Fastenopfer

Buchseite und Rezensionen zu 'Fastenopfer' von Anton Leiss-Huber
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

In Altötting wird die österliche Fastenzeit noch ernstgenommen - zumindest von den Geistlichen. Der Rest der Gemeinde gibt sich der gemütlichen Völlerei hin. Dass Rainer Schutt-Novotny für das Brechen des Fastengebots gleich mit dem Leben zahlen muss, hätte allerdings niemand geglaubt. Der Verwalter des »Tilly-Benefiziums« liegt tot in der Kapelladministration. Kommissar Max Kramer ist gefragt, und während er versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, lässt er sich von der attraktiven Staatsanwältin ablenken. Derweil kommt seine Jugendliebe Maria Evita auf eine ganz eigene Spur

Format:Taschenbuch
Seiten:240
EAN:9783548288314

Rezensionen zu "Fastenopfer"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Feb 2017 

    Fastenzeit in Altötting und ein toter Verwalter

    "Fasten betrifft den ganzen Menschen, jede einzelne seiner Körperzellen, seine Seele und seinen Geist." ( Dr.Hellmut Lützner)
    Es ist Fastenzeit in Altötting und auch Monsignore Hirlinger muss dieses Gebot erdulden, den Haushälterin Schosi kocht nur noch Low Carb Gerichte für ihn. Gleichzeitig demonstrieren der Frauenverband, während derweil Kommissar Max Kramer verkatert in seinem Bett aufwacht und neben ihm die Staatsanwältin liegt." Zefix, war ich letzte Nacht, bei der Feier so betrunken, dass ich mich daran nicht mehr erinnere." denkt Max. Auch das noch ausgerechnet die Staatsanwältin, doch da wird er schon zu seinem nächsten Fall gerufen. Der Verwalter von Tilly Benefiziums ist tot aufgefunden worden. Das Team von Max Kramer ermittelt und so suche sie nicht nur einen Mörder, sondern auch noch Nepomuk, ein Bekannter des Toten. Behilflich ist ihm sein ständig unterzuckerter Kollege Fritz Fäustl und die Novizin Maria Evita, die gleichzeitig seine Exfreundin ist.

    Meine Meinung:
    Nachdem ich den Autor vorher nicht gekannt hatte, ließ ich mich einfach mal überraschen, wie dieser Regionalkrimi sein wird. Schon auf den ersten Seiten habe ich mich köstlich amüsiert. Nicht nur der Monsignore und seine Haushälterin, nein auch die Ermittler sind einfach herrlich. In ihrem teils bayrischen Dialekt und ihren Eigenheiten begleiten sie die Geschehnisse in diesem Krimi. Wunderbar vor allem fand ich den Dialog zwischen Kramer und Fäustl, wenn er mal wieder unterzuckert und launisch war und ihm Kramer rät sich Traubenzucker in der Apotheke zu besorgen. Aber auch beim Liebesverhältnis zur Staatsanwältin bekommt er Konkurrenz und so gibt es nicht nur einen Fall zu klären. Krimi, bayrische Kultur und Humor begleiten uns durch diesen seichten, leicht zu lesenden Kriminalfall und lässt die Seiten nur so fliegen. Das Cover ist nicht spektakulär, passt aber mit dem Motiv sehr gut zum Inhalt. Am Anfang der Kapitel steht immer ein Bibelvers aus dem Lukasevangelium. Ich kann diesen nur an alle Krimifans weiterempfehlen und vergebe 5 von 5 Sterne. Dies war sicher nicht mein letzter Krimi des Autors.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Jan 2017 

    Von Frommen und Scheinheiligen

    Als der Verwalter des Tilly – Benefiziums erstochen im Büro der Stiftung liegt, wälzt sich Kommissar Kramer grade mit einem Mordskater aus seinem Bett. Der Kehraus war dieses Jahr besonders hart und wie ausgerechnet die Staatsanwältin, an deren Vornamen er sich nicht mehr erinnert, in sein Schlafzimmer kam, liegt im Dunkeln. Aber es hilft nichts, die Arbeit ruft.

    Vielleicht liegt es an der Fastenzeit und den Einschränkungen, die damit einhergehen, Max Kramer und sein Kollege stochern im Nebel und finden nur wenige Anhaltspunkte und noch weniger Zusammenhänge. Manche Spur weiß der Leser schneller zu deuten, als die Polizei. Gut dass Novizin Schwester Maria-Evita ihrer Jugendliebe Max mit Sachverstand unter die Arme greift.

    Beim Regionalkrimi besteht oft die Gefahr, dass der Humor zum schenkelklopfenden Witz gerät. Gott sei Dank – in den Altötting Krimis von Anton Leiss-Huber passiert das nicht. Der Humor ist manchmal zwar etwas derb, aber er passt gekonnt zum Krimi. Max Kramer und seine Mitstreiter sind sympathisch und menschlich gezeichnet, man kann sich gleich richtig ein Bild von ihnen machen. Der Sprachstil ist witzig und flüssig, dazu ein dezent bayerischer Zungenschlag, der überhaupt nicht aufgesetzt wirkt, das macht den Krimi zu einem echten Lesevergnügen. Auch die Krimihandlung kommt nicht zu kurz, Motive und Hintergründe enträtseln sich zum Ende sehr schlüssig. Wenn man dann im Internet etwas nachliest, wird man schnell merken woher der Autor die Inspiration für diesen gelungen Krimi gefunden hat.

    Übrigens – das Tilly Benefizium gab es wirklich und wurde erst vor wenigen Jahren abgeschafft. Ein Beweis dafür, dass bei den Katholiken die Ewigkeit inzwischen auch nur noch knapp 400 Jahre dauert.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jan 2017 

    Kirche, Kunst und Kommissar

    Für Max Kramer, Kommissar im beschaulichen Altötting, beginnt die Fastenzeit mit einem saumäßigen Kater, den er sich bei der Polizei-Blaulicht-Party am Faschingsdienstag eingehandelt hat. Noch schlimmer trifft ihn aber die Erkenntnis, dass bei ihm im Bett die rassige Staatsanwältin liegt, er sich aber an absolut nichts erinnern kann. Und dann wird er auch noch zu einer Leiche gerufen. Der Verwalter des Tilly-Benefiziums wurde erstochen in seinem Büro aufgefunden.
    Kramer und seine Kollegen tappen ziemlich lange im Dunkeln. Dabei kommt Max Kramer immer wieder auch die Staatsanwältin in die Quere, deren Avancen ihm aber gar nicht so recht sind, da sein Herz immer noch für seine Jugendliebe Maria Evita schlägt. Dummerweise ist diese aber Novizin im ortsansässigen Kloster. Allerdings gibt sie eine sehr patente und sympathische Figur ab, da sie die klösterlichen Regeln ganz pragmatisch auszulegen weiß. Auch ist sie diejenige, die Kramer einen entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falls geben kann.
    Der Krimi liest sich witzig und unterhaltsam und zeichnet sich, wie häufig bei Regionalkrimis, nicht gerade durch Spannung auf Thriller-Niveau aus. Neben den privaten Verwicklungen der Ermittler kommen auch zutiefst menschliche Probleme und Problemchen zur Sprache. So wird z.B. der Pfarrer von seiner Haushälterin auf eine Low-Carb-Diät gesetzt, der er sich nur durch diverse Tricks entziehen kann. Stellenweise sind die Figuren etwas karikaturhaft überzeichnet, wie z.B. die Haushälterin oder die Mitglieder des örtlichen Frauenbundes. Auch kann der am Ende präsentierte Täter nicht ganz überzeugen.
    Dennoch wird man gut sich gut amüsieren und hofft auf eine Fortsetzung mit Max Kramer und Maria Evita.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Jan 2017 

    Maria Evita

    Der Verwalter des Tilly Benefiziums von Altötting wird ermordet aufgefunden. Damit hatte in der vorösterlichen Fastenzeit wohl niemand gerechnet. Und der Oberkommissar Max Kramer hat nicht damit gerechnet, dass er am Aschermittwoch nach einem feuchtfröhlichen Ausklang des Karnevals neben der Staatsanwältin aufwacht. Doch neben wem soll man auch aufwachen, wenn die Jugendfreundin Maria Evita als Novizin im Kloster gelandet ist. Sie wenigstens steht dem Pfarrer bei, in seinem Widerstand gegen die Low-Carb Diät Pläne seiner resoluten Haushälterin. Die Ermittlungen in dem Mordfall verlaufen zunächst schleppend, da sich kein wirkliches Motiv abzeichnet. Allerdings scheinen es einige Leute mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen.

    In seinem zweiten Roman um Kommissar Kramer knüpft an eine Begebenheit an, über die sich tatsächlich Informationen im großen weiten Netz zu finden sind. So wurde dieses Benefizium wohl tatsächlich irgendwann abgeschafft, nachdem es über 350 Jahre Bestand hatte. Und so schlägt der Autor einen Bogen vom Verwalter dieses Benefiziums zu seinem Mörder. Kommissar Kramer, der erstmal die Folgen der Nacht überstehen muss, macht sich sogleich an die Befragung der Beteiligten und gerät dabei zufällig in eine Demonstration der örtlichen weiblichen Macht gegen die Auflösung des Benefiziums. Unter den Demonstrantinnen befindet sich auch die Schwiegermutter des Toten.

    Mit amüsanten, hin und wieder mit leichtem auch für unkundige Leser verständlichen Dialekt gefärbten Worten legt der Autor seine Geschichte dar. Die Befragten sind dabei verschwiegen, die Ermittler manchmal etwas trottelig. Doch nach und nach kommen die Beamten einigen Zusammenhängen auf die Spur, die sich zu einem schlüssigen Fall zusammenfügen. Ein besonderes Schmankerl bietet dabei die sehr unkonventionelle Novizin Maria-Evita, die zwar fest in ihrem Glauben ist, die aber doch gerne Punk hört und die strengen Fastenregeln auszulegen weiß, so dass auch mal eine ordentliche Mahlzeit oder ein Stückchen Schoki drin ist. Etwas überbordend umtriebig wirkt dagegen die Haushälterin Schosi, vor der der Pfarrer beinahe schon gerettet werden muss. Mit seinem urigen Team um Kommissar Kramer hat der Autor ein Konzept geschaffen, das bestens unterhält und nie Langeweile aufkommen lässt.