Leben hinter sich gelassen hat und obendrein noch verschwunden ist. Man freut sich auf Originelles und Rätselhaftes und muss dann direkt im zweiten Kapitel die Vollbremsung einlegen. Da wird weit ausgeholt, Familie, Jugend, Eltern, Umfeld eines jeden Protagonisten, ob wichtig oder nicht, wird gründlich beleuchtet, bis man so gegen Seite 80 den Faden wiederfindet.

    Der Autor ergeht sich in ausführlichen Betrachtungen der Welt der 70er Jahre und hat sicherlich recht, genau so war es, aber wer möchte das wissen? Wer alt genug ist, dabei gewesen zu sein, der weiß es schon und wer jünger ist, den interessiert es nicht sehr und der hat auch wenig Lust zu googeln, wer Leonhard Coen wohl sein mag.
    Dann kommt Herwig daher, Lehrer, 60, sieht aber keinen Tag älter aus als 50, trägt die berühmten abgewetzten Cordhosen, die man einst so trug als Intellektueller, die alle kennen, die sie miterlebt haben, die aber seit 30 Jahren im Straßenbild nicht mehr auftauchen. Der Eindruck drängt sich auf, hier ist ein Autor doch sehr im vergangenen Jahrhundert verhaftet, auch wenn seine Protagonisten Smartphones bedienen.

    Ist das durchstanden, geht Maria endlich auf ihren Selbstfindungstrip und, man staunt, stolpert prompt über ein Hippiefestival. Ich möchte nicht behaupten, dass es die heute nicht mehr gibt, das mag sein, aber sie sind nachweislich rar. Fast möchte man Maria um ihr Glück beneiden, würde es sie in irgendeiner Form weiterbringen. Leider sieht sie es wohl eher touristisch. Haben wir das auch erlebt, abgehakt, Foto, weiter.

    Was eine Reise zu sich selbst sein sollte, wird hier zur Farce. Weitgehend unreflektiert hakt Maria alle Stationen ab, die gemeinhin zur Selbstfindung dienen, erlebt sie aber nicht. Stattdessen werden Lebensweisheiten zum Besten gegeben, hübsch formuliert, aber schon lange nicht mehr neu.

    Hier kann jemand schreiben, leider hat er nichts Besonderes zu erzählen.
    Im Verlauf des Buches schießt auch noch der eigentlich schöne Stil, immer öfter über das Ziel hinaus und wird blumig. „…der Segen des Mutterglücks verlieh ihr eine zeitlose Reife…. Sie war von exotischer Anmut und hatte das Leuchten eines blühenden Kirschbaums.“

    Mit diesem Buch liefert der Autor recht passabel seine Gedanken zum Thema Älterwerden, nur sind die weder neu noch innovativ. Es wird vermutlich sein Publikum finden, ich fand es eher altbacken und klischeehaft.

  1. Ein faszinierendes Debüt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Jul 2020 

    MEINE MEINUNG
    Mit seinem Roman „flüchtig“ hat der der Österreicher Hubert Achleitner ein faszinierendes und tiefgründiges Debüt vorgelegt, das mich den berührenden und nachdenklich stimmenden Momenten aber auch seinem frischen Erzählstil sehr begeistern konnte. Hubert Achleitner ist den meisten eher als kreativer Musiker und Künstler Hubert von Goisern bekannt, hat einst den sogenannten „Alpenrock“ salonfähig gemacht erfunden und erfreut sich immer noch einer großen Fangemeinde im deutschsprachigen Raum.
    Der Autor nimmt uns in seiner beschwingten, mitreißenden und wundervoll warmherzig erzählten Geschichte mit auf einen ereignisreichen und abenteuerlichen Roadtrip, der die Figuren von den österreichischen Bergen über etliche Zwischenstopps wie einem friedvollen Hippiecamp in den Alpen bis nach Nordgriechenland führen wird.
    Die fesselnde Geschichte um die 55-jährige Hauptfigur Maria, die ihrem eingefahren Leben entflieht und von heute auf morgen in den Süden flüchtet, lässt Achleitner weitgehend von der Nebenfigur Lisa, einer Reisebekanntschaft und späteren Freundin Marias, rückblickend aber keineswegs chronologisch erzählen. Zudem streut er aber auch immer wieder weiterführende Passagen aus Sicht eines allwissenden Erzählers ein. So erfahren wir über Zufallsbekanntschaften und bedeutsame Begebenheiten während ihrer gemeinsamen Reise, lernen in verschiedenen Episoden Marias Ehemann Herwig und Auszüge aus ihren bewegenden Lebensgeschichten aber auch eine ganze Menge interessante, mal mehr und mal weniger wichtige Nebenfiguren kennen. Nach und nach erhalten wir immer mehr Einblicke in die Gründe für Marias plötzliche Flucht aus ihrer unglücklichen, festgefahrenen Ehe und einem unerfüllten Leben. Ihre Reise wird zu ihrer persönlichen Suche nach dem Sinn des Lebens, einem emotionalen Trip in ihr Seelenleben, und lässt sie schließlich sich selbst finden.
    Überhaupt scheinen sich in dieser berührenden Geschichte viele Figuren auf einer Art Flucht zu befinden – vor dem derzeitigen Leben, vor schmerzvollen Erfahrungen, vor Verantwortung, vor sich selbst. Alle sind sie auf der Suche nach ein bisschen Glück, Freiheit, Liebe und Anerkennung, angetrieben von hoffnungsvollen Träumen nach einem anderen, besseren, erfüllteren Leben. Immer wieder greift der Autor den Begriff „flüchtig“ als eine Art Leitmotiv in der Geschichte auf und zeigt spielerisch seine unterschiedlichen Bedeutungen auf.
    Die vielschichtige und sehr liebevolle Charakterisierung der interessanten, teilweise recht eigenwilligen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten ist dem Autor hervorragend gelungen. Sehr gut konnte ich mich in ihr Innenleben hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen. Schade ist nur, dass sich die Geschichte durch die Vielzahl an eingeführten Charakteren fast ein wenig von der Hauptfigur Maria abzuwenden scheint.
    Achleitner versteht es, besondere Stimmungen sehr feinfühlig einzufangen und immer wieder eine unnachahmliche Atmosphäre heraufzubeschwören. Insbesondere die Naturgewalten ziehen sich als roter Faden durch die Handlung und scheinen bisweilen, die Geschicke der Charaktere zu leiten. Und natürlich spielt auch die die Musik eine wichtige Rolle in diesem Roman. Die vielen musikalischen Verweise und die vielen eingestreuten Musiktitel, die als eine Art Playlist die Handlung durchziehen, sind sehr schön in die Geschichte eingewoben und verleihen dem Roman das gewisse Etwas.
    FAZIT
    Ein faszinierendes, sehr gelungenes Debüt mit einer bewegenden, tiefgründigen Geschichte über die Liebe, Sehnsucht, die Suche nach Glück und einem erfüllten Leben. Lesenswert!

  1. Ich breche eine Lanze für den leisen Roman!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Jun 2020 

    Kurzmeinung: Sehr zärtlich und österreichisch. Love it!

    Hubert Achleitner ist meist unter seinem Pseudonym Hubert von Goisern unterwegs. Er ist Musiker, aber eigentlich ein Allroundkünstler. Nun hat er ein Buch geschrieben. Und dieses Buch ist gut.

    Die Handlung ist zwar einfach. Maria, fünfundfünzig, leitende Bankangestellte, ist mit Wig verheiratet, einem tollen, kiffenden Lehrer. Pscht, das darf keiner wissen, sonst fliegt er. Eines Tages, aus Gründen, leert sie das gemeinsame Bankkonto, wirft ihrem Chef die Kündigung vor die Füße und verschwindet. Wortlos. Spurlos.

    „flüchtig“ ist ein leises Buch. Ein Buch, das mit Zärtlichkeit geschrieben ist und mit solcher gelesen gehört. Es passiert nicht allzuviel, wenngleich der Leser sowohl aus dem Leben wie auch die Handlungsmotive einiger Menschen erfährt. Manches wird ausgeleuchtet, manches nur angerissen.

    „flüchtig“ ist eine Alltagsgeschichte. Eine, die Widerhall findet im Herzen derer, die auch gern mal alles hinschmeißen wollen. Und es ist eine Geschichte für Langverheiratete oder Langverpaarte, die wissen, dass der Alltag einfach sein muss, aber seine monotonen Tücken hat. Wie das Leben selber halt.

    Was an „flüchtig“ bezaubert, ist sein Stil und seine Klugheit. Wie gut, dass das Lektorat nicht alle sprachlichen Österreichereien herausgestrichen hat, das macht den Roman authentisch und eigen Es ist sicher ein Roman, der heimatverbunden ist, obwohl er nach Griechenland reist.

    „Eintausend Jahre waren für die fünfundzwanzige Lisa nur unwesentlich weniger entfernt als der Urknall“. Für solche Sätze liebt die geneigte Leserin den Roman.

    Fazit: Eine Alltagsgeschichte oder eine Ausbruchsgeschichte, so charmant geschrieben, in einfühlsamen Sprachbildern und treffenden Lebensbeobachtungen und Lebensbemerkungen, leise, mit unspektakulärem Ende, was dann aber doch passt.
    (Phrasen, Floskeln: keine. Es geht völlig ohne jeden Luftschnapper!).

    Kategorie: Belletristik
    Verlag: Paul Zsolnay, 2020

  1. Ein Glas voll Murmeln

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 28. Jun 2020 

    Maria und Herwig, seit mehr als dreißig Jahren sind sie verheiratet. Sie hat einen guten Job bei der Bank und hält sich mit Sport fit. Er ist Lehrer, progressiv, Musikliebhaber, raucht heimlich den einen oder anderen Joint und ist verliebt in eine junge Kollegin Nora. Doch eines Tages kündigt Maria ihren Job, nimmt ihre Ersparnisse, das Auto und verlässt Herwig. Ohne Worte des Abschieds und ohne Hinweise auf ihren Verbleib.
    Hubert Achleitner schreibt in „flüchtig“ über die Löslichkeit langjähriger Beziehungen. Besser bekannt ist der Autor als Hubert von Goisern, stilübergreifender Musiker und großartiger Liedermacher. Seine musikalische Affinität spiegelt sich in seinem Debütroman wieder. „Heast as net“ war einer seiner größten Erfolge, wo ganz wenige Worten ganz große Stimmung erzeugen. Mit diesem Buch ging es mir ganz anders. Die Protagonistin ist Mitte fünfzig, steht am Wendepunkt ihres Lebens, trifft die Entscheidung für einen Neuanfang. Diese Frau könnte mir so nahestehen, doch ich konnte nicht hören, was sie zu sagen hatte.
    Eva Maria Magdalena, wie die Protagonistin mit vollem Namen heißt - diese religiöse Dreifaltigkeit des Namens ist nicht zufällig - macht sich auf die Suche. Weg aus dem Alltag, der belanglosen Gewohnheit, weg von einem Mann, der einer anderen seine Liebe gesteht. Ihre Reise führt sie bis nach Griechenland, wo sie Ioannis kennenlernt, letztlich wieder bei einem Mann landet.
    „…inzwischen habe ich die Wohnung schon zweimal aufgeräumt, gekehrt, gewischt, die Terrasse und die Fenster geputzt, die ganze Wäsche gewaschen, gebügelt…Ich habe alles repariert, was kaputt war…..und alles entsorgt, was sich nicht mehr reparieren ließ. Aber Ordnung ist flüchtig. Ich muss mich also beeilen mit dem Schreiben, bevor sich von neuem Staub über die Dinge legt und sie nach mir zu rufen beginnen.“
    Es ist nicht nur Maria, die sich in diesem Roman auf die Suche macht. Da sind Nora, die Tramperin Lisa (die auch einleitende als Ich-Erzählerin fungiert, bis der Autor später zu einer neutralen Erzählform wechselt), der Grieche Ioannis mit seinem Großvater, der Mönch, Hereigs Vater. Und natürlich Herwig, der in meinen Augen das Abziehbild eines „man after midlife“ schlechthin ist.
    Die Personen, die direkt oder indirekt Marias Weg kreuzen, sind alle von etwas getrieben, haben Wünsche und Sehnsüchte. Haben ihre eigene Geschichte und hier gerät Hubert Achleitner beim Erzählen sehr gerne vom Hundertsten ins Tausende. Er ergeht sich in geschichtliche, religiöse, mystische, musikalische Betrachtungen. Vom zweiten Weltkrieg, verschollenen Großvätern, griechischem Widerstand, dem Schicksal sudetendeutscher Flüchtlinge. Von einer Geburt in einer Gondel bei Talfahrt und dem Berg Athos als Ende einer Reise. Von samischen Klängen über Leonard Cohen, André Heller bis zu Mikis Theodorakis. Und immer wieder Glaube, göttlicher Ruf und Berufung.
    Ein Wunsch und eine Sehnsucht war es lange Zeit für den Musiker auch einen Roman zu verfassen. Diesen Wunsch hat sich Hubert Achleitner mit dem Roman „flüchtig“, erfüllen können. Musikalisch ist Hubert von Goisern einer, der innovativ Grenzen überschreitet. Hubert Achleitner hat auch literarisch sehr viele gute Ideen. Doch wenn gute Ideen wie Murmeln sind in einem Glas, das umfällt: Sie rollen in alle Richtungen davon und lassen sich nur mühsam wieder aufklauben.

  1. Verschwunden

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jun 2020 

    Was ich bis jetzt nicht wusste - bei dem Autor handelt es sich um Hubert von Goisern. Das macht für mich das Buch noch einmal mehr zu etwas besonderem und ich muss sagen, ich bin insbesondere auf Grund des emotionalen Tiefgangs sehr überrascht.

    Wo ist Maria? Job gekündigt und Auto weg - das würde zumindest darauf hindeuten, dass sie am Leben ist und einen Plan hat. Dennoch hat sie ohne ein Wort ihren Ehemann zurück gelassen. Warum? Was ist passiert?
    Kann ihr Mann die Freiheit nutzen?
    Monate später bekommt er einen Brief von Maria, in dem sie versucht zu erklären und erzählt, was passiert ist.
    Man verfolgt die Reise bis nach Griechenland und wird auf ein kleines Abenteuer mit emotionalem Tiefgang mitgenommen.

    Der Schreibstil ist der Wahnsinn - die Sätze haben so einen Tiefgang, und die Charakterisierung der Protagonisten ist absolut gelungen. Selten bekommt man so rundum vollendete Charaktere in einem Roman.

    Von mir gibt es eine absolute Empfehlung.