Feministin sagt man nicht

Buchseite und Rezensionen zu 'Feministin sagt man nicht' von Hanna Herbst
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Chanel schickt Models mit feministischen Sprüchen über den Laufsteg, Popstars besingen das F-Wort, #metoo brach das Schweigen über sexuelle Gewalt in der Kunst-, Kultur- und Medienbranche auf. Was heißt es derzeit, eine junge Frau zu sein? Wie wird man Feministin? Welche Vorbilder prägen? Welchen Sex hat man?

Temporeich, mutig und zugänglich erzählt Hanna Herbst, was ihr Leben geprägt hat. Dabei genügt es ihr nicht, ihre Erfahrungen mit Sexismus zu teilen: Vielschichtig zeigt sie, dass ein Frauenleben auch heute noch nur in einem Kontext aus Macht- und Gewaltfragen zu verstehen ist. Sie zeichnet die Verbindungslinien zwischen alltäglichem Erleben von Belästigung, globalen Machtverhältnissen und strukturellen Ungleichheiten nach und macht sie so sicht- und nachvollziehbar. Dann ist es möglich, sich eine Welt vorzustellen, in der zuallererst nicht das Geschlecht, sondern der Mensch zählt.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:176
EAN:9783710601941

Rezensionen zu "Feministin sagt man nicht"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Nov 2018 

    Feministin sagt man doch!

    „Feministin sagt man nicht!“ Es gibt Schlagworte, die so inflationär gebraucht werden, dass man sie schon gar nicht mehr hören mag. Gehört Feminismus hier auch dazu? Sind wir denn überhaupt in der Situation, sich auf den Errungenschaften starker und mutiger Frauen ausruhen zu dürfen? Oder müssen wir im Gegenteil nicht immer und immer wieder darauf aufmerksam machen, dass „der Drops mit der Gleichberechtigung noch immer nicht gelutscht“ ist.

    Hanna Herbst widmet sich dem Thema Feminismus auf sattsam bekannte ehrliche und schonungslose Weise. Nicht nur ihre eigene Erfahrungen schildert sie auf offene Art und Weise, sie untermauert ihre Ausführungen mit Beispielen, warum es heute so toll (Achtung Sarkasmus!) ist eine Frau zu sein und mit Zahlen, die Bände sprechen.

    Herbst fragt, wie den eigenen Platz im Leben finden, wenn Gesetze, Unterricht, Literatur, Kultur in der Mehrzahl von Männern bestimmt werden. Sie thematisiert das System des Patriarchats, das nicht nur von „den Männern“ getragen wird, sondern immer noch von allen. „Das Patriarchat, das sind wir alle!“

    Hanna Herbst schreibt über Hass, Macht und Gewalt gegenüber Frauen, natürlich kommt sie um die metoo Debatte nicht herum. Frauen wollen und müssen gehört werden, möchten nicht mehr nur mitgemeint werden, Sprache die (passive) Realität schafft muss überdacht werden. Sie bekrittelt die Diskrepanz von Pornografie zur Realität und dem falschen Bild, das vor allem bei sexuell unerfahrenen Jugendlichen dadurch geschaffen wird. Zu guter Letzt widmet sie sich dem „Schlachtfeld Körper“.

    Themen, die wir alle schon mal gehört haben, die man aber nicht oft genug wieder und wieder aus der Normalität herauslösen muss, damit sich wieder etwas beweget. Und wenn es gesellschaftliche, politische, religiöse Krisen geben kann, die geeignet sind die Errungenschaften unserer Vorkämpferinnen zunichte zu machen, dann braucht es die Macht der Solidarität, denn: Feministin sagt man doch!